Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Das klappt richtig gut: Dank eines vollwertigen Zweitdisplays zeigt Motorola mit dem Razr 40 Ultra eindrucksvoll, wie praktisch Klapphandys sein können. Wo die Stärken und Schwächen liegen, zeigt der Test.
Das Motorola Razr V3 von 2003 gehört zweifelsohne zu den Legenden unter den Mobiltelefonen. Inspiriert von Kommunikatoren aus Star Trek war das V3 das erste Klapphandy von Motorola, auf das weitere Modelle folgten. Durch den Klappmechanismus konnten Handys platzsparend in der Hosentasche verschwinden. Schon damals gab es ein kleines Display auf der Rückseite sowie einen größeren Bildschirm innen samt Tastatur.
20 Jahre später präsentiert Motorola mit dem Razr 40 Ultra sein neuestes Flagship unter den faltbaren Geräten. Die Zeiten sind anders als in den frühen 00er-Jahren, Smartphones sind meistens riesengroß. Die neue Technologie flexibler Displays erlaubt es aber, das Konzept von Klapphandys wieder aufzugreifen. Einige Hersteller nutzen das, um aus einem Smartphone ein ausklappbares Tablet zu machen. Aber auch Falthandys mit Android erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Bei Motorola ist das Razr 40 Ultra bereits die dritte Generation leistungsstarker Android-Smartphones mit Klappmechanismus. Samsung blickt mit dem Galaxy Z Flip 4 auf vier Generationen zurück, das fünfte Modell steht schon in den Startlöchern.
Neu bei Motorola ist jedoch, dass es in diesem Jahr gleich zwei neue Klapphandys geben wird. Beim Razr 40 Ultra handelt es sich um den direkten Nachfolger des Razr von 2022. Es ist das aktuelle Top-Modell der faltbaren Geräte. Ein preiswerteres Razr 40 soll in den nächsten Wochen folgen.
Mit dem Razr 40 Ultra beweist Motorola Mut bei Farbe und Gestaltung. So bietet unser Testgerät eine Rückseite aus Kunstleder, die knallige Farbe „Viva Magenta“ von Pantone soll neue, insbesondere auch weibliche Käuferschichten erschließen. Das äußere Display ist so groß, wie wir es bisher noch bei keinem Klapphandy gesehen haben. Ob das Konzept überzeugt und welche Technik in dem Retro-Smartphone steckt, zeigen wir in unserem Test.
Rein optisch lässt es Motorola wirklich krachen beim Razr 40 Ultra. Das fängt bei der Farbe an. Neben dem knalligen Viva Magenta gibt es für zurückhaltende Naturen noch klassisches Schwarz („Infinite Black“) sowie ein eiskaltes Hellblau („Glacier Blue“). Für die Farbtöne zeigt sich Pantone verantwortlich.
Das Unternehmen ist bekannt für sein Farbsystem – das Pantone Matching System (PMS). Diese einheitliche Methode zur Identifizierung und Kommunikation von Farben ermöglicht es Designern und Druckereien, Farbtöne präzise und konsistent zu reproduzieren. Das Pantone-Farbsystem wird in verschiedenen Branchen wie Grafikdesign, Mode und Innenarchitektur verwendet. Jedes Jahr wählt Pantone eine „Farbe des Jahres“ aus, die Einfluss auf Design- und Modetrends hat. In diesem Jahr ist es „Viva Magenta“.
Doch allein mit bunten Farben ist es nicht getan. Unser Testgerät bietet eine Rückseite aus Kunstleder – oder „veganem“ Leder, wie es Motorola bezeichnet. Das Material ist griffig und wirkt sehr edel, eine willkommene Abwechslung zum Einheitsbrei aus Kunststoff, Metall oder Glas. Schon die Biopolymer-Rückseite beim Realme GT 2 Pro (Testbericht) konnte uns mit seiner Haptik und Andersartigkeit begeistern. Motorola setzt beim Razr 40 Ultra nochmals eins darauf. Eine schlechte Nachricht haben wir für alle, die Pink nicht so mögen: Die blaue und schwarze Variante kommt „nur“ mit Glas aus – auch wenn es sehr edel vollendet ist.
