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Resin-3D-Drucker Anycubic Photon im Test: Budget-Modell

SLA-3D-Drucker Anycubic Photon im Test: Budget-Modell
VORTEILE
  • fairer Preis
  • hochwertige Verarbeitung
  • Verfügbarkeit an Ersatzteilen
NACHTEILE
  • lauter Lüfter
  • Druckbett nicht ganz eben
  • original Resin riecht penetrant

Knapp 300 Euro kostet der günstige Resin-3D-Drucker des Herstellers Anycubic. Wir testen, ob der Photon genauso gut druckt, wie er aussieht.

Günstige Resin-Drucker arbeiten nach einem sehr einfachen Prinzip: Eine UV-Lichtquelle belichtet flüssiges Harz durch ein hochauflösendes RGB-Display und härtet es so schichtweise an den gewünschten Stellen aus. Die einzelnen Layer sind mit 0,01 bis 0,1 mm so dünn, dass sie mit dem Auge kaum zu erkennen sind. Zum Vergleich: Günstige FDM-Drucker bauen Modelle aus Schichten zwischen 0,1 und 0,4 Millimetern aus geschmolzenem Kunststoff auf.

Zum Druck wird die Druckplattform direkt auf die Folie abgesenkt und das LCD belichtet jene Stellen, an denen das Harz aushärten soll. Sobald eine Schicht fertig ist, hebt sich die Druckplattform mit dem gehärteten Harz und die nächste Belichtung startet. So wird das Druckerzeugnis praktisch aus dem Harz nach oben gezogen. Der Vorteil an dieser Technik: die Belichtung einer Schicht dauert immer gleich lang – egal ob nur ein kleiner Bereich, oder die komplette Druckfläche belichtet wird.

Zum Thema SLA-3D-Druck sind bisher folgende Artikel erschienen:

Verarbeitung und Lieferumfang

Der Photon kommt ordentlich und sicher verpackt beim Kunden an. Nach dem Auspacken überraschen das gelungene Design und die hochwertige Verarbeitung. Wie auch der Elegoo Mars (Testbericht) besteht der Drucker größtenteils aus Metall. Das Gehäuse mit dem berührungsempfindlichen Farbdisplay wirkt professionell und kein bisschen billig. Die Menüführung ist logisch und übersichtlich. Die Druckdaten werden gar als Grafik angezeigt, was die Auswahl des richtigen Modells erleichtert.

Druckplattform und Resin-Behälter bestehen aus blau eloxiertem Aluminium und sind ebenso gut verarbeitet wie der Rest des Druckers. Wer den Drucker zum ersten Mal sieht, würde einen deutlich höheren Preis vermuten.

Anders als der Elegoo Mars mit seiner Kunststoff-Haube zum Aufsetzen, verfügt der Photon über ein geschlossenes Gehäuse mit einer klappbaren Front. Die grün oder blau eingefärbten Scheiben erlauben den Blick in den Druckraum und halten gleichzeitig das UV-Licht draußen. So ist das empfindliche Resin vor den UV-Anteilen des Tageslichts geschützt und die Ausdünstung des Harzes hält sich in Grenzen. Auch wenn das geschlossene Gehäuse sehr schick aussieht, das Platzangebot im Inneren ist stark limitiert. Nutzer mit großen Händen tun sich verhältnismäßig schwer , beispielsweise beim Wechseln des Resin-Tanks.

Die Abmessungen des Druckers entsprechen etwa der einer Kaffeemaschine. Powerknopf und USB-Slot befinden sich auf der rechten Gehäuseseite und sind so gut zu erreichen. Die Anschlussbuchse für das beigelegte Netzteil sitzt auf der Rückseite. Neben dem Drucker gehören USB-Stick, Anleitung, Ersatzfolie für den Resin-Tank, Gummihandschuhe, Staubschutzmasken, Einwegfilter, Kunststoff-Spachtel und Werkzeug zum Lieferumfang. Auch eine kleine Flasche (250 ml) grünes Resin liegt bei.

Der eigentliche Aufbau klappt dank der Kurzanleitung schnell und unkompliziert. Der Nutzer muss nur den Frontklappengriff anschrauben und die Kalibrierung der Druckplattform durchführen. Für die Kalibrierung sind zwar mehr Einzelschritte nötig als beim Elegoo-Mars, das Prozedere ist aber innerhalb von fünf Minuten abgeschlossen. Letztlich muss die Druckplattform soweit auf den Belichtungsmonitor abgesenkt werden, dass nur noch ein Blatt Papier dazwischen passt.

