Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Gaming-Tablet mit Top-Hardware: Das neue Redmagic Nova ist das aktuell schnellste Android-Tablet. Wir haben es getestet und zeigen seine Stärken und Schwächen.
Mit dem Redmagic Nova wirft der für seine Gaming-Smartphones bekannte Hersteller nun auch ein Gaming-Tablet auf den Markt. Es setzt auf Qualcomms aktuell bestes Pferd im Stall und bietet mit bis zu 16 GB Arbeitsspeicher (RAM) sowie maximal 512 GB Speicher richtig viel. Zudem lädt das Tablet mit 80 Watt richtig schnell. Was so viel Highlight kostet? Schon ab etwa 500 Euro bekommt man das Redmagic Nova in der Basisvariante im Shop des Herstellers. Wir zeigen im Test, ob es neben Highlights auch Lowlights gibt.
Das Redmagic Nova wirkt optisch in vielerlei Hinsicht wie ein auf Gaming gepimptes iPad: Es bietet ein ähnlich kantiges Design und hochwertige Verarbeitung. Es kommt nämlich mit einem matt-grauen und edlen Aluminiumgehäuse. Redmagic nennt die Farbe Midnight. Die Seiten sind glatt geschliffen und gehen mit leichter Kante zum Displayglas über. Der Übergang fühlt sich dabei wohl austariert an und wir nehmen keine unschönen Spaltmaße wahr. Insgesamt empfinden wir die Verarbeitung als wirklich gut.
Rechts und links des 10,9-Zoll-Bildschirms finden sich jeweils zwei Auslässe für das Lautsprecher-Setup. Diese scheint aber auch der rückseitig verbaute Lüfter zur Luftabfuhr zu verwenden, wir verspüren im Betrieb einen minimalen Luftzug. Mit einem Gewicht von 530 g und Maßen von 253,3 × 164,6 × 7,3 mm liegt das Tablet gut in der Hand.
Das Kameraelement auf der Rückseite steht recht präsent hervor und fasst neben der Linse auch den kleinen, beleuchteten aktiven Lüfter ein. Es ist eingebettet in ein transparentes Designelement, durch das man einen Blick ins Innere des Tablets auf das Kühlsystem bekommen soll. Ob die zu sehende Technik tatsächlich echt ist oder nur ein Sticker zur Show, können wir aber im Rahmen unseres Tests nicht prüfen. Weiterhin ist hier ein bunter Leuchtschriftzug des Herstellernamens integriert. Mittig auf der sonst schlichten Rückseite prangt das Redmagic-Logo.
Die Lautstärkewippe befindet sich oben links, der Ein-/Aus-Schalter daneben auf der linken Außenkante. In diesem befindet sich auch der Fingerabdrucksensor, der in unserem Test ausgesprochen zuverlässig arbeitet und keine Probleme verursacht wie beim Google Pixel Tablet. An der unteren Außenkante finden wir vier Metall-Pins, auch Pogo-Pins genannt, sowie zwei Vertiefungen im Gehäuse. Diese kann man zum Verbinden eines Tastaturcovers nutzen, wobei Redmagic keines beilegt.
Im 10,9 Zoll großen Redmagic Nova sitzt ein 2,8K-LCD, die Auflösung liegt also bei 2880 × 1800 Pixeln, was einer Pixeldichte von etwa 312 ppi (Pixel pro Zoll) entspricht. Das Seitenverhältnis liegt bei 16:10 – ideal für Filme, Videos und eben Spiele. Als maximale Helligkeit verspricht Redmagic 550 cd/m², wir messen bei weißem Display etwa 440 cd/m². Das sorgt für eine solide Ablesbarkeit und liegt bei Tablets im Durchschnitt. Smartphones werden inzwischen aber mehr als dreimal so hell. Draußen fällt das Ablesen insbesondere bei hellem Sonnenlicht schwerer, Tablets sind auch eher etwas für den Innengebrauch. Dank einer Bildwiederholfrequenz von flotten 144 Hz flitzen Animationen und Spiele angenehm flüssig über den Bildschirm. Der Touchscreen reagiert zuverlässig und zügig auf Eingaben.
Die Bildqualität ist absolut überzeugend, Farben wirken kräftig und alles ist schön scharf. Die Blickwinkel sind ebenfalls gut. Wir verwenden dazu die Voreinstellung Bunt, wer es farblich etwas zurückhaltender mag, wählt Standard oder Soft. Zusätzlich gibt es Optionen für die Blaulichtfilterung, wobei man die Farbtemperatur neben den Profilen Warm, Kalt und Normal auch über einen runden Farbtonwähler einstellen kann.
