Ein klassisches China-Tablet mit ein paar Überraschungen: Das N-One Npad Pro überzeugt mit LTE-Konnektivität, einem großen Display und viel Speicherplatz. Welche Abstriche man machen muss, zeigt der Test.
China-Tablets genießen nicht den besten Ruf. In der Vergangenheit fielen diese Geräte als Internet-Sensationen mit übertriebenen Hardware-Angaben und unrealistischen Produktfotos auf. Doch heute haben viele Hersteller und Verkäufer erkannt, dass nur wenige Kunden sich täuschen lassen. Sie setzen stattdessen auf ein seriöseres Auftreten und hochwertige Produkte. Das haben wir schon beim vor ein paar Wochen getesteten Alldocube iPlay 50 (Testbericht) bemerkt – dieses Gerät aus Fernost konnte mit solider Hardware für einen sehr niedrigen Preis überzeugen.
Dieses Mal liegt das Npad Pro von N-One auf unserem Schreibtisch. Das Gerät kommt von einem Hersteller, der für westliche Kunden in Deutschland und Europa wenig bekannt ist. Verkauft wird das Gerät überwiegend in China-Online-Shops wie Banggood, dort verlangt der Hersteller für das Tablet mit dem Code BGRAPNNNPP derzeit rund 110 Euro. Das Angebot gilt bis zum 31. Mai 2024.
Geboten wird einiges: So verbaut der Hersteller ein großes 10,4-Zoll-Display mit einer 2K-Auflösung und ermöglicht dank SIM-Karten-Slot Telefonate mit dem Tablet zu führen und von unterwegs auf das Internet zuzugreifen. Ebenso auf den ersten Blick sichtbar sind allerdings auch die Schwächen des Tablets. Die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig, auch an anderen Stellen gibt es Mängel. Getestet haben wir das Gerät im September 2023.
Wem das Npad Pro nicht zusagt, findet in unserer Top 10: Die besten Tablets bis 250 Euro – Samsung an der Spitze andere preisgünstige Tablets; viele von ihnen bieten ähnlich viel wie das Npad Pro. Eine weitere Möglichkeit sind das günstige Alldocube iPlay 50 (Testbericht) sowie dessen kleiner Bruder Alldocube iPlay 50 Mini (Testbericht).
Bei der Entwicklung des Npad Pro muss sich N-One wohl gedacht haben, dass man mit einer schlichten, grauen Rückseite nicht viel falsch machen kann. Deswegen unterscheidet sich das Tablet vom Aussehen her wenig vom zuvor angesprochenen Alldocube iPlay 50 – die Rückseite besteht aus grauem, mattem Aluminium. Das N-One-Logo ist weiß und relativ groß und prominent auf der Rückseite platziert, direkt darunter befindet sich ein Sticker mit der Modellbezeichnung.
Ebenfalls auf der Rückseite stehen Symbole für die einzelnen Tasten sowie den SIM- und SD-Karten-Slot; diese befinden sich neben den entsprechenden Tasten oder Slots. Die Kamera auf der Rückseite steht etwas von der Rückseite ab und ist von einem glänzenden Ring umgeben. Auf der Oberseite befindet sich außerdem ein Plastikelement, hinter dem sich wahrscheinlich die Mobilfunkantennen befinden. Es ist farblich passend zur Rückseite lackiert.
Die Front birgt wenige Überraschungen: Sie wird größtenteils vom 10,36 Zoll großen IPS-Display eingenommen. Das Display ist an den Ecken abgerundet, die Displayränder sind nicht allzu dick, aber deutlich dicker als auf dem Werbematerial ersichtlich – dort wurde eindeutig per Bildbearbeitung nachgeholfen. Die Frontkamera befindet sich auf der Längsseite oben.
Die Tastenanordnung an den Kanten ist recht gewöhnungsbedürftig: Power- und Lautstärketasten sowie ein kleines Loch für die Reset-Taste befinden sich auf der linken Seite oberhalb des USB-C-Ports. Vier Lautsprecher im Gerät sind gleichmäßig auf die Ober- und Unterseite verteilt, zusätzlich befindet sich oben das Schubfach für die SIM- und SD-Karten. Mit seinen 450 Gramm ist das Tablet keineswegs ein Leichtgewicht und kommt an das Gewicht eines ähnlich großen iPad Pro mit 11-Zoll-Display heran. Die Maße betragen 244 × 154 × 7,5 Millimeter.
