Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Das Nokia G22 ist ein richtig gutes Budget-Smartphone für 160 Euro, das auch reparierbar ist. Wie es sich im Alltag schlägt, zeigt unser Testbericht.
Nokia ist eine Kultmarke, mit der viele Menschen etwas verbinden. Aus dem Smartphone-Geschäft hat sich der Hersteller eigentlich vor vielen Jahren zurückgezogen – und doch haben wir hier ein Nokia-Smartphone liegen. Mittlerweile besitzt das finnische Unternehmen HMD Global die Lizenz für die Marke Nokia und produziert in China Smartphones mit dem berühmten Namen. In der Vergangenheit haben wir uns hier beispielsweise auch schon Tablets der Finnen angesehen, darunter das Nokia T21 (Testbericht).
Nun schauen wir uns mit dem Nokia G22 ein besonders günstiges Smartphone an, das bei rund 160 Euro liegt und auf gute Reparierbarkeit setzt. Wir zeigen, ob sich ein Kauf lohnt und man das Gerät problemlos weiterempfehlen kann.
Weitere günstige Smartphones finden sich in der Top 10: Die besten Smartphones bis 200 Euro – mehr muss man nicht ausgeben. Richtige Schnäppchen zeigt die Top 10: Die besten Smartphones bis 150 Euro – Xiaomi vor Samsung.
Beim Design setzt Nokia rückseitig auf eine milchig-glänzende Kunststoffoberfläche. Diese ist laut Hersteller zu 100 Prozent aus recycelten Materialien gefertigt. Die Rückseite ziert sonst nur der quer angebrachte Nokia-Schriftzug – und schnell auch mal der ein oder andere Fingerabdruck, denn dafür ist die Oberfläche anfällig.
Das Kameramodul oben links ist grau und die drei Kameralinsen sind leicht erhöht positioniert. Daneben findet sich noch eine LED-Leuchte und der Schriftzug „50MP AI Camera“, der direkt schon ein wenig über die Kameraausstattung preisgibt. Das Modul ähnelt in seiner Aufteilung dem Vorgänger Nokia G21 (Testbericht), ist aber jetzt weniger abgerundet. Auch damals waren die Linsen noch etwas abgesetzt. Dadurch wackelt das Handy auf dem Tisch beim Tippen etwas – wenn man keine Hülle nutzt.
Die Vorderseite ist ähnlich wie beim Vorjahresmodell. Oben sitzt eine schmale Waterdrop-Notch für die Selfie-Kamera, was heutzutage nicht mehr ganz so ansehnlich ist. Viele Hersteller setzen mittlerweile auch im günstigen Bereich auf eine Punch-Hole-Notch, also kleine kreisrunde Aussparungen. Die Display-Ränder sind ringsherum nicht gleichmäßig, gerade das untere Kinn ist sehr breit. Die Ecken sind abgerundet. Dadurch sind Bildschirminhalte (falls dort Dinge angezeigt werden) leicht abgeschnitten, was zwar keinen Einfluss auf die Nutzbarkeit hat, aber einfach nicht so schön wirkt.
Die Seitenkanten sind in einem hellen Grauton gehalten. Dort sitzt oben links der Einschub für zwei SIM-Karten, rechts befinden sich Ein-/Aus-Knopf und Lautstärkewippe, die beiden einen soliden Druckpunkt haben. Im Powerbutton ist zudem ein flotter Fingerabdrucksensor integriert – in dieser Preisklasse auch nicht üblich. Der reagiert auch zuverlässiger und schneller als beim deutlich teureren Google Pixel Tablet (Testbericht). Insgesamt ist das Nokia G22 im Vergleich zum Vorgänger (Maße: 164,6 × 75,9 × 8,5 mm) mit 165 × 76,2 × 8,5 mm auch etwas gewachsen. Das Gewicht ist minimal um 5 Gramm auf nun 195 Gramm angestiegen. Das Gerät ist zudem nach IP-52 vor Staub und Sprühwasser zertifiziert.