Die Verarbeitung ist gut.

Technische Daten

Software und Vorbereitung

An Software wird lediglich ein sogenannter Slicer benötigt. Dieser wandelt das 3D-Objekt in einzelne Schichten auf und erklärt dem Drucker, mit welchen Belichtungszeiten und mit welcher Schichtdicke er arbeiten soll. Neben dem auf dem USB gespeicherten Anycubic Photon Slicer 64 funktionieren auch andere Slicer. Wir nutzen beispielsweise die kostenlose Software Chitubox , mit der wir bereits Erfahrungen beim Test des Elegoo Mars gesammelt haben. Zum Erstellen von 3D-Objekten ist die Slicing-Software allerdings ungeeignet. Hier lohnt der Blick auf die 3D-Software von Windows oder das deutlich komplexere Autodesk Fusion360 .

Das Vorbereiten von komplexen Druckerzeugnissen, inklusive der Erstellung der Support-Struktur, klappt mit Chitubox schnell und zuverlässig. Das Slicing bei FDM-Drucker dauert deutlich länger. Wichtig ist der Hinweise, dass wir trotz des vorbereiteten Druckerprofils, einige Änderungen bei den Druckeinstellungen vornehmen mussten, um erfolgreich drucken zu können. Mit folgenden Settings haben wir im Test erfolgreich mit einer Schichtdicke zwischen 0,02 und 0,08 mm gedruckt.

Mit diesen Settings haben wir im Test gute Ergebnisse erzielt.

Wer Harz sparen möchte, kann die Objekte in der Software Chitubox aushöhlen. Das klappt komfortabel mit nur einem Klick, führt aber zu einem Problem: im Druck sammelt sich flüssiges Harz. Hierfür gibt es eine unkomplizierte Lösung. Die Funktion „Loch graben“ in Chitubox „bohrt“ eine eine Öffnung in den Fuß der Figur. Nach dem Druck kann das überschüssige Harz dann komfortabel über die Öffnung zurück in den Tank geschüttet werden. Objekte mit einer sehr empfindlicher Struktur sollten per Software mit einer Grundplatte versehen werden. Wer das nicht macht, riskiert Beschädigungen beim Entfernen von der Druckplatte. Bei Überhängen führt auch beim SLA-Druck kein Weg an einer Support-Struktur herum. Chitubox erstellt den Support bequem mit nur einem Mausklick. Nach dem Aushärten ist die zusätzliche Stützstruktur deutlich einfacher zu entfernen, als die Hilfsstruktur bei FDM-Druckern.

Damit es dann tatsächlich losgehen kann, sind aber erst noch ein paar Dinge nötig, die nicht im Lieferumfang des Druckers enthalten sind. Dazu gehört eine UV-Lampe zum endgültigen Aushärten des 3D-Drucks. In der Praxis hat sich ein günstiges UV-LED-Band in einem Eimer bewährt. Alternativ reicht bei kleinen Objekten auch eine UV-Lampe zum Aushärten von Nagellack. Für die Reinigung von Druckplattform, Resin-Tank, Spachtel und fertigem Druckerzeugnis sind außerdem Isopropanol und Küchentücher nötig. Um den Verbrauch im Rahmen zu halten, füllen wir das Isopropanol in ein Einmachglas und nutzen dieses mehrfach, um die Druckerzeugnisse von überschüssigem Resin zu befreien.

Die Reinigung verursacht eine ordentliche Sauerei.

Um eine größere Sauerei zu vermeiden braucht es außerdem eine Unterlage aus Pappe oder Papier. Latexhandschuhe, Atemschutzmaske und Resin-Filter gehören zwar zum Lieferumfang, trotzdem sollte man sich gleich einen kleinen Vorrat davon zulegen. Die Filter kommen immer dann zum Einsatz, wenn nach dem Druck übriggebliebenes Harz zurück in die Vorratsflasche gefüllt wird. Viel länger als zwei Tage sollte das Resin nicht im Tank stehen – trotz der UV-blockenden Scheiben des Photon.

