Nothing kann mehr als Hype? Wir testen die Ear 1 In-Ear-Kopfhörer und zeigen, ob die Bluetooth-Geräte ihr Geld wert sind.
Schon vor dem Nothing Phone konnte das Unternehmen eins sehr gut: neue Produkte hypen. Das erste Produkt, die Nothing Ear 1 True-Wireless-Kopfhörer wurden damals über Kickstarter finanziert und waren in den sozialen Medien nicht zu übersehen.
Nachdem der Launch des Smartphones Nothing Phone durch ist, lohnt sich ein weiterer Blick auf die Kopfhörer. Wir testen sie im Rahmen unserer Themenwelt Bluetooth-Kopfhörer.
Nothing liebt transparente Designs. Das gilt auch für die Ear 1. Das Ladecase und die beiden Ohrstöpsel sind zumindest teilweise transparent, sodass man die Bauteile im Inneren sehen kann. In den älteren Mitgliedern der Redaktion weckt das Erinnerungen an den Gameboy mit durchsichtigem Gehäuse.
Die Kopfhörer haben das klassische True-Wireless-Format: Der „Kopf“ ist etwas dick, an dem die austauschbaren Silikonstöpsel sitzen, die ins Ohr kommen. Am unteren Ende ist der lange Steg für die Technik und die Mikrofone.
Das rechteckige Gehäuse kommt ebenfalls im halbtransparenten Look und ist vergleichsweise groß. Da es aber flach ist, kann man es gut in die Hosentasche stecken. Die beiden Kopfhörer rasten dank Magneten mit einem satten Geräusch ein und werden dann geladen. Am Gehäuse selbst ist ein USB-C-Eingang und ein Druckknopf, mit dem man das Pairing manuell auslösen kann.
Die Nothing Ear 1 waren (und sind) technisch noch immer absolut auf der Höhe der Zeit. Sie nutzen Bluetooth 5.2, dazu kommt Fast Pair für Android und der AAC-Audiocodec für Apple-Produkte. Sie sind nach IPX4 gegen Wasser geschützt, Regen macht ihnen also nichts aus.
In den Kopfhörern sitzt zudem eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) sowie Touch-Flächen, mit denen man die Geräte im Ohr steuern kann. Besonders gut gefiel uns die Lautstärkeregelung. Fährt man an den Stegen nach oben, wird es lauter, in die andere Richtung macht das Audio leiser. Das funktioniert super und wird so viel zu selten bei anderen Kopfhörern umgesetzt.
Direkt nach dem Pairing mit einem Android-Smartphone kommt ein Pop-up, um die passende Software für die Kopfhörer herunterzuladen. Die benötigt man zwar nicht zwingend, wir raten aber zur Installation, um etwa die Touch-Belegung anzupassen oder eine neue Firmware einzuspielen. Gerade ältere Versionen der Ear 1 können etwas buggy sein, mit unserer aktuellen Testversion hatten wir dagegen keine Probleme.
Die Software ist schick gemacht und einfach zu verstehen. Sie zeigt den Ladestand der Kopfhörer und des Etuis an, dazu kann man über Hear den Equalizer anpassen oder über die Option Touch die Steuerung ändern. Letzteres funktioniert auf Wunsch auch geteilt nach linkem oder rechtem Ohr.
Gesteuert werden die Kopfhörer per Touch. Wie oben erwähnt kann man die Funktionen anpassen und so pausieren, vorspringen oder das ANC an- und abschalten. Die Stöpsel reagierten im Test zuverlässig, auch die Lautstärkensteuerung per Wischgeste hat mit der aktuellen Firmware gut funktioniert. Insgesamt war die Steuerung intuitiv. Die Kopfhörer bemerken es, wenn man sie aus dem Ohr nimmt, und stoppen die Wiedergabe dann automatisch. Setzt man sie wieder ein, läuft auch das Audio weiter.
Die App bietet eine Suchfunktion, allerdings nur, wenn die Kopfhörer aktiv und nicht im Etui sind. Dann spielt sie einen lauten Ton ab – man sollte sie dabei auf keinen Fall in den Ohren haben!
Wenig zu meckern gibt es beim Klang. Der ist Bass ist überraschend kraftvoll, ohne dass er die Details übertönt. Das ist deutlich besser als bei günstigeren Kopfhörern, die oft zur Basslastigkeit neigen. Ein guter Test-Song ist Blinding Lights von The Weeknd, bei dem Gesang, Bass und die restlichen Instrumente schön aus dem Kopfhörer dröhnen. Wir haben damit unsere Playlisten durchgehört und fanden, dass die Kopfhörer in fast allen Situationen einen guten Job machen – damit macht Musikhören einfach Spaß.
