Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.
Xiaomi hat mit der Redmi Watch 4 eine Neuauflage der Smartwatch auf den Markt gebracht, die eine günstige Android-Alternative zur Apple Watch sein will. Was die neueste Version der Uhr taugt, klären wir in unserem Test.
Wer über den Kauf einer Smartwatch nachdenkt, hat mittlerweile eine große Auswahl unterschiedlichster Modelle in diversen Preiskategorien. Während die Apple Watch zu den teuersten Modellen der klassischen Smartwatch gehört, bietet Xiaomi mit der Redmi Watch eine günstige Alternative. Mittlerweile hat der chinesische Hersteller bereits die vierte Generation der Uhr auf den Markt gebracht, die wir uns im Test genauer angeschaut haben.
Wer zur preisgünstigen Alternative zur Apple Watch greift, muss aber mit ein paar Einschränkungen leben. So fehlen ein interner Musikspeicher und eine Bezahlfunktion, außerdem sind noch USB 2.0 und Wi-Fi 5 integriert.
Wir haben die Redmi Watch 4 t für schlanke 83 Euro ausführlich auf Herz und Nieren geprüft und klären, ob sich der Kauf der neu aufgelegten Smartwatch lohnt.
Xiaomi macht keinen Hehl daraus, dass es sich bei der Redmi Watch 4 um einen waschechten Klon der Apple Watch handelt. Dabei gehen die Ähnlichkeiten über den reinen Namen der Smartwatch hinaus: Das Design der Redmi Watch 4 ähnelt deutlich der Apple Watch. Das rechteckige Gehäuse mit den abgerundeten Kanten und der drehbaren Krone an der Seite erinnert frappierend an das Vorbild des kalifornischen Unternehmens.
Die Verarbeitung der Redmi Watch 4 wirkt zwar nicht ganz so elegant und hochwertig wie bei der Apple Watch, kann angesichts des günstigen Preises der Uhr aber dennoch überzeugen. Die Zeiten, in denen man Smartwatches aus China ihre Herkunft direkt ansehen konnte, sind jedenfalls vorbei. Xiaomi kombiniert bei der Redmi Watch 4 ein Silikonarmband inklusive Druckknopfschließe mit einem 1,97 Zoll großen AMOLED-Display in einem Gehäuse aus Aluminium-Legierung. Das Design der Uhr ist zwar nicht eigenständig, wirkt aber wie aus einem Guss. Der Verschluss mit dem Druckknopf ist allerdings Geschmackssache – wir empfanden ihn im Test als zu fummelig.
Bei der Bedienung kann die Redmi Watch 4 punkten: Der Touchscreen reagiert zuverlässig auf unsere Eingaben, merkliche Verzögerungen konnten wir nicht feststellen. Die drehbare Krone funktioniert ebenfalls einwandfrei und ermöglicht eine schnelle und bequeme Navigation durch die Menüs. Auch die über die Einstellungen der Uhr anpassbare Helligkeit des Displays überzeugt – selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt die Anzeige stets gut ablesbar. Zusätzlich ist die Redmi Watch 4 bis 50 Meter Tiefe wasserdicht. Eine konkrete Zertifizierung nach IP(X) gibt Xiaomi für die Smartwatch aber nicht an.
Die Einrichtung der Uhr erfolgt über die Mi-Fitness-App (Xiaomi Wear). Nachdem wir ein Konto bei Xiaomi angelegt haben, können wir die Uhr via Bluetooth mit unserem Smartphone verbinden. Der Kopplungsvorgang dauert nur wenige Minuten. Anschließend führt uns die App durch die Bedienung der Smartwatch und zeigt die wichtigsten Funktionen. Außerdem führt die App bei Bedarf direkt eine Aktualisierung der Systemsoftware durch.