Bemängeln müssen wir das Design nicht, dafür aber die Verarbeitung des Geräts – es fühlt sich an vielen Stellen minderwertig an. Die Lautsprecher- und Power-Tasten wackeln, die Kanten sind unter anderem am USB-C-Port recht scharf und das Display spiegelt ziemlich stark. Hier sollte N-One bei eventuellen zukünftigen Produkten nachbessern.
Im N-One Npad Pro kommt ein 10,36 Zoll großes Display mit IPS-Technologie zum Einsatz. Das bedeutet, dass – anders als bei OLED-Bildschirmen – Pixel aufgrund einer stets aktiven Hintergrundbeleuchtung nicht einzeln ausgeschaltet werden können. Das führt zu schwächeren Schwarzwerten, ist in dieser Preisklasse aber absolut tolerierbar.
Die Auflösung des Displays beträgt 2000 × 1200 Pixel – der Hersteller nutzt das, um groß mit einer 2K-Auflösung zu werben. Auf die Displaygröße heruntergerechnet ergibt das allerdings eine eher als „ausreichend“ zu bezeichnende Pixeldichte von 225 PPI (Pixel pro Zoll). Die Farben, die das Display darstellt, sind okay und erfreulicherweise nicht zu blass. Die Helligkeit beträgt gemessene 460 cd/m² und ist damit ausreichend hoch, damit das Display auch bei Sonnenschein noch relativ ablesbar bleibt. Dass ein Helligkeitssensor vorhanden ist, freut uns.
Womit nicht groß geworben wird, ist die tatsächlich vorhandene Zertifizierung für Widevine L1. Laut der App „DRM Info“ ist diese beim Npad Pro erfreulicherweise vorhanden, wodurch sich Inhalte der meisten Streaming-Dienste ohne Probleme auch in HD abspielen lassen sollten. Eine Ausnahme stellt Netflix dar – in der App wird dort nur Widevine L3 angezeigt und das Abspielen von Inhalten ist nur mit 480p in SD-Qualität möglich. Vermutlich greift Netflix hier mittlerweile auch auf eine eigene Zertifizierung der Geräte zurück. Das ist schade, wer aber auf Netflix verzichten kann, wird Inhalte beispielsweise auf Youtube und Amazon Prime ohne Probleme in HD-Qualität abspielen können.
Machen wir uns nichts vor: Die im N-One Npad Pro verbaute Hauptkamera mit einer Auflösung von 13 Megapixel ist wenig brauchbar. Die entstehenden Aufnahmen sind überwiegend viel zu dunkel oder stellenweise viel zu hell – insbesondere bei direkter Lichteinstrahlung und bei sichtbarem Himmel bei Tagesaufnahmen. Ist schon geringfügig weniger Licht vorhanden, verrauschen die Aufnahmen sofort. Sie sind unscharf und die Farben ausgewaschen. Die verbaute Kamera-Hardware eignet sich also kaum für eine seriöse Nutzung, auch für gelegentliche Schnappschüsse würden wir sie euch nicht empfehlen.
Die Frontkamera löst mit fünf Megapixel auf und produziert ähnlich wenig brauchbare Aufnahmen. Für Videotelefonie eignen sie sich nur, wenn euer Gegenüber wenig Wert auf eine realitätsnahe Darstellung eurer Person legt. In dieser Preisklasse sind solche Mängel bei der Kamera-Hardware allerdings weniger die Ausnahme und eher die Regel, weswegen wir dies nicht allzu negativ bewerten.
Fangen wir bei der Ausstattung mal von hinten an: Im Lieferumfang des Npad Pro ist nicht nur das Ladezubehör, sondern auch ein Displayschutz aus Glas sowie eine graue Klapphülle in Stoffoptik mit N-One-Logo enthalten. Stoffoptik, weil es sich eindeutig um einen Kunststoff handelt, der nicht wirklich angenehm zu halten ist. Das Tablet sitzt in einer Plastikhalterung, die das Tablet zwar von allen Ecken umgibt, aber geschätzt zwei Millimeter zu groß geschnitten ist. Dadurch wackelt das Tablet in der Hülle hin und her und wird nicht wirklich festgehalten.
Es ist nicht davon auszugehen, dass das Tablet bei einem Sturz von dieser Hülle geschützt wäre. Außerdem ist sie an manchen Stellen schlecht geklebt und riecht aus unerklärlichen Gründen penetrant nach Fisch – kein Witz. Abgesehen von der praktischen Funktion, das Tablet aufzustellen und von der automatischen Display-Aktivierung beim Aufklappen der Hülle, eignet sich diese eigentlich nur für die Mülltonne. Der Displayschutz ist in Ordnung, aber nichts Besonderes.
