Bereits seit seiner Jugend interessiert sich David für Technik und begann schon früh damit, allerlei Elektrogeräte zu reparieren. Da überrascht es nicht, dass er seit 2021 Elektrotechnik studiert und sich vor allem mit Computern und 3D-Druckern beschäftigt. Seit 2024 schreibt er als Freelancer für heise bestenlisten by TechStage, vor allem über Mini-PCs oder Smartphones. Wenn er nicht gerade am nächsten Projekt arbeitet, begeistert er sich fürs Radfahren und Krafttraining.
Der Mini-PC Nipogi AM02 Pro bietet einen Ryzen 7, ein hochwertiges Gehäuse und leisen Betrieb. Ob auch die restliche Ausstattung überzeugt, zeigt unser Test.
Als Teil der Mini-PC-Union überzeugt Nipogi oft mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch hier bietet das Datenblatt aus Ryzen 7 5800U, 16 GB Arbeitsspeicher (RAM) und 512 GB SSD wieder Grund zur Vorfreude. Mit der stärkeren Ryzen-CPU übertrifft dieser noch einmal unseren Preis-Leistungs-König Ouvis AMR5 (Testbericht). Für aktuell 339 Euro (5-Prozent-Coupon anwählen und Code AM0212OFF2 verwenden) in der 32/512-GB-Variante bei Amazon scheint das System schon fast zu gut, um wahr zu sein. Ob man hier wie beim Ouvis AMR5 starke Kompromisse bei Verarbeitung und Konnektivität eingehen muss oder ob der AM02 Pro tatsächlich den hohen Erwartungen gerecht werden kann, zeigt unser Test (Testzeitpunkt: 13. Oktober 2024).
Hinweis: Inzwischen ist der Mini-PC kaum noch verfügbar (Stand 7. Januar 2025). Das Modell mit 16/512 GB ist in einem anderen Amazon-Inserat nur noch für 439 Euro zu haben – viel zu teuer. Damit fällt der ursprüngliche Testsieger schon wieder aus der Bestenlisten-Platzierung hinaus und ist zu diesem Kurs nicht mehr empfehlenswert.
Im AM02 Pro setzt Nipogi mit dem AMD Ryzen 7 5800U auf einen Achtkerner mit 16 Threads. Dieser taktet mit bis zu 4,4 GHz bei einer TDP von bis zu 25 Watt. Mittlerweile ist die CPU knapp 4 Jahre alt und setzt daher noch auf die alte Vega-8-Grafik statt einer Gaming-fähigen Radeon 680M oder gar 780M.
Das System hat außerdem 16 GB RAM in Form von zwei SODIMM-DDR4-Modulen mit 8 GB und einem Takt von 3200 MHz. Diese können auf eine Gesamtkapazität von 64 GB aufgerüstet werden. Die M.2-SSD ist mit 512 GB im Formfaktor 2280 üblich großzügig bemessen. Im Crystaldiskmark erreicht sie Geschwindigkeiten von 2580 MB/s im Lesen und 1865 MB/s im Schreiben. Der Speicher kann auf bis zu 2 TB aufgerüstet werden, zudem steht noch ein zusätzlicher SATA-Datenanschluss für eine übliche SATA-SSD zur Verfügung; eine Befestigungsmöglichkeit für die Festplatte bleibt Nipogi aber schuldig.
Auch die verfügbaren Anschlüsse sind für die Preisklasse mehr als zufriedenstellend. So gibt es sowohl HDMI als auch Displayport mit Unterstützung von 4K bei 60 Hz. Zusätzlich gibt es noch einen USB-C-Anschluss auf der Vorderseite, der nur zur Datenübertragung genutzt werden kann. Es ist nur einmal Gigabit-Ethernet verbaut, womit sich der Mini-PC nicht ohne Zutun etwa als Firewall-Appliance nutzen lässt.
Bei den Drahtlosschnittstellen erfüllt der AM02 Pro den Standard der Preisklasse mit Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2, wobei er damit deutlich aktueller aufgestellt ist, als der Ouvis AMR5 mit Wi-Fi 5 und Bluetooth 4.2.
Der Ryzen 7 mit seinen 16 Threads ist mehr als ausreichend, wenn es um das Thema Produktivität geht. Im Benchmark PCmark 10 erreicht der AM02 Pro im Schnitt starke 5950 Punkte – noch einmal 100 Punkte mehr als der Ryzen 5 im Nipogi AM16. Diesen schlägt der AM02 Pro auch im 3Dmark Time Spy mit einer Gesamtpunktzahl von 1450 Punkten – eine Steigerung um 150 Punkte. Die Punktzahl setzt sich aus 1280 Grafik- und 6630 CPU-Punkten zusammen. Im Cinebench erreicht der Ryzen 7 513 Punkte im Multi- und 86 Punkte im Single-Core-Benchmark. Im Nipogi CK10 (Testbericht folgt in Kürze) erreicht der Intel Core i5 12450H ganze 98 Punkte. Das dürfte im Alltag jedoch wenig auffallen, dafür profitieren gerade Spiele von einer höheren Multi-Core- und Grafikleistung. Abschließend erreicht der Mini-PC im Geekbench 6 1985 Single-Core- und 7790 Multi-Core-Punkte, zudem 16560 Grafikpunkte.
