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Nextbase 622GW im Test: Top-Dashcam mit 4K, Alexa und SOS

Nextbase 622GW Dashcam
VORTEILE
  • einfache Handhabung
  • starke Sonderfunktionen
  • hohe Auflösung und tolle Bildqualität bei Tageslicht
NACHTEILE
  • verhältnismäßig groß und schwer
  • wird sehr heiß im Betrieb
  • Schwächen bei Dunkelheit und bei Kennzeichen

Die Nextbase 622GW gehört zu den Premium-Dashcams. Sie bietet 4K-Auflösung und Sonderfunktionen wie eine Alexa-Integration oder einen automatischen Notruf. Wir zeigen, wie gut die Dashcam wirklich ist.

Bei einem Autounfall kann ein Dashcam-Video ein hilfreiches Mittel bei der Rekonstruktion des Unfallhergangs und der Klärung der Schuldfrage sein. Seit 2018 ist die Nutzung einer Dashcam in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Die Nextbase 622GW ist das aktuelle High-End-Modell im Sortiment der Dashcams des Unternehmens. Der Nachfolger der Nextbase 612GW bietet neben der Möglichkeit, Videoaufnahmen in hoher Auflösung von bis zu 4K während der Fahrt zu erstellen, weitere praktische Zusatzfunktionen wie eine Integration von Alexa, eine automatische Notruffunktion sowie Bluetooth. Preislich liegt sie mit einer UVP von knapp 300 Euro über der Nextbase 422GW.

Neu im Vergleich zum Vorgängermodell ist der Support für Alexa, der bereits beim Modell 422GW in Erscheinung getreten ist und ein etwas schmalerer Blickwinkel von 140 Grad im Gegensatz zu vormals 150 Grad. Wir haben uns die Nextbase 622GW genauer angesehen und zeigen, was sie in der Praxis leistet.

Design und Montage

Optisch fügt sich das Modell 622GW nahtlos in die Designsprache der übrigen Dashcams von Nextbase ein. Das Gerät erinnert auf den ersten Blick an eine kompakte Digital- oder Action-Kamera. Die Verbreitung macht einen hochwertigen und soliden Eindruck, das Design ist funktionell und zeitgemäß. Verglichen mit dem Vorgänger ist die Dashcam deutlich geschrumpft: Die Abmessungen betragen jetzt 9,4 x 5,3 x 4,5 Zentimeter. Das ist sie allerdings etwas größer als die Nextbase 422GW. Damit fällt die Nextbase 622GW für unseren Geschmack zu wuchtig ist aus, die Garmin Dashcam 65W etwa ist deutlich kleiner und nur halb so breit. Mit 125 Gramm ist die Nextbase 622GW zudem doppelt so schwer wie das Modell von Garmin. Je kleiner eine Dashcam ist, desto weniger stört sie das Sichtfeld des Fahrers.

Das berührungsempfindliche IPS-Display ist wie schon beim Vorgänger mit einer Diagonale von 3 Zoll ziemlich groß im Vergleich zu anderen Dashcams. Bei der Nextbase 422GW kommt etwa ein LCD mit 2,5 Zoll zum Einsatz, bei der Garmin Dashcam 65W ein Bildschirm mit 2 Zoll. Unterhalb des Bildschirmes liegt auffällig in Rot markiert eine Taste zum Schützen von Aufnahmen.

Der Ein/Ausschalter befindet sich gemeinsam mit dem Schacht für SD-Karten auf der linken Seite, rechts liegt unter einer Gummiabdeckung der Anschluss für eine weitere Kamera, beispielsweise für die Sicht nach hinten in den Innenraum. Auf der Oberseite befindet sich der USB-Mini-Steckplatz für das USB-Kabel zur Verbindung mit dem PC sowie das Stromkabel für den 12-Volt-Stecker im Auto. Die Kameralinse wirkt dominant und ragt fast 3 Zentimeter hervor. Auffällig ist magnetische Abdeckung neben der Linse. Dahinter verbirgt sich der Anschluss für die Halterung der Dashcam zur Montage an der Windschutzscheibe.

Am Ende der Halterung können Nutzer wahlweise einen Arm mit Saugnapf oder ein Plättchen mit Klebstoff befestigen. Die Variante mit Klebstoff hält deutlich fester – im Test mit dem Saugnapf ist uns die Kamera einmal heruntergefallen. Dafür kann man das angeklebte Plättchen nicht so einfach wieder entfernen.

Ausstattung

Zum Lieferumfang gehört eine Halterung mit integriertem Mini-USB-Stecker zur zusätzlichen Stromversorgung der Dashcam. Das ist sehr praktisch, wenn die Kamera bereits an der Windschutzscheibe montiert ist, da man so leichter das Kabel anschließen kann. Nextbase legt auch ein Verlegewerkzeug für die Verkabelung zum 12-Volt-Stecker aus Kunststoff bei, das auch als Kratzer beim Entfernen der Klebstoffrückstände dient. Zusätzlich liegt ein Kabel für die Stromversorgung über den Zigarettenanzünder im Auto sowie für die Verbindung mit dem PC über USB-A bei. Eine Speicherkarte gehört nicht zum Lieferumfang.

