Mit zwei dreh- und schwenkbaren Objektiven verfolgt die PTZ-Überwachungskamera Reolink Argus Track erkannte Objekte automatisch – inklusive sechsfachem Zoom.
Reolink bringt mit der Argus Track eine besonders kompakte PTZ-Überwachungskamera (Bestenliste) mit 4K-Auflösung (Bestenliste) und Dual-Objektiv (Bestenliste). Doch anders als bei der Reolink Duo 3 (Testbericht), die Bilder aus zwei Linsen zusammensetzt und so für ein 180° breites Sichtfeld sorgt, bieten PTZ-Varianten eine Total- und eine Zoom-Ansicht. In der Regel verfügt das zweite Objektiv über einen optischen Dreifach-Zoom, der zusammen mit der Weitwinkel-Linse der Kamera einen sechsfachen Hybrid-Zoom realisiert.
Die Technik der Argus Track basiert im Wesentlichen auf Reolinks bekannter Trackmix-Serie. Das Gehäuse fällt allerdings deutlich kompakter und eleganter aus. Doch im Unterschied zur Trackmix Akku (Testbericht), die „nur“ mit 2560 × 1440 Pixel auflöst, schafft die Argus Track mit 3840 × 2160 Pixel die gleiche Auflösung wie die kabelgebundenen Trackmix-Varianten. Ansonsten ist alles an Bord, was leistungsfähige Überwachungskameras auszeichnen.
Die knapp 500 g schwere Argus Track ist wetterbeständig und im Temperaturbereich zwischen –10 °C und 55 °C einsatzfähig. Das Gehäuse besteht aus einem etwa 2 cm hohen und runden Standfuß mit einem Durchmesser von 8,5 cm. Auf dem Standfuß sitz das Kameragehäuse, womit das Gehäuse insgesamt eine maximale Höhe von knapp 12 cm erreicht. Mit dem Standfuß kann man die Kamera auch leicht in Innenräumen, etwa in einem Regal, verwenden. Für den Außenbereich ist allerdings der Einsatz der mitgelieferten Halterung empfehlenswert. Damit kann man die Argus Track an einer Wand mithilfe der im Lieferumfang befindlichen Schrauben und Dübeln montieren. Als alternative Befestigungsmöglichkeit können Anwender auch den mitgelieferten Haltegurt verwenden und die Kamera damit etwa an einer Säule montieren (siehe Bildergalerie).
Mit Strom wird die Argus Track über einen integrierten und nicht austauschbarem Akku mit einer Kapazität von 4800 mAh Stunden versorgt. Der soll eine Betriebszeit je nach Nutzung zwischen einer und vier Wochen ermöglichen. Hinten am Standfuß gibt es eine USB-C-Schnittstelle, über die der Akku geladen wird. Bei unserem Testexemplar war der Akku im Auslieferungszustand zu etwa 60 Prozent geladen. Nach der Aufladung per USB-C-Netzteil haben wir für den Betrieb im Außenbereich das mitgelieferte 6-Watt-Solarpanel daran angeschlossen. Mit ein paar Sonnenstunden pro Tag hält dieses den Akkustatus auf konstantem Niveau. Dank des fast vier Meter langen Verbindungskabels sollte die optimale Ausrichtung des Solarpanels in der Praxis kein Problem sein.
Durch den Akkubetrieb ist man bei der Montage etwas flexibler, sofern sich die Kamera im Empfangsbereich des heimischen WLANs (2,4 und 5 GHz) befindet. Doch man muss dadurch auch einige Kompromisse eingehen. So erlaubt die Kamera lediglich eine ereignisbasierte, aber keine kontinuierliche Aufzeichnung von Videos. Aufgrund der Stromversorgung per Akku kann die Überwachungskamera zudem nicht an Reolink NVR-Lösungen angebunden werden. Wegen des fehlenden ONVIF-Supports (Ratgeber) lässt sie sich auch nicht an ein NAS wie Synology Surveillance Station (Ratgeber) oder an Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Homey Pro oder Home Assistant koppeln.
Zur Speicherung von Videos bietet die Argus Track einen microSD-Card-Slot, der kompatibel zu Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu 128 GB ist. Im Test hat die Kamera aber auch mit einer 512 GB großen microSD-Karte von Sandisk funktioniert. Als alternative Speichermöglichkeit steht außerdem die Reolink-Cloud zur Verfügung. In Deutschland werden die Daten in einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main gespeichert. Das kostenlose Basis-Abo bietet eine Kapazität von 1 GB und einen Videoverlauf für bis zu sieben Tage für eine Kamera. Das Standard-Abo kostet 4,19 Euro und bietet 30 Tage Cloud-Speicherung mit 30 GB für bis zu fünf Kameras. Mehr Leistung bietet das Premier-Abo für 8,29 Euro, das 80 GB Speicherplatz für bis zu zehn Kameras.
Die Inbetriebnahme der Argus Track erfolgt entweder mit der Desktop-Anwendung, die für macOS und Windows vorliegt oder mit der mobilen Reolink-App, die auch für Tablets optimiert ist (siehe Bildergalerie).
Die Batterielaufzeit können Anwender verlängern, indem sie den Betrieb der Kamera auf für sie wichtige Zeiten limitieren. Hilfreich ist auch, wenn man den Überwachungsbereich sowie die Alarmierung und die Bewegungsverfolgung auf bestimmte Objekte begrenzt. Hierfür stehen in der Reolink-App sowohl in der mobilen als auch in der Desktop-Variante entsprechende Optionen in Abschnitten Kamera – Alarm-Einstellungen und Überwachen – Aufnahme bereit. Dort können Anwender etwa Bewegungszonen definieren, in denen kein Alarm ausgelöst wird oder die Bewegungsverfolgung auf bestimmte Objekttypen wie Personen, Fahrzeuge oder Haustiere begrenzen.