HMD Global arbeitet beim Nokia G22 mit Ifixit zusammen. Die sind für Teardowns bekannt, also das Auseinanderbauen von Geräten, und bewerten regelmäßig Smartphones und andere Gadgets auf ihre Reparierbarkeit. Für das G22 bedeutet das, dass HMD Global den Innenaufbau optimiert hat und dem Handy ein Reparaturset mit Werkzeug beiliegt. So ist man selbst in der Lage, das Gerät auseinanderzubauen, um etwa ein kaputtes Display auszutauschen oder den Akku zu wechseln, wenn er nicht mehr so lange hält.
Damit will man dafür sorgen, dass das sonst noch brauchbare Gerät nicht voreilig im Müll landet. Das Handy selbst zu reparieren ist hier also erwünscht – ein schöner Ansatz für mehr Nachhaltigkeit. Es ist erfreulich, dass immer mehr Hersteller mittlerweile erkannt haben, wie wichtig gute Reparierbarkeit ist. So setzt auch Google für alle seine veröffentlichten Pixel-Smartphones auf eine Zusammenarbeit mit Ifixit und bietet Ersatzteil-Sets mit Werkzeug.
Mit einer Bildschirmdiagonale von 6,52 Zoll ist das Nokia G22 wahrlich keines der kleineren Smartphones. Das LCD-Panel im 20:9-Verhältnis kommt auf eine Auflösung von 1600 × 720 Pixel und damit eine Pixeldichte von 269 ppi (Pixel pro Zoll). Eine so geringe Auflösung ist nicht mehr zeitgemäß, speziell da andere Hersteller hier standardmäßig Full-HD oder mehr bieten, wie unsere Top 10: Die besten Smartphones bis 200 Euro – mehr muss man nicht ausgeben zeigt.
Bis auf die nicht so erfreuliche Auflösung ist dieses Display aber ein echtes Highlight, gerade für diese Preisklasse. Es setzt nämlich auf adaptive Bildwiederholfrequenz mit bis zu 90 Hz. Standardmäßig stellt die Software also je nach Nutzung die Framerate ein, sodass ein möglichst flüssiges Bild entsteht, gleichzeitig aber der Akku nicht dauerhaft eine Mehrbelastung hat. Man kann aber in den Einstellungen auch permanent 60 Hz festlegen, um den Akku zu schonen.
In unserem Helligkeitstest schafft das Display im manuellen Modus rund 550 cd/m², im automatischen Modus sogar fast 700 cd/m². Das ist für 160 Euro wirklich hervorragend und auch deutlich besser als beim Vorgänger, der noch unter 500 cd/m² blieb – selbst im automatischen Modus. Bei Tageslicht ist der Bildschirm so gut ablesbar, außer die Sonne scheint direkt aufs Handy. Hier benötigt man schon eher 1000 cd/m², was aber nur den höheren Preisklassen vorbehalten ist. Insgesamt ist es ein tolles Display mit einem Manko bei der Auflösung.
Die Hauptkamera des Nokia G22 setzt plakativ auf eine Auflösung von 50 Megapixel und eine F/1.8-Blende. Daneben gibt es noch eine 2-Megapixel-Makrolinse und einen Tiefensensor mit 2 Megapixel. Die Selfie-Kamera löst mit 8 Megapixel auf.
Mit der Hauptlinse lassen sich tagsüber solide Fotos schießen, nicht immer waren wir aber mit der Auslösezeit beziehungsweise der Reaktionsgeschwindigkeit der Kamera zufrieden. Insgesamt sind Farben im Vergleich zu höherpreisigen Geräten wie dem Pixel 6 Pro (Testbericht) etwas übersättigt. Pflanzen wirken so unnatürlich. Ebenfalls ist die Kamera etwas detailarm, gerade im Hintergrund bleibt am Ende eher Pixelbrei.