Zusammengeklappt passt das Razr 40 Ultra hervorragend in jede Hosentasche. Die Maße (88,4 × 74 Millimeter) entsprechen in etwa einem Päckchen Zigaretten. Es ist mit knapp 15 Millimetern gefaltet etwa so breit wie ein Finger. Größte Neuerung ist das große Außendisplay, das fast eine Hälfte des Geräts ausfüllt. Darin integriert sind die beiden Objektive der Hauptkamera. Die Diagonale des fast quadratischen Außenbildschirms beträgt 3,6 Zoll. Die andere Hälfte aus Kunstleder ziert das Motorola-Logo und der Razr-Schriftzug.
Ausgeklappt ist das Razr 40 Ultra ziemlich groß und ungewöhnlich länglich. Das Bildformat liegt bei 22:9, die Größe bei 170,8 × 74 Millimeter. Mit 7 Millimetern ist es zudem sehr dünn. Gegenüber dem Vorgänger ist es deutlich länger und einen halben Zentimeter schlanker. Man könnte fast meinen, ein Knäckebrot in der Hand zu halten. Mit 185 Gramm ist das Gerät im Verhältnis zur Größe ziemlich leicht.
Der Vorgang des Aufklappens fühlt sich etwas schwerfällig an. Hält man das erste Mal solch ein Gerät in der Hand, fällt zudem sicherlich die leichte Knickfalte in der Mitte des Displays auf. Diese kann man zwar kaum sehen, man spürt sie aber als Unebenheit, wenn man mit dem Finger drüberfährt. Technisch lässt sich das vermutlich derzeit nicht anders lösen. Die Verarbeitung ist sonst absolut hochwertig und verleiht dem Gerät mit Metallrahmen und Kunstleder-Rückseite einen edlen Charakter. Für unseren Geschmack könnten die Tasten für Lautstärke sowie der Ein-/Ausschalter, in dem sich der Fingerabdruck-Scanner befindet, einen etwas solideren Druckpunkt bieten – aber das ist in dem Fall Jammern auf hohem Niveau.
Der praktische Klappmechanismus bietet aber auch einen Nachteil. Anders als das Motorola Edge 40 Pro (Testbericht) ist das Razr 40 Ultra nicht wasserdicht. Es bietet lediglich Schutz vor Spritzwasser nach IP52. Zum Schutz legt Motorola eine transparente Schutzhülle aus zwei Teilen bei. Diese schiebt man jeweils von den beiden Enden übers Gerät. Das bietet zusätzlich Schutz, allerdings spürt man dann nicht mehr die tolle Oberfläche aus Kunstleder. Alles in allem ist das Motorola Razr 40 Ultra bisher der Hingucker unter den Smartphone-Neuheiten 2023.
Das faltbare Display bietet eine stolze Diagonale von 6,9 Zoll – damit überragt es sogar das Samsung Galaxy S23 Ultra (Testbericht) um ein Zehntel Zoll. Das Seitenverhältnis beträgt 22:9, das ist theoretisch ideal für Kinofilme. Bei den meisten Videoclips im 16:9-Format muss man dann aber mit Rändern links und rechts leben. Zoomt man in das Bild bei der Videowiedergabe ganz hinein, gehen hingegen große Bereiche unten und oben verloren.
Die Auflösung des POLED-Panels beträgt 2640 × 1080 Pixel. Mit einer Pixeldichte von 413 Pixel pro Zoll (ppi) sind einzelne Bildpunkte auf der Anzeige mit dem menschlichen Auge nicht mehr zu erkennen. Wirklich großartig ist die Bildwiederholfrequenz, die automatisch von 1 bis 165 Hertz regelt. Das sind schon Dimensionen von Gaming-Smartphones. Bei Spielen oder animierten Grafiken wirkt der Bildschirm so besonders geschmeidig. Die Bildqualität ist wirklich klasse, Kontraste sind ausgeprägt und Farben kraftvoll. Das Display unterstützt HDR10+ und bietet gute Blickwinkelstabilität.