Bei der Kamera setzt Redmagic beim Nova auf eine 50-Megapixel-Hauptkamera, die für ein Tablet ordentliche Bilder macht, die aber weit hinter aktuellen Smartphones um 500 Euro liegen. Wofür auch, ein Tablet ist für eine Fotosafari eher ungeeignet und für einen schnellen Dokumenten-Scan reicht die Qualität allemal. Farben wirken jedoch teilweise etwas daneben und sind bei Gegenlicht schnell übersättigt, rote Eisenbahncontainer springen einen also förmlich aus dem Foto an. Wer beim Abknipsen etwas wackelt, hat schnell ein unscharfes Foto – für ein Tablet aber auch verschmerzbar. Nahaufnahmen mit feinen Details, insbesondere einer lederartigen Mausunterlage, wirken gut. Bei dämmrigem Licht nimmt das Fotorauschen deutlich zu, der Nachtmodus kann hier kaum Abhilfe schaffen. Zusätzlich gibt es einen LED-Blitz.
Gezoomt wird in zweifacher oder fünffacher Annäherung per Software dank Pixel Binning, also dem softwareseitigen Zusammenfassen von mehreren Pixeln zu einem Einzigen. Während uns der zweifache Zoom qualitativ gut gefällt, sind im fünffachen Zoom Rauschen und Unschärfe schon immens.
Die Frontkamera setzt auf 20 Megapixel und kann uns bei Schärfe und Farbtreue nicht ganz überzeugen, genügt aber den Ansprüchen. Speziell Kanten von Gegenständen im Hintergrund verwaschen schnell und auch Details im Gesicht vermatschen etwas. Für ein Videotelefonat ist die Kamera vollkommen ausreichend und gehört zu den besseren Tablet-Knipsen.
Im Redmagic Nova werkelt aktuelle Spitzenhardware in Form des SoCs (System on a Chip) Qualcomm Snapdragon 8 Gen 3, der neue Maßstäbe für Leistung bei Android setzt. Diese Kyro-CPU arbeitet mit acht Kernen, wobei er im Redmagic Nova in der Spitze bei 3,4 GHz takten darf. Das ist höher als die werksmäßigen 3,3 GHz von Qualcomm. Die Grafik Adreno 750 darf mit bis zu 1,0 GHz ans Werk gehen. Weiterhin verfügt das SoC über eine NPU namens Hexagon, die bei generativen KI-Modellen zum Einsatz kommt.
In unseren Benchmark-Tests stellt sich das Redmagic Nova als zum Testzeitpunkt schnellstes Android-Tablet heraus. Beim Benchmark PCmark Work 3.0 erreicht es im Schnitt starke 22255 Punkte, in der Spitze 22670 Punkte. Bei Wild Life Extreme von 3Dmark gibt es durchschnittlich knapp 5150 Punkte, der beste Durchlauf liegt bei etwa 5370 Punkten. Das sind Spitzenwerte und eines Gaming-Tablets absolut würdig.
Beachtlich ist zudem die Menge an Speicher: Beim RAM setzt die Basisvariante auf starke 12 GB, die gehobene Ausstattungsvariante sogar auf beachtliche 16 GB. Dieser kommt im Format LPDDR5x. Der Systemspeicher arbeitet nach dem schnellen UFS-4.0-Standard und ist 256 GB oder 512 GB groß.
Um bei dieser hohen Leistung noch ausreichend Kühlung zu gewährleisten, dreht im Nova ein kleiner, von RGB beleuchteter Lüfter seine Kreise – und das mit teils 20.000 RPM (Umdrehungen pro Minute). Zu hören ist er dabei kaum, messbar schon gar nicht. Im Stresstest von 3Dmark Wild Life klettert die Gehäusetemperatur dennoch auf über 63 Grad im oberen Drittel der Gehäuserückseite. Das ist schon enorm, der Test läuft auch nie länger als 15 Minuten, da sich das Tablet dann zum Abkühlen zwangsweise abschaltet. Das kennen wir so schon von Smartphones mit Snapdragon 8 Gen 3.
Bei Spielen wie PUBG Mobile ist die Performance ausgesprochen gut. Selbst mit Ultra-Einstellungen und bei voller Display-Auflösung flimmert das Spiel butterweich über den Bildschirm. Das macht Spaß. Als Gaming-Tablet verfügt das Redmagic Nova über standesgemäße RGB-Beleuchtung (für extra FPS), die man auch für Benachrichtigungen nutzen kann. Gaming-Schultertasten, wie bei den Redmagic-Smartphones, finden wir nicht. Die kleine gummierte Aussparung auf der oberen Gehäusekante dient entsprechend wohl nur dem besseren Signalempfang für WLAN.
Bei den Anschlüssen findet sich nur ein USB-C-3.0-Anschluss, der sogar die Bildausgabe beherrscht. Rückseitig finden wir eine magnetische Fläche für einen Digitalstift und einen integrierten NFC-Tag beim Redmagic-Schriftzug. Klasse: Das Nova kann sich mit dem Internet per aktuellstem Wi-Fi-7-Standard verbinden, für Zubehör gibt es Bluetooth 5.3. Für die Entsperrung des Tablets gibt es neben dem unter Design angesprochenen Fingerabdrucksensor im Powerknopf auch eine Gesichtsentsperrung. Sie ist allerdings langsamer, störanfällig und macht nur einen deutlich unsichereren 2D-Scan.
