Die LTE-Überwachungskamera Reolink Go PT Ultra ist neig- und schwenkbar und erfasst damit ein horizontales Sichtfeld von 355 Grad – vertikal sind es 140 Grad. Die Auflösung beträgt maximal 4K.
4K-Überwachungskameras (Bestenliste) gibt es inzwischen viele. Meist nutzen sie als Netzwerkschnittstelle WLAN oder Power-over-Ethernet (PoE). Doch ein 4K-Modell mit LTE ist außergewöhnlich, um nicht zu sagen einzigartig. Der Heise-Preisvergleich listet insgesamt nur zwei Reolink-Modelle mit 8-MP-Auflösung: Die Dual-Objektiv-Überwachungskamera (Bestenliste) Reolink Duo 2 LTE, die es auch als PoE- und Wi-Fi-Modell (Testbericht) gibt und die PTZ-Überwachungskamera (Bestenliste) Reolink Go PT Ultra. LTE-Überwachungskameras kommen in der Regel dann zum Einsatz, wenn mangels Stromanschluss keine WLAN-Anbindung möglich ist. LTE-Varianten bieten daher nicht nur eine Mobilfunknetzwerkanbindung, sondern sind mit einem Akku ausgestattet, der im Fall der Reolink Go PT Ultra über ein Solarpanel geladen werden kann. Neben dem Modell mit Solparpanel, das regulär für 290 Euro (Heise-Preisvergleich) erhältlich ist, gibt es ab etwa 245 Euro (Heise-Preisvergleich) noch eine Variante ohne Solarpanel.
Die Go PT Ultra bietet darüber hinaus ein schwenk- und neigbares Objektiv, sodass einen horizontalen Bereich von 355° überwachen kann. Sie kommt in einem weißen Gehäuse mit integrierter 32-GB-microSD-Karte und bietet eine Gegensprech- und eine Nachtsichtfunktion, die Videos mit Infrarot-LEDs in Schwarzweiß und mit aktivierter Spotlight-LED in Farbe aufnimmt. Die Bewegungserkennung kann zwischen Personen, Fahrzeugen und Tieren unterscheiden, sodass in der Praxis kaum Fehlalarme auftreten sollten. Wie gut die Go PT Ultra in der Praxis funktioniert, zeigt unser Testbericht.
Die knapp 500 Gramm schwere Reolink Go PT Ultra mit Abmessungen von 98 × 112 mm ist wetterfest nach Standard IP64 und laut Hersteller im Temperaturbereich zwischen -10 und 55 Grad Celsius einsatzbereit. Rein äußerlich ähnelt sie der Argus PT Ultra (Testbericht) aus gleichem Haus. Wie diese ist sie mit einem 21,6 Wh starken Akku ausgestattet, dessen Laufzeit mit dem im Lieferumfang befindlichen 6-Watt-Solarpanel verlängert wird.
Im günstigsten Fall muss man den Akku nie manuell laden. An einem sonnigen Tag sorgt das 6-Watt-Panel im Test über die Mittagszeit innerhalb von 15 Minuten für 1 Prozent Akkuzuwachs. Über den Tag verteilt steigt die Akkukapazität von 45 auf 74 Prozent. Da es während des Tests frostfrei war, konnten wir leider nicht überprüfen, ob der Akku auch bei Minustemperaturen vom Solarpanel geladen wird. Der Ladevorgang wird durch eine orange leuchtende LED am Gehäuse und in der App mit einem Sonnensymbol neben der Akkuanzeige signalisiert. Um den Akku zu schonen, stoppt die Aufladung bei etwa 90 Prozent. Dann leuchtet die LED grün.
Ein Ladegerät gehört nicht zum Lieferumfang. Wie üblich ist die Akkuleistung – ohne Solarpanel – abhängig von vielen Variablen wie Temperatur sowie Alarm- und Aufzeichnungshäufigkeit. Reolink gibt eine Laufzeit von 1 bis 4 Wochen an. Bei kontinuierlicher Nutzung mit aktiviertem Livestream sorgt der Akku für eine Betriebszeit von etwa 8 Stunden. Über Nacht hat der Akku im Test etwa 2 Prozent Kapazität verloren.
Der in der Kamera integrierte 1/2.7" CMOS-Sensor nimmt Videos mit bis zu einer Auflösung von 3840 × 2160 Pixel bei maximal 15 Bildern pro Sekunde auf und bietet eine Nachtsicht von bis zu 10 Metern Reichweite sowie einen 16-fachen Digital-Zoom. Bei voller Auflösung zeichnet sie Videos im HEVC (H.265) und darunter mit H.264 auf. Die Bewegungserkennung erfolgt mithilfe eines integrierten PIR-Sensors (Pyroelektrischer Sensor), der einen Erkennungswinkel von 120 Grad bietet und Bewegungen bis zu einer Entfernung von 10 Metern erfasst.
