Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Hart im Nehmen und wasserdicht: Das Fossibot DT1 gehört zur seltenen Kategorie der Outdoor-Tablets. Was im preiswerten Gerät steckt und was es leistet, zeigt der Test.
Outdoor-Smartphones haben wir bereits einige getestet. Tablets, die Wasser und rauer Umgebung trotzdem, sind bislang deutlich seltener anzutreffen. Mit dem Fossibot DT1 konnten wir jetzt ein preiswertes und vollwertiges Outdoor-Tablet ausprobieren. Bisher hat sich der Hersteller bei uns einen Namen für starke, aber preiswerte Powerstations (Bestenliste) gemacht.
Jetzt dürften sich vielleicht einige die Frage stellen: Wozu benötigt man ein Outdoor-Tablet? Zur nächsten Wanderung würden die wenigsten ein solches Gerät mitnehmen. Allerdings zeigt unsere Erfahrung, dass ein Tablet schneller kaputtgeht, als es einem lieb ist. Dem Autor dieses Textes sind in den vergangenen Jahren bereits drei Geräte nach einem Sturz kaputtgegangen, ein Display-Bruch passiert schneller als gedacht. Zudem bieten die wenigsten Tablets Schutz vor Wasser – die neue, aber teurere Galaxy-Tab-S9-Reihe ist da eine Ausnahme.
Wer das Tablet häufig mitnimmt oder auch öfter im Park oder im Urlaub, beim Camping oder einem Festival nutzen möchte, profitiert von einem robusten Gerät. Das macht diese Tablets auch interessant im gewerblichen Bereich (Industrie, Handwerk, Rettungskräfte), wo häufig eine entsprechende Stabilität eine Grundvoraussetzung ist. Gerade auf Baustellen kommen häufig Tablets statt Plänen auf Papier zum Einsatz – immer aktuell und mit der Möglichkeit, Änderungen und Dokumentation in Echtzeit durchzuführen.
Das Fossibot DT1 bringt als robustes Gerät alles mit, um auch in rauer Umgebung zu funktionieren: Es ist zertifiziert nach IP69K und MIL-STD-810H. Damit ist es wasserdicht, staubdicht und stoßfest. Dank LTE-Modul kann man mit einer SIM-Karte autonom ins Internet, einen entsprechenden Tarif (Tipp: Die besten monatlich kündbaren Tarife) vorausgesetzt. Ein großer Akku verspricht zudem eine lange Akkulaufzeit. Eine Erfahrung haben wir jedoch bei Outdoor-Smartphones oft gemacht: Die Technik bei Prozessor oder Display ist selten auf hohem Niveau und dem neusten Stand. Viel besser sieht es auch beim Fossibot DT1 nicht aus, aber dazu später mehr.
Optisch erinnert das Fossibot DT1 an ein etwas zu groß geratenes, typisches Outdoor-Handy. Das Gehäuse ist kantig und an den Rahmen und der Rückseite gummiert. Die Ecken sind jeweils zusätzlich verstärkt, um so Stöße bei einem Sturz gut abzufangen und geben dem Gerät eine angedeutete achteckige Form. Die Rückseite ist jeweils links und rechts geriffelt, um so zusätzlich Grip zu bieten, damit das Tablet nicht so leicht aus den Händen rutscht. Für einen Akzent sorgen dort orangefarbene Linien, die dem Gerät einen Sci-Fi-Look verpassen. Es gibt auch eine Variante mit eher zurückhaltenden grauen Linien.
Der USB-C-Anschluss sowie der Schacht für die SIM-Karte sind hinter einer Gummiabdeckung verborgen, um die Wasserdichtigkeit zu gewährleisten. Die Hauptkamera sitzt in einem achteckigen Metallelement, das nahezu eben mit der Rückseite abschließt. Dort sind zwei Linsen eingelassen. Das ist allerdings Augenwischerei, denn das Gerät verfügt lediglich über ein echtes Kameraobjektiv.
