Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.
Mit der PW510 bietet Pearl eine Fitness-Smartwatch der Marke Newgen Medicals an, die einen günstigen Preis mit einer hochwertigen Hardware vereinen will. Ob die Fitness-Uhr das Versprechen einlöst, klärt dieser Test.
Dass smarte Sportuhren (Bestenliste) oder Fitness-Tracker nicht teuer sein müssen, um eine solide bis gute Leistung zu erbringen, beweisen chinesische Hersteller wie Huawei und Xiaomi schon länger. Aber auch andere Unternehmen wie Beurer, Hama oder Pearl versuchen, auf dem umkämpften Smartwatch-Markt Fuß zu fassen. Pearl hat mit der PW510 von Newgen Medicals eine besonders günstige Fitness-Uhr im Programm, die das Design der Apple Watch adaptiert und grundlegende Fitness-Features mit einer Smarthome-Steuerung kombinieren möchte. Die Smartwatch soll sogar den Blutdruck messen können.
Wir haben uns im Test vorwiegend auf die Fitness- und Gesundheitsfunktionen der PW510 fokussiert und zeigen, ob sich der Kauf der Smartwatch lohnt.
Obwohl die PW510 optisch mit ihrem eckigen Gehäuse in gewisser Hinsicht an eine Apple Watch erinnert, enden hier die Gemeinsamkeiten der beiden Smartwatches ziemlich schnell. Denn der günstige Preis ist der PW510 bereits beim ersten Hands-On anzumerken. Die Verpackung erinnert eher an die eines USB-Sticks als an die einer hochwertigen Uhr, macht auch die Smartwatch selbst nicht allzu viel her. Zwar wirken alle Teile ordentlich verarbeitet und die Metalllschließe am Armband hinterlässt einen robusten Eindruck, aber Käufer sollten dennoch keinen großen Hingucker erwarten. Das Design der PW510 wirkt schlicht und zweckmäßig sowie dem Preis der Uhr angemessen.
Um die PW510 nach dem Kauf direkt nutzen zu können, müssen wir sie zunächst aufladen. Denn bei uns kam die Uhr mit leerem Akku an, sodass wir direkt zum beiliegenden Ladekabel greifen mussten. Nach etwa 25 Minuten war der Akku ausreichend geladen, um die Uhr mit unserem Smartphone zu verbinden. Dazu ist die Elesion-App erforderlich, die sowohl zur Steuerung von Smarthome-Geräten als auch als Fitness-App für die PW510 fungiert – und das merkt man auch.
Die Elesion-App lässt sich zwar recht zügig einrichten, wenn man erst einmal die Verwirrung überwunden hat, dass es sich eigentlich um eine Smarthome-App handelt. Allerdings leidet sie unter einigen Kinderkrankheiten. Am stärksten fällt dabei die unvollständige und teils fehlerhafte Übersetzung auf. Mal wird Groß- und Kleinschreibung außer Kraft gesetzt, mal bekommen wir unter einer deutschen Überschrift englischen Text angezeigt. Ein weiteres Problem ist die ziemlich umständliche Bedienung. Wer außer der PW510 keine weiteren Geräte mit der Elesion-App verknüpft hat, muss immer wieder erst vom Hauptbildschirm über die Kachel „Alle Geräte“ zu der Fitness-Uhr navigieren, um dann schließlich auf der Übersichtsseite der Smartwatch zu landen. Einen direkteren Weg, sich die aktuellen Tagesdaten wie Zielfortschritt, Puls, Kalorien und Schritte anzeigen zu lassen, gibt es nicht.
Dafür ist der Rest der App aber immerhin recht logisch und übersichtlich aufgebaut. Neben der Hauptübersicht gibt es ein Menü, über das wir Trainingseinheiten starten, sowie eine mit der seltsamen Überschrift „Fitness-Rekord“ versehene Kachelansicht, über die wir uns Gesundheits- und Fitnessdaten sehen. Zu guter Letzt gibt es ein Einstellungsmenü, über das wir unter anderem die Benachrichtigungen konfigurieren oder die Zifferblätter ändern.
Die Bedienung der Uhr funktioniert über das farbige Touch-Display und die einzelne Taste an der rechten Gehäuseseite. Die Helligkeit des Bildschirms konnte im Test überzeugen und auch die Reaktionsfähigkeit ließ nichts zu wünschen übrig. Größere Verzögerungen oder Ruckler konnten wir bei der Touchbedienung nicht feststellen.
Weil es sich bei der PW510 um eine smarte Fitness-Uhr handelt, verfügt das Gerät auch über eine Reihe von Funktionen, mit denen sich tägliche Aktivitäten und Trainingseinheiten aufzeichnen lassen. Die Uhr kann neben Schritten und Herzfrequenz auch die Blutsauerstoffsättigung und den Kalorienverbrauch anzeigen. Für die Pulsmessung kommt ein optischer Sensor mit zwei Leuchtdioden an der Gehäuseunterseite zum Einsatz.
