Reolink bietet mit der neuen PTZ-Überwachungskamera Altas PT Ultra das erste batteriebetriebene Modell mit Daueraufzeichnung. Was sie sonst noch auszeichnet, zeigt der Test.
Die Reolink Altas PT Ultra ist eine akkubetriebene, schwenk- und neigbare 4K-Überwachungskamera (Bestenliste), die über ein 2,4- oder 5-GHz-Band (Wi-Fi 6) per Funk Kontakt zum Router aufnimmt. Sie benötigt also weder einen festen Stromanschluss noch eine Ethernet-Verkabelung, wie sie PoE-Modelle, etwa die Reolink 811A (Testbericht) voraussetzen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von kabellosen Überwachungskameras. Davon gibt es inzwischen eine ganze Reihe, wie man anhand unserer Bestenliste sehen kann.
Das Besondere der Reolink Altas PT Ultra umfasst zwei Aspekte: Erstens erlaubt sie als erste batteriebetriebene Überwachungskamera dank eines 20.000 mAh starken Akkus eine kontinuierliche Aufzeichnung von Videos von bis zu 96 Stunden. Zweitens bietet sie ein sehr lichtstarkes Objektiv mit f1.0-Blende und einem 1/1.8-Zoll-Sensor. Letzteres nennt Reolink Color-X-Technik, die auch schon bei der PoE-Überwachungskamera CX410 (Testbericht) zum Einsatz kommt. Damit kann die Überwachungskamera auch nachts bei genügend Restlicht Videos in Farbe aufnehmen, ohne Zuhilfenahme der integrierten LED-Spotlights. Diese sind nur bei absoluter Dunkelheit nötig.
Ein weiteres Highlight bietet die batteriebetriebene PTZ-Überwachungskamera, die tagsüber per Solarpanel mit Energie versorgt wird, in Kombination mit dem Reolink Home Hub. Dieser stellt nicht nur einen zentralen Datenspeicher für Reolink-Überwachungskameras bereit, sondern unterstützt auch das Onvif-Protokoll, sodass man die Altas PT Ultra auch in Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station (Testbericht) und in Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Home Assistant oder Homey Pro einbinden kann. Damit erlaubt die Überwachungskamera eine lokale Ansteuerung und kommt ganz ohne Hersteller-Cloud (Ratgeber) aus.
Last but not least differenziert die Altas PT Ultra bei der Bewegungserkennung zwischen Personen, Fahrzeugen, Tieren und anderen sich bewegenden Objekten. Fehlalarme sollten damit praktisch der Vergangenheit angehören. Wie gut die aktuell für 160 Euro erhältliche Altas PT Ultra in der Praxis funktioniert, zeigt unser Testbericht.
Die mit Metallhalterung rund 1 kg schwere Reolink Altas PT Ultra fällt mit Abmessungen von 178 × 151 × 102 mm relativ groß aus. Dafür ist der mit 20.000 mAh recht große Akku verantwortlich, den Reolink in das Kameragehäuse in Form einer langen Halterung integriert. Diese wird per Metalladapter an einer Wand verschraubt und die Kamera daran aufgesteckt. Alternativ ist auch eine Befestigung mit dem mitgelieferten Montagegurt möglich. Damit lässt sich die Altas an einem Baum, Dachrinne oder Zaunpfosten befestigen.
Die Altas ist wetterfest nach Standard IP64 und laut Hersteller im Temperaturbereich zwischen –10 und 55 Grad Celsius einsatzbereit.
Der in der Kamera integrierte 1/1.8" CMOS-Sensor nimmt Videos mit bis zu einer Auflösung von 3840 × 2160 Pixel bei maximal 15 Bildern pro Sekunde auf und bietet eine Nachtsicht von bis zu 10 Metern Reichweite sowie einen 16-fachen Digital-Zoom. Bei voller Auflösung zeichnet sie Videos im HEVC (H.265) und darunter mit H.264 auf. Die Bewegungserkennung erfolgt mithilfe eines integrierten PIR-Sensors (Pyroelektrischer Sensor), der einen Erkennungswinkel von 120 Grad bietet und Bewegungen bis zu einer Entfernung von 10 Metern erfasst. Den Erkennungswinkel des PIR-Sensors können Anwender mit der App einstellen.
