Mit zwei dreh- und schwenkbaren Objektiven verfolgt die PTZ-Überwachungskamera Reolink Trackmix Akku erkannte Objekte automatisch – inklusive 6x-Zoom.
Mit der Trackmix-Serie bietet Reolink PTZ-Überwachungskameras mit zwei Objektiven. Doch anders als bei der Reolink Duo 2 (Testbericht), die Bilder aus zwei Linsen zusammensetzt und so für ein 180 Grad breites Sichtfeld sorgt, bieten die PTZ-Varianten eine Total- und eine Zoom-Ansicht. Das zweite Objektiv bietet dafür einen optischen 6-fach-Zoom.
Die Trackmix-Serie besteht inzwischen aus mehreren Modellen. Nach der Trackmix PoE (Testbericht), der Trackmix WiFi und der Trackmix LTE bietet der Hersteller mit der Trackmix Akku ein weiteres Modell, das wir uns näher angesehen haben. Im Testbericht zur Trackmix Akku konzentrieren wir uns auf die Unterschiede zur Trackmix PoE. Auf nähere Informationen zur Inbetriebnahme verzichten wir, da sich die Reolink-Modelle darin kaum unterscheiden. Interessierte können diese Informationen in den zahlreichen Testberichten über Reolink-Kameras nachlesen.
Wesentliche Unterscheidungsmerkmale zur Trackmix PoE betreffen die Netzanbindung, die Stromversorgung, die Auflösung und die Aufzeichnungsart. Während die Trackmix PoE über ein Netzwerkkabel mit dem heimischen Router verbunden wird, das auch als Stromzufuhr dient, versorgt ein 5100 mAh starker Akku mit 7,2 Volt die Trackmix Akku mit Energie.
Durch den Einsatz eines Akkus ist man bei der Montage etwas flexibler, sofern sich die Kamera im Empfangsbereich des heimischen WLANs (2,4 und 5 GHz) befindet. Doch man muss dadurch auch einige Kompromisse eingehen. Während die Hauptkamera der PoE-Variante Videos mit 4K-Auflösung (Bestenliste) und bis zu 25 fps aufnimmt, beschränkt sich das Akku-Modell auf 2560 × 1440 Pixel und 15 fps. Zudem zeichnet die Trackmix Akku Videos nur bei einer Bewegungserkennung auf, während die PoE- und Wi-Fi-Modelle auch eine kontinuierliche Aufnahme bieten.
Aufgrund der Stromversorgung per Akku kann die Überwachungskamera zudem nicht an Reolink NVR-Lösungen angebunden werden. Wegen des fehlenden ONVIF-Supports (Ratgeber) lässt sie sich auch nicht an ein NAS wie Synology Surveillance Station (Ratgeber) oder an eine Smart-Home-Zentrale (Bestenliste) wie Homey Pro und Home Assistant koppeln. Auch per Browser kann man auf die Trackmix Akku nicht zugreifen. Wer diese Funktionalität wünscht, greift besser zu den Modellen Trackmix PoE oder Trackmix WiFi.
Zur Speicherung von Videos bietet die Trackmix Akku einen microSD-Card-Slot der kompatibel zu Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu 128 GByte ist. Als alternative Speichermöglichkeit steht außerdem die Reolink-Cloud zur Verfügung. In Deutschland werden die Daten in einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main gespeichert. Das kostenlose Basis-Abo bietet eine Kapazität von 1 GByte und einen Videoverlauf für bis zu sieben Tage für eine Kamera. Das Standard-Abo kostet 4,19 Euro und bietet 30 Tage Cloud-Speicherung mit 30 GByte für bis zu fünf Kameras. Mehr Leistung bietet das Premier-Abo für 8,29 Euro, das 80 GByte Speicherplatz für bis zu zehn Kameras zur Verfügung stellt.
Die Batterielaufzeit ist wie üblich von verschiedenen Faktoren abhängig wie Umgebungstemperatur, Anzahl der Aktivierungen sowie die Zeit für die Ausgabe des Livestreams. Laut Reolink soll der Akku für einen Betrieb der Kamera zwischen einer und vier Wochen halten. Im gut 14-tägigen Test hat sich die Akkukapazität bei kühlen Temperaturen inklusive Nachtfrost von 100 auf unter 20 Prozent reduziert.