Druckergebnis und Erfahrungen

Die Vorbereitung des Equipments, die Kalibrierung der Druckplattform und das Einfüllen des Harzes dauert gerade einmal fünf Minuten. Sofort nach dem Einschalten ertönt der immer unter Volllast kreischende Lüfter des Photon. Schade, hätte der Hersteller etwas mehr in den Lüfter investiert, wäre der Drucker kaum zu hören. Wer sich daran stört, kann den Lüfter durch ein leiseres Modell ersetzen. Da wir während des Drucks schon alleine wegen des Geruchs nicht neben dem Drucker sitzen, erscheint uns das aber unnötig.

Während des Drucks und bei Nichtbenutzung sollte der die Tür des Photon immer geschlossen sein. Das reduziet Ausdünstungen und schützt das Resin vor der im Tageslicht enthaltenen UV-Strahlung. Sobald wir mit dem Resin arbeiten, benutzen wir grundsätzlich Handschuhe und Atemschutz. Dies ist wichtig, da das Harz im flüssigen Zustand gesundheitsschädlich ist und über Haut und Ausdünstungen aufgenommen wird. Während der Arbeiten am Drucker sorgt ein gekipptes Fenster für zusätzliche Frischluftzufuhr. Der Geruch des Anycubic-Resins ist übrigens deutlich penetranter, als der vom Harz des Herstellers Elegoo. Immerhin: Nach dem Öffnen des Fensters verfliegt der chemische Geruch innerhalb weniger Minuten.

Der Druck unserer ersten Testdatei dauert knapp vier Stunden. Nach Ablauf der Zeit haben wir große Erwartungen – allerdings werden diese hart enttäuscht. Als wir nach Ablauf der Zeit zum Drucker kommen, hängt kein einziges Objekt an der Druckplattform. Das ist schlecht, denn das Druckerzeugnisse kleben stattdessen an der Folie des Resin-Tanks.

So sollte es eigentlich nicht aussehen. Unser Druck ist fehlgeschlagen.

Bevor es an die Fehlersuche geht, muss erst einmal der Drucker gereinigt werden. Dazu entnehmen wir die Druckplattform und befreien sie von Harzrückständen. Anschließend schütten wir den Rest des Resins (durch den Filter) zurück in die Flasche und putzen den Resin-Tank. An dessen Boden hat sich, wie vermutet, an mehreren Stellen eine ein Millimeter dicke Harzschicht festgesetzt. Diese lässt sich immerhin unproblematisch mit der Kunststoffspachtel entfernen.

Nun testen wir verschiedenen Lösungsansätze, welche wir in Foren und Gruppen gefunden haben. Zuerst erhöhen wir die Belichtungszeit (insbesondere die der Bodenschichten) und richten die Druckplatte erneut aus. Das alleine reicht aber nicht aus – wir erleben den nächsten Fehldruck und müssen erstmal wieder alles putzen und von vorne beginnen. Als Nächstes testen wir ein anderes Resin. Doch auch das Harz von Elegoo will nicht an der Plattform des Photon haften. Nach der erneuten Reinigung und dem Entfernen der Harzreste auf der Tankfolie, greifen wir zu härteren Maßnahmen.

Neben dem Ratschlag, die Druckplatte mit Aceton zu reinigen, empfehlen einige Nutzer das Abschleifen der Grundplatte. Das wiederstrebt uns zwar, erscheint aber plausibel. Um die Platte möglichst gerade und gleichmäßig anzuschleifen, nutzen wir feines 600er Schleifpapier und legen es auf eine ebene Fläche. Anschließend bewegen wir die Druckplatte kreisförmig über das Schleifpapier und reinigen sie dann mit Aceton. Wie auf dem Foto zu sehen, ist die Platte an den Rändern stärker abgeschliffen als in der Mitte. Das deutet auf eine insgesamt nicht perfekt ebene Druckplatte hin und erklärt, warum die Drucke nicht halten wollen. Bei Schichtdicken von unter 0,1mm ist jede noch so kleine Unebenheit zu viel.

Nach dem Anschleifen halten die Druckerzeugnisse.

Unser nächster Versuch, diesmal wieder mit dem originalen Anycubic-Resin, funktioniert endlich. Geholfen haben letztlich die Kombination aus angepassten Settings und einer angeschliffenen (und somit begradigten) Druckplatte, welche mit Aceton gereinigt wurde. Das Resin von Anycubic scheint zwar insgesamt weniger Fehler zu verzeihen als das Harz anderer Hersteller, aber es funktioniert. Und dass zuverlässig und reproduzierbar.