Die Software ist übersichtlich aufgebaut und wurde von uns bereits ausführlich im Test des Xiaomi Mi Band 7 (Testbericht) besprochen. Für alle aufgezeichneten Informationen wie Herzfrequenz, Schlaf, Kalorien, Schritte und so weiter gibt es jeweils eine Kachel, die eine Übersicht der gesammelten Daten ausgibt. Wählen wir eine der Kacheln an, gelangen wir zu einer Detailansicht der jeweiligen Werte. In separaten Menüs können wir in der App eine Trainingseinheit (Laufen, Gehen, Radfahren) starten und die Einstellungen zu Benachrichtigungen und Anzeigen auf der Uhr anpassen. Wer möchte, kann schließlich auch noch das Watch Face der Redmi Watch 4 verändern. Insgesamt hinterlässt die App einen positiven Eindruck und punktet mit guter Bedienbarkeit. Übersetzungsfehler oder andere Probleme sind uns im Test nicht aufgefallen.
Obwohl es sich bei der Redmi Watch 4 primär um eine Smartwatch handelt, bietet die Uhr trotzdem eine Reihe von Aktivitäts- und Fitness-Optionen. Die Auswahl an Features ist in Anbetracht des günstigen Preises sogar erstaunlich hoch: Neben dem obligatorischen Schrittzähler gibt es einen Puls- und Sauerstoffmesser. Außerdem registriert die Redmi Watch 4 auf Basis von Puls, Bewegung und Blutsauerstoff unseren Stresslevel. Wer möchte, kann zur Entspannung über das Display der Uhr einfache Atemübungen absolvieren. Zusätzlich gibt es eine Anzeige, die Nutzer darüber informiert, wie viel Zeit sie an einem Tag in Bewegung verbracht haben.
Die einzelnen Aktivitätsfeatures haben in unserem Test fast durchweg zuverlässig funktioniert. Leichte Abstriche muss man bei der Genauigkeit des Schrittzählers machen, der zwar durch Schütteln des Handgelenks keine Fehlmessungen produziert. Auf 100 gemessen Schritte zeichnet die Uhr aber rund 20 Schritte zu wenig auf. Demgegenüber hat uns die Flexibilität der Anzeige und der Aktivitäts-Widgets bei der Redmi Watch 4 positiv überrascht. Wir können die einzelnen Funktionen entweder über das Hauptmenü der Uhr anwählen oder uns die jeweiligen Werte als Widget auf dem Display anzeigen lassen. Der Vorteil an den Widgets besteht darin, dass wir ihre Anordnung frei bestimmen und eine Messung direkt über die jeweilige Kachel auf dem Display starten können. Dadurch können wir auf häufig genutzte Funktionen besonders einfach und schnell zugreifen.
Was die Trainingsaufzeichnung der Redmi Watch 4 angeht, liegen Licht und Schatten sehr nahe beieinander. Die Smartwatch unterstützt Trainingsprofile für mehr als 150 Sportarten, wobei viele der Profile sogar spezifische Funktionen für die jeweilige Sportart bieten. Neben Standards wie Laufen und Radfahren, bei denen die zurückgelegte Strecke per GPS gemessen wird, zählt das Profil für Seilspringen beispielsweise neben unserem Puls und der Trainingsdauer auch die absolvierten Sprünge.
Das GPS-Tracking der Redmi Watch 4 kann neben der großen Auswahl an Trainingsprofilen ebenfalls überzeugen. Die Smartwatch unterstützt neben GPS auch Galileo, Glonass, Beidou und QZSS, was eine hohe Genauigkeit bei der Streckenmessung verspricht. Letztere bestätigte sich auch in unserem Test. Bei unserer Standard-Laufrunde kam es zu keinen Abweichungen, was angesichts der teils schlechten Satellitenabdeckung in der gewählten ländlichen Region nicht selbstverständlich ist (vor allem nicht für ein derart günstiges Gerät).
Demgegenüber hat uns der optische Pulssensor der Smartwatch ziemlich enttäuscht. Zwar glich die Messung der Herzfrequenz im Ruhezustand den Ergebnissen unseres Kontrollgeräts Garmin Fenix 7 (Testbericht), aber sowohl beim Schlafen als auch bei Trainingseinheiten wichen die Werte teils bis zu 15 Schläge voneinander ab (Trainingseinheiten haben wir mit einem Brustgurt aufgezeichnet). Wer also maßgeblich nach Herzfrequenz trainieren möchte, kann sich auf die Angaben der Redmi Watch 4 nicht verlassen und muss zu Alternativen greifen.