Auch die Methode der Bewegungsverfolgung kann die Batterielaufzeit beeinflussen. Mit Digital Tracking verharrt die Kamera in der Grundposition und vergrößert das Objekt lediglich digital. Mit Tracking Priorität: Digital kommt zunächst das eben beschrieben Verfahren zum Einsatz, aber wenn sich das erkannte Objekt aus dem Sichtfeld des Objektivs bewegt, wird der PTZ-Mechanismus aktiviert, sodass das Objekt länger verfolgt wird. Wählt man die Option Tracking Priorität: Pan & Tilt wird hingegen von Anfang an auf die motorisierte Objektverfolgung gesetzt, wobei der Akku am stärksten belastet wird. Andererseits erzielt dieses Verfahren aber auch die besten Ergebnisse. Die automatische Bewegungsverfolgung lässt sich außerdem zeitlich einschränken. Zur Auswahl stehen die Optionen 10, 20, 30 und 60 Sekunden, die festlegen, wie lange die Kamera noch aktiv ist, wenn das Objekt stoppt oder verschwindet.
Die Bewegungsverfolgung funktioniert in der Praxis einwandfrei. Die PTZ-Mechanik reagiert sehr flott und arbeitet dabei äußerst leise. Fehlalarme sind dank der integrierten KI, mit der sich die Erkennung auf Personen, Fahrzeuge und Haustiere sowie nach deren Größe eingrenzen lässt, nahezu ausgeschlossen. Benachrichtigungen in Form von Pushnachrichten und E-Mails erfolgen zeitnah, wenn auch etwas langsamer als bei kabelgebundenen Modellen.
Für einen datenschutzkonformen Einsatz der Kamera, wenn diese auf ein fremdes Grundstück oder öffentlichen Bereichen ausgerichtet ist, können Anwender über Einstellungen – Display – Privatsphärenmaske bis zu acht Zonen pro Objektiv definieren, die von der Aufnahme ausgeschlossen respektive geschwärzt werden.
Die Bildqualität der Videos mit einer Auflösung von 3840 × 2160 oder 1920 × 1088 Pixel (Zoom) bei 15 Frames pro Sekunde (fps) ist insgesamt gut. In der Regel liefert die Kamera detailreiche und scharfe Bilder mit einem ausreichenden Kontrast. Bei schwierigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht oder einem hohen Dynamikumfang kämpft sie aber teilweise mit ungenauer Belichtung, was in der Preisklasse allerdings der Standard ist. Nur teurere Profi-Kameras wie die Annke NCD800 (Testbericht) bieten zahlreiche Bildverbesserungstechniken, die sich zudem abhängig von der Tageszeit für eine optimale Bilddarstellung aktivieren lassen.
Die Nachtsicht auf Basis der zwei Infrarot-LEDs geht ebenfalls in Ordnung. In der Praxis reicht sie sogar viel weiter als die von Reolink angegebenen 30 Meter. Mehr Details zeigen die mithilfe der bis zu 295 Lumen hellen Spotlight-LEDs erzeugten farbigen Nachtaufnahmen. Allerdings ist die Ausleuchtung nicht ganz so homogen wie bei Varianten mit stärkeren Spotlights, wie der 2000 Lumen hellen Eufy Floodlight Cam E340 (Testbericht).
Das Sichtfeld mit PTZ-Mechanik beträgt 355° horizontal und 50° vertikal. Ohne PTZ-Funktion bietet die Hauptkamera ein horizontales Sichtfeld von 105°, vertikal sind es 55° und diagonal 123°. Das Sichtfeld des Teleobjektivs fällt mit 43° horizontal und 25° vertikal naturgemäß kleiner aus.
Die Reolink Argus Track können Anwender auch mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa bedienen. In Verbindung mit einem smarten Display (Ratgeber) können sie den Kamera-Livestream auf ein kompatibles Gerät wie Nest Hub oder Echo Show ausgeben. Allerdings ist der zeitliche Versatz mit über 10 Sekunden relativ groß.
Wie üblich unterstützt Reolink mit seinen akkubetriebenen Überwachungskameras aufgrund des fehlenden Onvif-Supports keine direkte Integration in Smart-Home-Systeme (Bestenliste) wie Aqara, Bosch, Tuya, Homekit, Homey Pro oder Smartthings. Inzwischen gibt es mit dem Reolink Home Hub aber eine Lösung für 93 Euro, die dieses Problem behebt.
Reolink verkauft die Argus Track inklusive Solarpanel regulär für 170 Euro. Aktuell ist sie für 115 Euro (30-Euro-Coupon) im Angebot.
Mit der Reolink Argus Track steht nun die erste batteriebetriebene 4K-Überwachungskamera für den Außenbereich mit Dual-Objektiv zur Verfügung. Ausgestattet mit zeitgemäßer Technik und hervorragender App und Desktop-Anwendung überzeugt sie im Test nahezu restlos. Sie bietet einwandfreie Leistungswerte in puncto Konfiguration, Bedienung und Alarm-Benachrichtigung. Und auch die Darstellungsqualität weiß zu überzeugen.
Doch der Akkubetrieb ist mit Kompromissen verbunden. Diese betreffen nicht nur die Laufzeit, die in der dunklen Jahreszeit vom mitgelieferten Solarpanel nur unter günstigen Umständen verlängert wird, sondern auch andere Bereiche. Wer etwa ein NAS oder ein NVR-System verwendet oder Überwachungskameras gerne mit einer Smart-Home-Zentrale koppelt, wird mit der Argus Track mangels Kompatibilität zunächst nicht glücklich. Erst mit dem 93 Euro teuren Reolink Home Hub lässt sich dieses Manko beseitigen.
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