Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Erfrischend anders: Die Huawei Freeclip sehen eher aus wie ein Ohr-Piercing, sind ultraleicht und bieten tollen Klang – bei freiem Gehörgang. Wie gut die Open-Ear-Kopfhörer sind, zeigt der Test.
True Wireless Kopfhörer sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Dabei dominieren In-Ear-Kopfhörer, die mit Active Noise Cancellation (ANC) die Nutzer wirkungsvoll von der Umwelt abschirmen. Zwei Probleme ergeben sich aber bei dieser Art von Kopfhörern: Bei einigen Personen passen sie einfach nicht gut in den Gehörgang und sind dadurch unbequem oder schmerzend. Zudem sind sie keine gute Option im Straßenverkehr, etwa auf dem Fahrrad, da man von seiner Umgebung kaum etwas mitbekommt.
Mit den Freeclip hat Huawei jetzt einen sehr ungewöhnlichen Open-Ear-Kopfhörer vorgestellt. Die federleichten Ohrhörer (5 g) klemmen Nutzer einfach an die Ohrmuschel, ein kleiner Lautsprecher bringt den Klang von dort in den Gehörgang. Das erlaubt es, Außengeräusche dennoch wahrzunehmen – parallel zu Musik, Podcasts oder Anrufen. Wie sich die Freeclip im Alltag schlagen, zeigt der Testbericht.
Die Freeclip bestehen aus einer runden, elastischen Klammer – Huawei nennt das Design C-Bridge – mit einem ovalen Knubbel einerseits und einem runden Speaker andererseits. Die c-förmige Halterung schiebt man einfach über die Ohrmuschel, die Hörer halten dann erstaunlich gut am Ohr. Optisch erinnert das Ganze an eine Mischung aus Piercing und Alien-Artefakt. Es spielt dabei keine Rolle, welche Hörer man auf welches Ohr setzt.
Man spürt die Freeclip kaum am Ohr, so leicht sind sie. Das sorgt für einen hohen Tragekomfort. Personen, die In-Ears generell nichts abgewinnen können, bekommen damit eine bequeme Alternative. Die Hörer halten zudem fest genug, um beim Sport nicht aus dem Ohr herauszufallen. Für Brillenträger sind sie ebenfalls eine gute Option, da sie sich nicht am Brillengestell verheddern.
Von außen sehen sie eher aus wie Ohrschmuck als Kopfhörer. Allerdings muss man aufpassen, wenn man eine Wollmütze oder Kapuze überzieht, dass die kleinen Hörer nicht verloren gehen. Bei Bedarf schiebt man die Freeclip zurecht, um den Sound optimal zu hören. Schick sieht zudem das rundliche Ladecase aus.
Typisch für Kopfhörer von Huawei: Zum erstmaligen Koppeln öffnet man das Case und drückt dann für mehrere Sekunden den runden, seitlichen Button. Jetzt gehen die Freeclip in den Kopplungsmodus. Eine App ist nicht zwingend nötig dazu.
Optional kann man die App AI Life von Huawei herunterladen. Allerdings steht diese nicht im Play Store zur Verfügung, hier ist ein Sideload aus einer anderen Quelle nötig. Über die App aktualisiert man die Firmware der Freeclip oder passt die Audio-Einstellungen an, etwa um die Wiedergabe von Stimmen zu verbessern oder das Volumen oder die Tonhöhen zu verbessern. Einen Bass-Boost oder einen Equalizer wie bei den Freebuds Pro 3 gibt es aber leider nicht.
Um die Wiedergabe zu stoppen, müssen Nutzer zweimal auf die C-Bridge tippen. Mit dreifachem Tippen wählt man den nächsten Track. Weitere Gestensteuerungen gibt es standardmäßig nicht. Man kann aber in der App festlegen, dass etwa dreifaches Tippen auf den linken Hörer den Track wieder auf Anfang setzt, während der rechte Hörer zum nächsten Titel springt. Das ist verglichen mit den Huawei Freebuds Pro 3 etwas eingeschränkt, wo man sogar die Lautstärke anpassen kann. Nimmt man die Hörer ab, stoppt die Wiedergabe automatisch.