Weil das Schlaf-Tracking der Smartwatch unter anderem auf der gemessenen Herzfrequenz und Atmung des Nutzers basiert, bleibt diese Funktion ebenfalls nur mäßig aussagekräftig. Die Redmi Watch 4 zeichnet korrekt Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt sowie Unterbrechungen des Schlafs während einer Nacht auf, allerdings wichen die Angaben zu den Schlafphasen („Leicht“ und „Tief“) teils mehrere Stunden von den Werten unseres Kontrollgeräts ab. Die Schlafüberwachung der Uhr ist dementsprechend kaum zu gebrauchen.
Bei den zusätzlichen Funktionen bietet die Redmi Watch 4 zuletzt noch ein paar Überraschungen. Zuerst das Negative: Leider verzichtet Xiaomi darauf, die Uhr mit einer Bezahlfunktion auszustatten. Eine Möglichkeit, Musikapps wie Spotify zu nutzen und einzelne Titel auf einen internen Speicher zu laden, gibt es ebenfalls nicht, stattdessen können wir lediglich Musik steuern, die wir auf unserem Smartphone wiedergeben. Auch vorgefertigte Antwortmöglichkeiten für Nachrichten suchen wir vergebens.
Dafür können wir entscheiden, ob die Smartwatch die Benachrichtigungen aller oder nur bestimmter Apps auf dem Display anzeigen soll. Praktisch: Es gibt eine Funktion, mit der wir alle Benachrichtigungen auf einen Klick aktivieren können. Ansonsten dürfen wir zudem jede App unseres Smartphones einzeln anwählen.
Ein echtes Highlight der Redmi Watch 4 ist die integrierte Telefonfunktion. Denn die Uhr bietet sowohl ein eingebautes Mikrofon als auch einen Lautsprecher. Geht ein Anruf ein, erhalten wir eine Benachrichtigung auf dem Display der Uhr und können das Gespräch direkt annehmen. Bei Bedarf zeigt die Uhr auch Kontaktinfos des Anrufers an. Schließlich gibt es die Möglichkeit, auf Anrufe mit Schnellantworten zu reagieren. Diese können wir in der App selbst erstellen und dann über das Display der Uhr auswählen. Umso bedauerlicher finden wir es, dass es diese Funktion nicht für herkömmliche Nachrichten wie WhatsApp oder SMS gibt.
Xiaomi gibt die Kapazität des Akkus für die Redmi Watch 4 mit 470 mAh an. Die Akkulaufzeit bei normaler Nutzung sollte 20 Tage betragen, allerdings definiert der Hersteller nicht näher, was darunter zu verstehen ist. In unserem Test hielt die Uhr bei aktivierten Benachrichtigungen und voller Display-Helligkeit sowie drei etwa einstündigen Trainingseinheiten pro Woche rund 14 Tage durch. Das ist ein sehr ordentlicher Wert, der weit über die Laufzeit einer Apple Watch hinausgeht und in Anbetracht des günstigen Preises der Redmi Watch 4 absolut herausragt.
Xiaomi verkauft die Redmi Watch 4 im hauseigenen Shop für eine UVP von 100 Euro. Straßenpreise liegen mittlerweile bei 83 Euro. Die Smartwatch ist in den Farbvarianten Obsidian Black und Silver Grey verfügbar.
Xiaomi legt den Fokus bei der Redmi Watch 4 eindeutig auf ihre Eigenschaften als Smartwatch. Das merkt man besonders an der integrierten Telefonfunktion und der durchdachten Bedienbarkeit. Insgesamt bietet die Watch 4 ein ordentliches Gesamtpaket für schlanke 83 Euro.
Am meisten enttäuscht uns im Test die Genauigkeit des Pulssensors und verhagelt so der Uhr eine Top-Bewertung. Auch das Fehlen einer Bezahlfunktion und eines Musikspeichers fallen negativ ins Gewicht, lassen sich in Anbetracht des günstigen Preises der Redmi Watch 4 aber noch verschmerzen. Alles in allem ist die Uhr als Smartwatch zu empfehlen. (Hobby-)Sportler, die viel Wert auf die Aufzeichnung ihrer Trainingseinheiten legen, sollten sich aber nach einem anderen Gerät umsehen.
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