Ob auf der Baustelle, im Garten oder beim Camping-Trip: Das Oscal Spider 8 von Blackview schlägt sich dank seiner robusten Bauweise durch jedes Szenario. Wie schneidet es im Test ab?
Tablets scheinen immer schlanker, dünner und leichter zu werden. Solche Designs haben ihre Vorteile. Die Geräte lassen sich so wesentlich angenehmer in der Hand halten und besser transportieren. Tablets sind so kaum dicker als gewöhnliche Smartphones.
In eine komplett andere Richtung gehen Outdoor-Tablets. Hier ist Robustheit das A und O. Mit einem dicken Gehäuse, Extra-Bildschirmschutz und sturzsicheren Kanten möchten Hersteller solche Geräte so widerstandsfähig wie nur möglich machen. Ein ähnliches Vorgehen kennen wir von Outdoor-Handys (Bestenliste), von denen wir bereits eine Vielzahl getestet haben. Mehr dazu in unserer Top 10: Das beste Outdoor-Handy im Test – No-Name vor Samsung, Cat, Nokia & Co.
Das Oscal Spider 8 vom chinesischen Hersteller Blackview präsentiert sich als robustes Tablet für Draußen, das insbesondere bei der Stabilität keine Kosten und Mühen gescheut zu haben scheint. Auch in anderen Bereichen überrascht das Gerät positiv.
Bis zu einem gewissen Grad erinnern das Oscal Spider 8 an ein zu groß geratenes Outdoor-Smartphones (Bestenliste). Das Tablet kommt mit den typischen Designelementen eines Outdoor-Geräts. Das Spider 8 ist groß, schwer und dick. Mit seinen Abmessungen von 251 × 170 Millimetern bei einer Dicke von 15 Millimetern ist es ein wahres Monster. Man hat beim täglichen Gebrauch nicht selten das Gefühl, dass man damit einen erwachsenen Menschen erschlagen könnte, wenn man es versuchen würde.
Dieses Gefühl wird durch das Gewicht von sage und schreibe 854 Gramm um einiges intensiviert. Das Gerät bringt damit beinahe doppelt so viel auf die Waage wie ein iPad Pro mit ähnlicher Display-Größe. Es handelt sich in jedem Fall nicht um ein Gerät, das man über einen längeren Zeitraum in einer Hand halten möchte. Auf der Front erschrecken die relativ dicken Displayränder etwas, fügen sich aber nahtlos ins Design des Tablets ein.
Auf der Rückseite befinden sich zwei goldene Löcher – anfangs waren wir uns nicht sicher, wofür sie dienen. Es hat sich herausgestellt, dass es sich dabei um Gewinde handelt. Darin kann die im Lieferumfang enthaltene, elastische Handschlaufe befestigt werden – praktisch! Ein passender Schraubenzieher ist ebenfalls im Lieferumfang enthalten, sodass man nicht im Werkzeugkasten stöbern muss. Die verschiedenen Texturen der schwarzen Plastikrückseite sorgen für ein originelles Gefühl und ein optisch ansprechendes Design. Die Kamera-Linse sowie der LED-Flash sind oben links in einem dreieckigen, mit dem Rest der Rückseite ebenen Modul eingebaut. Vier Kanten sind bewusst verstärkt, das soll laut Hersteller für absolute Sturzsicherheit bei einer Höhe von bis zu einem Meter sorgen.
Die Anschlüsse auf der Unterseite – ein USB-C-Anschluss, ein SIM- und microSD-Kartenslot sowie ein 3,5-mm-Klinkenanschluss – sind mit Abdeckungen versehen, die Wasser und Staub fernhalten. So konnte das Gerät eine Zertifizierung nach IP69K erreichen und ist damit auch gegen Hochdruck- und Dampfwasser geschützt. Die Verarbeitung des Geräts ist im Übrigen hochwertig – nichts knarzt oder quietscht, alle Kanten sind sauber verarbeitet.