Mit der Integration von Mikrofon und Lautsprecher realisiert Reolink eine Zwei-Wege-Audiofunktion, sodass Anwender sich mit Personen vor der Kamera unterhalten können. Die Sprachqualität geht in Ordnung. Bei Bedarf ertönt bei Erkennung einer Bewegung eine Alarmsirene, die über die App aktiviert werden kann und ungebetene Gäste abschrecken soll.
Als Speichermedien unterstützt die Reolink Altas PT Ultra microSD-Karten mit bis zu einer Größe von 512 GByte. Diese muss allerdings zusätzlich erworben werden. Erstmals unterstützt Reolink mit der Altas PT Ultra auch die Verschlüsselung von Daten auf der microSD-Karte. Zusätzlich können Anwender auch eine Speicherung in der Reolink-Cloud nutzen. Das Standard-Abo für monatlich regulär 5,99 Euro umfasst 30 Tage Cloud-Speicherung für maximal fünf Kameras und eine Kapazität von 30 GByte. Das Premier-Abo für monatlich 11,89 Euro bietet 80 GByte Kapazität für maximal zehn Kameras. Derzeit gibt es beide Variante vergünstigt für 4,19 respektive 8,29 Euro.
Alternativ kann man die Altas PT Ultra auch mit dem optional erhältlichen Reolink Home Hub koppeln, sodass Videos und Fotos auf dessen Speicher Platz finden. Standardmäßig wird dieser mit einer 64 GB großen microSD-Karte ausgeliefert. Dank eines zweiten microSD-Kartenslots kann man diesen um 512 GByte erweitern.
Die Inbetriebnahme der Reolink Altas PT Ultra ist einfach und schnell erledigt. Doch bevor man die Überwachungskamera in der App hinzufügt, legen wir zunächst eine microSD-Karte ein. Über das Plus-Symbol in der App starten wir dann den Kopplungsvorgang, scannen anschließend den QR-Code auf der Oberseite der Kamera und vergeben ein Gerätepasswort, fertig. Anschließend ist die Kamera einsatzbereit.
Zusätzlich zur App können Anwender die Kamera mit der für macOS und Windows vorliegenden Reolink-Desktop-Anwendung steuern. Bis zu Version 8.8.5 funktioniert diese in Kombination mit Wine auch unter Linux. Da die App keine Anmeldung erfordert, findet keine Synchronisation mit der Desktop-Anwendung statt, sodass man eine mit der mobilen App eingerichtete Reolink-Kamera manuell in der Desktop-Anwendung hinzufügen muss. Falls sie von dieser nicht gefunden wird, gibt man die UID der Kamera (abrufbar in der App unter Geräteinfos) und anschließend das Gerätepasswort ein. Sollten dabei Probleme auftreten, hilft das ausgezeichnete und deutschsprachige Handbuch.
Mobile App und Desktop-Anwendung bieten nahezu die gleichen Einstellmöglichkeiten. Auch lassen sich beide Tools ähnlich bedienen, was eine konsistente Benutzererfahrung garantiert. Das ist nicht selbstverständlich. Oft bieten Kamerahersteller keine Desktop-Anwendung zur Steuerung ihrer Geräte an oder, wie im Fall von Eufy, steht nur eine Web-Anwendung mit reduzierter Funktionalität zur Verfügung, die sich zudem in puncto Bedienung von der mobilen Anwendung unterscheidet.
Über das Zahnrad-Symbol können Anwender mit der App oder der Desktop-Anwendung die Reolink Altas PT Ultra umfangreich justieren. Im Abschnitt Display lässt sich etwa die Position von Kameranamen sowie Datum und Zeit im Live-Bild verändern. Die Angaben kann man aber auch wie das Wasserzeichen vollständig ausblenden. Um die Überwachungskamera datenschutzkonform zu betreiben, wenn sie auf ein fremdes Grundstück oder einen öffentlichen Bereich ausgerichtet ist, können Anwender unter Privatsphärenmaske bis zu sieben Zonen definieren, in denen keine Aufnahme erfolgt.
Die Kamera zeichnet Videos nicht nur bei Bewegung auf. Alternativ können Anwender auch eine Zeitraffer-Aufnahme konfigurieren, um so etwa den Fortschritt beim Hausbau oder anderer Ereignisse zu dokumentieren. Für die Konfiguration empfiehlt die App je nach Verwendung unterschiedlich lange Intervalle.