Der Sound der Freeclip ist richtig gut und besticht durch einen klaren, ausgewogenen und hellen Klang. Insgesamt betonen die Hörer für unseren Geschmack etwas zu stark die Höhen, die zuweilen etwas schrill und verzerrt klingen können. Der Bass ist präsent, kann aber bei Weitem nicht mit der tiefen Fülle eines In-Ear-Kopfhörers wie dem Huawei Freebuds Pro 3 mithalten. Wer also auf elektronische Musik oder Hip-Hop steht, ist hier nicht unbedingt an der richtigen Adresse. Weniger gravierend hört sich das bei Podcasts, akustischer Musik oder Rock und Pop an. Bei leiser Umgebung sind die Kopfhörer auch für andere minimal hörbar.
Die Besonderheit von Over-Ear-Kopfhörern ist, dass sie Außengeräusche noch durchdringen lassen. Das macht die Freeclip zu idealen Begleitern beim Radfahren, auf dem E-Scooter oder beim Joggen – denn so bekommt man etwa noch deutlich mit, wenn sich ein Auto nähert. Mit einem In-Ear-Kopfhörer wäre das unverantwortlich. Im Prinzip begleitet einen dann die Musik wie ein Soundtrack, während man die Umgebungsgeräusche noch mitbekommt. Auch zu Hause bietet es Vorteile, um Mitbewohner noch wahrzunehmen oder den klingelnden Postboten.
Die Kehrseite der Medaille der offenen Bauweise: Eine Abschottung ist so nicht möglich. Das sollte man wissen, bevor man sich die Freeclip zulegt. Wer insbesondere ANC gewohnt ist von In-Ears, könnte enttäuscht sein. Bei lauten Umgebungsgeräuschen schränkt das den Hörgenuss ein, etwa im Flugzeug oder bei lauten Durchsagen am Bahnsteig – immerhin bekommt man dann aber mit, dass der Zug wieder nicht kommt. Bei einer flotten Fahrt mit dem E-Scooter stören zudem Windgeräusche bei schlechter Witterung. Telefonieren klappt ebenfalls ordentlich mit den Freeclip, der andere Gesprächspartner versteht einen ausreichend gut und umgekehrt.
Wichtig beim Sport: Die Freeclip sind nach IP54 zumindest vor Spritzwasser geschützt. Die Treiber bieten recht üppige 10,8 mm und decken einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz. Ein Mikrofon ist integriert. Die drahtlose Verbindung erfolgt via Bluetooth 5.3, eine Anbindung an zwei Geräte gleichzeitig per Multipoint ist möglich. Als Codecs stehen SBC sowie AAC und sogar die hochauflösenden L2HC und LC3 zur Verfügung.
So schlank die Freeclip auch erscheinen, bieten sie eine ordentliche Akkulaufzeit verglichen mit den Huawei Freebuds Pro 3. Huawei gibt für die Hörer eine Laufzeit von rund 8 Stunden an, was sich mit unseren Erfahrungen beinahe deckt. Beim Telefonieren fällt die Laufzeit allerdings kürzer aus. Das Ladecase verlängert die Laufzeit um weitere 35 Stunden. Das Case lädt die Hörer in rund 40 Minuten auf. Lädt man die Clips für etwa 10 Minuten, halten sie immerhin schon fast 2 Stunden durch. Als Anschluss bietet die Ladeschale USB-C und ist damit in etwa 50 Minuten per Kabel geladen. Optional unterstützt das Case auch kabelloses Laden, was aber nicht ganz so flott geht.
Die UVP für die Huawei Freeclip liegt bei 199 Euro. Mittlerweile sind die Preise auf 179 Euro gesunken.
Die Huawei Freeclip sind federleicht und angenehm zu tragen – Vorsicht ist nur beim Aufsetzen einer Mütze geboten. Auch beim Sport halten sie fest und bieten ein außergewöhnliches Design. Durch die offene Bauweise sind die Freeclip eine gute Option auf dem Fahrrad, E-Scooter oder beim Laufen.
Dieser Vorteil ist aber auch gleichzeitig der größte Nachteil – in sehr lauter Umgebung schmälert es den Hörgenuss schon deutlich. Zudem ist der Bass verglichen mit In-Ears nicht so kräftig. Die Höhen sind zuweilen etwas zu stark betont. Insgesamt eine überzeugende Option für Podcasts und Fans akustischer Musik, die sich bewusst nicht ganz abkapseln wollen oder mit einem In-Ear-Kopfhörer nicht zurechtkommen.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.