Die Reolink Video Doorbell gibt es als WLAN- und als PoE-Variante. Sie unterstützen Onvif und erlauben damit eine einfache Integration in Smart-Home-Zentralen.
Die meisten Video-Türklingeln können Anwender einfach nachrüsten. Das ist auch den Reolink-Modellen Video Doorbell WiFi und Video Doorbell PoE der Fall. Das Wi-Fi-Modell nutzt als Stromversorgung die Verkabelung der Standard-Türklingel, wobei die Glocke der vorhandenen Türklingel nicht weiter genutzt werden kann. Und das PoE-Modell wird per Ethernet-Kabel mit Strom versorgt – entsprechend größer ist der Installationsaufwand. Bei einem Neubau ist eine PoE-Verkabelung relativ einfach zu implementieren. Im Altbau sieht es aber schon ganz anders aus, vor allem, wenn man eine Miet- oder Eigentumswohnung nutzt. Schließlich muss hier die Eigentümergemeinschaft baulichen Veränderungen zustimmen. Mit der Wi-Fi-Variante, die die Verkabelung einer vorhandenen Türklingel nutzt, ist der Einbau zwar leichter. Doch auch in diesem Fall müssen Mieter oder Eigentümer einer Wohnung in einer Eigentümergemeinschaft dem Einbau zustimmen.
Durch den Verzicht auf einen Akku als Stromversorgung sind Reolinks Video-Türklingeln nicht ganz so flexibel wie Modelle mit Akku. Das gleichen sie aber mit der Unterstützung von Onvif wieder aus – zumindest, wenn man sie in eine Smart-Home-Zentrale für Automatisierungen nutzen möchte, etwa zum Aufbau einer umfassenden Alarmanlage. Überdies bieten sie noch weitere Vorteile: Da ist zum einen die hohe Auflösung von 5 Megapixel mit 2560 × 1920 Pixel. Anhand der vertikalen Pixelanzahl lässt sich bereits erahnen, dass die Reolink-Türklingeln auch in puncto vertikalem Sichtfeld mehr zu bieten haben als viele andere Modelle. So liegt das vertikale Sichtfeld bei 97° und damit deutlich höher als bei der Aqara G4. Das ist hauptsächlich für die Montagehöhe relevant: Während man die Aqara G4 in einer Höhe von 140 bis 150 cm positionieren muss, damit eine 185 cm große Person noch erfasst wird, liegt die empfohlene Bauhöhe der Reolink bei nur 120 cm. Damit kann man die Reolink-Modelle an eine vorhandene Türklingelverkabelung anschließen, die meist in einer Höhe von 100 bis 110 cm montiert ist, ohne dass man Kompromisse bei der Personenerfassung eingehen muss. Wie gut die Reolink-Video-Türklingeln in der Praxis funktionieren und welche Kompromisse man trotzdem noch eingehen muss, zeigt der Testbericht.
Der wesentliche Unterschied zwischen der Reolink Video Doorbell als WiFi- oder PoE-Variante liegt wie beschrieben in der Stromversorgung. Obwohl das WLAN-Modell zur Stromversorgung die Verkabelung einer vorhandenen Türklingel nutzen kann, liegt dem Exemplar außerdem noch ein Netzteil mit Verlängerungskabel bei. Dafür müssen allerdings von innen ein Loch nach außen gebohrt werden, um die Kamera daran anzuschließen. Ansonsten ist der Lieferumfang der beiden Varianten identisch: Neben Netzwerkkabel, Brückenkabel, Halterungen und Schrauben inklusive Dübel für die Befestigung gibt es noch einen 15°-Adapter, den man verwenden kann, wenn die Türklingel seitlich zur Tür montiert werden muss. Dadurch lässt sich das Sichtfeld optimieren, sodass Personen, die vor der Tür stehen, von der seitlich montierten Kamera noch halbwegs von vorn erfasst werden.
Zum Lieferumfang zählt auch ein Gong, der einfach in eine Steckdose gesteckt wird und läutet, sobald jemand die Reolink-Türklingel betätigt. Den mit einer klassischen Türklingel oder Gegensprechanlage gekoppelten Gong kann man nicht weiterverwenden. Stattdessen muss diese sogar überbrückt werden, sodass am Stromanschluss des Türklingeltasters an der Außenseite genügend Spannung für die Stromversorgung der Reolink-Türklingeln zur Verfügung steht. Wie man dabei genau vorgeht, erläutert Reolink im Support-Forum des Unternehmens.