Mit der Integration von Mikrofon und Lautsprecher realisiert Reolink eine Zwei-Wege-Audiofunktion, sodass Anwender sich mit Personen vor der Kamera unterhalten können. Die Sprachqualität geht in Ordnung. Bei Bedarf ertönt bei Erkennung einer Bewegung eine Alarmsirene, die über die App aktiviert werden kann und ungebetene Gäste abschrecken soll. Alarmmeldungen kann die Kamera per E-Mail oder Pushnachrichten an den Nutzer übermitteln.
| Streaming-Auflösungen | |||
|---|---|---|---|
| Modus | Klar | Balanciert | Flüssig |
| Auflösung | 3840 x 2160 | 1920 x 1080 | 896 x 512 |
| Codec | H.265 | H.264 | H.264 |
| Videogröße 5s | 4,61 MB | 3,6 MB | 3,1 MB |
Als Speichermedien unterstützt die Reolink Go PT Ultra microSD-Karten mit bis zu einer Größe von 128 GByte. Im Lieferumfang ist ein 32-GByte-Modell enthalten. Zusätzlich zur microSD können Anwender inzwischen auch eine Speicherung in der Reolink-Cloud nutzen. Das Standard-Abo für monatlich regulär 5,99 Euro umfasst 30 Tage Cloud-Speicherung für maximal fünf Kameras und eine Kapazität von 30 GByte. Das Premier-Abo für monatlich 11,89 Euro bietet 80 GByte Kapazität für maximal zehn Kameras. Derzeit gibt es beide Variante vergünstigt für 4,19 respektive 8,29 Euro.
Der Lieferumfang umfasst neben der Kamera je eine Halterung für die Montage an Decke oder Wand, eine Antenne, die an die Kamera angeschraubt wird, ein Netzkabel (USB-C auf USB-A), eine Montageschablone sowie Schrauben und Dübel zur Befestigung. Außerdem gibt es noch eine Nadel für das Zurücksetzen auf die Werkeinstellungen, einen Aufkleber mit Hinweis zur 24-Stunden-Überwachung, ein Befestigungsband zur Montage an Bäumen sowie eine Kurzanleitung, die ausführliche und relevante Informationen zum Betrieb der Kamera enthält.
Die Inbetriebnahme der Reolink Go PT Ultra ist einfach und schnell erledigt. Doch bevor man die Überwachungskamera in der App hinzufügt, legen wir zunächst microSD-Karte und Nano-SIM ein. Das Einsetzen der Nano-SIM ist etwas fummelig. Hier nimmt man am besten die mitgelieferte Nadel für das Zurücksetzen zu Hilfe und drückt damit die SIM in den Schacht, bis sie einrastet. Über das Plus-Symbol in der App starten wird dann den Kopplungsvorgang, scannen anschließend den QR-Code auf der Oberseite der Kamera und vergeben ein Gerätepasswort, fertig. Anschließend ist die Kamera einsatzbereit und per Smartphone-App steuerbar.
Zusätzlich zur App können Anwender die Kamera mit der für macOS und Windows vorliegenden Reolink-Desktop-Anwendung steuern. Hierfür muss man lediglich die UID der Kamera (abrufbar in der App unter Geräteinfos) sowie das Gerätepasswort eingeben. Sollten dabei Probleme auftreten, hilft das ausgezeichnete und deutschsprachige Handbuch.
Mobile App und Desktop-Anwendung bieten nahezu die gleichen Einstellmöglichkeiten. Auch lassen sich beide Tools ähnlich bedienen, was eine konsistente Benutzererfahrung garantiert. Das ist nicht selbstverständlich. Oft bieten Kamerahersteller keine Desktop-Anwendung zur Steuerung ihrer Geräte an oder, wie im Fall von Eufy (Themenschwerpunkt), steht nur eine Web-Anwendung mit reduzierter Funktionalität zur Verfügung, die sich zudem in puncto Bedienung von der mobilen Anwendung unterscheidet.
Über das Zahnrad-Symbol können Anwender mit der App oder der Desktop-Anwendung die Reolink Go PT Ultra umfangreich justieren. Im Abschnitt Display lässt sich etwa die Position von Kameraname sowie Datum und Zeit im Live-Bild verändern. Die Angaben kann man aber auch wie das Wasserzeichen vollständig ausblenden. Um die Überwachungskamera datenschutzkonform zu betreiben, wenn sie auf ein fremdes Grundstück oder einen öffentlichen Bereich ausgerichtet ist, können Anwender unter Privatsphärenmaske drei Zonen definieren, in denen keine Aufnahme erfolgt.
