Das zweite Kopfhörer-Modell von Dyson kommt ohne bizarrem Luftreiniger-Feature, setzt auf eher klassische Tugenden und bietet dennoch wieder ein Alleinstellungsmerkmal. Wir klären im Test, was uns am Dyson Ontrac richtig gut gefällt – und was nicht.
Der ein oder andere hat es schon mitbekommen: Der Staubsauger-Spezialist Dyson versucht sich neuerdings auch an ANC-Kopfhörern im Premium-Segment, die offenbar vor allem optisch aus der Masse herausstechen und möglichst viele Blicke auf sich ziehen sollen. Beim ersten Modell namens Zone ging das zu weit: Durch einen äußerst klotzigen Luftfilter-Anbau vor Mund und Nase wirkten Träger nämlich für viele eher verstörend als cool oder gar stylisch. Einige Spötter verglichen seine Optik gar mit der von Bane aus dem Batman-Universum. Dazu kam eine eher durchschnittliche Technik bei einer ziemlich hochgegriffenen Preisvorstellung von 900 Euro.
Mit dem Dyson Ontrac für 374 Euro wurde das Konzept nun auf die klassische Art und Weise neu durchdacht. Der Kopfhörer setzt auf hochwertige Verarbeitung, beste Sound- und ANC-Qualitäten und vor allem auf einen sehr hohen und individualisierbaren Style-Faktor. Alles komplett ohne futuristische Anbauten. Mit diesem Premium-Anspruch greift Dyson natürlich die etablierten ANC-Flagship-Modelle wie Boses QuietComfort Ultra, Sonys WH-1000XM5 (Testbericht) oder Apples Airpods Max (Testbericht) an. Wie gut sich der Dyson Ontrac dabei macht, klären wir nun in unserem Testbericht.
Wir starten direkt mit dem ersten Highlight des Dyson Ontrac: der Optik samt Verarbeitung. Durch den Einsatz von hochwertigen Materialien und einem auffälligen Design, das sich auch farblich individualisieren lässt, ist der Kopfhörer ein absoluter Eyecatcher mit hohem Style-Piece-Potenzial. Die verwendeten Stoffe und Polster fühlen sich angenehm edel an, dazu gibt es viel Metall und nur wenig Kunststoff. Klar, dass das mit 451 Gramm auch gut ins Gewicht geht. Trotz der wuchtigen Ausmaße sitzt der Dyson Ontrac aber erfreulich angenehm und nicht zu klotzig auf dem Kopf. Auch über sehr lange Zeit hinweg. Lediglich bei hohen Temperaturen kann es durch die starke Grundabschirmung der Over-Ears unangenehm schwitzig werden.
Der Dyson Ontrac ist zum Start in vier Farb-Kombis erhältlich: Gelb-Aluminium (unser Testexemplar), Nachtblau-Kupfer, Schwarz-Orange und Schwarz-Grau. Die Ohrpolster und Endkappen sind austauschbar. Stylischer Ersatz lässt sich in vielen Farben für jeweils 49 Euro über den Dyson-Shop dazu- oder nachbestellen. Das ist ziemlich happig – bei dem Preispunkt fällt das ebenfalls im Shop erhältliche Flugadapter-Set für 19 Euro fast schon günstig aus.
Die erste Einrichtung geht schnell von der Hand und auch beim Pairing gibt es keine Probleme. Die Bedienung des Dyson Ontrac läuft ähnlich einfach ab: Über einen Joystick an der rechten Unterseite lassen sich Musikwiedergabe und Lautstärke regeln. Auf der linken Unterseite befindet sich ein Power-Button, der auch fürs Pairing genutzt wird (längeres Drücken). Die ANC-Modi lassen sich über zweimaliges Tippen auf Bügel oder Ohrmuschel durchschalten. Das funktioniert im Test aber oft erst beim zweiten oder dritten Tipp-Versuch. Möchte man schnell mal den Aware-Modus aktivieren, ist das einfach nicht zuverlässig genug. Tipp: gleich dreimal tippen, das erhöht die Erkennungschance.
Kommen wir zur Begleit-App, wünschen wir uns schnell die Individualisierungsmöglichkeiten, die Dyson beim Kopfhörer-Style bietet: Neben der Steuerung der Geräuschunterdrückung und einem Equalizer mit drei Modi (Neutral, Optimiert und Bass-Boost) gibt es hier nämlich sonst nicht mehr viel zu machen. Die Steuerung kann nicht angepasst werden, das Gleiche gilt beim Equalizer. Ansonsten füllt sich die App bevorzugt mit plakativen – und schnell nervigen – Hinweisen auf die austauschbaren Aufsätze und Direktlinks zum Dyson-Shop, die witzigerweise dann aber ins Leere laufen. Das hinterlässt insgesamt keinen guten Eindruck. Hier sollte Dyson grundsätzlich noch nachbessern.
