Die Argus PT Ultra bietet ein schwenk- und neigbares Objektiv, 4K-Auflösung und eine smarte Bewegungserkennung. Was sie sonst noch kann, verrät unser Test.
Preis-Update: Bei Amazon ist die Reolink Argus PT Ultra aktuell zum Tiefstpreis für 150 Euro erhältlich.
Neben der Trackmix-Serie (Testbericht) mit zwei schwenk- und neigbaren Objektiven bringt Reolink mit der Argus PT Ultra eine PTZ-Überwachungskamera (Bestenliste) mit „nur“ einem Objektiv. Sie bietet eine Auflösung von 3840 × 2160 Pixel, was gegenüber einer Full-HD-Kamera einer Vervierfachung der Pixelanzahl entspricht. Statt zwei sind es bei dem neuen PTZ-Modell acht Megapixel. Anders als die Trackmix-Varianten beherrscht sie allerdings keine automatische Bewegungsverfolgung.
Dank 21,6-Wh-Akku, 6-Watt-Solarpanel und WLAN-Unterstützung für 2,4-GHz und 5-GHz-Netze ist sie hinsichtlich der Montage relativ flexibel. Fehlalarme sind in der Praxis dank Personen-, Fahrzeug- und Haustiererkennung nahezu ausgeschlossen. Da sie neben Infrarot-LEDs für Schwarz-Weißaufnahmen bei Dunkelheit auch noch zwei weiß leuchtende LEDs bietet, kann sie auch nachts Videos in Farbe aufzeichnen. Diese speichert die PTZ-Überwachungskamera auf einer bis zu 128 GByte großen microSD-Karte, die allerdings nicht zum Lieferumfang gehört. Alternativ steht auch ein kostenpflichtiger Cloudspeicher in einem Frankfurter Rechenzentrum zur Auswahl. Das Cloud-Abo können Anwender einmalig mit einer Kapazität von 1 GByte und einem Videoverlauf für bis zu sieben Tage für eine Kamera kostenlos testen. Das Standard-Abo kostet 4,19 Euro und bietet 30 Tage Cloud-Speicherung mit 30 GByte für bis zu fünf Kameras. Mehr Leistung bietet das Premier-Abo für 8,29 Euro, das 80 GByte Speicherplatz für bis zu zehn Kameras bietet. Wie gut die Reolink Argus PT Ultra in der Praxis funktioniert, zeigt unser Testbericht.
Die Reolink Argus PT Ultra misst 98 × 122 mm und bringt 481 Gramm auf die Waage. Sie ist wetterfest nach IP64 und im Temperaturbereich zwischen -10° und 55° Celsius einsatzbereit. Mit der Integration von Mikrofon und Lautsprecher realisiert Reolink eine Zwei-Wege-Audiofunktion, sodass Anwender sich mit Personen vor der Kamera unterhalten können. Im Test hat die Gegensprecheinrichtung zuverlässig funktioniert. Bauartbedingt darf man allerdings keine HiFi-Qualität erwarten. Für einen kurzen kommunikativen Austausch mit etwa dem Paketboten reicht es aber allemal.
Der Lieferumfang umfasst neben der Kamera zwei Halterungen zur Montage an Wand oder Decke inklusive Inbusschlüssel, mit der die Halterung mit an das Kameragehäuse verschraubt wird. Außerdem findet sich im Karton noch eine Antenne, die an die Kamera angeschraubt wird, ein USB-Ladekabel, eine Montageschablone, Schrauben und Dübel zur Befestigung, eine Nadel für das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen, ein Aufkleber mit Hinweis zur 24-Stunden-Überwachung, ein Befestigungsband zur Montage an Bäumen sowie eine Kurzanleitung – auch auf Deutsch, die grundsätzliche Informationen zur Montage, Einrichtung und Betrieb der Kamera enthält.
Die Inbetriebnahme mit der Reolink-App ist schnell erledigt. Mehr Details dazu finden Interessierte im Testbericht zur Reolink Argus PT und in der Bildergalerie.
Die Batterielaufzeit ist wie üblich von verschiedenen Faktoren abhängig wie Umgebungstemperatur, Anzahl der Aktivierungen sowie die Zeit für die Ausgabe des Livestreams. Laut Reolink soll der Akku wie bei der Trackmix Akku für einen Betrieb der Kamera zwischen einer und vier Wochen halten. Damit man die Batterie nicht oft nachladen muss, verkauft Reolink die Argus PT Ultra zusammen im Bundle mit einem passenden Solarpanel mit 6 Watt Ladeleistung und einem fast vier Meter langen Verbindungskabel. Damit sollte man, auch wenn die Kamera im Schatten montiert ist, ein sonniges Plätzchen für die Montage des Solarpanels finden – Halterungen und Schrauben sind im Lieferumfang enthalten.