Damit man den Akku nicht oft nachladen muss, bietet Reolink noch ein passendes Solarpanel mit 6 Watt Ladeleistung an. Allerdings wird der Akku nicht geladen, sobald die Temperaturen unter 0 Grad fallen. Abgesehen davon, reicht in den Wintermonaten die durchschnittliche Sonnenscheindauer meistens nicht aus, um den Akku nennenswert zu laden. Das Problem betrifft allerdings nicht nur die Reolink, sondern alle mit Solarpanel betriebenen Kameras wie Eufy Solocam S40 (Testbericht) oder Eufy S330 (Testbericht). Doch in der restlichen Jahreszeit scheint die Sonne ausreichend, um den Akku aufzuladen. Reolink verkauft die Trackmix Akku in Deutschland übrigens im Bundle mit dem passenden Solarpanel 2. Die bislang angebotenen Reolink-Panels sind hingegen nicht mit der Trackmix Akku kompatibel, da diese noch über einen Micro-USB-Port verfügen, während die neue Trackmix zum Laden des Akkus eine USB-C-Schnittstelle bietet. Man könnte sich zwar mit einem Adapter behelfen, doch bietet dieser meist keinen Schutz vor Nässe, sodass man besser das Solarpanel 2 mit passendem Anschluss inklusive Wetterschutz in Kombination mit der Trackmix Akku verwendet. Dank des fast vier Meter langen Verbindungskabels sollte die optimale Ausrichtung des Solarpanels 2 in der Praxis kein Problem sein.
Die Batterielaufzeit können Anwender verlängern, indem sie den Betrieb der Kamera auf für sie wichtige Zeiten limitieren. Hilfreich ist auch, wenn man den Überwachungsbereich sowie die Alarmierung und die Bewegungsverfolgung auf bestimmte Objekte begrenzt. Hierfür stehen in der Reolink-App sowohl in der mobilen als auch in der Desktop-Variante entsprechende Optionen in Abschnitten Kamera – Alarm-Einstellungen und Überwachen – Aufnahme bereit. Dort können Anwender etwa Bewegungszonen definieren, in denen kein Alarm ausgelöst wird oder die Bewegungsverfolgung auf bestimmte Objekttypen wie Personen, Fahrzeuge oder Haustiere begrenzen.
Auch die Methode der Bewegungsverfolgung kann die Batterielaufzeit beeinflussen. Mit Digital Tracking verharrt die Kamera in der Grundposition und vergrößert das Objekt lediglich digital. Mit Tracking Priorität: Digital kommt zunächst das eben beschrieben Verfahren zum Einsatz, aber wenn sich das erkannte Objekt aus dem Sichtfeld des Objektivs bewegt, wird der PTZ-Mechanismus aktiviert, sodass das Objekt länger verfolgt wird. Wählt man die Option Tracking Priorität: Pan & Tilt wird hingegen von Anfang an auf die motorisierte Objektiverfolgung gesetzt. Das letzte Verfahren beansprucht den Akku aufgrund der motorisierten Objektivbewegung natürlich deutlich mehr als die anderen Methoden, bietet dafür in der Praxis aber die besten Resultate. Die automatische Bewegungsverfolgung lässt sich außerdem zeitlich einschränken. Zur Auswahl stehen die Optionen 10, 20, 30 und 60 Sekunden, die festlegen, wie lange die Kamera noch aktiv ist, wenn das Objekt stoppt oder verschwindet.
Die Bewegungsverfolgung funktioniert in der Praxis einwandfrei. Die PTZ-Mechanik reagiert sehr flott und arbeitet dabei äußerst leise. Fehlalarme sind dank der integrierten KI, mit der sich die Erkennung auf Personen, Fahrzeuge und Haustiere sowie nach deren Größe eingrenzen lässt, nahezu ausgeschlossen. Benachrichtigungen in Form von Pushnachrichten und E-Mails erfolgen zeitnah, wenn auch etwas langsamer als bei der PoE-Variante.
Mit einer Auflösung von 2560 × 1440 Pixel bei 15 fps kann die Trackmix Akku nicht mit der Trackmix PoE mit 4K-Auflösung und 25 fps mithalten. Diese Einschränkungen sind, wie bereits erwähnt, der Akku-Stromversorgung geschuldet. Dennoch überzeugt die Bildqualität auch mit der niedrigeren Auflösung. In der Regel liefert die Kamera detailreiche und scharfe Bilder mit einem ausreichenden Kontrast. Bei schwierigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht oder einem hohen Dynamikumfang kämpft sie teilweise aber mit ungenauer Belichtung. Die Nachtsicht auf Basis der zwei Infrarot-LEDs geht ebenfalls in Ordnung. In der Praxis reicht sie sogar viel weiter als die von Reolink angegebenen 15 Meter. Dank einer Spotlight-LED kann die Trackmix auch nachts farbige Bilder liefern. Allerdings ist die Ausleuchtung nicht ganz so homogen wie bei der Trackmix PoE, der für die farbige Nachtsicht zwei LED-Spotlights zur Verfügung stehen.