Wasserscheu ist da Fossibot DT1 nicht. Es verfügt über die höchstmögliche Zertifizierung nach IP69K. Damit ist es nicht nur gegen dauerhaftes Untertauchen in Wasser (ohne Zusätze) geschützt, sondern übersteht auch einen Hochdruckstrahler bei hohen Temperaturen.
Zusätzlich verfügt das Tablet über eine Zertifizierung nach der US-Militärnorm MIL-STD-810H. Prinzipiell muss man diese Angabe mit Vorsicht genießen, da nicht alle Hersteller angeben, welche einzelnen Tests der Zertifizierung sie genau durchgeführt haben. Im Fall des Fossibot DT1 trifft das auf Stoßfestigkeit sowie besonders niedrige oder hohe Temperaturen zu. Laut Hersteller übersteht das Tablet den Sturz auf harten Untergrund aus 1,5 Meter Höhe. Wir haben das DT1 mehrfach quer durch das Büro geworfen: Es hat alle Stürze schadlos überstanden. Zudem soll das Tablet Außentemperaturen von -40 bis 70 Grad Celsius überstehen.
So viel Stabilität hat Folgen für Gehäuse und Gewicht. Mit fast 800 Gramm ist das DT1 wirklich schwer. Zum Vergleich: Das „gewöhnliche“ Samsung Galaxy Tab A8 (Testbericht) wiegt rund 500 Gramm. Selbst das Outdoor-Tablet Samsung Galaxy Tab Active 4 Pro (Testbericht) ist dagegen mit 700 Gramm noch deutlich leichter. An den Abmessungen von 252,8 × 162,65 × 14,6 Millimetern zeigt sich ebenfalls der robuste Charakter. Damit ist das DT1 doppelt so dick wie das Galaxy Tab A8.
Das IPS-LCD-Panel misst 10,4 Zoll (26,42 Zentimeter) in der Diagonale und bietet eine Full-HD-Auflösung mit 2000 × 1200 Pixeln. Das Bildformat beträgt 5:3 (15:9). Mit einer Screen-to-Body-Ratio von 94 Prozent fällt das Verhältnis von Bildfläche zu Gerätegröße recht hoch aus. Der Rand ums Display ist damit nur unwesentlich größer als bei anderen Tablets dieser Preisklasse, was bei Outdoor-Geräten nicht immer der Fall ist. Die Bildwiederholrate liegt bei 60 Hertz.
Die Bildqualität kann sich sehen lassen und muss sich nicht vor einem Samsung Galaxy Tab A8 (Testbericht) verstecken. Farben wirken kraftvoll und lebendig, die Bildschärfe ist bei 224 Pixel pro Zoll (PPI) ausreichend, Pixel sind mit dem bloßen Auge kaum noch zu erkennen. Die Blickwinkelstabilität ist ausgesprochen hoch, lediglich bei Kontrasten ist etwas Luft nach oben. Das zeigt sich insbesondere bei Videos mit Szenen, wo die Lichtverhältnisse stark wechseln.
Einen Dämpfer gibt es für Serien-Fans: Das Fossibot DT1 verfügt über kein Zertifikat für DRM nach Widevine Level 1. In der Folge ist die Wiedergabe von Inhalten von Streaming-Anbietern (Ratgeber) wie Netflix, Disney Plus, Prime Video oder Paramount Plus nur mit niedriger SD-Auflösung (720 × 576 Pixel) möglich. Dieses Phänomen tritt häufiger bei Herstellern preiswerter Tablets auf.
Bei einem Outdoor-tauglichen Gerät spielt eine möglichst hohe Bildschirmhelligkeit eine große Rolle, um unter freiem Himmel ablesbar zu sein. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass das leider auch selten auf Outdoor-Smartphones zutrifft. Beim Fossibot DT1 konnten wir eine maximale Display-Helligkeit von 450 cd/m² messen. Das ist für ein Tablet dieser Preisklasse ein mehr als ordentlicher Wert, ein Wohnzimmer-Gerät wie das Galaxy Tab A8 kommt hier nur auf 350 cd/m². Damit die Anzeige bei Sonnenschein ausreichend ablesbar bleibt, wäre allerdings eine Helligkeit von mindestens 600 cd/m² zu empfehlen. Das erreichen aber nur teurere Geräte wie das Samsung Galaxy Tab Active 4 Pro (Testbericht).
