Die akkubetriebene Überwachungskamera Reolink Argus Eco Ultra bietet LED-Spotlights für eine farbige Nachtsicht. Wie gut sie in der Praxis funktioniert, zeigt der Test.
Mit der Argus Eco Ultra stellt Reolink eine weitere 4K-Überwachungskamera (Bestenliste) mit integriertem LED-Spotlights, Akku und Dual-WLAN-Unterstützung vor. Genau genommen ist die Eco Ultra bis auf die Gehäuseform baugleich zur Argus 3 Ultra. Im Unterschied zu dieser kommt die Eco Ultra in Bullet-Bauform. Ansonsten sind die Leistungsmerkmale wie Akku-Kapazität, Auflösung, Solarpanel identisch. Auch unterstützt die Eco Ultra Dual-WLAN. Sie kann damit also per 2,4 GHz oder 5 GHz mit dem heimischen Router kommunizieren.
Eine Dual-Band-Unterstützung ist gerade bei einer 4K-Kamera von Vorteil: Wegen der hohen Auflösung sollte das WLAN zur Übertragung des Livestreams genügend Bandbreite bereitstellen, was mit der Nutzung von 5 GHz gewährleistet ist. Steht die Überwachungskamera hingegen etwas weiter vom Router entfernt, dann hilft das 2,4-GHz-Band mit seiner besseren Reichweite. Nur muss man dann beim Livestream eventuell eine etwas geringere Auflösung einstellen. Dazu später mehr.
Die 455 g schwere Reolink Eco Ultra mit Abmessungen von 127 × 90 × 56 mm ist wetterfest nach Standard IP66 und laut Hersteller im Temperaturbereich zwischen –10 und 55 Grad Celsius einsatzbereit. Wie viele andere Reolink-Kameras ist sie mit einem 6000 mAh (21,6 Wh) starken Akku ausgestattet, dessen Laufzeit sich dem mitgelieferten Solarpanel mit knapp 6 Watt Leistung verlängern lässt. Dieses können Anwender dank des 4 Meter langen Verbindungskabels relativ flexibel positionieren. Sollte das nicht ausreichen, gibt es noch eine wetterfeste und 3,8 Meter lange Kabelverlängerung.
Wenn das kleine Photovoltaikpanel genügend Licht zur Stromumwandlung erhält, wird der Akku der Kamera geladen. Im Test haben wir die Kamera zunächst ohne Solarpanel betrieben. Innerhalb von vier Tagen hat sich die Akku-Kapazität von 100 auf 88 Prozent reduziert. Wie üblich ist die Akkuleistung – ohne Solarpanel – abhängig von vielen Variablen wie Temperatur und Alarm- und Aufzeichnungshäufigkeit. Reolink gibt eine Laufzeit von ein bis vier Wochen an. Bei kontinuierlicher Nutzung mit aktiviertem Livestream sorgt der Akku für eine Betriebszeit von etwa acht Stunden. Ein USB-Ladegerät gehört nicht zum Lieferumfang.
| 4K-Überwachungskameras von Reolink mit Akku | Argus Eco Ultra | Argus 3 Ulra |
|---|---|---|
| Bildsensor | 1/2,7" | 1/2,7" |
| Auflösung | 3840 x 2160 | 3840 x 2160 |
| Bildrate | 15 fps | 15 fps |
| Akkku | 21,6 Wh | 21,6 Wh |
| Sichtfeld (h, v, d) | 105°, 55°, 125° | 105°, 55°, 125° |
| PIR-Erkennungswinkel | 110° | 100° |
| Speicher | microSD, Cloud | microSD, Cloud |
| Infrarot-LEDs | 8 | 6 |
| Wetterbeständigkeit | IP66 | IP65 |
| Onvif | nein (nur mit Reolink Home Hub) | nein (nur mit Reolink Home Hub) |
| Abmessungen | 191 x 75 x 75mm | 127 x 90 x 56mm |
| Gewicht | 455 g | 335 g |
Bereits wenige Stunden Sonnenschein am Tag reichen aus, um die Akku-Kapazität zu halten respektive zu laden. Allerdings war es während der Testphase frostfrei. Ob der Akku auch bei Minustemperaturen geladen wird, können wir daher nicht sagen. In jedem Fall arbeitet das knapp 6 Watt starke Solarpanel erwartungsgemäß besser als das nur 2,2 Watt starke Pendant, das Eufy für die Solocam S340 (Testbericht) verbaut hat. Denn im gleichen Zeitraum hat sich deren Akku von 100 auf 70 Prozent entleert, während der Akku in der Argus 3 Ultra vollständig geladen ist.
