AGM versucht sich mit dem H6 daran, ein erschwingliches Outdoor-Smartphone auf den Markt zu bringen. Die Optik mag stimmen, doch im Test zeigen sich die zahlreichen Schwächen des Smartphones.
Unter den Outdoor-Smartphones sind nicht nur etablierte Hersteller mit Millionen von Nutzern wie Samsung und Co. unterwegs. Ein großer Teil dieses Marktes wird von kleineren, unscheinbaren Herstellern aus Fernost bedient. Einer davon ist AGM Mobile – mit Geräten wie dem H6, das wir heute im Test haben. Dieses als Outdoor-Smartphone vermarktete Gerät erfüllt zumindest beim Äußerlichen alle Ansprüche, die wir an ein solches Gerät stellen wollen würden. Doch ein – im übertragenen Sinne – Blick ins Innere des Handys zeigt, dass leider nicht alles Outdoor ist, was dicke Gummikanten hat. Was das Gerät gut kann und in welchen Punkten es eher enttäuscht, zeigt der Test.
Das AGM H6 stell optisch ungefähr das dar, was man sich üblicherweise unter einem klassischen Outdoor-Smartphone vorstellt. Anstatt möglichst dünne Display- und Gehäuseränder anzupeilen, ist das Gerät von allen vier Seiten mit Gummi- und Kunststoffschützern ummantelt, die Stöße abfedern sollen. Die Rückseite macht von einem coolen Karbonfaser-Motiv Gebrauch. Erfreulich ist, dass das AGM H6 nach den Schutzstandards IP68, IP69K und MIL-STD-810H zertifiziert ist – und somit bestens gegen Staub, Wasser und Stöße geschützt ist.
Die Anschlüsse und Ports sind mit zusätzlichen Gummikappen versehen, sodass kein Wasser oder Schmutz in die Öffnungen eindringen kann. Mit 10,7 Millimetern Dicke und 240 Gramm Gewicht ist das H6 verglichen mit vielen anderen Outdoor-Modellen, wie dem Ziegelstein Ulefone Armor 24 (Testbericht), relativ schlank und leicht, was wir angenehm fanden. Leider fühlt sich das Gerät allerdings nicht wirklich hochwertig an, es gibt einige kleinere Macken in der Verarbeitung und Spalten, in denen sich Staub sammelt.
Positiv am Display zu bemerken, ist die Bildwiederholrate von 90 Hertz. Das ist in dieser Preisklasse immer mehr die Norm und freut uns. Denn es sorgt dafür, dass Menüs und Animationen wesentlich flüssiger aussehen als bei einem 60 Hertz-Bildschirm. Die Farbdarstellung des 6,65 Zoll großen IPS-Displays ist in Ordnung und bietet nicht viel Spielraum für Beschwerden.
Die negativen Seiten sind alles andere an diesem Panel. Allem voran die maximale Helligkeit: Mit nur 400 cd/m² ist sie für ein Outdoor-Smartphone viel zu gering, hier ist normalerweise das Doppelte wünschenswert. In der Sonne lassen sich Inhalte damit nur noch schwer ablesen. Außerdem ist die Auflösung mit 1612 × 720 Pixel (HD+, Pixeldichte von 269 Pixel pro Zoll) geringer als bei anderen Smartphones in dieser Preisklasse.
Im AGM H6 verbaut der Hersteller eine einen Hauptsensor mit 50 Megapixel und eine Makro-Kamera mit zwei Megapixel. Konkret handelt es sich bei der Hauptkamera um den Samsung JN1-Sensor. Anhand dieses Smartphones und der Aufnahmen, die mit der verbauten Kamera entstehen, kann man erneut wunderbar beobachten, dass es nie die bloße Anzahl an Megapixeln ist, die maßgeblich die Fotoqualität bestimmt. Denn die Kamera des H6 ist kaum als brauchbar einzustufen.