Wollen wir einen Gegenstand in den Vordergrund nehmen, fällt es uns schwer, den Fokus richtig einzustellen. Tippen wir auf ein Objekt, um es zu fokussieren, wird es nicht immer wie gewünscht scharf. Videos nimmt die Linse in 1080p und 30 Bildern pro Sekunde (FPS) auf.
Kommen wir zur 2-Megapixel-Makrolinse, die einem als Tech-Journalist sofort als rotes Tuch ins Auge springt. So ist es auch im Test. In ganz vielen Szenarien ist diese Linse einfach nicht zu gebrauchen. Fotos wollen damit schier nicht scharf werden und sind zudem noch sehr dunkel. Im dunkleren Wald möchte man damit also eher nicht Blumen und Pilze fotografieren. Aber auch im hellen Garten ist es ein schier unmögliches Unterfangen, Blumen scharf zu bekommen. Zudem ist die Auflösung viel zu gering für detailreiche Fotos. Kurz: Hätte man sich auch sparen können.
Die Selfie-Kamera ist mit ihren 8 Megapixel ausreichend scharf. Selfies werden gut, reißen uns aber nicht vom Hocker. So ist auch hier der Hintergrund arm an Details und verschwindet im Pixelbrei. Videos sind hier mit maximal 30 FPS in 1080p möglich.
Insgesamt ist die gebotene Kameraausstattung dem Preis angemessen, aber tatsächlich weniger schlimm als befürchtet. Tagsüber lassen sich damit Fotos mit guter Schärfe produzieren, wird es aber etwas dunkler, ist ein detailreiches, scharfes und fokussiertes Foto schwierig hinzubekommen.
Wie beim Vorgänger G21 setzt HMD Global auch beim Nokia G22 auf den Prozessor Unisoc Tiger T606, begleitet von einer Mali-G57-MC3-GPU. Das Octacore-SoC setzt auf zwei Performance-Cores vom Typ ARM Cortex A75 und sechs Cortex A55, die für weniger anspruchsvolle Aufgaben gedacht und damit sparsamer sind. Die Taktrate liegt bei 1,6 GHz.
Im Benchmark Work 3.0 von PCmark kommt das SoC so auf durchschnittlich rund 7500 Punkte, der Vorgänger hatte hier 7700 Punkte. Komischerweise schneidet es im Benchmark „Wild Life“ von 3Dmark besser ab als der Vorgänger, trotz gleicher Hardware. Das Nokia G22 erreicht hier im Schnitt 410 Punkte, das Nokia G21 blieb knapp unter 400 Punkten. Das ist aber kein Riesensprung und führt auch nicht dazu, dass wir hier auf einmal ein Gaming-fähiges Smartphone vorliegen haben.
Für leichte Kost und Casual Games reicht die Performance aus, wer aufwendige 3D-Titel zocken will, ist hier aber falsch. Bei der alltäglichen Nutzung kann sich das G22 den ein oder anderen Ruckler in der Bedienoberfläche Material You nicht ganz verkneifen, Apps legen mitunter die eine oder andere Gedenksekunde ein. Für ein Handy um 160 Euro geht das aber in Ordnung, im Alltag kann man damit leben. Die 4 GByte RAM (Arbeitsspeicher) leisten hier ganze Arbeit für eine angenehme Nutzung.
Speicherseitig macht die 64-GByte-Variante den Einstieg, ansonsten gibt es noch eine 128-GByte-Ausführung. Der RAM bleibt in allen Ausstattungsvarianten gleich. Der interne Speicher aber lässt sich über eine microSD-Karte um bis zu 2 TByte erweitern. Ansonsten gibt es hier einen 3,5-mm-Klinkenstecker (mittlerweile eine Seltenheit) und einen USB-C-Ausgang nach USB-2.0-Standard. Das ist zwar nicht das höchste der Gefühle, ehrlicherweise ist USB-3.0 oder besser aber selbst in der Mittelklasse noch keine Selbstverständlichkeit. Über den Klinkenstecker kann man sogar noch eine UKW-Radiofunktion nutzen.
