Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Leise, sogar Gaming-tauglich – und das für 289 Euro: Der Nipogi AM16 schafft im Test all das. Wo das Gesamtpaket noch überzeugt und welche Lücken es hinterlässt, zeigt unser Testbericht.
Im Vergleich zu früheren Mini-PCs, aus denen uns Hersteller Nipogi bereits bekannt ist, gehört der Nipogi AM16 zur neueren Produktlinie des Herstellers. Neben anderen Chips setzt die Mini-PC-Union, die hinter der Marke steckt, damit auch auf eine neue Designsprache und somit neue Gehäuse. Darin steckt beim AM16 schon fast das Erwartbare: Ryzen 5, 16 GB Arbeitsspeicher (RAM) und eine 512 GB große M.2-SSD.
Doch das ist nicht alles, denn auch das für diesen Preisbereich nicht selbstverständliche USB-C ist an Bord. Das alles kostete zuletzt nur 289 Euro bei Amazon. Inzwischen ist der Mini-PC allerdings nicht mehr bei Amazon gelistet (Stand 7. Januar 2025). Ob nicht nur der Preis, sondern auch das gesamte System überzeugen kann, zeigt sich im nachfolgenden Testbericht.
Nipogi setzt beim AM16 auf einen Ryzen 5 Pro der fünften Generation – den Ryzen 5 5675U. Dabei handelt es sich um einen sechskernigen Zen-3-Prozessor mit zwölf Threads, der mit bis zu 4,3 GHz taktet und eine TDP von maximal 25 Watt hat. Dieser setzt noch auf die ältere iGPU Vega 7, die bedeutend weniger Leistung als die Nachfolger Radeon 680M oder 780M hat. Das Pro im Namen des Prozessors hat keine technische Bedeutung, die CPUs dieser Reihe unterstützen lediglich Sicherheits- und Management-Features und bieten einen längeren Support.
Beim RAM bietet das System zwei SODIMM-Module mit 16 GB (DDR4-3200). Maximal sind hier 64 GB möglich. Das ist unter 300 Euro vorbildlich. Auch beim Systemspeicher zeigt sich der AM16 von einer prächtigen Seite, denn neben der integrierten 512 GB großen M.2-NVMe-SSD gibt es noch einen weiteren, freien M.2-Slot für eine zusätzliche SSD, hier leider nur nach dem langsamen SATA-Standard. Doch damit nicht genug, denn im Deckel ist Platz für eine 2,5-Zoll-Festplatte, die bis zu 2 TB fassen darf.
Bei den Anschlüssen weiß uns das System direkt mit seinem USB-C-Anschluss mit Displayport-Unterstützung zu gefallen. In Zusammenspiel mit den beiden HDMI-Ports kann man so bis zu drei Monitore anschließen. Um flexibler bei verschiedenen Monitoren aufgestellt zu sein, hätten wir zudem einen Displayport-Anschluss gut gefunden – das ist aber abhängig vom eigenen Setup.
Die sonstigen USB-Buchsen sind ausreichend schnell, der Ethernet-Port ebenso, wobei wir uns hier für den Einsatz als Firewall-Appliance auch über einen zweiten gefreut hätten. Ebenso wäre es schön gewesen, wenn USB-C auch zur Stromversorgung zum Einsatz gekommen wäre – so benötigt man aber das mitgelieferte Netzteil mit DC-Rundstecker.
Die drahtlosen Schnittstellen sind mit Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2 auf einem erfreulich aktuellen Stand, gerade für diesen Preis.
In unseren Erwartungen sollte sich der Ryzen 5 im soliden Mittelfeld einordnen. Ein Blick auf den Benchmark PCmark 10 zeigt: sogar noch ein wenig mehr als das. Starke 5860 Punkte sind es durchschnittlich, was ein kleines Stück über dem stark vergleichbaren Trigkey S5 (Testbericht) liegt. Bei 3Dmark Time Spy bemerkt man den Unterschied zwischen der Refresh-CPU im Nipogi und der älteren im Trigkey ebenso, wobei Nipogi mit 1296 Punkten (System) etwa 150 Punkte besser abschneidet. Auch die Grafik spurtet mit 1144 Punkten etwas schneller, was sich auch in Spielen bemerkbar macht.