Der in der Kamera integrierte 1/2.7" große CMOS-Sensor nimmt Videos mit bis zu einer Auflösung von 3840 × 2160 Pixel bei 15 Bildern pro Sekunde und einer voreingestellten Datenrate von auf 3072 kbps auf. Zusätzlich stehen die Werte 1024, 1536, 2048 und 4096 kbps zur Auswahl. Allerdings lässt sich die Datenrate nicht anpassen, wenn gleichzeitig eine Zeitrafferaufnahme aktiv ist (dazu später mehr). Bei voller Auflösung, die in der App mit „Klar“ und als Status mit „High“ bezeichnet wird, nimmt sie Videos im HEVC-Codec (H.265) und darunter mit H.264 auf. Die Bewegungserkennung erfolgt mithilfe eines integrierten PIR-Sensors (Pyroelektrischer Sensor), der einen Erkennungswinkel von 110 Grad bietet und Bewegungen bis zu einer Entfernung von bis zu 10 Meter erfasst. Die Nachtsicht von bis zu 10 Metern erfolgt automatisch oder manuell. Motive können Anwender mit dem integrierten 16-fachen Digital-Zoom vergrößern.
Mit der Integration von Mikrofon und Lautsprecher realisiert Reolink eine Zwei-Wege-Audiofunktion, sodass Anwender sich mit Personen vor der Kamera unterhalten können. Bei Bedarf ertönt bei einer Bewegungserkennung eine Alarmsirene, die über die App aktiviert werden kann und ungebetene Gäste abschrecken soll. Alarmmeldungen kann die Kamera per E-Mail und FTP-Upload sowie Pushnachrichten an den Nutzer übermitteln. Einen Alarm mit einem aufblinkenden Spotlight unterstützt die Argus Eco Ultra genauso wenig wie die Argus 3 Ultra.
Als Speichermedien unterstützt die Überwachungskamera microSD-Karten mit bis zu einer Größe von 128 GB. Im Test hat sie aber auch mit einer 400 GB großen Variante von Sandisk problemlos funktioniert.
Zusätzlich zur microSD können Anwender auch eine Speicherung in der Reolink-Cloud nutzen. 30 Tage Cloud-Speicherung mit einer Kapazität von 30 GB für maximal fünf Kameras bietet das Standard-Abo für monatlich regulär 5,99 Euro. Das Premier-Abo für monatlich 11,89 Euro bietet 80 GB Kapazität für maximal zehn Kameras. Derzeit gibt es beide Variante vergünstigt für 4,19 respektive 8,29 Euro.
Der Lieferumfang umfasst neben der Kamera eine Sicherheitshalterung zur Montage an einer Wand oder Decke sowie eine Montageplatte. Letztere ist essenziell, wenn man die Kamera mit dem mitgelieferten Gurt an einem Mast oder Baum montieren möchte. Zusätzlich gibt es ein Netzkabel, eine Montageschablone, Schrauben und Dübel zur Befestigung, eine Nadel für das Zurücksetzen der Werkseinstellungen, einen Aufkleber mit Hinweis zur 24-Stunden-Überwachung, sowie eine Kurzanleitung, die ausführliche und relevante Informationen zum Betrieb der Kamera enthält (siehe auch Bildergalerie).
Gut gelöst hat Reolink die Sicherheitshalterung: Sie besteht aus zwei Komponenten, einem fest verschraubbaren Teil sowie einem runden Drehverschluss, der an der Kamera befestigt wird. So lässt sie sich leicht von der Halterung lösen.
Die Inbetriebnahme der Reolink Eco Ultra ist nach wenigen Schritten erledigt. Nähere Details dazu sind in der Bildergalerie enthalten. Zusätzlich zur App können Anwender die Kamera mit der für macOS und Windows vorliegenden Reolink-Desktop-Anwendung steuern. Hierfür muss man lediglich die UID der Kamera (abrufbar in der App unter Geräteinfos) sowie das Gerätepasswort eingeben. Sollten dabei Probleme auftreten, hilft das ausgezeichnete und deutschsprachige Handbuch.