In einem neuen Einzelspieler-Endlosspiel in Anno 1800 erreicht der Mini-PC im Schnitt bei niedrigen Einstellungen mit aktiviertem FSR im Modus „Qualität“ starke 60 FPS. Spiele-tauglich ist das System aber, wie angesprochen, durch die ältere Vega-Grafik eher weniger.
Im Idle verbraucht der Mini-PC gerade einmal 8 Watt und ist damit extrem sparsam. Unter Volllast genehmigt sich der AM02 Pro dann maximal 36 Watt und erzielt selbst nach 45 Minuten Stresstest noch konstante Taktraten von durchschnittlich 2,7 GHz. Die CPU allein kann kurzzeitig 25 Watt verbrauchen, pendelt sich aber schnell bei 18 Watt ein. Die Temperatur steigt dabei auf maximal 80 Grad, was aber nicht zu Thermal Throttling führt, also dem temperaturbedingten Heruntertakten der CPU.
Bei der Einrichtung von Windows 11 hatten wir leider das Problem, dass wir uns nur zwischen wenigen Sprachen entscheiden konnten. Darunter war zwar auch Englisch, jedoch bekamen wir hier trotz aktiver Internetverbindung dauerhaft Fehler. Deshalb mussten wir die Einrichtung auf Italienisch fortsetzen und nachträglich wieder umstellen. Dabei handelt es sich vermutlich mehr um ein Problem mit Windows bei der Einrichtung mit lokalem Konto, als mit dem Mini-PC.
Die Lautstärke im Idle ist auf jeden Fall ein Manko des AM02 Pro, der Lüfter ist deutlich hörbar und läuft dauerhaft. Unter Volllast hat uns die Kühlung jedoch sehr positiv überrascht, denn der Lüfter dreht nicht weiter auf, während die CPU mit maximal 80 Grad recht gut gezähmt bleibt. Direkt am Gehäuse haben wir eine Lautstärke von 38 dB gemessen, während sie bei einem Meter Entfernung schon unter 25 dB liegt. Für den Volllast-Betrieb eines Ryzen 7 ist das aus unserer Sicht sehr gelungen, das System ist damit deutlich leiser als der vergleichbare Ouvis AMR5 (Testbericht). Schön wäre nur, wenn man den Lüfter im Idle ausstellen könnte. Im BIOS ist es aber tatsächlich möglich, verschiedene Lüfterprofile einzustellen.
Mit Maßen von 123,5 × 124 × 41,7 mm ist der Nipogi AM02 Pro sehr kompakt und bringt 472 g auf die Waage. Während die Oberseite aus Plastik nur den Anschein von gebürstetem Aluminium erwecken soll, kommt rundherum tatsächlich Aluminium zum Einsatz. So fühlt sich der Mini-PC sehr hochwertig und robust an – in diesem Preisbereich unerwartet und selten. Mit zusätzlichen kleinen Aussparungen an den Seiten kann reichlich kühle Luft in das Gehäuse strömen. Optisch sind diese Lufteinlässe schick gemacht und heben sich angenehm vom Meshgitter-Einheitsbrei ab. Die Luftzufuhr ist gut, unter Volllast wird das Gehäuse merklich warm, aber nie zu heiß zum Anfassen.
Zum Aufrüsten der Hardware muss man lediglich vier Schrauben auf der Unterseite des Gehäuses lösen.
Der Nipogi AM02 Pro kostet in der Ausstattung mit Ryzen 7, 16 GB RAM und 512 GB SSD bei Amazon 439 Euro. Die 300 Euro günstige Variante war bereits zuletzt ausverkauft, Nipogi leitet unter dem Link nun auf den Nipogi E3B 339 Euro (60-Euro-Coupon anwählen) um. Dieser setzt auf einen anderen Ryzen-Chip und ein anderes Gehäuse. Noch hatten wir ihn nicht in der Hand, ein Test folgt aber zeitnah.
Der Nipogi AM02 Pro bietet eine hervorragende Leistung zu einem unschlagbaren Preis – und das fast ohne Abstriche. Der einzige Kritikpunkt unsererseits bleibt die etwas hohe Lüfterlautstärke. Ansonsten liefert der AM02 Pro alles, was man sich an einem 300-Euro-Mini-PC erhofft, und ist somit unser neuer Geheimtipp in puncto Preis-Leistung. Die Fußstapfen des Ouvis AMR5 – unserem langzeitigen Testsieger der günstigen Mini-PCs – waren groß, doch der AM02 Pro füllt sie gut aus.
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