Rein von den technischen Daten klingt die Ausstattung der Kamera des DT1 erstaunlich gut für ein Tablet: Eine Hauptkamera mit 48 Megapixeln (f/1.8) samt Autofokus sowie eine Frontkamera mit 16 Megapixeln (f/2.2.). Das Ergebnis ist jedoch weniger überzeugend: Farben wirken blass und nicht naturgetreu. Der Dynamikumfang lässt ebenfalls zu wünschen übrig und kommt mit Licht und Schatten nur schwer zurecht. Das sorgt für viele zu dunkle Bereiche bei Aufnahmen. Bilddetails und Bildschärfe gehen halbwegs in Ordnung.
Die Frontkamera knipst solide Selfies, die ausreichend scharf sind. Die Farben haben ebenfalls einen Hang zu Warntönen. Videoaufnahmen sind damit nur maximal mit HD-Auflösung möglich. Die Hauptkamera schafft hier auch Full-HD. Letzten Endes messen wir der Kamera bei Tablets keine so große Bedeutung wie bei einem Smartphone. Für Schnappschüsse oder zum Fotografieren von Dokumenten sowie für Videochats per Skype oder Teams reicht die Kamera beim Fossibot DT1 aber aus.
Als Antrieb dient ein Mediatek MT8788. Die Octa-Core-CPU stammt noch aus 2018. Sonderlich schnell ist das Tablet damit nicht – womit sich ein kleines Vorurteil bei Outdoor-Geräten bezüglich der Chip-Ausstattung bestätigt. Allerdings kann man die Performance guten Gewissen als „ausreichend“ bezeichnen, sie ist in etwa vergleichbar mit dem Snapdragon 680 von Qualcomm. Kleinere Denkpausen sind spürbar im Alltag, quälen den Nutzer aber nicht übermäßig.
Bei Work 3.0 von PCmark erreicht das DT1 rund 6700 Punkte. Damit liegt das Gerät auf dem Niveau eines Honor Pad 8 (Testbericht) oder Lenovo Tab M10 Plus Gen 3 (Testbericht). Viele Reserven bietet die integrierte Mali-GPU aber nicht. Bei „Wild Life“ von 3Dmark erreichten wir damit knapp über 600 Punkte. Für Casual Games in der Machart von Angry Birds reicht das aus, bei Titeln wie Asphalt 9 oder PUBG Mobile muss man die Grafikdetails aber herunterschrauben.
Sehr üppig für den Preis ist die Ausstattung bei der Speicherkapazität. 8 GByte RAM sowie ein interner Speicher mit 256 GByte sind alles andere als üblich in dieser Preisklasse und Gerätekategorie. Damit ist der Betrieb mehrerer Apps ohne Verzögerung möglich, zudem ist genug Platz für Anwendungen, Musik oder Filme vorhanden. Wem das nicht reicht: Eine Erweiterung per microSD-Karte ist um bis zu 1 TByte möglich.
Für heimische Netzwerke steht maximal Wi-Fi 5 zur Verfügung. Das ist nicht mehr der neueste Stand, aber bei Geräten dieser Preisklasse üblich. Das Tablet surft bei Bedarf mit LTE über eine SIM-Karte. Ein Kompass sowie GPS-Modul sind ebenfalls integriert. Zur Navigation nutzt das Gerät A-GPS, Glonass und Galileo. Die Genauigkeit von rund 2 Metern überzeugt und liegt auf dem Niveau von Flagship-Smartphones. Damit wäre das Tablet auch eine Option zum Navigieren im Auto – vorausgesetzt, man findet eine Halterung, die das schwere Gerät sicher halten kann.