Eine kontinuierliche Aufnahme ist mit der Altas ebenfalls möglich. Diese können Anwender unter Einstellungen – Filmaufnahme zeitlich und in Abhängigkeit der Akkukapazität einschränken (siehe auch Bildergalerie).
Im Abschnitt Alarm-Einstellungen lässt sich die Empfindlichkeit bei der Bewegungserkennung festlegen. Grundsätzlich unterscheidet die Kamera bei der Bewegungserkennung zwischen Menschen, Fahrzeugen und Tieren sowie anderen sich bewegenden Objekten. Zudem können Anwender Alarme einschränken, indem sie unter Bewegungszonen Bereiche für Personen, Fahrzeuge, Tiere und andere Objekte definieren, in denen keine Alarmierung erfolgen soll.
Unter Dimension des Objekts lässt sich außerdem noch ein minimaler und maximaler Größenbereich für ein Objekt festlegen, außerhalb dessen kein Alarm erfolgt. Zur Feinjustierung von Alarmen können Anwender diese auf bestimmte Stunden, Wochentage und nach Alarmart (Personen, Tiere, Fahrzeuge und Andere) eingrenzen. Eine jährliche Planung ist allerdings nicht möglich.
Benachrichtigungen zu Alarmen erfolgen per Push in der App und optional über E-Mail. Für letzteren Übertragungsweg können Anwender bis zu drei E-Mail-Adressen konfigurieren, wobei die erste mit Angabe des SMTP-Servers und Ports konfiguriert sein muss. Im Test hat das mit einem Gmail-Konto mit aktivierter Zwei-Faktor-Überprüfung zunächst nicht funktioniert. Das gelang erst mit einem Einmal-Passwort.
Zusätzlich kann die Reolink bei einer Bewegungserkennung das dazugehörige Bild und Video auf einen FTP-Server laden und bei Bedarf eine Sirene in der Kamera ertönen lassen. Die ist allerdings wie bei allen anderen Reolink-Kameras nicht sehr laut. Direkt am Gerät messen wir lediglich 70 dB.
Dank einer aus dem Gehäuse verlaufenden, knapp 14 cm langen Antenne ist die Verbindung zu unserem Wi-Fi-Router Fritzbox 5590 Fiber äußerst zuverlässig. Daran ändert sich auch nichts, wenn wir ins 5-GHz-Band wechseln, das naturgemäß eine geringere Reichweite bietet als das 2.4-GHz-Pendant. Bislang haben wir an der Montageposition mit unserem Test-WLAN noch keine andere WLAN-Überwachungskamera mit dem 5-GHz-Band zuverlässig betreiben können. Die Reolink Altas PT Ultra bietet in puncto WLAN also eine ausgezeichnete Leistung.
Die PTZ-Mechanik funktioniert im Test inklusive der automatischen Verfolgung problemlos und zügig. Um bestimmte Blickwinkel schneller abrufen zu können, bietet die Altas PT Ultra sogenannte Preset-Punkte. Bis zu 32 Kameraansichten können Anwender dafür definieren. Außerdem können sie noch einen Wach-Punkt festlegen, zu dem die Kamera nach einem einstellbaren Intervall zwischen 10 und 300 Sekunden automatisch zurückkehrt. Eine Patrouillenfahrt entlang der definierten Preset-Punkte bietet die Altas PT Ultra anders als die Reolink RLC-823A 16x (Testbericht) hingegen nicht.
Dank der 4K-Auflösung liefert die Reolink Altas PT Ultra detailreiche und scharfe Bilder. Allerdings merkt man der Kamera an, dass sie kein HDR unterstützt: Bei einem hohen Dynamikumfang werden helle Flächen etwas überbelichtet. Auch bei Gegenlicht zeigen sich Belichtungsmängel, was allerdings nahezu für alle anderen von uns getesteten Überwachungskameras zutrifft.
Nachtaufnahmen gelingen der Altas ohne Zusatzbeleuchtung nicht ganz so gut wie der Annke NCD800 (Testbricht). In ungünstigen Situationen, etwa wenn die natürliche Beleuchtung von Sternen und Mond Schatten wirft, muss man auf die integrierten Spotlights zurückgreifen, um genügend Details erkennen zu können (siehe auch Bildergalerie).
