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Oppo Find X3 Pro im Test: Superschnell, superschick und superteuer

Oppo Find X3 Pro
VORTEILE
  • Tolles Display
  • Klasse Kamera mit sehr gutem Weitwinkel
  • Schnell und stark
NACHTEILE
  • Telelinse nur bei gutem Licht zu gebrauchen
  • Preis (nur wegen fehlender Bekanntheit in Deutschland)

Mit dem Smartphone Find X2 Pro überzeugte Oppo im vergangenen Jahr (fast) auf ganzer Linie, der Nachfolger Find X3 Pro lockt mit noch mehr Features und einer überarbeiteten Kamera. TechStage klärt im Test, ob das Konzept aufgeht.

Oppo startet durch. In 2020 gab es schon einige richtig gute Smartphones für Deutschland, nämlich Oppo A73 5G (Testbericht), Oppo Reno 4 Pro (Testbericht) und Oppo A53s (Testbericht). Mittlerweile ist man im chinesischen Heimatmarkt vor Huawei die Nummer Eins und entsprechend hängt beim neuen Oppo Find X3 Pro die Messlatte noch etwas höher. Vorgänger Oppo Find X2 Pro (Testbericht) machte fast alles richtig, uns hat vor allem der Preis gestört, zumindest für einen Hersteller, der hierzulande noch keinen Namen hat. Ist das neue Modell nun perfekt? So viel vorweg: Mit einer UVP von stolzen 1149 Euro ist es das beim Preis schon mal nicht.

Design

Schick – und überraschend dünn und leicht! Das waren unsere ersten Gedanken zum Oppo Find X3 Pro, als wir das Smartphone in die Hand nahmen und die Vorderseite betrachteten. Tatsächlich sind 193 Gramm Gewicht und kaum mehr als 8 Millimeter Bautiefe (plus Kamera) sehr gute Werte für ein großes Flagship-Phone. Leicht geschwungene Display-Ränder vermitteln hohe Wertigkeit, dabei ist die Biegung nicht so extrem, dass es zu störenden Spiegelungen auf der Krümmung kommt. Zumindest liegen die nicht im Darstellungsbereich des OLED-Screens. Die Glasrückseite fühlt sich typisch kühl und etwas rutschig an, der Metallrahmen ebenfalls. Diese Gedanken sind aber schnell verflogen, als wir einen Blick auf die Rückseite geworfen haben.

Unser schwarzes Testmodell glänzt wie ein getönter Spiegel und zieht ebenso schnell Fingerabdrücke an. Schick und edel sieht sie im geputzten Zustand definitiv aus, wer sich allerdings die ständigen Säuberungsaktionen sparen will, greift auf die im Lieferumfang befindliche, schwarze Schutzhülle zurück. Die nimmt dem schicken Smartphone allerdings fast alles von seinem Design und das ist zumindest an einer Stelle einzigartig: an der Kamera. Denn Oppo baut als erster Hersteller eine einteilige Rückseite, bei der die eigentlich vorstehende Kameraeinheit geradezu fließend umschlossen wird. Das Glas hebt sich sanft von der Oberfläche der Rückseite ab und geht dann ohne scharfe Kante direkt in das Kameramodul über - das ist außergewöhnlich und unterscheidet sich von allen anderen Smartphones auf dem Markt. Dass zuvor niemand anderes entsprechende Versuche unternommen hat ist klar, schließlich galt diese Fertigungsart bislang als viel zu aufwändig und Ausschuss-belastet, um effektiv produzieren zu können. Bis jetzt.

Diese fließende Formensprache wird gut fortgeführt. Die Übergänge der gerundeten Rückseite über den Rahmen bis hin zur Front mit ihren - bereits erwähnten - ebenfalls gerundeten Display-Rändern ist kaum zu erfühlen. Lediglich die aufgebrachte Display-Schutzfolie ist leicht scharfkantig, sie lässt sich aber problemlos entfernen. Allerdings setzt Oppo nur auf Gorilla Glas 5 statt die neueste Version Victus, wie sie etwa beim Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) zum Einsatz kommt. Daher will dieser Schritt wohl überlegt sein. Die sonstige Verarbeitung ist perfekt. Unregelmäßige Spaltmaße gibt es nicht, die wenigen Hardware-Tasten an den Seiten bieten optimalen Druckpunkt und Tastenhub – etwas anderes erwartet man von einem Spitzenmodell nicht. Das Oppo Find X3 Pro ist nach IP68 gegen Staub und Wasser geschützt und verträgt entsprechend sogar ein kurzes Vollbad.