Als Spitzenmodell von Nextbase verfügt die 622GW über eine umfangreiche Ausstattung. Die Kamera mit einer Blende von f/1,3 und CMOS-Sensor schafft eine maximale Auflösung von 3840 x 2160 Pixel bei 30 fps, die niedrigste Auflösung liegt immer noch bei 1920 x 1080 Pixel und bietet dann sogar 120 fps. Ein mitgelieferter Polfilter blockiert Licht, das von nicht-metallischen Oberflächen reflektiert wird. Das hilft dabei, Spiegelungen auf der Windschutzscheibe zu vermeiden und bietet außerdem einen besseren Kontrast zwischen verschieden hellen Hintergründen.

GPS gehört ebenfalls zur Ausstattung der Nextbase 622GW. Mit an Bord ist zudem ein Beschleunigungssensor. Dieser erkennt, wenn das Auto losfährt, um die Videoaufnahme automatisch zu starten und registriert zudem starke Bremsvorgänge – wie sie vor einem Unfall häufig passieren. Die Kamera speichert dann die Videoaufnahme in einem geschützten Bereich. Die Dashcam verfügt über einen Akku mit 320 mAh. Ein dauerhafter Akkubetrieb ist mit der Nextbase 622GW nicht möglich – der kleine Not-Akku soll im Falle eines Unfalls gewährleisten, dass die Kamera mindestens 15 Minuten ohne externe Stromversorgung durchhält, um die Aufnahmen im geschützten Speicher abzulegen und möglicherweise einen Notruf abzusetzen.

Standardmäßig bietet die Dashcam eine Loop-Funktion – eine der Voraussetzungen dafür, dass die Kamera in Deutschland überhaupt zulässig ist. Dabei nimmt die Kamera immer nur für eine bestimmte Zeitspanne Videoclips auf und überschreibt die alten Aufnahmen mit jedem neuen Videoclip. Erfolgt ein abruptes Bremsen, landen die Aufnahmen im geschützten Speicherbereich, damit diese nicht automatisch überschrieben werden. Eine Zeitraffer-Funktion hat die 622GW ebenfalls.

Die kabellose Kommunikation der Dashcam mit dem Smartphone erfolgt über Bluetooth 5.0 sowie Quicklink-Wifi. Der SD-Karten-Slot unterstützt maximal 128 GByte. Nextbase empfiehlt für den Einsatz in der Dashcam eine U3-Micro-SD.

Bedienung

Die Montage der Nextbase 622GW ist relativ einfach. Wer sichergehen will, dass die Kamera wirklich fest haftet, sollte die Halterung für die Klebemontage wählen. Vor dem ersten Einsatz empfiehlt es sich den Akku der Kamera für etwa zwei Stunden aufzuladen.

Schaltet man die Kamera zum ersten Mal an, geht sie direkt in den Aufnahmemodus. Links oben befindet sich ein Zahnrad – hier nimmt der Anwender alle nötigen Einstellungen vor. Dazu gehört unter anderem die gewählte Auflösung, die Länge der einzelnen Videoclips (1 bis 3 Minuten), die Stempel für Uhrzeit, GPS-Koordinaten oder Geschwindigkeit sowie das Autokennzeichen, die Empfindlichkeit des Beschleunigungssensors und die Voreinstellung für die Loop-Funktion, Tonaufnahme, Zeitlupe sowie Bildstabilisator. Bedienung und Menüführung sind selbsterklärend.

Allerdings sollte man vor der Inbetriebnahme darauf achten, dass einige Funktionen nicht voreingestellt sind, zum Beispiel ist der Bildstabilisator deaktiviert. Viel ärgerlicher: Die Loop-Funktion macht standardmäßig zunächst die SD-Karte voll, und löscht erst dann die alten Aufnahmen. Das ist in Deutschland aber rechtlich nicht zulässig. Hierzu muss man allerdings in den Einstellungen unter „Videoaufzeichnung“ die Option „Min“ statt der vorgewählten „Max“ wählen.

Die Dashcam startet die Aufnahme selbstständig, sobald man mit dem Fahrzeug losfährt. Bei einem starken Bremsmanöver landen die Aufnahmen automatisch im geschützten Speicher. Durch einen Druck auf den rötlich markierten Button unter dem Display legt man den Videoclip manuell im geschützten Speicher ab. Auffallend ist, wie heiß die Kamera in Betrieb wird. Das ist tatsächlich ungewöhnlich.

Die Kommunikation zwischen Smartphone und Dashcam funktioniert meistens zuverlässig. Hierfür brauchen Nutzer die App MyNextbase Connect, die es für Android und für iOS gibt. Die Kommunikation erfolgt über Bluetooth und WLAN. Hier kann man sich die Videoaufnahmen der Dashcam direkt über die App ansehen und in die App herunterladen. Um die Videoclips auf anderen Geräten zu nutzen, steht die MyNextbase Cloud zur Verfügung. Die App lädt die Aufnahmen in die Cloud, wo sie für 30 Tage zum Download oder Bearbeiten zur Verfügung stehen. Der Upload in die Cloud dauert je nach Auflösung und WLAN-Verbindung etwa 1 bis 2 Minuten. Anschließend generiert MyNextbase Cloud eine URL, mit der man die Videos herunterladen kann.