Der Clou beim Motorola Razr 40 Ultra ist allerdings das Zweitdisplay mit einer Diagonale von 3,6 Zoll. Zum Vergleich: Der sekundäre Bildschirm beim Samsung Galaxy Z Flip 4 (Testbericht) bietet hingegen nur 1,9 Zoll. Der nahezu quadratische Außenbildschirm ist eine vollwertige Ergänzung, in vielen Fällen ein ausreichender Ersatz für das Haupt-Display. Es füllt die Hälfte der Rückseite aus, die beiden Kamera-Objektive sind jeweils in einer Punch-Hole-Notch eingelassen. Die Auflösung beträgt 1066 × 1056 Pixel (417 ppi), die Bildwiederholrate bei ebenfalls erstaunlich hohen 144 Hertz. Bekommt man etwa eine Nachricht, will man das Wetter oder Kalendereinträge checken oder sich einfach kurz via Google Maps orientieren, muss man nicht zwangsläufig das Razr 40 Ultra jedes Mal aufklappen.
Die Zweitanzeige bietet einen eigenen Desktop und sogar speziell für dieses Format optimierte Spiele. Es gibt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. So zeigt die Anzeige neben einer klassischen Uhr auch ein animiertes Cartoon-Maskottchen (wir vermuten eine Katze), das je nach Tageszeit verschiedene Aktivitäten betreibt (etwa Zähneputzen oder Mittagsschlaf). Einziges Versäumnis: Eine Always-on-Funktion gibt es beim Zweitdisplay leider nicht. Durch die Bauform bietet es sich an, für Gruppen-Selfies auf die Hauptkamera zurückzugreifen. Diese kann man etwa per Handgeste auslösen. Allerdings bleiben die Bereiche links und rechts nicht gut einsehbar auf dem Außendisplay.
Sehr beeindruckend ist zudem die Helligkeit der Anzeige. Das Haupt-Display ist selbst bei Sonnenschein trotz leichter Reflexionen gut ablesbar, Motorola spricht hier von bis zu 1400 Nits, die das Haupt-Display erreicht. Selbst der Zweit-Screen kommt auf hervorragende 1100 Nits.
Blickt man auf die Spezifikationen der Kamera, scheint Motorola zunächst einen Rückschritt zu gehen. Ungewöhnlich: Mit 12 Megapixel bietet die Hauptkamera die niedrigste Auflösung im Setup und liegt unter dem Vorgänger. Allerdings fassen Kamera mit 50 Megapixel und mehr meistens etwa vier Pixel zu einem zusammen, ergo bieten sie Aufnahmen mit 12 bis 12,5 Megapixel. In der Realität muss das also kein Indikator für Fotoqualität sein, wie schon andere Smartphones wie das Samsung Galaxy S21 FE (Testbericht) bewiesen haben. Das Weitwinkelobjektiv bietet 13 Megapixel, fast gigantisch dagegen wirken die 32 Megapixel der Selfie-Kamera.
Auf Pixel Binning verzichten Haupt- und Weitwinkelobjektiv. Bei guten Lichtverhältnissen gelingen gute und scharfe Aufnahmen. Der Dynamikumfang ist stimmig, was sich positiv bei wechselnden Lichtverhältnissen bemerkbar macht. Das Hauptobjektiv ist zusätzlich optisch stabilisiert (OIS). Bilddetails sind gut ausgeprägt. Beim Weitwinkelobjektiv wirken die Aufnahmen weniger detailliert und zudem blasser. Bei Dunkelheit lassen Details dann aber auch bei der Hauptkamera deutlich nach. Auf Augenhöhe mit anderen Flagships von Samsung & Co. ist die Kamera also nicht. In dieser Preisklasse vermissen wir grundsätzlich zudem ein Teleobjektiv, das haben aber längst nicht alle Falt-Smartphones.
Die Front-Kamera schießt gute Selfies. Noch besser gefällt uns allerdings das Ergebnis, wenn man die Hauptkamera dafür nutzt. Videos filmt das Razr maximal mit 4K bei 30 Frames pro Sekunde (fps). Aufnahmen sind scharf und wirken gut stabilisiert, bei Schwenks vermissen wir aber 4K/60.
Etwas verdutzt waren bei der Wahl des Prozessors. Hier kommt wie schon beim Motorola Razr von 2022 (Testbericht) erneut der Snapdragon 8 Plus Gen 1 zum Einsatz. Bei einem aktuellen und hochpreisigen Top-Smartphone hätten wir eigentlich den Snapdragon 8 Gen 2 erwartet. Was die Performance angeht, dürften die wenigsten den Unterschied im Alltag merken. Auch der 8 Plus Gen 1 bietet eine extrem starke Grafik-Performance und hohe Effizienz, was die starken Benchmarks bei PCmark mit 15.000 Punkten und 3Dmark Wild Life Extreme mit 2800 Punkten zeigen. Es bleibt aber trotzdem das Gefühl, dass hier Motorola am falschen Ende gespart hat.