Videos speichert die Reolink Doorbell auf einer microSD-Karte mit einer maximalen Speicherkapazität von 256 GByte. Eine microSD-Karte muss allerdings extra erworben werden. Alternativ bietet Reolink auch eine Speicherung in der Cloud auf einem europäischen Rechenzentrum. Mir Frankfurt zählt auch ein deutscher Standort dazu. Für eine zentrale Datenspeicherung kann man die Reolink Video Doorbell dank Onvif-Kompatibilität auch an einen NVR (Netzwerk-Video-Rekorder) oder an eine kompatible Dritthersteller-Lösung wie Synology Surveillance Station verbinden (siehe auch Abschnitt Smart Home).
Die Inbetriebnahme der Video-Türklingeln erfolgt vor der Montage mit der Reolink-App oder Desktop-Anwendung. Die PoE-Variante muss dafür per Ethernet-Kabel an einen PoE-Switch oder PoE-Injektor angeschlossen werden. Bei der Wi-Fi-Version mit Unterstützung für 2,4 oder 5 GHz-Netze gibt es ebenfalls einen Ethernet-Anschluss, die Reolink Video Doorbell kann aber auch ohne Ethernet-Kabel über WLAN in Betrieb genommen werden. Die Stromzufuhr für die Inbetriebnahme des Wi-Fi-Modells erfolgt über das mitgelieferte Netzteil. Zudem muss der mitgelieferte Gong in eine Steckdose gesteckt werden. Die Einrichtung per App oder Desktop-Anwendung wird von einem Assistenten begleitet und ist nach wenigen Minuten abgeschlossen (siehe auch Bildergalerie).
Die Reolink Video Doorbell ermöglicht wie viele anderen Überwachungskameras des Herstellers unter Privatsphärenmaske drei Zonen zu definieren, in denen keine Aufnahme erfolgt, respektive dieser Bereich im Video geschwärzt ist (siehe auch Bildergalerie). Das hilft, die Kamera so einzustellen, dass sie die Privatsphäre anderer nicht verletzt.
Im Abschnitt Alarm-Einstellungen können Anwender die Empfindlichkeit bei der Bewegungserkennung, die auf Personen festgelegt ist, einstellen. Unter Bewegungszonen kann man Bereiche definieren, in denen keine Alarmierung erfolgen soll. Und unter Dimension des Objekts können Nutzer außerdem noch einen minimalen und maximalen Größenbereich festlegen, außerhalb dessen kein Alarm erfolgt. Zur Feinjustierung von Alarmen kann man diese auf bestimmte Wochentage und Stunden eingrenzen. Eine jährliche Planung steht hingegen nicht zur Verfügung. Mit diesen Einstellungsmöglichkeiten treten im Test praktisch keine Fehlalarme auf.
Benachrichtigungen zu Alarmen erfolgen per Pushbenachrichtigung und optional über E-Mail. Für letzteren Übertragungsweg lassen sich bis zu drei E-Mail-Adressen konfigurieren, wobei die erste mit Angabe des SMTP-Servers und Ports konfiguriert sein muss. Im Test hat das mit einem Gmail-Konto mit aktivierter Zwei-Faktor-Überprüfung aber nicht funktioniert. Ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung verläuft die E-Mail-Benachrichtigung problemlos. Einen Gerätealarm in Form einer Sirene, die bei einer erkannten Bewegung einen lauten Ton von sich gibt, steht ebenfalls zur Verfügung.
Wer möchte, kann unter Audio auch eine zehnsekündige Sprachansage aufnehmen, die automatisch abgespielt wird, wenn jemand an der Tür klingelt. Das ist nützlich, wenn man dem Paketboten Hinweise zum Ablageort der Sendung mitteilen möchte, wenn man etwa keine Zeit hat, dem Zusteller über die App zu antworten. Unter Chime können Anwender außerdem Lautstärke und Glockentöne des Gongs einstellen.
Die Aufnahmequalität ist in puncto Bild und Ton insgesamt gut. Die Gegensprechfunktion funktioniert tadellos und Videos und Bilder sind dank 5-Megapixel-Auflösung bei Tag und bei Nacht detailreich und scharf, wobei bei Dunkelheit die integrierten Infrarot-LEDs für eine Nachtsicht in Schwarz-Weiß sorgen. Eine farbige Nachtsicht bietet die Reolink-Doorbell hingegen nicht.