Die Aufnahmen sind, wenn man nicht absolut stillhält, verwaschen. Details sind kaum zu erkennen, auch werden Szenen oft massiv überbelichtet. Die Farben wirken eher schwach und blass. Im 50-Megapixel-Modus ist insbesondere die Überbelichtung noch deutlicher spürbar, mehr Details sind nicht zu erkennen. Auch die Frontkamera, die mit 8 Megapixel auflöst, überzeugt nicht wirklich, wobei die Farben hier bei hellen Lichtverhältnissen in Ordnung sind. Insgesamt gehört die Kamera jedoch nicht zu den überzeugenden Features des Smartphones.
Angetrieben wird das AGM H6 von einem Unisoc Tiger T606 – einem Prozessor der Einsteigerklasse, den wir schon aus vielen verschiedenen China-Smartphones und Tablets kennen. Dass er jedoch in Geräten aus dem Preisbereich um die 100 bis 150 Euro besser angesiedelt ist, zeigt sich jedes Mal aufs Neue.
Bei PCmark Work 3.0 erreicht das Gerät den eher bescheidenen Wert von 8000 Punkten. Bei 3Dmark Wild Life sind es nur noch 450 Punkte – das ist selbst in dieser Preisklasse schwach. Im Alltagsgebrauch schlägt sich der Prozessor begleitet von 8 GB Arbeitsspeicher mehr oder minder gut. Ruckler konnten wir bei der Benutzung vereinzelt feststellen, allgemein benötigen viele Apps und Menüs zum Laden länger als üblich. 3D-Spiele oder andere ressourcenlastige Aufgaben können Nutzer des AGM H6 aber gänzlich vergessen. Der interne Speicher ist von der Sorte UFS 2.2 und 256 GB groß – das passt.
Leider spendiert der Hersteller dem AGM H6 keine 5G-Konnektivität. Stattdessen erhalten wir 4G, Wi-Fi 5 sowie Bluetooth 5.0. Der Fingerabdrucksensor funktioniert relativ gut. Die verbauten Lautsprecher sind nur Mono-Speaker, sodass die Soundqualität entsprechend bescheiden ist. Bei Telefonaten hingegen ist sie erwartungsgemäß in Ordnung. Android ist in Version 13 installiert, und zudem beinahe so nah dran am originalen Android wie die Google eigenen Pixel-Geräte. Es gibt keine Bloatware – das ist gut.
Rund 4900 Milliamperestunden groß ist der Akku des AGM H6. Das mag sich auf den ersten Blick nach einer ordentlichen Größe anhören, doch ungünstigerweise überträgt sich das nicht auf die tatsächliche Akkulaufzeit des Geräts. Im PCmark Battery Test kommen wir auf einen Wert von rund 8,5 Stunden – das ist insbesondere für ein Outdoor-Smartphone schwach. Auch zu monieren ist die Ladeleistung, die bei nur 10 Watt liegt. Das ergibt eine Ladedauer von rund 2,5 Stunden.
Das AGM H6 kostet bei Mindfactory aktuell 247 Euro in der Speicherkonfiguration 8/256 GB und der Farbe Schwarz. Bei Aliexpress zahlt man hingegen nur 182 Euro.
Alternativ bieten sich Modelle der Konkurrenz an, wie das Ulefone Armor 22 (Testbericht) für 181 Euro, das Fossibot F102 (Testbericht) für 180 Euro oder das Doogee S110 (Testbericht) für 243 Euro an. Weitere Alternativen zeigen wir nachfolgend über unseren Preisvergleich.
Das H6 ist AGMs ein netter Versuch, ein kompaktes Outdoor-Smartphone zu entwickeln. Die Erfolge enden jedoch beim Design des Geräts, das sich als Outdoor-Handy verkaufen kann. Die Qualität des Bildschirms ist aufgrund der geringen Auflösung und Helligkeit eher schlecht, auch Performance, Kamera und Akkulaufzeit lassen zu wünschen übrig. Besonders Letztere ist eines Outdoor-Smartphones in unseren Augen nicht würdig. Im Vergleich zu anderen Geräten dieser Art hat das AGM H6 weder ein überzeugendes Alleinstellungsmerkmal noch abgerundetes Gesamtpaket.
Bessere Alternativen zeigen wir in der Top 10: Die besten Outdoor-Handys im Test – Monster-Akku, Wärmebildkamera & Co.
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