Die Speicherkonfiguration aller Varianten beträgt 8 GByte RAM sowie 256 GByte interner Speicher (UFS 3.1). Eine Erweiterung mittels microSD-Card ist nicht möglich, bei so viel Speicher aber auch nicht zwingend nötig. Neben einer Nano-SIM bietet das Handy auch eine eSIM. Nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist der Datenstandard beim USB-C-Port. Dieser bietet nur das langsame USB 2.0. Für den Preis hätte man hier in jedem Fall USB 3.1 erwarten können. Umso flotter ist der WLAN-Standard mit Wifi 6E, 5G beherrscht das Klapphandy selbstredend auch.
Zur Ortung nutzt das GPS-Modul A-GPS, Glonass, Beidou sowie Galileo und ist laut GPS-Test mit knapp 3 Metern und vielen gefundenen Satelliten hinreichend genau. Die Telefonqualität ist tadellos, die Lautsprecher bieten zudem einen hellen und fülligen Klang. Flott und verlässlich arbeitet zudem der Fingerabdrucksensor. Eine Entsperrung per Gesichtserkennung ist möglich, allerdings kommt hier 2D-Technologie zum Einsatz, die gegen Täuschungen weniger verlässlich ist als die Kombination aus PIN und Fingerabdruck.
Das Razr 40 Ultra läuft mit Android 13, wie gewohnt hält sich Motorola mit größeren Anpassungen an der Bedienoberfläche zurück – man bekommt nahezu „Vanilla Android“ serviert. Garniert wird es mit den praktischen Moto-Gesten, etwa eine seitliche Hackbewegung, um die LED-Leuchte als Taschenlampe zu aktivieren oder das doppelte Umdrehen des Handgelenks, um die Kamera zu starten. Das funktioniert auch zusammengeklappt und ist äußerst praktisch im Alltag.
Der Sicherheits-Patch stammt aus Mai und ist somit aktuell genug. Beim Razr 40 Ultra bietet der Hersteller jetzt drei große Versions-Upgrades sowie vier Jahre Sicherheits-Patches. Das ist eine Verbesserung gegenüber früheren Modellen, kann aber nicht mit den vier Upgrades und fünf Jahren Support von Samsung mithalten.
Eine Schwachstelle bei Klapphandys ist der Akku. Bedingt durch das schlanke Gehäuse passen hier einfach nicht so starke/viele Zellen hinein. Beim Razr 40 Ultra beträgt die Kapazität immerhin 3800 mAh, leicht über dem Konkurrenten Flip 4 von Samsung.
In Kombination mit der hohen Effizienz der CPU erreicht das Smartphone bei automatischer Bildwiederholrate und einer Helligkeit von 200 Nits knapp unter 11 Stunden beim Battery Test von PCmark. Das ist ein ordentlicher Wert. Mindestens einen Tag sollte das Smartphone im Alltag locker durchhalten – was aber letzten Endes immer von der Nutzung abhängt. Verwendet man häufiger das Gerät zusammengefaltet übers Außendisplay, dürfte das den Akkuverbrauch etwas weniger als im ausgeklappten Zustand beanspruchen.
Das beigelegte Netzteil mit 30 Watt lädt das Razr 40 Ultra in knapp einer Stunde auf. Verglichen mit Samsung ist das gut. Das „normale“ Motorola Edge 40 Pro bietet aber die vierfache Ladeleitung. Kabellos lädt es per Qi mit etwa 5 Watt.
Günstig ist das Motorola Razr 40 Ultra wirklich nicht. Zum Marktstart liegt die UVP bei stolzen 1199 Euro. Das günstigste Angebot liegt mittlerweile bei 493 Euro.
Das Motorola Razr 40 Ultra zeigt eindrucksvoll, wohin die Zukunft des Smartphones als Klapphandy gehen könnte. Mit Farben und Materialwahl hebt es sich klar von der Konkurrenz ab. Das Außendisplay ist absolut alltagstauglich und macht das ständige Aufklappen überflüssig. Allerdings geht Motorola zu viele Kompromisse ein. Angesichts des hohen Preises wirken CPU und Kamera nicht ganz auf der Höhe der Zeit.
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