Die E1 Outdoor Pro bietet 4K-Auflösung mit optischem Zoom, Bewegungsverfolgung, eine Gegensprechfunktion und Unterstützung für Wifi 6. Was sie sonst noch kann, zeigt unser Test.
Mit der E1 Outdoor Pro erweitert Reolink sein Angebot an leistungsfähigen PTZ-Überwachungskamera (Bestenliste). Neben der Trackmix-Serie (Testbericht) mit zwei schwenk- und neigbaren Objektiven, der mit Akku und Solarpanel relativ autarken Argus PT Ultra (Testbericht) steht mit der E1 Outdoor Pro ein weiteres PTZ-Modell mit 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) zur Verfügung. Im Unterschied zur batteriebetriebenen Argus PT Ultra wird die E1 Outdoor Pro per Netzteil und Kabel mit Strom versorgt. Dadurch ist die WLAN-Kamera mit Unterstützung für 2,4- und 5-GHz-Netze aber kompatibel zum Onvif-Standard (Ratgeber) und lässt sich damit auch an eine NAS wie Synology Surveillance Station (Ratgeber) und in Smart-Home-Zentralen wie Homey Pro (Testbericht) oder Home Assistant integrieren. Dank eines integrierten Ethernet-Ports kann man die Kamera auch per Kabel mit dem Router verbinden. Last but not least bietet die Reolink-Kamera einen optischen 3-fach-Zoom, eine automatische Bewegungsverfolgung sowie eine Gegensprechfunktion.
Fehlalarme will sie dank Personen-, Fahrzeug- und Haustiererkennung vermeiden. Da die Kamera neben 12 Infrarot-LEDs für Schwarz-Weißaufnahmen bei Dunkelheit auch noch vier weiß leuchtende LEDs bietet, kann sie auch nachts Videos in Farbe aufzeichnen. Diese speichert das Gerät auf einer bis zu 256 GByte großen microSD-Karte, die allerdings nicht zum Lieferumfang gehört. Alternativ steht auch ein kostenpflichtiger Cloudspeicher in einem Frankfurter Rechenzentrum zur Auswahl. Das Cloud-Abo können Anwender einmalig mit einer Kapazität von 1 GByte und einem Videoverlauf für bis zu sieben Tage für eine Kamera kostenlos testen. Das Standard-Abo kostet 4,19 Euro und bietet 30 Tage Cloud-Speicherung mit 30 GByte für bis zu fünf Kameras. Mehr Leistung bietet das Premier-Abo für 8,29 Euro, das 80 GByte Speicherplatz für bis zu zehn Kameras bietet. Anders als berichtet, ist die E1 Outdoor Pro nicht mit dem Cloud-Abo kompatibel. In Zukunft sollen nur noch batteriebetriebene Überwachungskameras mit dem Cloud-Abo kompatibel sein. Wie gut die Reolink E1 Outdoor Pro in der Praxis funktioniert, verrät unser Testbericht.
Die Reolink E1 Outdoor Pro misst 85 × 118 mm und bringt 415 Gramm auf die Waage. Sie ist wetterfest nach IP64 und im Temperaturbereich zwischen -10° und 50° Celsius einsatzbereit. Mit der Integration von Mikrofon und Lautsprecher realisiert Reolink eine Zwei-Wege-Audiofunktion, sodass Anwender sich mit Personen vor der Kamera unterhalten können. Im Test hat die Gegensprecheinrichtung zuverlässig funktioniert. Wie üblich sollte man bauartbedingt allerdings keine HiFi-Qualität erwarten. Für einen kurzen kommunikativen Austausch mit etwa dem Paketboten oder einem unerwarteten Gast reicht es aber allemal.