Mobile App und Desktop-Anwendung bieten nahezu identische Einstellungsmöglichkeiten. Auch lassen sich beide Tools ähnlich bedienen, was eine konsistente Benutzererfahrung garantiert. Das ist nicht selbstverständlich. Oft sehen Kamerahersteller keine Desktop-Anwendung zur Steuerung ihrer Geräte vor oder, wie im Fall von Eufy, steht nur eine Web-Anwendung mit reduzierter Funktionalität zur Verfügung, die sich auch in puncto Bedienung von der mobilen Anwendung unterscheidet.
Über das Zahnrad-Symbol können Anwender mit der App oder der Desktop-Anwendung die Reolink Argus Eco Ultra umfangreich justieren. Im Abschnitt Display lässt sich etwa die Position von Kameraname sowie Datum und Zeit im Live-Bild verändern. Die Angaben kann man aber auch wie das Wasserzeichen vollständig ausblenden.
Um die Überwachungskamera datenschutzkonform zu betreiben, wenn sie auf ein fremdes Grundstück oder einen öffentlichen Bereich ausgerichtet ist, können Anwender unter Privatsphärenmaske drei Zonen definieren, in denen keine Aufnahme erfolgt respektive die Aufnahme an diesen Stellen geschwärzt ist.
Die Kamera zeichnet Videos nicht nur bei Bewegung auf. Alternativ können Anwender auch eine Zeitrafferaufnahme konfigurieren, um so etwa den Fortschritt beim Hausbau oder anderer Ereignisse zu dokumentieren. Für die Konfiguration empfiehlt die App je nach Verwendung unterschiedlich lange Intervalle.
Im Abschnitt Alarm-Einstellungen können Anwender die Empfindlichkeit bei der Bewegungserkennung einstellen. Grundsätzlich unterscheidet die Kamera dabei zwischen Menschen, Fahrzeugen und anderen sich bewegenden Objekten. Zudem können Anwender Alarme einschränken, indem sie unter Bewegungszonen Bereiche für Personen, Fahrzeuge und andere Objekte definieren, in denen keine Alarmierung erfolgen soll.
Unter Dimension des Objekts lässt sich außerdem noch ein minimaler und maximaler Größenbereich für ein Objekt festlegen, außerhalb dessen kein Alarm erfolgt. Zur Feinjustierung von Alarmen können Anwender diese auf bestimmte Wochentage und Stunden eingrenzen. Eine jährliche Planung ist allerdings nicht möglich.
Mit den zahlreichen Einstellmöglichkeiten kommt es während des Tests zu keinerlei Fehlalarmen. Fahrzeuge erkennt die Kamera zuverlässig bis zu einer Entfernung von 30 Metern.
Benachrichtigungen zu Alarmen erfolgen per Push in der App und optional über E-Mail. Für letzteren Übertragungsweg können Anwender bis zu drei E-Mail-Adressen konfigurieren, wobei die erste mit Angabe des SMTP-Servers und Ports konfiguriert sein muss. Im Test hat das mit einem Gmail-Konto mit aktivierter Zwei-Faktor-Überprüfung nicht funktioniert. Ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung verläuft die E-Mail-Benachrichtigung problemlos. Zusätzlich ertönt bei einer Warnung optional auch eine Sirene. Allerdings ist diese wie bei anderen Reolink-Kameras nicht besonders laut.
Dank 4K-Auflösung liefert die Reolink Argus Eco Ultra detailreiche und scharfe Bilder, wobei das diagonale Sichtfeld 125 Grad beträgt (horizontal: 105 Grad, vertikal: 55 Grad). Nachts leuchten die beiden Spotlight-LEDs das Bild bei Bedarf gut aus, sodass auch bei Dunkelheit detailreiche und scharfe Aufnahmen gelingen. Auch die mithilfe der acht Infrarot-LEDs (zwei mehr als bei der Argus 3 Ultra) entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind gut ausgeleuchtet.
Wie andere Reolink-Überwachungskameras neigt die Arcus Eco Ultra bei einem hohen Dynamikumfang dazu, helle Bereiche etwas überzubelichten. Hier wäre ein HDR-Feature wie bei der Annke C800 (Testbericht) sicher sinnvoll, um eine noch bessere Bildqualität zu erreichen. Insgesamt ist die Bildqualität aber gut.
