Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Der Ouvis AMR5 bietet einen Ryzen 7 für unter 350 Euro. Ob das System neben dem Preis auch beim Praxiseinsatz überzeugt, zeigt unser Test.
Der Mini-PC Ouvis AMR5 steht mit seinem AMD Ryzen 7 5700U, 16 GByte Arbeitsspeicher (RAM) und einer 512 GByte großen SSD mit recht starker Hardware da. Die Ausstattung ist zum Preis von 330 Euro (70-Euro-Coupon anwählen) echt gut, bei Geekom und Co. zahlt man für ähnliche Leistung mindestens 150 Euro mehr – und bekommt dann häufig „nur“ Intel-Hardware. Ryzen-Mini-PCs sind nicht zuletzt dank ihrer stärkeren integrierten Grafik sehr gefragt und beliebt.
Dieser Testbericht zeigt, wie sich der Ouvis AMR5 im Detail verhält und ob Nutzer bei diesem Preis Kompromisse eingehen müssen. Das Testgerät hat uns Geekbuying zur Verfügung gestellt.
Der Ouvis AMR5 setzt auf einen AMD Ryzen 7 5700U, der 8 Kerne und 16 Threads bietet bei einem Basistakt von 1,8 GHz und einem Boost-Takt von bis zu 4,3 GHz. Dazu kommen zwei jeweils 8 GByte große RAM-Riegel (DDR4-2666). Außerdem ist eine M.2-SSD mit 512 GByte integriert, die jedoch im Benchmark Crystaldiskmark nur auf SATA-Geschwindigkeiten um 520 MByte/s (Lesen) und 472 MByte/s (Schreiben) kommt.
RAM und SSD lassen sich austauschen und erweitern. Während beim RAM dank SODIMM-Steckplätzen bis zu 64 GByte möglich sind, gibt es zwei Plätze für m.2-2280-Speicherriegel. Diese können maximal bis zu 4 TByte, also zweimal 2 TByte aufnehmen.
Bei den Anschlüssen fällt uns der vorhandene Typ-C-Port positiv auf, der auch Bildübertragung unterstützt. Insgesamt lassen sich bis zu drei Monitore anschließen. Beim Ethernet-Anschluss handelt es sich nur um eine 1-Gigabit-Schnittstelle – die meisten Mini-PCs haben hier 2,5-Gigabit-Ethernet. Auch bei drahtlosen Verbindungen hat der Hersteller gespart und so setzt der AMR5 auf Wifi-5, das bereits 10 Jahre alt ist. Wifi-6 ist inzwischen üblich, Wifi-6E auf dem Vormarsch und Wifi-7 in den Startlöchern – kurz: Das ist 2024 schon etwas schwach. Gleiches gilt für Bluetooth, das hier nur in der Version 4.2 vorliegt. Zwar dürfte das bei einem Mini-PC eher zweitrangig sein, ist aber allemal einen Hinweis wert im Unterschied zu anderen Modellen, die auf modernere Standards setzen.
Die Erwartungen an das Ergebnis in PCmark 10 sind beim Ouvis AMR5 hoch, der Nipogi AM07 (Testbericht) hat in der Vergangenheit mit einem Ryzen 5 bereits kräftig vorgelegt. Mit seinem Ryzen 7 5700 U landet der Ouvis-Mini-PC bei etwa 5341 Punkten im Modus Performance – ein gutes, wenn auch nicht überragendes Ergebnis. Bei Auto sind es 5323 Punkte, bei Silent hingegen nur 5192 Punkte, womit der Unterschied nicht riesig ist, aber doch auffällt. Tatsächlich sind die Ergebnisse damit jedoch alle unter dem des Nipogi AM07. Woran liegt das, schließlich ist der Ryzen 7 als CPU besser als der Ryzen 5?
Das Benchmark-Ergebnis ist damit zu erklären, dass der Ryzen 5 im Single Core, also der Leistungsentfaltung mit einem Kern, ein gutes Stück besser ist. Im Benchmark Cinebench können wir das klar erkennen, denn der Ryzen 5 schafft dort 521 Punkte, der Ryzen 7 „nur“ etwa 480 Punkte. Dafür hat der Ryzen 7 zwei Kerne und vier Threads mehr und rennt dem Ryzen 5 somit in Multikern-optimierten Anwendungen davon.
Spannend finden wir den Drehregler zum Einstellen des Betriebsmodus. Zur Auswahl stehen hier drei Modi, die die Leistung und Lautstärke des Mini-PCs beeinflussen: Silent (10 bis 15 Watt), Auto (15 bis 20 Watt) und Performance (20 bis 25 Watt). Die unteren Stufen sind tatsächlich deutlich leiser, begrenzen aber durch Heruntertakten auch mitunter spürbar die Leistung. Der LED-Ring im Ein-/Aus-Knopf zeigt farblich den aktuell eingestellten Modus.