Der Lieferumfang umfasst neben der Kamera eine Halterung zur Montage an Wand oder Decke. Außerdem befinden sich im Karton noch eine Montageschablone, Schrauben und Dübel zur Befestigung, eine Nadel für das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen, ein Aufkleber mit Hinweis zur 24-Stunden-Überwachung sowie eine Kurzanleitung – auch auf Deutsch, die primär Montage und Inbetriebnahme erläutert. Letztere erfolgt am besten mit dem mitgelieferten Ethernet-Kabel, sodass das Abscannen eines QR-Codes bei einer funkbasierten Inbetriebnahme entfällt. Das Setup der Kamera mit der Reolink-App ist schnell erledigt. Mehr Details dazu finden Interessierte in der Bildergalerie und in älteren Testberichten über Reolink-Kameras (Themenwelt), in denen wir das Setup detailliert erläutert haben. Mit Strom wird sie über das mitgelieferte Netzteil versorgt, das aber nur ein 1,2 Meter langes Verbindungskabel bietet. Daher werden wohl viele das ebenfalls im Lieferumfang befindliche Verlängerungskabel mit einer Länge von 4,5 Meter verwenden. Insgesamt kann die Reolink-Kamera somit knapp 6 Meter von einer Steckdose montiert werden.
Die E1 Outdoor Pro unterstützt WiFi 6 mit WPA3 sowie 2,4- und 5-GHz-Netze. Damit bietet sie mehr Flexibilität als viele andere Überwachungskameras, die nur im 2,4-GHz-Band funken. Anwender können also wählen, ob sie lieber das bandbreitenstarke 5-GHz-Band nutzen oder, wenn die Kamera sehr weit vom Router entfernt steht, lieber das reichweitenoptimierte 2,4-GHz-Netz verwenden. Aus dem Kameragehäuse führt wie bei PoE-Kameras noch ein Netzwerkkabel mit Ethernet-Anschluss aus dem Gehäuse. Falls Ethernet am geplanten Montageort auch zur Verfügung steht, kann man die Kamera somit auch per Kabel mit dem Router verbinden. Grundsätzlich ist eine verkabelte Verbindung einer funkbasierten Koppelung vorzuziehen, weil diese deutlich stabiler und performanter als eine WLAN-Verbindung ist. Dennoch reagiert die Kamera auch per WLAN zuverlässig. Allerdings verzögert sich die Anzeige des Livebilds um wenige Sekunden, je weiter die Kamera vom Router entfernt ist. Erfolgt ein rein verkabelter Zugriff vom Desktop aus, wird der Livestream nahezu verzögerungsfrei dargestellt. Der Zugriff von unterwegs gelingt bei 4K-Auflösung allerdings teilweise nicht verzögerungsfrei. Bei reduzierter Auflösung treten diese Probleme jedoch nicht auf.
Die KI der Kamera differenziert bei der Bewegungserkennung zwischen Personen, Fahrzeugen, Haustieren und anderer sich bewegender Objekte. Letztere deaktivieren Anwender unter Einstellungen – Push – Zeitplan, um Fehlalarme zu minimieren. Sollen auch Aufnahmen von diesem Objekttyp verhindert werden, deaktiviert man unter Einstellungen – Filmaufnahme – Zeitplan – Alarm unter Erkennungstyp Bewegungserkennung. Dann startet die E1 Outdoor Pro Aufnahmen nur, wenn sie eine Person, Haustier oder Fahrzeug erkannt hat. Wer nur an der Aufnahme von Haustieren interessiert ist, deaktiviert alle anderen Erkennungstypen. Standardmäßig startet die E1 Outdoor Pro bei einer erkannten Bewegung eine Aufnahme. Wer eine kontinuierliche Aufnahme wünscht, aktiviert unter Einstellungen – Filmaufnahme – Zeitplan – Timer entsprechende einen entsprechenden Zeitraum.