Outdoor-Tablets sollten im Idealfall helle Displays bieten, damit Nutzer im Freien auch bei Sonnenschein gut den Bildschirm sehen können. Leider erfüllt das Display des Spider 8 diese Anforderungen kaum. Enttäuschend ist die Display-Helligkeit von nur 360 cd/m². Das ist kaum ausreichend hell, um auch bei direkter Sonneneinstrahlung ablesbar zu sein. Empfehlenswert wäre hier eine Helligkeit von mindestens 600 cd/m² – auf einen solchen Wert kommen aber nur wesentlich teurere Outdoor-Tablets wie das Samsung Galaxy Tab Active 4 Pro (Testbericht).
Das 10,1 Zoll große Display löst mit 1920 × 1080 Pixel auf und zeigt Inhalte somit in Full-HD – das ergibt eine Pixeldichte von eher im Mittelfeld liegenden 224 ppi. In den Einstellungen können verschiedene Farbmodi ausgewählt werden. Im Standard-Modus hat das Display einen extremen Rotstich, wir empfehlen daher, den Modus „Erhöhter Kontrast“ zu verwenden. In diesem Modus sind die vom Display angezeigten Farben ganz okay und bewegen sich auf jeden Fall im Rahmen des Brauchbaren. Da es sich um ein LCD handelt, erwarten wir hier und bei den Schwarzwerten keine Wunder. Dennoch: Das Display geht für den Preis in Ordnung.
Verbaut sind im Oscal Spider 8 eine Hauptkamera und eine Frontkamera. Etwas dreist: eine der beiden Linsen auf der Rückseite ist eine Fake-Kamera. Die richtige Hauptkamera löst mit 13 Megapixeln auf, die Kamera auf der Vorderseite mit 16 Megapixel – das ist mittlerweile Durchschnitt. Bei solchen Geräten merkt man, dass das Hauptaugenmerk nie auf der Kamera lag. Das ist auch beim Oscal Spider 8 der Fall. Fotos, die wir mit der Hauptkamera schießen konnten, sind fad, unscharf und erinnern an die Fotoqualität einer billigen Webcam. Die Aufnahmen sind verwaschen und Farben unpräzise dargestellt. Ähnliches beobachten wir bei der Frontkamera. Somit eignen sich die verbauten Kameras höchstens für unwichtige Schnappschüsse oder kurze Videotelefonate (letzteres abhängig von den Ansprüchen eures Gegenübers).
Die Hersteller günstiger China-Tablets setzen bei der Entwicklung selten auf hochwertige Chips bekannter Hersteller. Beim Oscal Spider 8 ist es nicht anders. Hier verbaut der Hersteller einen Unisoc Tiger T616 – einen alten Bekannten, denn den Achtkerner haben wir unter anderem schon im wesentlich günstigeren N-One Npad Pro (Testbericht) erleben dürfen.
In der täglichen Nutzung zeigte sich das Gerät dennoch überraschend flüssig und schnell. Apps starten und laufen reibungslos und selbst einfache Spiele wie Angry Birds sind für das Gerät kein Problem. Hitzeentwicklung konnten wir nicht beobachten, ebenso wenig Aufhänger oder ein eingefrorenes System. Unsere üblichen Benchmarks wie PCmark Work 3.0 oder 3Dmark Wild Life konnten wir aus unerklärlichen Gründen leider nicht abspielen, die Werte dürften allerdings mit denen des Npad Pro vergleichbar sein. Mit an Bord ist die Unterstützung für Bluetooth 5.0, USB-C, GPS und 4G LTE sowie Wi-Fi 5 (IEEE 802.11ac). Die verbauten Stereo-Lautsprecher sind gar nicht so schlecht. Besonders viel Tiefe gibt es nicht, aber brauchbar sind sie in jedem Fall.