Nach dem Druck geht es an die Nacharbeit. Die Druckplattform wird aus dem Drucker entnommen und die daran haftenden Resin-Reste mit einem Papierhandtuch entfernt. Um das Druckerzeugnis mit der Kunststoffspachtel von der Plattform zu bekommen, benötigt es etwas Kraft, da die Haftung erstaunlich hoch ist. Nun kommt das Druckobjekt für mehrere Minuten in ein Bad mit Isopropanol. Anschließend folgt die Aushärtung unter UV-Licht (circa 10 bis 20 Minuten).

Mit der SLA-Technik sind auch kleine Details gut zu erkennen.

Diese Wartezeit bietet sich an, um Druckplattform und Resin-Tank ordentlich mit Isopropanol und Küchentuch zu reinigen und gegebenenfalls das restliche Harz zurück in die Flasche zu schütten. Damit keine Verunreinigungen im Resin landen, kommt wieder einer der beigelegten Filter zum Einsatz.

Die Druckergebnis des Photon sind, wenn er druckt, beeindruckend gut. Die Oberfläche ist spiegelnd glatt, die Kanten scharf und die einzelnen Schichten praktisch nicht zu erkennen. Selbst sehr feine Details sind perfekt gedruckt. Mögliche kleine Schönheitsfehler sind auf zu kurzes Aushärten und unzureichende Reinigung mit Isopropanol zurückzuführen.

Verbrauchsmaterial und Ersatzteile

Das benötigte Resin des Herstellers Anycubic ist in verschiedenen Farben erhältlich. Die Kosten für 500 ml Resin liegen bei rund 30 Euro. Je nach Farbe (vollfarbig und halbtransparent) sind zumindest theoretisch unterschiedliche Belichtungszeiten notwendig. Die oben gezeigten Settings haben im Test aber auch mit anderen Resins von Elegoo ordentlich funktioniert.

Die Folie des Resin-Tanks ist als Ersatzteil von verschiedenen Herstellern verfügbar.

Wer möchte, kann also auch Harz anderer Hersteller benutzen. Entscheidend ist, dass das Resin bei einer Lichtwellenlänge von 405 nm aushärtet. Unserer Erfahrung nach empfehlen wir deshalb das Harz von Elegoo. Es ergibt ebenfalls ein schönes Druckbild und ist erfreulich fest, ohne dabei völlig spröde zu werden. Die Geruchsbildung ist deutlich geringer als beim originalen Anycubic-Resin.

Der Folienboden des Resin-Tanks ist austauschbar. Ersatzfolien sind von verschiedenen Herstellern verfügbar. Verbrauchsmaterial, wie Filter, Handschuhe, Isopropanol oder Staubmasken sind, ebenso wie zahlreiche Ersatzteile, beispielsweise auf Amazon erhältlich.

Fazit

Wer einen günstigen und guten Resin-Drucker sucht, bekommt mit dem Anycubic Photon grundsätzlich ein ordentliches Gerät für Einsteiger. Neben dem sehr fairen Preis überzeugen die ordentliche Verarbeitung und das gute Druckergebnis. Die hohe Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterial ist ein weiterer wichtiger Pluspunkt. An den Workflow mit Isopropanol-Bad, UV-Lampe und Reinigung muss man sich als FDM-Drucker allerdings erst gewöhnen.

Das Handling des Photon ist insgesamt nicht ganz so unkompliziert wie beim kürzlich getesteten Elegoo Mars (Testbericht) . Bis wir unseren ersten erfolgreichen Druck abgeschlossen haben, sind gut ein halbes Dutzend Fehlversuche und einige kleine Tuningmaßnahmen nötig gewesen. Einige Nutzer berichten allerdings, dass ihr Photon von der ersten Minute einwandfrei funktioniert. Andere User haben vergleichbare Probleme, wie wir in unserem Test. Dies spricht für eine nicht unerhebliche Qualitätsschwankung bei der Fertigung – typisch für günstige China-Ware.

Wirklich negativ zu erwähnen sind lediglich der laute Lüfter und das eingeschränkte Platzangebot im Gehäuse.

Wer den Workaround mit Resin-Druckern scheut oder weniger Geld ausgeben will, muss sich einen FDM-Drucker anschaffen. Die derzeit günstigsten 3D-Drucker haben wir in einem Ratgeber aufgelistet.