Ungewöhnlich für eine Uhr dieser Preisklasse: Die Fitness-Uhr kann auch den Blutdruck messen. Allerdings dient diese Messung eher als grobe Tendenz, mit der Genauigkeit eines Blutdruckmessgeräts für den Arm oder einer Huawei Watch D (Testbericht) kann die PW510 nicht mithalten.
Im Test konnten wir positiv vermerken, dass die PW510 keine Fehlmessungen bei der Schrittzahl vornimmt, wenn wir die Uhr schütteln. Allerdings hapert es beim Aufzeichnen der Schritte dafür an anderer Stelle. Denn die Anzahl der erkannten Schritte entsprach bei der Pearl-Uhr lediglich der Hälfte derjenigen, die unser Kontrollgerät (Garmin Fenix 6) messen konnte. Bei einer manuellen Zählung von 100 Schritten zeichnete die PW510 lediglich 73 Schritte auf, was einer Abweichung von 27 Prozent entspricht. Nutzer müssen also damit rechnen, dass die Aufzeichnung der zurückgelegten Schritte unter einer gewissen Ungenauigkeit leidet.
Ein weiteres Manko ist die Messung der Herzfrequenz: Die wird nämlich nicht dauerhaft auf dem Display angezeigt. Stattdessen misst der optische Sensor erst einige Sekunden, bevor die Uhr in Echtzeit den Puls anzeigt. Noch dazu liefert die Hardware absolut unrealistische Werte. In unserem Test haben wir unsere Ruheherzfrequenz im Sitzen gemessen. Das Kontrollgerät zeigte einen Puls von 55 BPM (Schlägen pro Minute) an, ein Wert, der in einer ersten Messung auch auf der PW510 zustande kam. Bei einer zweiten Messung direkt danach lieferte die PW510 aber plötzlich einen Wert von 98 BPM, der in der Folge zwar sank, aber trotzdem etwa zehn Schläge über dem Wert des Kontrollgeräts blieb. Später konnten wir diesen Fehler nicht reproduzieren und der Puls im Ruhezustand ähnelte dem des Kontrollgeräts. Trotzdem kann uns der Sensor im Test nicht wirklich überzeugen.
Denn die Pulsmessung funktionierte beim Training auch nicht wirklich gut: Insbesondere mit stark schwankenden Herzfrequenzen während HIIT-Einheiten kam der optische Sensor nicht zurecht, aber auch langsame, gleichmäßige Ausdauereinheiten führten zu teils merkwürdigen Messergebnissen. Hier gilt wie so oft: Wer auf wirklich zuverlässige Messungen der Herzfrequenz angewiesen ist, sollte direkt zu einem Brustgurt für die Pulsmessung greifen, wie dem Polar Verity Sense (Testbericht) für 79 Euro.
Aber die Trainingsfunktion der PW510 hat nicht nur schlechte Seiten. Denn die smarte Fitness-Uhr verfügt über eine recht üppige Auswahl an unterschiedlichen Trainingsprofilen, die eine große Bandbreite an Ausdauer- und Mannschaftssportarten sowie Fitness- und Krafttraining abdecken. Die Option „Freies Training“ ermöglicht das Aufzeichnen von Sportarten, die in der Liste nicht vertreten sind. Ferner ist die PW510 nach IP68 zertifiziert und somit staub- und wasserdicht. Sie übersteht ein Untertauchen bis 3 ATM und kann dementsprechend auch unter der Dusche oder beim Schwimmen getragen werden.
Etwas irritierend wirkt allerdings die Behauptung auf der Webseite von Pearl, dass ein „Mobiler Fitness-Coach inbegriffen“ sei. Diese Angabe bezieht sich aber nicht auf ein spezielles Feature, mit dessen Hilfe die Nutzer spezifische Anleitungen für Workouts erhalten (wie Fitbit Premium). Vielmehr geht es einfach nur um die Messung der Herzfrequenz, des Kalorienverbrauchs und der zurückgelegten Schritte oder Kilometer sowie der absolvierten Trainingseinheiten.
Beim Schlaf-Tracking erwarten Nutzer grundlegende Funktionen wie die Aufzeichnung der einzelnen Schlaf- und Wachphasen, des Einschlaf- und Aufwachzeitpunktes sowie eine grundlegende Bewertung der Schlafqualität. Anhand welcher Kriterien die Schlafqualität genau bestimmt wird, erfahren wir allerdings nicht. Auch sonst bleibt die Schlafanalyse recht rudimentär. Wir bekommen die Dauer unseres Tiefschlafs und leichten Schlafs angezeigt, REM-Phasen werden nicht berücksichtigt. Atmung oder Herzfrequenz fehlen ebenfalls.