Display

Das 6,7 Zoll große OLED-Display bietet 3216 x 1440 Pixel und damit eine messerscharfe Darstellung von über 530 Pixel pro Zoll. Der Screen beherrscht HDR10+ und verfügt über eine adaptive Bildwiederholungsrate von 120 Hertz sowie eine Abtastrate von 240 Hertz. Entsprechend gibt es nicht “nur” 16 Millionen Farben (8 Bit) wieder, sondern satte 1,07 Milliarden Farben. Was wie totaler Overkill klingt (und eigentlich auch ist), sorgt gerade bei Farbverläufen für natürlichere Übergänge ohne Stufeneffekt.

Auf dem Papier klingt das super und das ist es im Alltag. Die Helligkeit haben wir mit 440 cd/m2 im manuellen Modus und guten 690 Candela im Automatikmodus gemessen. Zusammen mit den tollen Kontrasten, dem brillanten Schwarzwert und der einwandfreien Blickwinkelstabilität sollte die Ablesbarkeit von Inhalten selbst im Sommer zu keinen großen Problemen führen. Klasse sind die vielen Anpassungsmöglichkeiten für den Screen – inklusive Feature-reichem Always-on-Display und aufblinkenden Seitenrändern des Screens bei eingehenden Nachrichten.

Kamera

Bei der Kamera geht Oppo andere Wege – andere als Samsung oder beim Vorgänger Oppo Find X2 Pro (Testbericht). Denn während bei der Konkurrenz aus Korea und beim Vorgänger noch eine Periskoplinse mit starker Vergrößerung im Vordergrund stand, setzt Oppo beim Find X3 Pro auf die Perfektion des Weitwinkel-Objektives. Dazu baut der Hersteller identische 50-Megapixel-Sensoren von Sony ein, die so aufeinander abgestimmt sind, dass bis auf den Bildausschnitt alles gleich ist: Farben, Bilddynamik, Schärfe. Das ist bei vielen Konkurrenzprodukten anders. Oppo geht noch einen Schritt weiter. Besonderes Augenmerk hat der Hersteller auf das Farbmanagement gelegt. Bedeutet: Der Bildsensor kann 10 Bit, die Signalverarbeitung ebenfalls und das Display schafft 10 Bit. Oppo nennt das Full Path Color Management System.

Oppo Find X3 Pro: Hauptlinse und Weitwinkel mit identischem 50-Megapixel-Sensor

Auf ein Teleobjektiv müssen Nutzer zum Glück trotzdem nicht verzichten. Es bietet allerdings nur 13 Megapixel und fünffache Vergrößerung erreicht man damit nur als Hybridzoom. Alle drei Kameras produzieren Bilder mit 12 Megapixel – bei Haupt- und Weitwinkel geschieht dies dank 4zu1-Pixel Binning, bei der Telelinse werden ein paar Pixel weggeschnitten. Den Abschluss bildet eine “Mikroskopkamera” mit knapp 4 Megapixel, die bis zu 50-fache Vergrößerung aufnehmen können soll. Vor dem Test waren wir hin- und hergerissen: Die Megapixelzahl lässt wie bei herkömmlichen Makrokameras eigentlich keine ordentliche Qualität erwarten, die starke Vergrößerung klingt aber spannend.

Überzeugt das Ergebnis? Ja und nein. Ja, die Mikroskopkamera, die fast auf das Motiv aufgelegt werden muss und zur Unterstützung einen schwach leuchtenden Ring um das Objektiv aktiviert, erlaubt trotz geringer Auflösung tatsächlich faszinierende Einblicke in einen Macrokosmos, der dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleibt. Das ist deutlich eindrucksvoller als eine herkömmliche Makrokamera. Nein, weil die Qualität dafür wie befürchtet nicht wirklich ganz ausreicht. Außerdem hatten wir den Eindruck, dass es für diese Kamera kaum Einsatzzwecke gibt. Nach anfänglich fasziniertem Ausprobieren geriet diese Linse im Test schnell in Vergessenheit. Daher schnell zu den Highlights der Kamera: Hauptlinse, Weitwinkel und Videofunktion.

Die versprochene Gleichheit bei Haupt- und Weitwinkel stimmte im Test nicht immer, allerdings kann das schon am nicht komplett identischen Bildmittel- und Fokuspunkt der freihändig aufgenommenen Fotos liegen. So war die Farbwiedergabe oder zumindest die Sättigung etwa von Gras bisweilen bei Weitwinkel und Hauptlinse unterschiedlich. Bei Bildschärfe, Bilddynamik und Bildrauschen konnten wir hingegen keine Unterschiede erkennen – gerade bei Schärfe und Dynamik ist das sonst häufig anders. Hier punkten beide Linsen mit sehr guter Qualität und gerade der Weitwinkel gehört zu den Besten seiner Art. Gut gefallen hat uns das natürlich wirkende Bokeh. Das gilt auch für Aufnahmen mit wenig Licht, der Nachtmodus leistet gute Arbeit. Die Selfiecam mit stolzen 32 Megapixel knipst erstaunlich scharfe Bilder, die mit vielen Details und natürlichen Farben punkten.