Alternativ stöpselt man die Dashcam an den PC und wählt beim Einschalten die Option „Dateizugriff“. Danach kopiert man die Videodateien vom Speicher der Kamera auf den Rechner. Mit der kostenlosen Software MyNextbase Player können Nutzer die Aufnahmen zudem ansehen und bearbeiten und ebenfalls speichern.

Bildqualität

Bei gutem Wetter macht die Nextbase 622GW einwandfreie Videoaufnahmen mit kräftigen Farben und ausgeprägten Kontrasten. Dank 4K sind auch sehr hohe Auflösung möglich, allerdings nur 30 fps möglich. Wir haben uns für den Test für eine Auflösung von 1440p bei 60 fps entschieden – durch die höhere Bildwiederholrate bleiben die Aufnahmen besonders scharf. Bei 1080p sind auch 120 fps möglich. Der digitale Bildstabilisator ist von Haus aus deaktiviert. Ohne Stabilisator wackeln die Aufnahmen bei unebenem Untergrund gehörig. Der Bildstabilisator wirkt dem effektiv entgegen, macht das Bild aber etwas körniger und unterstützt zudem nur eine Bildwiederholrate von maximal 60 fps.

Bei Dunkelheit nimmt die Bildqualität spürbar ab. Zudem reflektieren Nummernschilder so stark, dass sie nur schwer abzulesen sind. Selbst bei Tageslicht erkennt man die Kennzeichen anderer Fahrzeuge nicht immer deutlich, außer bei nahen Aufnahmen, wenn das Autos steht. Der Blickwinkel beträgt 140 Grad – das ist ausreichend, um den relevanten Bereich vor dem Auto abzudecken. Andere Kameras wie die Garmin Dashcam 65W bietet ein Weitwinkel von bis zu 180 Grad. Weniger als 130 Grad sollten es unserer Erfahrung nach nicht sein.

Dashcams sollten mindestens ein Blickfeld von 120 Grad haben.

Sonderfunktionen

Die Nextbase 622GW bietet eine Reihe an nützlicher Zusatzfunktionen. Im Zusammenspiel mit der Smartphone-App MyNextbase Connect bietet die Dashcam eine SOS-Funktion bei einem Unfall. Der Beschleunigungssensor registriert, wenn es zu einem plötzlichen Aufprall kommt. Über das per Bluetooth gekoppelte Smartphone setzt die Dashcam dann einen Notruf ab. Der Anwender kann in der App zudem wichtige medizinische Angaben für den Rettungsdienst hinterlassen. Kostenlos ist der Service allerdings nur im ersten Jahr, danach sind je nach Vertragsdauer knapp über 2 bis 4 Euro im Monat fällig.

Alexa ist ebenfalls mit an Bord – allerdings nur in Verbindung mit der Smartphone-App. Über MyNextbase Connect kann der Nutzer den Skills für Alexa aktivieren, was auch eine Sprachsteuerung der Dashcam erlaubt. So kann man etwa per Sprachbefehl eine Videoaufnahme schützen oder Alexa nach Informationen während der Fahrt fragen. Zwingend erforderlich ist dabei immer das Smartphone mit einer aktiven Mobilfunkverbindung und Bluetooth-Kopplung mit der Dashcam.

Ebenfalls praktisch ist die Parkfunktion. Ist die Funktion in den Einstellungen aktiviert, verharrt die Dashcam im Stand-by-Modus. Registriert die Kamera Erschütterungen durch Rempler am Auto, startet die eine Videoaufnahmen. Das kann hilfreich sein, wenn ein anderes Fahrzeug das eigene Auto rammt. Die Nextbase 622GW bietet außerdem einen Anschluss für eine zusätzliche nach hinten gerichtete Kamera, die man seitlich in die Dashcam steckt und als Zubehör bei Nextbase erhält.

Preis

Die Nextbase 622GW hat als High-End-Dashcam eine UVP von 299 Euro. Es gibt bereits Angebote ab 225 Euro. Eine passende Micro-SD-Karte gibt es ab 12 Euro. Eine Rücksichtkamera zum Einstecken kostet 66 Euro.

Fazit

Die Nextbase 622GW ist eine Premium-Dashcam mit hoher Auflösung und starker Features und einer ausgezeichneten Bildqualität bei Tageslicht. Die Handhabung sowie Anbindung an das Smartphone gehen einfach von der Hand. Zusatzfunktionen wie die Alexa-Integration bieten nette Ergänzungen.

Bei Dunkelheit nimmt die Bildqualität rasch ab, Kennzeichen anderer Autos bleiben generell in Fahrt schwer ablesbar. Zudem ist die Dashcam relativ groß und schwer und nicht gerade preiswert. Etwas ärgerlich: Für den Einsatz in Deutschland muss man zwingend eine wichtige Einstellung von Hand anpassen, damit die Loop-Funktion mit dem deutschen Recht konform funktioniert.