Hilfreich ist auch, wenn man den Überwachungsbereich sowie die Aufnahme auf bestimmte Objekte begrenzt. Hierfür stehen in der Reolink-App sowohl in der mobilen als auch in der Desktop-Variante entsprechende Optionen in Abschnitten Kamera – Alarm-Einstellungen und Überwachen – Aufnahme bereit. Dort können Anwender etwa Bewegungszonen definieren, in denen kein Alarm ausgelöst wird.
Fehlalarme treten dank der integrierten KI, mit der sich die Erkennung auf Personen, Fahrzeuge und Haustiere sowie nach deren Größe eingrenzen lässt, im Test nahezu keine auf. Benachrichtigungen in Form von Pushnachrichten und E-Mails erfolgen zeitnah. Zusätzlich können Anwender optional den internen Lautsprecher als Sirene für einen Alarm verwenden. Allerdings ist diese mit gemessenen 80 dB direkt am Lautsprecher wie schon bei der Argus PT Ultra (Testbericht) nicht sehr laut.
Die PTZ-Mechanik reagiert sehr flott und arbeitet dabei äußerst leise. Anwender können für eine optimale Überwachung außerdem einen Wachpunkt als Default-Ausrichtung sowie bis zu 32 Preset-Punkte konfigurieren, zu denen sich die Kamera nach manueller Auswahl ausrichtet. Nützlich ist dabei, dass die E1 Outdoor Pro auch Zoom-Stufen berücksichtigt. So kann man einen bestimmten Bereich über die PTZ-Steuerung anvisieren, vergrößern und als Preset-Punkt abspeichern und später abrufen. Beim Zoomen versucht die Kamera den neuen Bildausschnitt zu fokussieren. Bis das Bild wieder scharf ist, vergehen ein bis zwei Sekunden. Insgesamt arbeitet der Autofokus zuverlässig, sodass man auf die manuelle Fokus-Steuerung verzichten kann.
Die zuschaltbare Bewegungsverfolgung sorgt dafür, dass die Kamera einmal erkannte Objekte nicht mehr aus den „Augen“ verliert. Im Test hat sie zuverlässig funktioniert. Nur wenn man sehr nahe und schnell an der Kamera vorbeigeht, versagt die Technik, was aber mit anderen PTZ-Überwachungskameras ebenfalls passiert.
Dank einer hohen Auflösung von 3840 × 2160 Pixel mit bis zu 25 fps bietet die E1 Outdoor Pro auch beim digitalen Zoom noch Reserven. Hochwertiger gelingt eine Vergrößerung allerdings, wenn man den optischen 3-fach-Zoom verwendet (siehe auch Bildergalerie). In der Regel liefert die Kamera detailreiche und scharfe Bilder mit einem ausreichenden Kontrast. Bei schwierigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht oder einem hohen Dynamikumfang kämpft sie teilweise aber mit ungenauer Belichtung. Diesbezüglich bieten Kameras mit WDR (Wide Dynamic Range), HLC (Highlight Compensation) oder BLC (Backlight Compensation) wie die Annke NCD800 (Testbericht) mit zeitlich gesteuerter Aktivierung optimaler Einstellungen bessere Ergebnisse. Etwas verbessern kann man die Bildqualität unter Einstellungen – Display – Lichter & Schatten.
Die Nachtsicht auf Basis der zwei Infrarot-LEDs geht ebenfalls in Ordnung. In der Praxis reicht sie sogar viel weiter als die von Reolink angegebenen 12 Meter. Dank vier Spotlight-LEDs mit 180 Lumen zeichnet die E1 Outdooor Pro bei Dunkelheit aber farbige Videos auf. Die Ausleuchtung ist dabei einwandfrei, sodass man ungebetene Gäste besser identifizieren kann.
Der Schwenk- und Neigebereich der Kamera beträgt 350° sowie 0° – 50° Grad. Ohne PTZ-Funktion bietet die Hauptkamera je nach Zoom-Stufe ein Sichtfeld von 50° bis 94° horizontal und vertikal 30° – 50°. Für einen DSGVO-konformen Betrieb können Anwender unter Einstellungen – Display – Privatsphährenmaske bis zu drei Zonen definieren, die bei der Aufzeichnung automatisch geschwärzt werden. Das ist wichtig, wenn die Kamera fremde Grundstücke oder öffentliche Bereiche erfasst.