Allerdings wird der Akku nicht geladen, sobald die Temperaturen unter 0 Grad fallen. Abgesehen davon, reicht in den Wintermonaten die durchschnittliche Sonnenscheindauer meistens nicht aus, um den Akku nennenswert zu laden. Das Problem betrifft allerdings nicht nur die Reolink, sondern alle mit Solarpanel betriebenen Kameras wie Eufy Solocam S40 (Testbericht) oder Eufy S330 (Testbericht). Doch in der restlichen Jahreszeit scheint die Sonne ausreichend, um die Batterie aufzuladen: Während des Tests Ende Juni hat das Solarpanel innerhalb von zwei sonnigen Tagen den Akku von 51 Prozent auf etwa 90 Prozent geladen, wobei die Aktivzeit der Kamera laut interner App-Statistik 24 und 26 Minuten betrug. Am dritten Tag wurde die Kamera mit 62 Minuten stärker beansprucht und bewölkt war es auch. Trotzdem hat das Solarpanel auch an diesem Tag den Akku noch geladen. Am Ende waren es 94 Prozent (siehe auch Bildergalerie).
In puncto WLAN bietet die Argus PT Ultra Unterstützung für 2,4- und 5-GHz-Netze. Damit bietet sie mehr Flexibilität als viele andere Überwachungskameras, die nur im 2,4-GHz-Band funken können. Im Test gibt es am WLAN-Empfang nichts auszusetzen. Allerdings verzögert sich die Anzeige des Livebilds um wenige Sekunden, je weiter die Kamera vom Router entfernt ist. Allerdings ist das ein Phänomen, das mit allen WLAN-Kameras auftritt. Grundsätzlich dauert die Darstellung des Livestreams bei WLAN-Kameras länger als bei PoE-Varianten.
Die Batterielaufzeit können Anwender verlängern, indem sie den Betrieb der Kamera auf für sie wichtige Zeiten limitieren. Hilfreich ist auch, wenn man den Überwachungsbereich sowie die Aufnahme auf bestimmte Objekte begrenzt. Hierfür stehen in der Reolink-App sowohl in der mobilen als auch in der Desktop-Variante entsprechende Optionen in Abschnitten Kamera – Alarm-Einstellungen und Überwachen – Aufnahme bereit. Dort können Anwender etwa Bewegungszonen definieren, in denen kein Alarm ausgelöst wird oder die Aufnahme auf bestimmte Objekttypen wie Personen, Fahrzeuge oder Haustiere begrenzen. Bei einem Alarm können Anwender optional den internen Lautsprecher als Sirene verwenden. Allerdings ist diese mit gemessenen 80 dB direkt am Lautsprecher nicht sehr laut.
Die PTZ-Mechanik reagiert sehr flott und arbeitet dabei äußerst leise. Fehlalarme sind dank der integrierten KI, mit der sich die Erkennung auf Personen, Fahrzeuge und Haustiere sowie nach deren Größe eingrenzen lässt, nahezu ausgeschlossen. Benachrichtigungen in Form von Pushnachrichten und E-Mails erfolgen zeitnah. Anwender können für eine optimale Überwachung außerdem einen Wachpunkt als Default-Ausrichtung sowie bis zu 32 Preset-Punkte konfigurieren, zu denen sich die Kamera nach manueller Auswahl ausrichtet.
Dank einer Auflösung von 3840 × 2160 Pixel bei 15 fps bietet die Argus PT Ultra auch beim Zoomen noch Reserven. Einen optischen Zoom wie die Reolink RLC-811A (Testbericht) bietet sie hingegen nicht. In der Regel liefert die Kamera detailreiche und scharfe Bilder mit einem ausreichenden Kontrast. Bei schwierigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht oder einem hohen Dynamikumfang kämpft sie teilweise aber mit ungenauer Belichtung. Diesbezüglich bieten Kameras mit WDR (Wide Dynamic Range), HLC (Highlight Compensation) oder BLC (Backlight Compensation) wie die Annke NCD800 (Testbericht) mit zeitlich gesteuerter Aktivierung optimaler Einstellungen bessere Ergebnisse. Etwas verbessern kann man die Bildqualität unter Einstellungen – Display – Lichter & Schatten.