Und wie sieht es mit dem Zoom aus? Der kann erwartungsgemäß nicht mit der nahezu perfekten Vergrößerung eines Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) mithalten, das zeigt sich aber vor allem bei schwindendem Licht und bei höheren Vergrößerungsstufen. Dann sinkt die Bildschärfe und Bildrauschen tritt in den Vordergrund, das passt nicht mehr zu einem Highendmodell. Bei gutem Licht hingegen sehen entsprechende Aufnahmen richtig gut aus, mit leichten Abstrichen im Hybridmodus mit 5-facher Vergrößerung.

Faszinierend: Die Fasern der Stoff-Couch mit der Mikroskopkamera aufgenommen

Kommen wir zu einem weiteren Highlight des Oppo Find X3 Pro im Test: zur Videofunktion. Sie erlaubt Aufnahmen in 4K/60 mit ordentlicher Bildstabilisierung, die dann selbst bei Schwenks knackscharf sind. Darüber hinaus gibt es einen Ultra-Bildstabilisator-Pro-Modus, mit dem tatsächlich der Eindruck einer Gimbal-stabiliserten Aufnahme entsteht – dann aber nur in FHD. Klasse ist der Film-Modus, in dem der Nutzer wie im Pro-Modus für Fotos auch in Videos Zugriff auf den Fokus, den Weißblech, die Blende und den ISO-Wert hat. Zudem kann hier die HDR-Funktion für Videos für natürlichere Farben manuell aktiviert werden und es gibt einen LOG-Modus, der einen größeren Dynamikbereich aufzeichnet, gleichzeitig aber durch flach wirkende Aufnahmen mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung lässt. Der Filmmodus bietet auf Wunsch ein Histogramm. Die meisten Konkurrenzprodukte legen weniger Wert auf den Videomodus.

Die Frage, ob das häufig verwendet wird, bleibt ebenso wie die Frage, ob sich die 10-Bit-Aufnahmen wirklich lohnen. Denn einen Unterschied wird man im Alltag kaum sehen, nur sehr wenige Motive – etwa ein karibischer Sonnenuntergang mit seinem faszinierenden Farbspiel und zahllosen Farbabstufungen dürften sich damit lohnen. Außerdem muss diese Funktion zuvor in den Einstellungen aktiviert werden und lässt sich dann nur im HEIF-Format abspeichern. Die anschließende Betrachtung setzt entsprechende Abspielgeräte oder Apps mit 10-Bit-Darstellung voraus.

Ausstattung

Das Oppo Find X3 Pro liefert in Sachen Technik ein rundes Oberklasse-Paket ab. Als Antrieb dient der aktuelle Spitzenchipsatz Snapdragon 888, dessen acht Kerne mit bis zu 2,84 GHz takten. Zusammen mit fetten 12 GByte RAM sorgt das in allen Lebenslagen zu einem Leistungsüberschuss, der das Gerät in einigen Jahren noch flüssig laufen lassen dürfte. Dass das nicht nur vom 120-Hertz-Display vorgegaukelt wird, zeigt sich in den Leistungs-Benchmarks: 10.000 Punkte in PCmark Work 2.0 und 5800 Punkte in 3DMark Wildlife sprechen eine deutliche Sprache, viel schneller geht es derzeit einfach nicht.

Bei der restlichen Ausstattung müssen Nutzer kaum Abstriche machen. Das Find X3 Pro bietet USB-C 3.1, Wifi 6e, Bluetooth 5.2, NFC, einen schnellen und zuverlässigen Fingerabdrucksensor im Display, kräftige, wenn auch nicht sehr voll klingende Stereolausprecher und natürlich 5G. Zudem schluckt das Gerät zwei SIM-Karten, allerdings stellt nur eine davon 5G zur Verfügung. Die andere schafft maximal 4G. Einziger Wermutstropfen: Wer auf eine Erweiterungsmöglichkeit des internen Speichers gehofft hatte, wird enttäuscht. Eine Micro-SD-Karte schluckt das Oppo-Modell nämlich nicht, andererseits dürften die meisten Nutzer mit den gebotenen 256 GByte locker auskommen. Schnell sind die dank UFS 3.1. Was manchen Nutzern fehlen könnte, ist ein 3,5-Millimeter-Anschluss – aber das ist bei einem modernen Smartphone zu verschmerzen. Ein passendes USB-Headset liegt zudem im Lieferumfang.