Das Sichtfeld mit PTZ-Mechanik beträgt 355 Grad horizontal und 90 Grad vertikal. Ohne PTZ-Funktion bietet die Hauptkamera ein Sichtfeld von 96 Grad horizontal und 55 Grad vertikal. Das Sichtfeld des Teleobjektivs fällt mit 38 Grad horizontal und 21 Grad vertikal naturgemäß kleiner aus.
Die Reolink Trackmix Akku lässt sich auch mit den Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa bedienen. In Verbindung mit einem smarten Display (Ratgeber) können Anwender den Kamera-Livestream auf ein kompatibles Gerät wie Nest Hub oder Echo Show ausgeben.
Ansonsten bietet Reolink keine weiteren Möglichkeiten, die Trackmix Akku in Smart-Home-Systeme (Bestenliste) wie Aqara, Bosch, Tuya, Homekit, Homey Pro oder Smartthings einzubinden. Auch zu Smart-Home-Diensten wie IFTTT ist sie inkompatibel. Das Gleiche gilt für den Standard Open Network Video Interface (ONVIF), den Reolink mit seinen akkubetriebenen Modellen nicht unterstützt. Der Grund dafür liegt in dem fehlenden Support durch Dritthersteller-Software für den Batteriebetrieb, teilt Reolink in seinem Support-Forum mit.
Inzwischen steht mit dem Reolink Home Hub aber eine Lösung für 93 Euro parat, die dank Onvif-Kompatibilität daran angeschlossene Überwachungskamera in Smart-Home-Systeme integriert.
Reolink verkauft die Trackmix Akku inklusive Solarpanel regulär für knapp 200 Euro. Aktuell ist sie zum Tiefstpreis für 160 Euro erhältlich. Als Alternative kommt die Reolink Trackmix Wi-Fi für 149 Euro oder Trackmix PoE für 160 Euro (Rabatt-Coupon) infrage. Beide Modelle werden per Netzteil respektive PoE-Ethernet mit Strom versorgt. Anders als die Trackmix Akku bieten diese standardmäßig Onvif-Support, sodass sie sich auch mit Drittanbieter-Lösungen wie Synology Surveillance Station (Testbericht) bedienen und in Smart-Home-Systeme (Bestenliste) wie Home Assistant und Homey Pro integrieren lassen. Inzwischen gibt es mit dem für 93 Euro erhältlichen Reolink Home Hub eine Lösung, mit der man die Trackmix Akku auch in ein Smart-Home-System integrieren kann.
Die Reolink Trackmix Akku ist zweifellos die aktuell leistungsfähigste kabellose Überwachungskamera. Sie bietet, wie von Reolink-Kameras gewohnt, einwandfreie Leistungswerte in puncto Konfiguration, Bedienung und Alarm-Benachrichtigung. Und auch die Darstellungsqualität weiß zu überzeugen. Doch der Akkubetrieb ist mit Kompromissen verbunden. Diese betreffen nicht nur die Laufzeit, die in der dunklen Jahreszeit vom mitgelieferten Solarpanel 2 nur unwesentlich verlängert wird, sondern auch andere Bereiche. Wer etwa ein NAS oder ein NVR-System verwendet oder Überwachungskameras gerne mit einer Smart-Home-Zentrale koppelt, wird mit der Trackmix Akku mangels Kompatibilität nicht glücklich. Immerhin gibt es mit dem Reolink Home Hub inzwischen aber eine Lösung für 93 Euro, die dieses Problem behebt.
Wenn weder eine feste Stromverbindung noch ein Ethernetkabel für den Anschluss der Kamera zur Verfügung stehen, schlägt die Stunde der Trackmix Akku. Und genau dafür wurde sie entworfen. Ist am Montageort allerdings ein Stromanschluss oder ein Netzwerkkabel verfügbar, ist man mit den Modellen Trackmix PoE und Trackmix Wifi besser bedient.
Hinweis: Der Testbericht erschien im April 2023. Bei besonders attraktiven Angeboten wird er aktualisiert.
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