Im Tour One M2 steckt alles an technologischer Finesse, die JBL derzeit zu bieten hat. Wie gut uns das elitäre Zusammenspiel im Alltag gefällt, verraten wir in unserem ausführlichen Testbericht.
Die Tour-Serie definiert bei JBL im Bereich Lifestyle-TWS-Kopfhörer gewissermaßen die absolute Oberliga, in der möglichst nur die allerbeste Technik zum Einsatz kommen soll. Vereinfacht gesagt darf man sich hier also immer auch eine Art Tech-Demo vorstellen, in der die Audiospezialisten aus Los Angeles zeigen, wozu sie aktuell in der Lage sind. Bester Sound, bestes ANC, beste Sprachqualität und allerlei Komfort-Features aus dem Hause JBL. Gleichzeitig sind hier auch gerne mal außergewöhnliche Funktionen zu finden, die sonst (noch) keiner hat. Ein anschauliches Beispiel dafür ist etwa der Ladecase-Touchscreen beim JBL Tour Pro 2 (Testbericht). Ein Feature für In-Ear-Kopfhörer, das Schule machen könnte.
Doch heute geht es allein um den JBL Tour One M2. Der Bluetooth-Kopfhörer möchte mit dem neuesten Stand der Technik überzeugen. Wie gut das gelingt und wo sich der neue Over-Ear-Kopfhörer mit Blick auf die Konkurrenz genau einordnen kann, klären wir nun im Test.
Bei der Farbauswahl zeigt sich die Tour-Serie grundsätzlich sehr reduziert. Den JBL Tour One M2 gibt es lediglich in klassischem Schwarz oder in „Champagne“, das mit seinen silbrigen Beige-Tönen am interessantesten wirkt. Die Verarbeitung ist erstklassig und wirkt äußerst stabil, auch wenn verhältnismäßig viel Kunststoff zum Einsatz kommt. Die vielen Kunststoffelemente fühlen sich durch ein samtig-mattes Finish aber erstaunlich hochwertig an, so auch das Lederimitat am oberen Bügel und an den Ohrmuscheln. Der Edel-Eindruck wird durch einige Elemente in Glanz-Optik zusätzlich unterstrichen. Das reduzierte und doch etwas auffällige Design gefällt uns jedenfalls ziemlich gut.
Aufgesetzt, bleibt der Tour One M2 seiner Linie treu. Mit seinem Gewicht von 278 Gramm und weichen Materialien an den typischen Druckstellen stellen wir auch nach vielen Stunden im Einsatz einen sehr angenehmen Tragekomfort fest. Für einen leichteren Transport lassen sich die Ohrmuscheln eindrehen und in den Bügel einklappen.
Im Transportetui mit schwarzem Stoffüberzug und Trageschlaufe finden Kopfhörer und sämtliches Zubehör ihren Platz. Dazu zählen auch ein Flugzeugadapter, ein kurzes USB-C-Ladekabel sowie ein 3,5-Millimeter-Audiokabel für den kabelgebundenen Betrieb.
Durch JBLs fantastische Begleit-App, die klar zu den besten auf dem Markt zählt, gibt es bei der ersten Einrichtung wie auch beim Detail-Tuning keinerlei Probleme. Alles wird ausführlich oder auch Schritt für Schritt erklärt. Das ist auch notwendig, denn der Tour One M2 kommt mit einer Fülle an Software-Features, die nur per App konfiguriert werden können.
Die Bedienung des Kopfhörers findet größtenteils über das Touchfeld an der rechten Ohrmuschel statt, das ausschließlich auf Tipp- und nicht auch auf Wisch-Gesten reagiert. Diese Komplexität ist aber auch gar nicht notwendig, da JBL die Lautstärkeregelung sowie das Durchschalten der ANC-Modi auf klassische Tasten verlagert hat, was die Touch-Steuerung angenehm entschlackt. Auf Wunsch können die Gesten über die App noch ein wenig angepasst werden.
Den Klangkern bilden im Tour One M2 zwei dynamische 40-Millimeter-Treiber, die den sogenannten „JBL Pro Sound“ möglichst authentisch zur Geltung bringen. Wer sich darunter nichts vorstellen kann: JBL meint damit im Grunde den oft umworbenen „JBL Signature Sound“, der sich über druckvollen Bass und saubere Höhen definiert, nur noch etwas feiner abgestimmt wird. Ebenfalls JBL-typisch kommen an Codecs lediglich SBC und AAC zum Einsatz. Gerade in der Tour-Serie, die technisch auf der Höhe der Zeit liegen will, hätten wir uns an dieser Stelle mindestens noch eine Hi-Res-Variante für Android-Nutzer gewünscht – wie aptX oder LDAC. So ist das dann doch ein wenig dünn.
Bei der Übertragung per Bluetooth 5.3 inklusive Multipoint-Fähigkeit gibt es indes nichts zu meckern. Zur Erklärung: Über Multipoint Bluetooth kann der Kopfhörer mit zwei Geräten gleichzeitig gekoppelt werden – und der Tour One M2 erkennt intelligent, von welchem der Ton durchgeschleift werden sollte. Kopfhörer mit diesem äußerst praktischen Feature gibt es immer noch recht selten. Umso schöner ist es, dass es hier mit an Bord ist.