Gleiches gilt für Podcasts oder Audiobücher, auch die liefern die Ear 1 problemlos ins Ohr. Atmos-abgemischte Songs klingen gut, allerdings fehlt die dedizierte Technik für Dolby Atmos oder 360 Reality Audio. Schade, das wäre das Tüpfelchen auf dem i, aber auch so liefern die Ear 1 gute Musik für ihren Preispunkt.
Eine aptX-Zertifizierung fehlt zwar, dennoch kann man mit den Kopfhörern verzögerungsfrei Filme ansehen. Die Sprachqualität bei Anrufen ist gut, allerdings muss man meist etwas lauter sprechen. Wie immer sollte man sich eine ruhige Ecke suchen, wer an einer viel befahrenen Straße telefoniert, der wird wenig Freude haben.
Die aktive Geräuschunterdrückung ist gut bis sehr gut. Sie filtert hauptsächlich monotone Umgebungsgeräusche zuverlässig heraus, ideal für Bahn oder Bus. In der App kann man die Stärke einstellen, wer seine Ruhe möchte, der dreht sie aufs Maximum. Der Awareness-Modus schickt die Umgebungsgeräusche durch die Mikrofone, wir haben die Kopfhörer aber lieber kurz aus dem Ohr genommen, um mit jemandem zu sprechen. Bei schneller Bewegung draußen, etwa auf dem Rad, hört man zudem den Wind deutlich. Das konnten aber bislang auch nur die (deutlich teureren) Sennheiser Momentum True Wireless 3 (Testbericht) gut filtern.
Ein Hinweis noch für Bart-, genauer gesagt, Kotelettenträger: Mit längeren Haaren hatten wir immer wieder ein seltsames Kratzen an den Ohren, das mit einer Rasur allerdings verschwand. Möglicherweise kommen sich die Backenbarthaare und die kleinen Mikros ins Gehege.
Mit ANC und voller Lautstärke kommt man auf knapp 4 Stunden, ohne ANC sind es fast 6 Stunden. Das ist keine wahnsinnig lange Akkulaufzeit, aber auch nicht schlecht. Das Ladecase lädt die Ohrhörer dafür bis zu fünfmal. Im Alltag kann man also gut damit über die Runden kommen.
Von der UVP von knapp 110 Euro haben sich die Nothing Ear 1 inzwischen gut entfernt. Man bekommt sie meist für um die 90 Euro. Teilweise, etwa zu Aktionen wie dem Prime Day, fiel der Preis auf unter 60 Euro.
Gut, wer sich nicht vom Hype direkt vor dem Verkaufsstart blenden ließ. Denn die Nothing Ear 1 sind seit dem Marktstart ordentlich nachgereift, ähnlich wie guter Wein. Inzwischen ist die Software erfreulich fehlerfrei und ziemlich stylisch.
Da Nothing von Anfang an ordentliche Hardware eingebaut hat, müssen sich die Ear 1 nicht hinter deutlich jüngeren True-Wireless-Kopfhörern verstecken. Neben dem tollen Klang gilt das für die Geräuschunterdrückung. Es ist faszinierend, wie gut ANC inzwischen in Kopfhörern funktioniert. Selbst unter 100 Euro bekommt man eine Qualität, die vor ein paar Jahren nur in absoluten High-End-Geräten zu finden war.
Können wir den Kauf der Nothing Ear 1 also empfehlen? Ja. Denn die Audio-Qualität hält, was das coole Design (und der Hype) verspricht, es handelt sich um gute Alltagskopfhörer. Wer allerdings Dolby Atmos oder 360 Reality Audio sucht, der muss tiefer in die Tasche greifen und etwa die Sony Linkbuds (Testbericht) ins Auge fassen.
Der Test zu den Nothing Ear 1 erscheint in der in unserer Themenwelt True-Wireless-Kopfhörer. Dort haben wir bereits Alternativen getestet, etwa die Sennheiser Momentum True Wireless 3 (Testbericht), die Amazon Echo Buds (Testbericht), die Sony Linkbuds (Testbericht) oder die Sennheiser CX Plus (Testbericht). Dazu widmen wir uns günstigen Geräten, etwa im Ratgeber Fake Airpods: Das taugen günstige Apple-Klone ab 6 Euro. Die Grundlagen zeigen wir im Beitrag ANC, Codecs & Bluetooth: Das muss ein guter Kopfhörer können.
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