Schade: Zwar ist das Gerät, so wie auf der Produktseite angegeben, nach Widevine Level 1 zertifiziert und kann somit HD-Inhalte bei Diensten wie Disney+ oder Prime Video abspielen. Jedoch greift diese Zertifizierung nicht bei Netflix – hier lassen sich Inhalte weiterhin nur in SD-Qualität mit 480p abspielen. Der Streaming-Dienst scheint mittlerweile eine eigene Zertifizierung zu verwenden. Der im Lieferumfang enthaltene Stylus-Stift ist in Ordnung, hat aber eine eigenartige, flache Spitze, die teilweise kontraproduktiv erschien. Nett: Die Kappe hält magnetisch am Stift. Ferner gibt es eine mäßig schnell funktionierende Gesichtsentsperrung.
Installiert ist auf dem Oscal Spider 8 Android 13 mit der Bedienoberfläche Doke OS 3.0. Sie erinnert optisch etwas an MIUI, aber nicht an allen Stellen. Schade ist, dass der aktuellste verfügbare Sicherheitspatch aus dem Juli 2023 stammte – das ist zum Testzeitpunkt Anfang 2024 schon über ein halbes Jahr alt. Es gibt auch auf der Hersteller-Website keine konkreten Versprechen bezüglich Software-Updates. Nutzer sollten also nur mit unregelmäßigen Sicherheits- und Software-Updates rechnen. Ob Android 14 beim Oscal Spider 8 ankommt, ist unklar. Das System an sich kommt nur mit einer vorinstallierten Bloatware-App aus, die man entfernen kann.
Ein nettes Gimmick im Betriebssystem: Es gibt einen „digitalen Werkzeugkasten“, der verschiedene Features wie einen Kompass, eine Höhenmessung, einen Schall- oder Winkelmesser und ein Lot enthält. Die Brauchbarkeit der einzelnen „Werkzeuge“ ist teils fraglich – beispielsweise zeigt der Schallmesser bei einem stillen Raum mit arbeitendem Ventilator 12 dB an. In der Realität dürfte der Wert eher 20 – 30 dB betragen. Auch die Höhenmessung von Objekten war nicht immer akkurat. Andere Features wie der Kompass oder der Kamera-Winkelmesser wiederum funktionierten relativ gut, sodass der Werkzeugkasten insgesamt ein nützliches Mittel sein kann.
Der im Oscal Spider 8 verbaute Akku ist mit 13.000 Milliamperestunden riesig und übertrifft die Werte vieler Top-Tablets – wer sich fragt, wo die beinahe 850 Gramm Eigengewicht herkommen, hat hier die Antwort. Die Akkugröße sorgt für eine ausgedehnte Akkulaufzeit von bis zu 16 Stunden. Wer das Gerät intensiv nutzt, kommt damit absolut problemlos durch zwei Tage, bei normaler Nutzung sind auch drei Tage Nutzungszeit realistisch. Der Verbrauch im Stand-by-Modus ist minimal. Wieder aufgeladen wird der Akku dank des im Lieferumfang enthaltenen 33-Watt-Netzteils in unter drei Stunden, von 0 auf 50 Prozent dauerte es im Test rund 75 Minuten.
Das Oscal Spider 8 von Blackview ist in den Farben Schwarz oder Orange in der einzigen verfügbaren Speicherkombination 8/128 GByte erhältlich. Regulär kostet das Oscal Spider 8 bei Amazon 220 Euro (60-Euro-Coupon anwählen). Das ist ein überaus fairer Preis.
Mit dem Oscal Spider 8 kann man, wenn man ein robustes, langlebiges und schickes Tablet für die Outdoor-Nutzung sucht, einfach nichts falsch machen. Die kleinen Macken wie das etwas dunkle Display oder die veraltete Software wird von den Vorteilen des Geräts mehr als ausreichend ausgeglichen. Egal, ob für den nächsten Camping-Trip, den Serienmarathon im Park (wenn ihr kein Netflix verwendet natürlich) oder draußen auf der Arbeit – mit diesem Tablet sind Nutzer für so einiges gerüstet. Dank des stabilen Gehäuses wäre da Gerät auch eine Option für Kinder. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in dieser Hinsicht ausgezeichnet.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.