Die Nachtsicht auf Basis der zwei Infrarot-LEDs geht ebenfalls in Ordnung. In der Praxis reicht sie sogar viel weiter als die von Reolink angegebenen 10 Meter. Dank Spotlight-LEDs kann die Argus PT Ultra auch nachts farbige Bilder liefern, was die Identifizierung nächtlicher Eindringlinge erleichtert.
Das Sichtfeld mit PTZ-Mechanik beträgt 355 Grad horizontal und 140 Grad vertikal. Ohne PTZ-Funktion bietet die Hauptkamera ein Sichtfeld von 90 Grad horizontal, 47 Grad vertikal und 110° diagonal. Für einen DSGVO-konformen Betrieb können Anwender unter Einstellungen – Display – Privatsphährenmaske bis zu drei Zonen definieren, die bei der Aufzeichnung automatisch geschwärzt werden. Das ist wichtig, wenn die Ausrichtung der Kamera fremde Grundstücke oder öffentliche Bereiche erfasst.
Die Reolink Argus PT Ultra lässt sich auch mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa bedienen. In Verbindung mit einem smarten Display (Ratgeber) können Anwender den Kamera-Livestream auf ein kompatibles Gerät wie Nest Hub oder Echo Show ausgeben (siehe auch Bildergalerie).
Aufgrund der Stromversorgung per Akku kann die Überwachungskamera nicht an Reolink NVR-Lösungen angebunden werden. Auch zu Smart-Home-Diensten wie IFTTT ist sie inkompatibel. Das Gleiche gilt für den Standard Open Network Video Interface (ONVIF), den Reolink mit seinen Akku-betriebenen Modellen nicht unterstützt. Der Grund dafür liege in dem fehlenden Support durch Dritthersteller-Software für den Batteriebetrieb, teilt Reolink in seinem Support-Forum mit. Wegen der fehlenden ONVIF-Kompatibilität (Themenschwerpunkt) lässt sie sich auch nicht an ein NAS wie Synology Surveillance Station (Ratgeber) oder an eine Smart-Home-Zentrale (Bestenliste) wie Homey Pro (Testbericht) oder Home Assistant koppeln. Wer daran Interesse hat, kann zu einer der vielen Reolink-Kameras (Themenschwerpunkt) greifen, die über einen festen Stromanschluss betrieben werden und Onvif unterstützen.
Reolink verkauft die Argus PT Ultra inklusive Solarpanel regulär für 180 Euro. Bei Ebay ist sie aktuell zum Tiefstpreis für 99 Euro erhältlich.
Die Reolink Argus PT Ultra überzeugt im Test nicht restlos. Sie bietet zwar, wie von Reolink-Kameras gewohnt, einwandfreie Leistungswerte in puncto Konfiguration, Bedienung und Alarm-Benachrichtigung (Push und E-Mail). Und auch die Darstellungsqualität mit hoher 4K-Auflösung weiß dank Reserven beim Zoom und einer guten Bildqualität zu überzeugen. Auch die smarte Bewegungserkennung mit Differenzierung zwischen Personen, Fahrzeugen, Haustieren und anderen sich bewegenden Objekten ist top, sodass Fehlalarme in der Praxis nahezu ausgeschlossen sind. Die flexible Steuerung per Smartphone- und Desktop-App steht ebenfalls auf der Habenseite. Positiv ist auch, dass sich die Argus PT Ultra wie auch andere Reolink-Kameras und im Unterschied zu Lösungen von Ring oder Arlo vollständig ohne kostenpflichtige Cloud betreiben lässt.
Doch der Akkubetrieb ist mit Kompromissen verbunden. Diese betreffen nicht nur die Laufzeit, die in der dunklen Jahreszeit vom mitgelieferten Solarpanel 2 nur unwesentlich verlängert wird, – wie wir vom Test der Trackmix Akku wissen –, sondern auch andere Bereiche. Wer etwa ein NAS oder ein NVR-System verwendet oder Überwachungskameras gerne mit einer Smart-Home-Zentrale koppelt, wird mit der Reolink Argus PT Ultra mangels Onvif-Kompatibilität (Themenwelt) nicht glücklich.
Dennoch ist die 4K-PTZ-Überwachungskamera eine gute Wahl, wenn man einen möglichst großen Bereich im Auge behalten möchte, der weder eine feste Stromverbindung noch ein Ethernetkabel für den Anschluss einer Kamera bietet. Wer Wert auf eine automatische Bewegungsverfolgung Wert legt, ist mit PTZ-Überwachungskameras aus der Trackmix-Serie besser bedient. Allerdings sind diese auch deutlich teurer.
Hinweis: Der Testbericht wurde am 29.6.2023 veröffentlicht. Bei attraktiven Angeboten wird er aktualisiert.
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