Die Werte, die die PW510 zum Schlaf ausgibt, sind bedingt aussagekräftig. Dass sie keine medizinische Messung ersetzen können, darauf wird in der App direkt hingewiesen. Aber auch sonst kann das Tracking nicht besonders überzeugen. Die Tiefschlafphase gibt die Uhr in einer Nacht als dreimal so lange wieder, wie unser Kontrollgerät. Die Aufwachzeitpunkte während der Nacht erkennt die Uhr zwar korrekt, bestimmt das finale Aufwachen am nächsten Morgen dann aber zu früh: Zwar merkt die Uhr, dass wir aufgestanden sind, registriert aber nicht, dass wir uns wenige Minuten später wieder hingelegt und noch gute zwei Stunden weiter geschlafen haben. Im Gegensatz dazu stimmt die für den leichten Schlaf angegebene Dauer dafür aber bis auf wenige Minuten mit dem Kontrollgerät überein.
Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt, das Display beim Schlafen komplett dunkel zu halten. Wir können zwar eine Nicht-Stören-Option anwählen, doch die sorgt nur dafür, dass wir nicht durch Vibration oder Töne geweckt werden, wenn wir eine Benachrichtigung erhalten. Bewegen wir uns im Schlaf, kann es trotzdem passieren, dass das Display aktiviert wird. Wer die Beleuchtung auf volle Helligkeit eingestellt hat, kann das mitunter als störend empfinden.
Die PW510 verfügt zwar über eine Benachrichtigungsfunktion, aber die gestaltet sich eher rudimentär. Wir können über die App einzeln die Benachrichtigungen für eingehende Telefonanrufe, Nachrichten (SMS), Whatsapp und Instagram ein- oder ausschalten. Alle übrigen Apps sind unter der Option „Andere“ zusammengefasst und lassen sich nur im Paket aktivieren oder deaktivieren. Die Möglichkeit, über die Uhr direkt zu telefonieren oder automatische Antworten zu versenden, gibt es hingegen nicht.
Dafür können Nutzer über die PW510 die auf dem Smartphone wiedergegebene Musik steuern. Außerdem haben sie die Möglichkeit, bis zu sechs verschiedene Smarthome-Konfigurationen zu steuern, die vorher in der Elesion-App konfiguriert wurden.
Pearl gibt für die Akkulaufzeit der Newgen Medicals PW510 bis zu 8 Tage bei normaler Nutzung und 25 Tage im Stand-by-Modus an. Der Akku verfügt laut Herstellerangaben über eine Kapazität von 200 mAh und liegt damit im unteren Segment für Smartwatches, was in Anbetracht des Preises aber absolut vertretbar ist. Wir konnten die Laufzeit in unserem Test größtenteils bestätigen: Bei drei jeweils zweistündigen Workouts war nach einer guten Woche der Akku leer.
Das Aufladen passiert über das mitgelieferte Ladekabel und einen passenden USB-Anschluss. Die Ladeschale liegt etwas unsauber auf dem Gehäuse, machte im Test beim Laden aber keine größeren Probleme. Dafür dauert das Laden recht lange: Auch nach zehn Minuten Ladezeit behauptete die PW510, dass der Akku leer sei. Einmal kurz an die Steckdose anschließen und für ein spontanes Workout nachladen funktioniert also nicht. Bis der Akku vollständig geladen war, dauerte es etwa zwei Stunden.
Pearl verkauft die Fitness-Smartwatch von Newgen Medicals zum Preis von 26 Euro auf Amazon sowie im hauseigenen Webshop. Laut der Webseite des Online-Händlers sollte die Uhr der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers nach rund 70 Euro gekostet haben. Ob die PW510 aber tatsächlich irgendwann einmal zu diesem Preis angeboten wurde, können wir nicht nachvollziehen. Fest steht aber, dass die PW510 zum aktuellen Preis eine der günstigsten Fitness-Smartwatches auf dem Markt ist.
Wenn Pearl für die PW510 wirklich einen Preis von knapp 70 Euro aufrufen würde, müssten wir definitiv vom Kauf dieser Smartwatch abraten. Denn für diesen Preis bekommt man auf dem Markt deutlich bessere und hochwertigere Fitness-Uhren. Ganz anders sieht es zum aktuellen Preis von unter 30 Euro aus: Hier ist die Newgen Medicals PW510 einen Blick wert.
Die Uhr leidet zwar unter ein paar kleinen Problemen, lässt vereinzelte Features vermissen und gewinnt mit Sicherheit keinen Design-Preis, aber das alles lässt sich in Anbetracht des günstigen Preises verschmerzen. Dabei macht die Fitness-Smartwatch als Fitness-Tracker und Armbanduhr einen halbwegs brauchbaren Job. Wer also einfach nur eine günstige Smartwatch sucht, um (mit leichten Abweichungen) die eigenen Schritte aufzuzeichnen und Benachrichtigungen vom Smartphone zu sehen oder sogar die integrierte Smarthome-Steuerung nutzen möchte, macht mit dem Kauf der PW510 nichts falsch.
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