Die Feature-Liste des Ontrac von Dyson ist überschaubar. An Codecs gibt es SBC, AAC und LHDC zu benennen. Übertragen wird per Bluetooth 5.3. Die Funktion Bluetooth Multipoint, also die Möglichkeit, zwei Geräte gleichzeitig mit dem Kopfhörer zu verbinden, fehlt. Das ist im Premium-Segment mittlerweile ein ganz schöner Schnitzer. Vor allem bei einem Kaufpreis von rund 500 Euro, den Dyson für den Ontrac aufruft, sollte Multipoint eigentlich ein Must-have sein.
Ansonsten gibt es noch den Kopferkennungs-Sensor und die Schnelladefunktion zu erwähnen, die den Akku nach nur 10 Minuten wieder für eine Laufzeit von 2,5 Stunden bereit macht. Nach 30 Minuten reicht es schon für 9 Stunden Laufzeit. Insgesamt bietet der Bluetooth-Kopfhörer eine lange Akkulaufzeit von bis zu 55 Stunden.
Nach den bisherigen Höhen und Tiefen geht es nun an die wohl wichtigste Kopfhörer-Disziplin: dem Sound. Hier macht uns der Dyson Ontrac so richtig glücklich. Im EQ-Modus „Optimiert“ zeigt sich ein sehr gelungenes und gut abgestimmtes Klang-Spektrum über nahezu alle Musikgenres hinweg. Beeindruckend ist auch das EQ-Profil „Bass-Boost“, das Songs wie „BOA“ von Megan Three Stallion mit einem richtig druckvollen Bass beflügelt, ohne dabei zu überlagern. Es ist selten, dass ein Kopfhörer diesen Drahtseilakt so gut hinbekommt. Fehlt eigentlich nur noch die Möglichkeit, sich ein eigenes EQ-Profil zu erstellen. Daran hat Dyson allerdings nicht gedacht. Die insgesamt nur drei EQ-Modi sind schon ziemlich dürftig. In der Praxis kommen wir damit aber überraschend gut aus.
Auch bei der aktiven Geräuschunterdrückung liefert Dyson ab. Insgesamt gibt es drei Modi: Aus, Ein und Aware. Im Aware-Modus ist die Umwelt schön präsent. Die eigene Stimme hört sich beim Sprechen natürlich an, allerdings für unseren Geschmack etwas zu stark entfernt. Ist der ANC-Modus aktiviert, reicht schon leise Musik aus, um auch wirklich alles um sich herum auszublenden. Das liegt sicherlich auch an der hervorragenden Grundabschirmung des Ontrac – da hat das ANC nicht mehr viel zu tun. Ist die Musik aus, werden vor allem tiefe Störgeräusche sehr effektiv herausgefiltert. Lediglich bei Höhen wie Stimmen oder klirrendes Geschirr muss sich der Dyson Ontrac geschlagen geben. Das bekommen andere ANC-Flaggschiffe wie die Sonys WH-1000XM5 (Testbericht) oder die Apples Airpods Max (Testbericht) aber kaum besser hin.
Mit 499 Euro fällt der Ontrac deutlich günstiger als das erste Kopfhörer-Modell von Dyson mit seinen astronomischen 900 Euro aus. Galaxus verkauft ihn für 374 Euro.
Der Dyson Ontrac ist an sich ein sehr gelungener Kopfhörer für die Oberklasse. Bei Verarbeitung, Sound und ANC zählt er klar zu den besten Kopfhörern am Markt. Mit seinem hohen Style-Faktor und der Möglichkeit, Ohrpolster und Endkappen auszutauschen, hat er zudem ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Das Potenzial zum Überflieger ist also grundsätzlich gegeben. Die magere App mit kaum Einstellmöglichkeiten, fehlende Premium-Features wie Multipoint oder Dolby Atmos und der hohe Preis halten den Dyson Ontrac dann aber doch noch am Boden.
Trotzdem: Wer sich guten Sound und effektives ANC wünscht, die hohen Eycatcher-Vibes feiert und bereit ist, den Preis für die besondere Verarbeitungsqualität zu zahlen, kann mit dem Dyson Ontrac sehr glücklich werden.
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