Ansonsten haben die Video-Türklingeln im Test einwandfrei funktioniert. Benachrichtigungen über Alarme erreichen den Anwender praktisch ohne Verzögerung. Naturgemäß ist eine Netzwerkverbindung über Ethernet stabiler als über WLAN. Und daher erfolgt die Darstellung des Livestreams am PC, der ebenfalls per Ethernet mit dem Router verbunden ist, mit der PoE-Variante schneller als mit der WiFi-Version. Beim funkbasierten Zugriff vom Smartphone aus dauert es hingegen bei beiden Varianten knapp zwei Sekunden bis der Livestream dargestellt wird.
Über Amazon Alexa und Google Assistant können Anwender die Reolink Video Doorbell auch per Sprache steuern. Hierfür wird allerdings ein Konto bei Reolink benötigt, das mit dem Amazon- oder Google-Konto gekoppelt werden muss. Dann kann man auch den Livestream der Kamera auf einem smarten Display (Ratgeber) wie Amazon Show oder Google Nest Hub wiedergeben.
Dank Onvif-Support (siehe Bildergalerie) finden die Video-Türklingeln von Reolink auch Anschluss an entsprechend kompatible Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Homey Pro und Home Assistant. Während unter Homey Pro wie üblich nur ein Standbild statt eines Livestreams zur Verfügung steht, erfasst die Smart-Home-Zentrale Bewegungs- und Sabotage-Ereignisse, die Anwender für Automatisierungen nutzen können. Noch leistungsfähiger ist die Open-Source-Lösung Home Assistant, mit der Anwender über das Plug-in Frigate sogar einen leistungsfähigen Netzwerk-Video-Rekorder aufbauen können.
Im Test mit der Synology DS223 und der für die Plattform erhältlichen Surveillance Station hat die Integration der Reolink-Video-Türklingeln einwandfrei funktioniert (siehe auch Bildergalerie). Der Onvif-Support garantiert außerdem den Weiterbetrieb der Reolink-Kamera, wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – vom Hersteller nicht mehr unterstützt wird.
Das Wi-Fi-Modell der Reolink Video Doorbell (D340W) kostet regulär 112 Euro, während die PoE-Variante (D340W) für 120 Euro den Besitzer wechselt. Derzeit sind die Video-Türklingeln allerdings für 90 Euro (WLAN) und 85 Euro (PoE) erhältlich.
Montage und Stromversorgung sind bei der Reolink Video Doorbell nicht ganz einfach. Eine vorhandene Verkabelung einer bestehenden Türklingel kann zwar zur Stromversorgung genutzt werden, doch dafür muss man diese überbrücken, damit die nötige Spannung bereitgestellt wird. Alternativ kann man das Wi-Fi-Modell auch mit einem Netzteil und die PoE-Variante über Ethernet mit Strom versorgen. Dann sind allerdings Bohrungen in einer Wand nötig, die einen Durchlass entsprechender Verbindungskabel bieten. Wenn eine PoE-Verkabelung möglich ist, sollte man in jedem Fall zu dieser Variante greifen, da über Ethernet-Kabel angebundene Überwachungskameras grundsätzlich deutlich zuverlässiger arbeiten als Modelle, die über WLAN aufs Netzwerk zugreifen.
Sind die Voraussetzungen in puncto Strom gegeben, gehören die Reolink-Türklingeln besonders für Smart-Home-Anwender zu sehr empfehlenswerten Lösungen. Sie lassen sich in Onvif-kompatible Smart-Home-Systeme (Bestenliste) wie Homey Pro oder Home Assistant für Automatisierungen einbinden. Mit Home Assistant ist sogar ein Aufbau eines leistungsfähigen NVR möglich.
Positiv ist außerdem die hervorragende Bildqualität mit vielen Details auch bei Nacht und das große vertikale Sichtfeld. Letzteres ist hauptsächlich bei der Nutzung einer vorhandenen Verkabelung einer Türklingel relevant, da deren Position häufig relativ niedrig ist, sodass einige Video-Türklingeln eine vor der Kamera stehende Person nicht komplett erfassen. Aktuell sind die Reolink-Video-Türklingeln für 90 Euro (WLAN) und 85 Euro (PoE) erhältlich.
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