Dank einer hohen Datenrate und 4K-Auflösung liefert die Kamera auch beim Zoomen noch eine gute Darstellungsqualität. Wunderdinge darf man wegen des fehlenden optischen Zooms, wie sie etwa die Reolink RLC-811A (Testbericht) bietet, jedoch nicht erwarten. Dennoch zeigen sich im direkten Vergleich gegenüber einem Modell mit 2560 × 1440 Pixel klare Vorteile. So ist das Display einer Powerstation bei 4K-Auflösung noch klar ablesbar, während man bei der niedrigeren Auflösung kaum etwas erkennen kann.
Die Reolink Argus Eco Ultra funkt sowohl im 2,4-GHz- als auch im 5-GHz-Band und unterscheidet sich damit positiv von vielen Konkurrenten, die oft nur im 2.4-GHz-Band funken. Im Test war die WLAN-Verbindung in beiden Funkbändern stabil. Allerdings können ein paar Sekunden vergehen, bis der Livestream in der App dargestellt wird. Das können etwa die Eufy-Modelle besser. Praktisch ist in jedem Fall, dass man das WLAN einfach ändern kann und nicht wie bei anderen Kameras das Gerät erst zurücksetzen muss.
Die Reolink Eco 3 Ultra arbeitet auch in Verbindung mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa, inklusive der Ausgabe des Livestreams auf ein smartes Display (Ratgeber) wie Nest Hub oder Echo Show. Im Unterschied zu fest ans Stromnetz verbundenen Reolink-Kameras unterstützt die Argus Eco Ultra jedoch nicht den Onvif-Standard (Themenwelt). Dadurch lässt sich die Überwachungskamera weder mit Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station (Testbericht) betreiben noch in Smart-Home-Zentralen wie Homey Pro (Test) und Home Assistant (Testbericht) einbinden. Auch zu Smart-Home-Diensten wie IFTTT ist die Reolink inkompatibel. Damit teilt die Reolink Argus Eco Ultra das Schicksal aller anderen per Akku betriebenen Überwachungskameras. Der Grund dafür liegt in dem fehlenden Support durch Dritthersteller-Software für den Batteriebetrieb, wie Reolink in seinem Support-Forum erklärt.
Hinweis 31.1.2025: Mit dem 93 Euro teuren Reolink Home Hub gibt es inzwischen aber eine Möglichkeit, batteriebetriebene Reolink-Überwachungskameras in Smart-Home-Systeme (Bestenliste) einzubinden.
Die Reolink Eco Ultra mit Solarpanel kostet regulär 130 Euro. Aktuell gibt es die 4K-Kamera für knapp 100 Euro. Das 2er-Set mit dem knapp 93 Euro teuren Reolink Home Hub kostet 260 Euro.
Reolink bietet mit der Argus Eco Ultra eine Spotlight-Überwachungskamera mit 4K-Auflösung und farbiger Nachtsicht, die dank Dual-WLAN und Akku relativ flexibel positioniert werden kann. Praktisch ist das Solarpanel, das während der Testphase den Akku der Argus Eco Ultra zuverlässig geladen hat. Die Aufnahmequalität ist gut, aber nicht perfekt. Dafür fehlen der Kamera HDR-Funktionen wie sie etwa die Annke NCD800 (Testbericht) bietet.
Die Zustellung von Benachrichtigungen funktioniert zeitnah und zuverlässig. Fehlalarme sind dank umfangreicher Einstellmöglichkeiten und der Fähigkeit der Kamera, zwischen Personen, Fahrzeugen, Haustieren und anderen Objekten zu unterscheiden, nahezu ausgeschlossen. Zudem lässt sich die Argus Eco Ultra nicht nur über eine Smartphone-App steuern, sondern auch bequem über den Desktop. Und mit einer Zeitraffer-Funktion bietet sie ein Feature, mit dem nicht viele Überwachungskameras aufwarten können.
Wer auf der Suche nach einer batteriebetriebenen 4K-Überwachungskamera ist, erhält mit der Reolink Argus Eco Ultra ein sehr leistungsfähiges Modell, das sich nicht nur per App, sondern auch über eine leicht bedienbare Desktop-Anwendung steuern lässt.
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