Mobil surft das G22 maximal mit LTE (4G), was in der Preisklasse nicht ungewöhnlich ist. Für heimische Netzwerke steht Wi-Fi 5, für Zubehör Bluetooth 5.0 und für das mobile Bezahlen NFC zur Verfügung. Drahtloses Laden per Qi gibt es aber nicht.
Nokia garantiert drei Jahre lang monatliche Sicherheits-Updates und zwei Jahre System-Updates auf die neueste Android-Version. Der Hersteller setzt auf fast reines Vanilla-Android und bringt nur stellenweise Anpassungen ein. Dazu gehören die eigene, in der Vergangenheit oft gelobte Nokia-Kamera-App, aber auch Kleinigkeiten, wie das Feature Audio Boost, das die Maximallautstärke erhöht.
Zum Testzeitpunkt Anfang August 2023 kam der Sicherheits-Patch für Juli reingeflattert, das OS steht auf Android 12. Letzteres ist schon ein deutlicher Rückstand, denn demnächst wird bereits Android 14 erwartet. Zwar sind die Sprünge zwischen Android 12 und 13 nicht gigantisch, aber dennoch wäre es schön, ein halbwegs aktuelles Betriebssystem zu haben. Immerhin ist die sicherheitskritische Arbeit aber gemacht.
Der festverbaute Akku bietet wie der Vorgänger 5050 mAh. Damit kommt er im Akkutest von PCmark bei fest eingestellten 200 cd/m² auf eine Akkulaufzeit von fast 13 Stunden. Das ist ziemlich gut. Geht es wieder ans Laden, geschieht das mit bis zu 20 Watt, Power Delivery 3.0 wird unterstützt. Damit dauert das Aufladen rund eineinhalb Stunden. Das ist nicht schnell, aber auch nicht furchtbar langsam. Das Netzteil hat HMD Global aber eingespart, beigelegt ist nur ein USB-Kabel. Alternativen zum Laden zeigen wir in der Top 10: Die besten USB-C-Ladegeräte – billig lädt schneller als teuer.
Das Nokia G22 gibt es in zwei Varianten und Farben. Während der Arbeitsspeicher mit 4 GByte in allen Ausführungen fix ist, kann man beim internen Speicher zwischen 64 GByte und 128 GByte wählen. Farblich hat man die Wahl zwischen Lagoon Blue und Meteor Grey. Unser Testgerät ist grau und hat 128 GByte. So würde es aktuell 165 Euro kosten, mit der Hälfte des internen Speichers liegt man bei 160 Euro. Ist der Preisunterschied so gering, raten wir immer zum Aufpreis für mehr Speicher.
Insgesamt ist das Nokia G22 ein interessantes Budget-Smartphone mit Fokus auf Nachhaltigkeit durch bessere Möglichkeiten zur Eigenreparatur. Vom System darf man keine Wunder erwarten und auch die Kamera reißt verglichen mit anderen Smartphones nicht vom Hocker. All das ist aber gegenüber dem sehr fairen Preis von 160 Euro angemessen.
Vor allem die hohe Displayhelligkeit (fast 700 cd/m²) und die Bildwiederholrate von 90 Hz sind für diesen Preis bemerkenswert und nicht selbstverständlich. Das Nokia G22 bekommt von uns eine klare Empfehlung, wenn man nicht viel Geld für ein Smartphone erübrigen will.
Ebenfalls preiswert und mit nahezu unverändertem Android ist das Motorola Moto G23 (Testbericht). Zum gleichen Preis bereits mit OLED und Full-HD gesegnet ist das nicht mehr ganz neue Redmi Note 11 (Testbericht) von Xiaomi. Wer noch weitere günstige Alternativen sucht, schaut am besten in unsere Top 10: Die besten Smartphones bis 150 Euro – Xiaomi vor Samsung sowie Top 10: Die besten Smartphones bis 200 Euro.
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