Bemerkenswert ist auch der integrierte Vibrationsmotor für Benachrichtigungen und haptisches Feedback – nicht jedes Tablet hat einen. Insbesondere das Google Pixel Tablet kommt gänzlich ohne Vibration und kann nur klingeln. In Spielen bekommt man so direkt eine Rückmeldung des Tablets auf Eingaben. Das ist angenehm und verbessert deutlich das Benutzererlebnis. Die integrierten Laustsprecher kommen zwar nicht an den satten Klang von iPads, klingen aber ordentlich und werden sehr laut. Das Klangbild ist sauber und sogar recht warm, ein wenig Tiefgang ist zu erahnen. Insgesamt klingen die Speaker deutlich satter als beim Google Pixel Tablet.
Auf dem Redmagic Nova ist Android 14 vorinstalliert, der Sicherheits-Patch stammt zum Testzeitpunkt (20. November 2024) leider noch aus August 2024. Das ist bereits deutlich veraltet. Laut Hersteller erhalten sämtliche Redmagic-Geräte regelmäßige Updates alle ein bis zwei Monate und das über zwei Jahre. Für Android gibt es mindestens ein großes Update.
Das System ist zusätzlich mit der Softwareoberfläche Redmagic OS 9.5 überzogen. Redmagic hat dabei vornehmlich die Optik von Schaltflächen und Menüs verändert sowie zusätzliche Animationen eingefügt. Zusätzliche Einstellungen braucht es ohnehin schon allein, um den Lüfter und die beleuchtete Rückseite zu steuern. Weiterhin hat der Hersteller einen Gaming-Modus eingebaut, durch den sich die Performance und RAM-Belegung des Tablets verbessern soll. Android nutzt außerdem dank gesplitteten App-Ansichten gut die große Fläche des Tablet-Bildschirms aus.
Ungünstigerweise finden sich auf dem Startbildschirm auch zwei Ordner, die Bloatware zum Nachinstallieren enthalten. Diese Apps sind aber nur als Werbung angezeigt und nicht auf dem Gerät direkt vorinstalliert. Unschön finden wir solche Werbe-Überfrachtung aber schon, gerade angesichts des gehobenen Preises. Weiterhin gibt es durch die Software-Veränderung von Redmagic OS einige Übersetzungsfehler in Menüs. Streaming klappt beim Redmagic Nova dank Widevine Level 1 auch in Full-HD.
Das Redmagic Nova kommt mit einem 10.100 mAh großen Akku, was schon recht ordentlich ist und der Preisklasse entspricht. Die mit dem Battery Test von PCmark Work 3.0 gemessene Akkulaufzeit betrug im Test etwa 8 Stunden, was ebenfalls im Durchschnitt liegt. Nur wenige Tablets mit so hoher Leistung schaffen aber mehr, leistungsschwächere Tablets halten hingegen deutlich länger durch.
Zwar gewinnt die Akkulaufzeit keine Rekorde, das muss sie aber auch nicht. Denn ist der Akku einmal leer, wird er dank der Schnellladefunktion mit 80 Watt sehr schnell betankt. Die Ladezeit von 0 auf 100 Prozent beträgt damit nur knapp eine Stunde. So kann man das Tablet schnell wieder zum Zocken, Serien schauen oder Browsen im Web verwenden.
Im Onlineshop des Herstellers bekommt man das Redmagic Nova schon ab 499 Euro in der Ausstattungsvariante mit 12/256 GB Speicher. Wer mehr Speicher und RAM benötigt, kann zu einer Variante mit 16/512 GB greifen, die 649 Euro kostet. Auf Amazon ist die Basisvariante verfügbar, die mit 609 Euro (40-Euro-Coupon anwählen) dort aber über 100 Euro teurer als beim Hersteller ist.
Das Redmagic Nova gehört definitiv zu den besten Tablets auf dem Markt und ist mit seinem Snapdragon-SoC das zum Testzeitpunkt schnellste Android-Tablet. Mit seinem Preis um 500 Euro ist es fair bepreist und bietet mit 12 oder 16 GB RAM sowie 256 oder 512 GB Speicher richtig was fürs Geld. Die Verarbeitung kann sich sehen lassen und der Gaming-Pimp gefällt uns. Die Kamera macht für ein Tablet zudem ordentliche Bilder. Top und bei Tablets selten: Das Redmagic Nova lädt mit starken 80 Watt in etwa einer Stunde voll auf.
Einzig die Bloatware im System ist ein Wermutstropfen, man kann die Ordner mit vorgeschlagenen Apps aber einfach loswerden. Zudem ist der Sicherheits-Patch zum Testzeitpunkt veraltet. Weiterhin wird das Gehäuse bei extremer Auslastung auch sehr heiß, über 60 °C sind für ein Tablet viel. Insgesamt ein hervorragendes Tablet mit vielen Höhepunkten und einem fairen Preis.
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