Die Reolink E1 Outdoor Pro lässt sich auch mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa bedienen. In Verbindung mit einem smarten Display (Ratgeber) können Anwender den Kamera-Livestream auf ein kompatibles Gerät wie Nest Hub oder Echo Show ausgeben (siehe auch Bildergalerie).
Dank Onvif-Support (Themenwelt) kann man die E1 Outdoor Pro in kompatible Smart-Home-Zentrale (Bestenliste) wie Homey Pro (Testbericht) oder Home Assistant integrieren und für Automatisierungen nutzen. In Verbindung mit anderen smarten Sensoren (Ratgeber) ist so der Aufbau eines leistungsfähigen Alarmsystems möglich. Mit Home Assistant und das Plug-in Frigate können Anwender sogar einen leistungsfähigen Netzwerk-Video-Rekorder realisieren. Alternativ kann man für letzteres aber auch Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station (Ratgeber) verwenden, in die sich die Reolink E1 Outdoor Pro integrieren lässt.
Reolink verkauft die E1 Outdoor Pro regulär für 170 Euro. Aktuell kostet sie 105 Euro. Wer auf WLAN verzichten kann, erhält die PoE-Variante für 100 Euro.
Die Reolink E1 Outdoor Pro überzeugt im Test mit einer guten Bildqualität. Nachts kann sie dank integrierter LEDs Videos auch in Farbe aufnehmen. Schwarz-Weiß-Aufnahmen gelingen mithilfe der integrierten Infrarot-LEDs. Dank der hohen 4K-Auflösung bietet sie schon bei der digitalen Vergrößerung gute Ergebnisse. Diese sind natürlich mit dem optischen 3-fach-Zoom noch besser. Fehlalarme sind dank der Differenzierung von Personen, Fahrzeugen und Haustieren in der Praxis praktisch ausgeschlossen. Nützlich ist auch die automatische Bewegungsverfolgung, mit der die Kamera einmal erfasste Objekte nicht mehr aus den „Augen“ verliert. Wie von Reolink-Kameras gewohnt, bietet auch die E1 Outdoor Pro einwandfreie Leistungswerte in puncto Konfiguration, Bedienung und Alarm-Benachrichtigung (Push und E-Mail). Die flexible Steuerung per Smartphone- und Desktop-App steht ebenfalls auf der Habenseite. Positiv ist auch, dass sich die E1 Outdoor Pro wie auch andere Reolink-Kameras und im Unterschied zu Lösungen von Ring oder Arlo vollständig ohne kostenpflichtige Cloud betreiben lässt.
Die kabelgebundene Stromversorgung schränkt den Montageort etwas ein. Immerhin ist das Stromkabel inklusive Verlängerung fast sechs Meter lang, sodass dieser Nachteil in der Praxis nicht so sehr ins Gewicht fällt. Wie andere Reolink-Kameras mit festem Stromanschluss unterstützt auch die E1 Outdoor Pro den Onvif-Standard. Damit können Anwender sie in leistungsfähige Smart-Home-Zentralen einbinden und für Automatisierungen verwenden und so in Kombination mit smarten Sensoren ein leistungsfähiges Alarmsystem aufbauen. Außerdem sorgt die Unterstützung des Onvif-Standards auch dafür, dass man die Kamera mit Dritthersteller-Lösungen wie Synology Surveillance Station steuern kann.
Nicht optimal verläuft der Zugriff von unterwegs, wenn die höchste Auflösung gewählt ist. Und auch die Sirene könnte etwas lauter sein.
Korrektur 25.3.2024: Das Cloud-Abo steht für die E1 Outdoor Pro nicht zur Verfügung.
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