Dank der hohen Auflösung bietet auch der 16-fach-Digital-Zoom bei der Vergrößerung noch brauchbare Ergebnisse und ermöglicht somit eine Identifizierung von weiter entfernten Objekten. Mit der maximal möglichen Vergrößerung gehen trotz 4K-Auflösung aber wie erwartet zu viele Details verloren. An die Leistung eines optischen Zooms wie bei der RLC-823A 16x (Testbericht) langt die digitale Vergrößerung freilich nicht heran (siehe auch Bildergalerie).
Im Lieferumfang ist auch ein 6-Watt-Solarpanel mit einem vier Meter langem, fest angeschlossenem Verbindungskabel enthalten. Damit kann die Kamera in einem geschützten Bereich installiert werden, während das Solarpanel an einem sonnigen Plätzchen montiert wird. Im günstigsten Fall muss man den Akku damit nie manuell laden. Schon ein zehnminütiges Laden reicht für eine tägliche, ereignisbasierte Aufnahme mit einer Länge von 5 Minuten aus. Laut Reolink hält der Akku in dieser Betriebsart aber auch ganz ohne solare Aufladung bis zu 500 Tage.
Bei einer kontinuierlichen Aufzeichnung sinkt die Betriebsdauer auf vier Tage respektive 96 Stunden. Um bei dieser Betriebsart die Akkulaufleistung zu verlängern, kann man diese zum Beispiel auf die Nachtstunden begrenzen.
Die Reolink Altas PT Ultra arbeitet auch in Verbindung mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa. So können Anwender den Livestream auf einem smarten Display (Ratgeber) wie Nest Hub oder Echo Show betrachten. Ansonsten bietet Reolink keine weiteren Möglichkeiten, die Altas PT Ultra in Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Home Assistant, Homekit, Homey Pro oder Smartthings einzubinden. Darin unterscheidet sie sich standardmäßig nicht von anderen batteriebetriebenen Überwachungskameras, weil diese ebenfalls den für die Anbindung an externe Lösungen nötigen Onvif-Standard nicht unterstützen.
Doch der optional erhältliche Reolink Home Hub behebt dieses Manko. Für Smart-Home-Anwender sind das sehr gute Nachrichten, da man die Sensoren der batteriebetriebenen Reolink-Kameras zu einem umfassenden Alarmsystem mithilfe eines Smart-Home-Systems verwenden kann.
Die Reolink Altas PT Ultra kostet inklusive Solarpanel regulär 250 Euro. Aktuell ist sie für 160 Euro erhältlich. Wer zudem den Reolink Home Hub für die Onvif-Kompatibilität und Anbindung an Smart-Home-Zentralen wie Home Assistant benötigt, muss zusätzlich 90 Euro ausgeben.
Reolink liefert mit der Altas PT Ultra eine leistungsfähige PTZ-Überwachungskamera, die sich kaum Schwächen leistet. Hervorzuheben sind der exzellente WLAN-Empfang, die farbige Nachtsicht ohne Zusatz-LEDs und die lange Akkulaufzeit bei einer ereignisbasierten Aufnahme. Obendrein unterstützt die Altas PT Ultra – erstmals bei einer batteriebetriebenen Überwachungskamera – auch eine kontinuierliche Aufnahme inklusive Pre-Recording. Allerdings reicht in diesem Modus die Akkuleistung nur noch für einen Betrieb von 96 Stunden.
Ambitionierte Heimanwender können mit dem optional erhältlichen Reolink Home Hub die Altas PT Ultra, wie fast alle anderen batteriebetriebenen Reolink-Kameras in Smart-Home-Systeme wie Home Assistant einbinden und damit ein umfassendes Alarmsystem aufbauen.
Trotz der insgesamt ausgezeichneten Leistung ist die Altas PT Ultra nicht für jeden Einsatzzweck geeignet. Mangels optischem Zoom sind weiter entfernte Objekte trotz 4K-Auflösung nicht immer identifizierbar. Und eine HDR-Unterstützung hätten wir uns auch gewünscht, etwa für eine bessere Bildqualität bei schwierigen Lichtverhältnissen. Davon abgesehen, können wir die Reolink Altas PT Ultra jedoch sehr empfehlen, auch wenn sie mit einem Preis von 160 Euro nicht gerade günstig ist.
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