Das vorinstallierte Windows 11 Pro läuft vollkommen klaglos und sehr flott, wir nehmen keine Ladeverzögerungen oder Ruckler wahr. Das System kommt ohne Bloatware, der Virentest schlägt nicht an. Der Mini-PC ist angesichts des Preises und der hohen Leistungsreserven für viele Jahre ein zuverlässiger, schneller Begleiter für Homeoffice-Anwendungen, aber auch für manches Spiel geeignet. Dazu zählen aber definitiv nicht aufwendige Titel wie Cities Skylines 2, das grafisch sehr anspruchsvoll ist. Selbst bei sehr niedrigen Grafikoptionen in Full-HD ruckelt es. Besser läuft es da schon in Anno 1800, das mit aktiviertem Fidelity FX flüssig spielbar ist, aber einiges seiner Schönheit einbüßt. Mit hohen Einstellungen laufen Titel wie Portal 2 im Test – solche Spiele machen Spaß, vom Rest muss man trotz starker integrierter AMD-Grafik Abstand nehmen. Für mehr braucht es eine vernünftige dedizierte GPU.
Schön sieht man das im Benchmark Time Spy von 3Dmark. Hier kommt das System auf 1447 Punkte, wobei die schwächere Grafikeinheit mit 1274 Punkten den guten Wert der CPU von 6332 Punkten herunterzieht.
Der Ouvis AMR5 gehört mit seinem Ryzen 7 5700U zu einem der leistungsstärkeren Mini-PCs. Damit einher geht aber auch eine höhere Lautstärke, denn hohe Leistung führt zu mehr Wärmeentwicklung und diese Wärme muss schlicht irgendwie entweichen. Je nach Betriebsmodus drehen die Lüfter auf und sorgen in der Spitze für knapp 43 Dezibel. Das ist für einen Mini-PC schon viel, wir finden es angesichts der hohen CPU-Leistung hier aber nachvollziehbar. Sehr gut: Das Lüftergeräusch ist als Rauschen zu beschreiben, extra nervige Fieptöne, Vibrationen oder andere Störgeräusche gibt es nicht.
Wichtig ist: Der AMR5 ist nicht dauerhaft so laut. Liegt die CPU-Auslastung unter 30 Prozent, schalten die Lüfter selbst im Performance-Modus komplett aus. Die Verstellung der Modi hat auch augenblickliche Auswirkungen auf die Lautstärke, „Silent“ meint wirklich leise. Hier messen wir nur Werte unter 30 Dezibel – selbst bei einer geöffneten Session Cities Skylines 2. Im Office-Betrieb bleiben die Lüfter häufig ausgeschaltet oder sind sehr leise.
Die Gehäuseform des Ouvis AMR5 ist zunächst etwas eigenwillig, das Design hat etwas von Zwangsheirat aus Konsole und geschrumpftem Tower-PC. Die integrierte RGB-Beleuchtung analog zu einem Gaming-PC (Ratgeber) lässt sich leider nicht steuern, geschweige denn ausschalten – schade, aber nicht an jedem Einsatzort zwingend störnend. Die Verarbeitungsqualität des Gehäuses könnte besser sein, der Kunststoff fühlt sich etwas stumpf und billig an. Der Geruch erinnert uns an frisch ausgepackte Produkte aus Gummi wie Schwimmring oder Badeente. Nicht angenehm, aber auch nicht zu intensiv oder störend. Außerdem verfliegt er mit der Zeit.
Die Wartungsklappe ist etwas billig und wirkt sehr fragil, beim Aus- und Einhängen empfehlen wir große Vorsicht, um die dünnen Haken nicht abzubrechen.
Der Ouvis AMR5 kostet bei Geekbuying im Angebot 339 Euro. Zum Testzeitpunkt am 07. Februar 2024 lag der Preis aber schon bei 300 Euro.
Amazon bietet ein quasi identisches Modell von Acemagician für 330 Euro (70-Euro-Coupon anwählen). Es scheint, dass auch Ouvis zur Firma Mini-PC-Union (Acemagic, Nipogi, Acemagician) gehört oder dass es zumindest einen Gerätepool gibt, aus dem verschiedene Hersteller White-Label-Mini-PCs herausgreifen können.
Was die Leistung angeht, wird der Ouvis AMR5 unseren Erwartungen vollkommen gerecht. Der Ryzen 7 liefert ab wie bestellt und schafft bei Full-HD-Auflösung und reduzierten Einstellungen sogar Spiele wie Portal 2, Counter Strike oder Anno 1800. Braucht man mehr RAM oder Systemspeicher, lassen sich beide über eine praktische magnetische Wartungsklappe nachrüsten oder austauschen.
Der leiseste ist der Mini-PC aber nicht, die Lüfter sind je nach eingestelltem Betriebsmodus deutlich hörbar – angesichts dessen, dass hier auch viel Leistung dahintersteckt, finden wir das jedoch nachvollziehbar. Die Verarbeitung des Gehäuses löst keine Jubelschreie aus, aber das kann man auch für einen Preis von 330 Euro nicht erwarten. Die gewählten Punkte zur Einsparung sind sinnvoll und verkraftbar, der AMR5 ist mit Verstand zusammengestellt und bekommt daher eine klare Empfehlung. Insgesamt ist er ein wahnsinnig attraktiver Mini-PC.
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