Bei der Software gibt es keine Überraschungen: Android 11 dient als Basis, Color OS liegt darüber. Es ist übersichtlich, bietet ein paar Extra-Features und gefällt uns insgesamt recht gut. Der Sicherheits-Patch stammt von Februar und ist damit ausreichend aktuell.

Akku

4500 mAh sind gar nicht schlecht, insbesondere mit Blick auf das flache Gehäuse des Oppo Find X3 Pro. Und es ist mehr als beim Vorgänger Find X2 Pro (Testbericht), der zwar nicht ultra-kurzatmig war, aber in den meisten Fällen jeden Abend an die Steckdose musste. Tatsächlich hält das X3 Pro länger durch: Im Battery Test von PCmark kommt das neue Modell bei 200 Candela Helligkeit von 80 auf 20 Prozent Akku und bei 120 Herz sowie automatischer Auflösung auf fast 8,5 Stunden Dauerbetrieb – etwa eine Stunde mehr als zuvor. Das ist in Ordnung, wenn auch immer noch nicht wirklich außergewöhnlich.

Das trifft eher auf die Ladegeschwindigkeit zu. Satte 65 Watt bietet das beiliegende (!) Netzteil, damit werden die beiden Akkuhälften im Inneren in rund 35 Minuten komplett aufgeladen – das ist schnell! Selbst kurzes Zwischenladen bringt einen ordentlichen Strom-Boost. “Mein Handy war leer” ist damit keine Ausrede mehr, wenn man ein Gespräch nicht annehmen wollte. Selbst kabellos geht es dank 30 Watt ziemlich fix – so schnell war früher nicht einmal kabelgebundenes Laden. Reverse-Charge ist mit an Bord, damit kann das Oppo Find X3 Pro andere elektronische Geräte kabellos aufladen. Diese Funktion muss aber erst in den Einstellungen aktiviert werden.

Preis

Technische Varianten mit anderer Speicherausstattung wird es vorerst in Deutschland nicht geben, wie bei bisherigen Modellen gibt es lediglich die Wahl der Farbe. Auch die ist stark eingeschränkt, hierzulande gibt es nur die glänzende schwarze Version wie bei unserem Testgerät und eine matte blaue.

Fazit

Oppo muss sich wahrlich nicht hinter anderen Branchengrößen wie Samsung oder Huawei verstecken. Mit dem Find X3 Pro zeigt das Unternehmen erneut eindrucksvoll, dass es richtig gute Smartphones bauen kann. Highlight sind das schicke Design, das grandiose Display, das technische Gesamtpaket mit heftiger Power und viel Speicher sowie die Kamera. Die punktet mit tollen Videofunktionen und einem Weitwinkel, der genauso gut wie die Hauptkamera ist – und die ist sehr gut. Der ausreichend kräftige und vor allem sehr schnell geladene Akku rundet das tolle Gesamtpaket perfekt ab.

Schade ist nur, dass der Zoom bei schwächerem Licht – schon in Innenräumen - schnell an Qualität verliert, das Fehlen eines Micro-SD-Slots könnte einigen Nutzern zudem missfallen. Am meisten jedoch stört uns mal wieder der Preis: 1149 Euro? Schaut man zur Konkurrenz von Samsung, dann ist das grundsätzlich völlig angemessen, doch Samsung ist nach wie vor Weltmarktführer und – viel wichtiger – in Deutschland fast schon eine Institution. Auf der Straße gefragt dürften wohl von zehn Leuten bestimmt acht zu Samsung tendieren – einfach, “weil man da weiß, was man hat”. Das Find X3 Pro könnte Oppo zusammen mit seinem starken restlichen Portfolio im Laufe der Zeit auch ähnlich bekannt machen, aber dafür müsste der Preis schnell sinken und das Gerät bei Netzbetreibern im Programm landen.

Alternativen gibt es durchaus. Das bereits erwähnte Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) ist noch teurer, aber je nach Geschmack noch besser – bei der Kamera punktet es mit besserem Nachtmodus und vor allem besserem Zoom. Andere Flagshipmodelle folgen bald, etwa das vielversprechende Oneplus 9 Pro. Geräte aus dem vergangenen Jahr wie ein Xiaomi Mi 10 Pro (Testbericht) oder ein Huawei Mate 40 Pro (Testbericht) sind ähnlich gut, haben aber im Detail bisweilen das Nachsehen.