Herz und Hirn des N-One Npad Pro ist der Unisoc Tiger T616-Prozessor. Es handelt sich um einen achtkernigen Prozessor aus dem Jahr 2019 – vier Jahre hat der Prozessor auf dem Buckel und das zeigt sich in der Nutzung. Die meisten Alltagsprogramme laufen darauf ohne Probleme. Selbst einfache Spiele bekommt das Gerät hin. Begleitet wird die Nutzung des Geräts aber von nicht selten auftretenden Rucklern. Während des Testzeitraums im September 2023 kam es sogar dreimal vor, dass das Gerät auf dem Sperrbildschirm vollständig eingefroren ist und über die Reset-Taste neu gestartet werden musste. Das Entsperren des Geräts dauert länger als nötig, weil das Display erst rund eine halbe Sekunde nach Drücken der Power-Taste aufleuchtet.
Beim Benchmark Work 3.0 von PCmark erreicht das Gerät rund 8000 Punkte, bei Wild Life von im 3Dmark sind es rund 650 Punkte. Begleitet wird der Prozessor von acht GByte Arbeitsspeicher und 128 Gigabyte internem Speicher – beide Werte sind für den Preis herausragend. Der viele Arbeitsspeicher macht sich darin bemerkbar, dass Apps im Hintergrund relativ lange offenbleiben können. Ansonsten kann das Gerät unter anderem Unterstützung für Wi-Fi 5, Bluetooth 5.0 und LTE vorweisen – besonders letzteres ist lobenswert. Die vier verbauten Lautsprecher sorgen für einen überraschend guten Sound, der vergleichsweise raumfüllend ist. Einen Kopfhöreranschluss gibt es leider nicht.
Besonders bei China-Geräten ist Software immer ein heikles Thema, denn die wenigsten Hersteller anbieten einen konstanten Update-Support an. Das ist auch beim Npad Pro so, denn das installierte Android 12 ist noch mit dem Sicherheits-Patch von September 2022 drauf – ein ganzes Jahr alt also. Das ist schlecht, ein Update ist nicht in Sicht. Immerhin handelt es sich um beinahe vollkommen reines Android, lediglich einzelne Funktionen in den Einstellungen wurden vom Hersteller hinzugefügt. Das sorgt für eine saubere Optik und es gibt keine Bloatware.
Die Akkulaufzeit beim N-One Npad Pro ist eher mittelmäßig. Im PCmark Battery Test erhalten wir nur ein Ergebnis von rund 6 Stunden. Die meisten Konkurrenten kommen hier aber eher auf 10 Stunden. Aufgeladen wird über USB-C mit 18 Watt Ladeleistung – das gilt hier schon als Schnellladen. Der verbaute Akku ist 6660 Milliamperestunden (mAh) groß und damit für ein Tablet vergleichsweise klein.
Das N-One Npad Pro kostet bei Banggood in der einzigen Speicherkombination (8/128 GByte) mit dem Gutschein-Code BGRAPNNNPP rund 110 Euro bei kostenfreiem Versand aus der Tschechischen Republik. Das Angebot gilt bis zum 31. Mai. Danach bekommt man es für etwa 130 Euro. Verfügbar ist es nur in der Farbe Grau.
Das N-One Npad Pro wirbt mit dem Slogan „Beyond your Imagination [sic!]“. Zu Deutsch heißt das etwa „Jenseits deiner/eurer Vorstellungskraft“. Wir können uns jedoch ziemlich vieles in Bezug auf das Npad Pro vorstellen – etwa, dass es sich um ein überaus preiswertes, aber mit einigen Mängeln versehenes Gerät handelt, das dennoch mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis punkten kann. Das Display ist groß und recht hell. Die Wiedergabe von Medien ist zumindest bei den meisten Video-Plattformen auch in HD möglich. So können wir uns vorstellen, dass sich das Gerät als günstiges Medien-Tablet für den gelegentlichen Konsum von Videos auf dem großen Bildschirm eignet. Der Einsatz des Npad Pro als Arbeitsgerät ist aufgrund seiner mittelmäßigen Performance eher schwer vorstellbar.
Wer sich grundsätzlich vorstellen kann, ein preiswertes Tablet zu kaufen, dem empfehlen wir unseren Ratgeber Billige Tablets unter 100 Euro: Schrott oder günstiges Entertainment? Als preiswertere Alternativen zum Npad Pro mit Widevine Level 1 sind das Samsung Galaxy Tab A8 (Testbericht) sowie Lenovo Tab M10 Plus Gen 3 (Testbericht) zu nennen. Weitere Geräte dieser Art zeigt unsere Top 10: Die besten Tablets bis 250 Euro – Samsung an der Spitze.
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