Die Kamera zeichnet Videos nicht nur bei Bewegung auf. Alternativ können Anwender auch eine Zeitraffer-Aufnahme konfigurieren, um so etwa den Fortschritt beim Hausbau oder anderer Ereignisse zu dokumentieren. Für die Konfiguration empfiehlt die App je nach Verwendung unterschiedlich lange Intervalle.
| LTE-Überwachungskameras von Reolink | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Modell | Go PT Ultra | Go Ultra | Duo 2 LTE | Go PT Plus | Go Plus |
| Bauform | PTZ | Bullet | Dual-Objektiv | PTZ | Bullet |
| Auflösung (h,v) | 3840 × 2160 | 3840 × 2160 | 4608 x 1296 | 2560 × 1440 | 2560 × 1440 |
| Auflösung (gesamt) | 8.294.400 | 8.294.400 | 5.971.968 | 3.686.400 | 3.686.400 |
Im Abschnitt Alarm-Einstellungen können Anwender die Empfindlichkeit bei der Bewegungserkennung einstellen. Grundsätzlich unterscheidet die Kamera bei der Bewegungserkennung zwischen Menschen, Fahrzeugen und Tieren sowie anderen sich bewegenden Objekte. Zudem können Anwender Alarme einschränken, indem sie unter Bewegungszonen Bereiche für Personen, Fahrzeuge, Tiere und andere Objekte definieren, in denen keine Alarmierung erfolgen soll.
Unter Dimension des Objekts lässt sich außerdem noch ein minimaler und maximaler Größenbereich für ein Objekt festlegen, außerhalb dessen kein Alarm erfolgt. Zur Feinjustierung von Alarmen können Anwender diese auf bestimmte Wochentage und Stunden eingrenzen. Eine jährliche Planung ist allerdings nicht möglich.
Benachrichtigungen zu Alarmen erfolgen per Push in der App und optional über E-Mail. Für letzteren Übertragungsweg können Anwender bis zu drei E-Mail-Adressen konfigurieren, wobei die erste mit Angabe des SMTP-Servers und Ports konfiguriert sein muss. Im Test hat das mit einem Gmail-Konto mit aktivierter Zwei-Faktor-Überprüfung zunächst nicht funktioniert. Das gelang erst mit einem Einmal-Passwort. Ist das E-Mail-Konto nicht mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt, gelingt die Einrichtung von E-Mail-Benachrichtigungen problemlos. Zusätzlich dazu kann bei einer Warnung auch eine Sirene in der Kamera ertönen lassen. Die ist allerdings wie bei allen anderen Reolink-Kameras nicht sehr laut. Direkt am Gerät messen wir lediglich 70 dB.
Im Test mit dem Telekom-Mobilfunknetz arbeitet die Reolink zuverlässig. Verbindungsabbrüche gibt es keine. Auch steht der Livestream schnell parat und die Benachrichtigungen über Alarme erreichen uns unverzüglich – entweder per E-Mail oder Push.
Die PTZ-Mechanik funktioniert im Test problemlos und zügig. Um bestimmte Blickwinkel schneller abrufen zu können, bietet die Go Ultra sogenannte Preset-Punkte. Bis zu 32 Kameraansichten können Anwender dafür definieren. Außerdem können sie noch einen Wach-Punkt festlegen, zu dem die Kamera nach einem einstellbaren Intervall zwischen 10 und 300 Sekunden automatisch zurückkehrt. Eine Patrouillenfahrt entlang der definierten Preset-Punkte bietet die Go Ultra anders als die Reolink Reolink RLC-823A 16x (Testbericht) hingegen nicht.
Dank 4K-Auflösung liefert die Reolink Go Ultra detailreiche und scharfe Bilder. Allerdings merkt man der Kamera an, dass sie kein HDR unterstützt: Bei einem hohen Dynamikumfang werden helle Flächen überbelichtet. Dafür bietet sie einen 16-fach-Digital-Zoom, der bei der Identifizierung von weiter entfernten Objekten hilfreich ist. Mit der maximal möglichen Vergrößerung gehen trotz 4K-Auflösung aber wie erwartet zu viele Details verloren. An die Leistung eines optischen Zooms wie bei der RLC-823A 16x (Testbericht) langt die digitale Vergrößerung freilich nicht heran (siehe auch Bildergalerie).