Auch bei der Akku-Performance braucht sich der Tour One M2 nicht zu verstecken: Die von JBL angegebenen 30 Stunden Musikwiedergabezeit bei ausgeschaltetem und 50 Stunden bei eingeschaltetem ANC decken sich ziemlich gut mit unserer Testerfahrung. Hier muss man wirklich tagelang um keine Aufladung bemühen. Und falls es doch einmal knapp wird und schnell gehen muss, ist der Kopfhörer schon nach 10 Minuten für bis zu 5 Stunden Wiedergabe aufgeladen.
Eine Besonderheit bei JBL: Kaum ein anderer Hersteller bietet so viele Einstellungsmöglichkeiten und Komfort-Features über die hauseigene Begleit-App. Neben ANC-Management, einem Equalizer und diversen Klang-Presets gibt es eine Vielzahl an weiteren Features. Da wäre insbesondere das Tool „Personi-fi 2.0“, das über einen mehrstufigen Hörtest ein persönliches Hörprofil erstellt und das Klangbild entsprechend anpasst. Eine sehr coole Funktion, die uns tatsächlich auch einen hörbaren – und besser klingenden – Unterschied präsentiert.
Die „Smart Talk“-Funktionalität erkennt hingegen automatisch, ob wir uns unterhalten und aktiviert nach kurzer Verzögerung den Talkthru-Modus, damit wir unser Gegenüber verstehen können. Das ist im Alltag enorm praktisch, macht das manuelle Umschalten obsolet und wirft sofort die Frage auf, warum das eigentlich nicht jeder so macht.
Grundsätzlich gefällt uns das Klangbild des JBL Tour One M2 richtig gut! Der Bass definiert sich JBL-typisch mit viel Dynamik und Substanz, ohne überlagernd zu wirken. Die Mitten bleiben schön präsent und die Höhen angenehm klar. Wer mag, kann über die insgesamt fünf Presets (Jazz, Vocal, Bass, Club und Studio) eingreifen lassen – oder einfach ein individuelles EQ-Preset erstellen. Das ist in unseren Ohren allerdings gar nicht nötig. Der natürliche Sound des Kopfhörers passt bereits hervorragend – ohne all die vielen Sound-Optimierungen, die sich über die App zuschalten lassen. Sie sind allesamt gut gemeint und können je nach Situation auch sinnvoll sein, keine Frage. Wer aber einfach alles aktiviert, was JBL hier zu bieten hat, torpediert das Klangbild eher, anstatt es zu verbessern.
In diesem Fall ist weniger tatsächlich mehr und wir raten dazu, Features wie ANC, den – auf Wunsch auch dynamisch arbeitenden – Equalizer oder Spatial Audio nur selektiv und mit Bedacht zuzuschalten. Nach stundenlangem Probehören und Ausprobieren gewähren wir jedenfalls allein dem coolen Personi-fi 2.0-Feature den Dauereinsatz.
Der Tour One M2 verspricht das beste Active Noise Cancelling aus dem Hause JBL. Vor allem tieftöniger Lärm wird stark reduziert und ist schon bei niedriger Lautstärke nicht mehr wahrzunehmen. Bei hohen Tönen, wie Stimmen in einem belebten Café oder Tastatur-Getippe im Büro, schwächelt der Kopfhörer aber mit Blick auf die führende ANC-Konkurrenz. So arbeitet etwa die Geräuschunterdrückung beim Bose Quiet Comfort 45 (Testbericht) oder beim Sony WH-1000XM5 (Testbericht) deutlich fortschrittlicher. Dennoch: Bleiben wir allein bei JBL, gibt es hier tatsächlich das beste ANC zu finden!
Der JBL Tour One M2 kostet etwa bei Amazon 174 Euro.
Mit dem Tour One M2 liefert JBL eine Gesamtqualität ab, die dem Flaggschiff-Begriff alle Ehre macht. Der Sound gefällt uns richtig gut, Verarbeitung und Tragekomfort stimmen, die Begleit-App definiert oberste Güte und über ihre Komfort-Features sticht der Kopfhörer aus der Masse heraus.
Leichte Schwächen stellen wir lediglich beim fehlenden Hi-Res-Codec für Android-Nutzer und beim ANC fest. Wer es damit nicht so kritisch nimmt und ohnehin auf den bassfreundlichen JBL-Sound schwört, wird mit diesem Over-Ear-Kopfhörer äußerst glücklich werden.
Liegt der Fokus hingegen primär auf der bestmöglichen Geräuschunterdrückung, ist der Griff zum aktuellen ANC-Topmodell von Bose oder Sony die bessere Wahl. Vielleicht auch noch eine gute Alternative auf ähnlichem Niveau: der Sennheiser Momentum 4 Wireless (Testbericht) mit aptX an Bord.
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