So können wir bei Anno 1800 bei Full-HD-Auflösung mit aktiviertem FSR (Fidelity FX Super Resolution) im Leistungsmodus noch bei mittleren Grafikeinstellungen im Schnitt 58 FPS erreichen – im Trigkey waren es weniger als 30 FPS bei niedrigen Optionen. Anspruchsvollere Titel sind nicht drin, aktuelle Spiele mit hohem Ressourcenbedarf, wie Cities Skylines ist selbst bei niedrigen Einstellungen mit durchschnittlich 8 FPS unspielbar. Counter Strike 2 lässt sich bei reduzierten Einstellungen spielen, macht jedoch nicht so viel Spaß. Grund hierfür sind auch Bildfehler und Ruckler, die trotz aktueller Treiber auftreten.
Interessant hierbei: Bevor wir Spiele öffnen können, warnt das System vor veralteten Treibern. Zum Beheben des Problems sollen wir die AMD-Adrenalin-Software beziehen. Das machen wir zwar ohnehin bei jedem Mini-PC-Test, so explizit darum gebeten hat uns bisher aber noch kein Modell. Ansonsten kommt das System ohne zusätzliche Bloatware, unser vollständiger Virentest mit Windows Defender endet ohne den Fund von Malware.
Der Nipogi AM16 ist in Betrieb sehr leise, teils schaltet der Lüfter sogar gänzlich ab. Nach über einer Stunde mit dem Stresstest Prime95 ist das Gehäuse etwas mehr als handwarm. Die Lüfterlautstärke liegt dann am Gehäuse bei etwa 38 dB, aus einem Meter Entfernung bei etwa 30 dB. Störend ist das nicht, bloß das brummende Nebengeräusch hebt sich vom sonst angenehmen Rauschen hörbar ab. Bei geringerer Last sind es 30 dB am Gehäuse, die Werte aus einem Meter aber schon nicht mehr von Umgebungsgeräuschen zu differenzieren. Insgesamt ein erneuter Beweis für die guten Kühllösungen bei Mini-PCs mit AMD-Plattform.
Der Nipogi AM16 kommt in einem schicken, matten und schwarz-silbern gefärbten Kunststoffgehäuse daher und ist gut verarbeitet. Der silberne Unterboden scheint dabei durch die abgeschrägte Kante aus dem schwarzen Oberteil herauszulaufen, was elegant und ungewohnt ist. Die Maße fallen mit 138 × 126 × 47 mm recht gewöhnlich aus. Da er VESA-kompatibel ist, lässt er sich mit einer Halterung einfach hinter einem Monitor anbringen.
Das Gehäuseinnere ist von der Unterseite nach dem Lösen von vier Schrauben zu erreichen, die sich unter den Gummistandfüßen verbergen. Dort findet sich direkt der SATA-Anschluss für eine zusätzliche 2,5-Zoll-Festplatte. Die RAM-Module sowie die M.2-Schnittstellen sind gut erreichbar – sehr schön.
Normalerweise kostet der Mini-PC etwa 369 Euro bei Amazon, zum Testzeitpunkt (9. Juli 2024) lag der Preis aber bereits bei 259 Euro. Zuletzt bekam man den Nipogi AM16 für 289 Euro, inzwischen ist er aber nicht mehr gelistet.
Der Nipogi AM16 dürfte für viele Anwendungen mehr als ausreichend sein. Mit seiner erstaunlich flotten CPU, einer guten Ausstattung bei RAM und Speicher sowie geringer Betriebslautstärke ist er gut aufgestellt und sogar eingeschränkt für Gaming geeignet. Damit dürfte das System auch noch für viele Jahre Reserven bieten.
Dazu gefallen uns die Verarbeitung des matten Kunststoffgehäuses sowie die gute Erreichbarkeit des Gehäuseinneren – was das Aufrüsten des Systems erleichtert. Auch bei den Anschlüssen freuen wir uns über USB-C mit Displayport, wobei ein eigener Displayport-Anschluss fehlt. Außerdem würden wir uns einen USB-C-Port zur Stromversorgung statt des DC-Rundsteckers wünschen.
Am Ende sind das aber Kleinigkeiten, die auch in diesem Preisbereich nicht selbstverständlich sind. Apropos Preis, wo das System alles richtig macht. Diese Ausstattung für unter 290 Euro ist eine echte Kampfansage an die Konkurrenz – mehr davon bitte.
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