Die Reolink Go PT Ultra arbeitet auch in Verbindung mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa. So können Anwender den Livestream auf einem smarten Display (Ratgeber) wie Nest Hub oder Echo Show betrachten. Ansonsten bietet Reolink keine weiteren Möglichkeiten, die Go PT Ultra in Smart-Home-Systeme wie Aqara (Ratgeber), Bosch (Testbericht), Elesion (Ratgeber), Home Assistant (Testbericht), Homekit (Ratgeber), Homey Pro (Test) oder Smartthings (Testbericht) einzubinden. Auch zu Smart-Home-Diensten wie IFTTT ist die Reolink nicht kompatibel. Das Gleiche gilt für den Standard Open Network Video Interface (ONVIF), den Reolink mit seinen Akku-betriebenen Modellen wie der Go PT Ultra nicht unterstützt. Der Grund dafür liegt im fehlenden Support durch Dritthersteller-Software für den Batteriebetrieb, teilt Reolink in seinem Support-Forum mit. Auch andere Hersteller von akkubetriebenen Überwachungskameras unterstützen den Onvif-Standard nicht.
Die Datennutzung der Reolink Go PT Ultra hängt von der eingestellten Bitrate und Auflösung bei der Live-Ansicht ab. Eine Stunde Live-Übertragung im 4K-Modus (Klar) mit der Standard-Bitrate von 3 MBit/s benötigt etwa 1,3 GByte Daten. Im Flüssig-Modus (Low) mit der Standard-Bitrate 672 kbps sind nach 3,5 Stunden 1 GByte Daten verbraucht. Schade ist, dass die App selbst keine Informationen zur Datennutzung bietet.
Prinzipiell funktioniert die Kamera nach der Inbetriebnahme auch ohne SIM. Dann können Anwender aber keine Einstellungen vornehmen und die aufgenommenen Videos erst betrachten, wenn sie die microSD-Karte auslesen. Die Daten darauf sind übrigens nicht verschlüsselt.
Die Reolink Go PT Ultra kostet inklusive Solarpanel regulär 290 Euro (Heise-Preisvergleich). Aktuell gibt es einen Rabatt in Höhe von 55 Euro, sodass sie für 235 Euro den Besitzer wechselt. Ohne Solarpanel ist sie ab etwa 245 Euro (Heise-Preisvergleich) erhältlich.
Eine 4K-Alternative mit LTE von einem anderen Hersteller gibt es derzeit nicht. Wer auf das schwenk- und neigbare Objektiv verzichten kann, findet mit der Reolink Duo 2 LTE eine Variante, die dank Doppel-Objektiv eine 180-Grad-Panoramasicht bietet. Mehr dazu in unserem Testbericht zum Wi-Fi-Modell. Und auch die Reolink Go Ultra als Bullet-Variante bietet LTE und 4K.
In der folgenden Tabelle zeigen wir neben der Reolink Go PT Ultra außerdem weitere Überwachungskameras mit LTE und mindestens Full-HD-Auflösung.
Keine andere LTE-Überwachungskamera bietet eine höhere Auflösung als die Reolink Go PT Ultra. Wer also an einer autarken Kamera mit 8-Megapixel interessiert ist, kann gerne zur Reolink Go PT Ultra greifen. Dank microSD-Karte wird kein kostenpflichtiges Cloud-Abo benötigt, das etwa bei Arlo oder Ring fällig wird, um alle Kamerafunktionen nutzen zu können. Die Go PT Ultra überzeugt im Test jederzeit mit einer stabilen Mobilfunkverbindung, auch in Innenräumen. Den Livestream stellt sie unverzüglich dar, die PTZ-Steuerung ist dank Preset-Punkten kinderleicht, was auch sonst für die Bedienung per App und Desktop-Anwendung gilt.
Dank Akkubetrieb und LTE können Anwender den Montageort für die Kamera unabhängig von einer Stromversorgung und WLAN-Netz wählen. Mit dem Solarpanel steigt die Flexibilität zusätzlich, da das Aufladen des Akkus die Sonne übernimmt. Somit muss man sie unter günstigen Bedingungen nicht einmal manuell laden. Die Aufnahmequalität ist gut, die Benachrichtigungen funktionieren zeitnah und zuverlässig. Fehlalarme sind dank umfangreicher Einstellmöglichkeiten und der Fähigkeit der Kamera zwischen Personen, Fahrzeuge, Tieren und anderen Objekten zu unterscheiden, nahezu ausgeschlossen.
Wie alle anderen akkubetriebenen Überwachungskamera unterstützt die Go PT Ultra allerdings nicht den Onvif-Standard. Somit lässt sie sich nicht in gängige Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Home Assistant (Testbericht) oder Homey Pro (Testbericht) integrieren. Mehr dazu bietet der Beitrag Überwachungskameras ohne Cloud: Keine monatlichen Kosten & mehr Datenschutz.
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