Einen Fingerabdruckscanner gibt es nicht, als Alternative zur PIN ist Gesichtserkennung über die Frontkamera möglich. Diese Methode ist aber aufgrund von 2D-Technologie anfällig für Täuschungsversuche. Für brauchbaren Klang sorgen vier Lautsprecher. Der räumliche Sound überzeugt, lediglich bei höherer Lautstärke klingt er zuweilen etwas schrill.
Erfreulich beim DT1: Android 13 läuft bereits ab Werk, nicht selten finden sich bei chinesischen Tablets heillos veraltete Software-Versionen. Der Hersteller hat zudem etwas an der Bedienoberfläche gespielt. So ist die Übersicht der Apps in einer Art Fenster integriert, bei dem der Rest des Bildschirmhintergrunds teilweise noch sichtbar bleibt. Das sieht erfrischend anders aus. Das Einstellungsmenü weicht etwas ab von Vanilla Android, man findet sich damit aber schnell zurecht. Von Bloatware wird man weitestgehend verschont.
Kurz nach dem Einrichten stand sogar ein System-Update parat – auch das ist bei günstigen Tablets nicht immer garantiert. Der darin integrierte Sicherheits-Patch stammt zum Testzeitpunkt aus Juli 2023. Damit ist er nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand. Wie häufig Updates auf das Tablet kommen, ist schwer abzuschätzen. Unserer Erfahrung nach ist hier nicht mit einer regelmäßigen Pflege zu rechnen. Ob das Gerät jemals Android 14 (Ratgeber) bekommt, bleibt abzuwarten.
Beim Fossibot DT1 kommt ein recht großer Akku zum Einsatz, der etwa 11.000 mAh bietet. Zum Vergleich: Das Galaxy Tab A8 kommt lediglich auf 7040 mAh, beim Galaxy Tab Active 4 Pro sind es rund 7600 mAh.
Überraschenderweise stellt das Tablet dennoch keinen neuen Rekord auf. Die Laufzeit von knapp über 11 Stunden im simulierten Dauerbetrieb von Battery Test bei einer Helligkeit von 200 cd/m² ist zwar ein guter Wert, mit dem das Fossibot-Tablet sich im oberen Bereich wiederfindet. Das Galaxy Tab Active 4 Pro etwa kommt mit kleinerem Akku beim gleichen Test auf über 12 Stunden. Zum Aufladen liegt ein Netzteil bei, das maximal 18 Watt leistet. Damit dauert ein Ladevorgang von 20 auf 100 Prozent rund 2,5 Stunden. Laden per Induktion ist nicht möglich.
Das Fossibot DT1 kostet normalerweise rund 299 Euro. Wir haben das Gerät exklusiv von Geekmaxi bekommen, dort bekommt man das Outdoor-Tablet zum Kampfpreis von 189 Euro.
Wer ein fast unzerstörbares Tablet sucht, ist beim Fossibot DT1 gut aufgehoben. Das Gehäuse ist äußerst robust und stoßfest. Zudem ist das Gerät wasserdicht. Das macht es zur idealen Alternative für alle, die ein Tablet gerne im Freien oder beim Camping und Festival nutzen möchten. Wer tollpatschig ist, macht hier ebenfalls wenig verkehrt – und auch vor Kinderhänden muss man keine Angst haben. Technisch überzeugt das DT1 für den Preis und braucht sich vor günstigen Konkurrenten von Samsung oder Lenovo nicht zu verstecken. Dank LTE surft man mit dem Gerät auch mobil, die Akkulaufzeit ist gut.
Das stabile Gehäuse hat auch Nachteile, so ist das Gerät ziemlich schwer. Die Leistungsfähigkeit könnte zudem besser sein. Die vielleicht größte Schwäche ist das fehlende Zertifikat für Widevine Level 1. Serien-Fans müssen sich bei Netflix & Co. dann mit SD-Auflösung begnügen, aber wer einen Begleiter für die Arbeit sucht, hat den Punkt vielleicht nicht so weit oben auf der Prioritätenliste. Der Sicherheits-Patch ist nicht ganz auf dem neuesten Stand.
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