Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Samsung greift mit dem Akkusauger Bespoke Jet Marktführer Dyson frontal an und verpasst dem Gerät Highlights wie eine Absaugstation oder einen Bürstenkopf mit zwei Rollen – aber nicht alles ist perfekt.
Der Vorgänger Samsung Jet 90 überzeugte uns mit tollem Handling, guter Qualität, klasse Saugleistung und spannendem Zubehör wie einer Absaugstation. Die musste man dort allerdings noch separat hinzukaufen und sie stand außerdem zusätzlich zum Hauptständer für Sauger und Saugzubehör separat herum. Beim Nachfolger Samsung Bespoke Jet hat der Hersteller genau an diesem Punkt angesetzt und integriert die Absaugstation nun in den Ständer – das Zubehör wie Bürsten und Düsen werden trotzdem gesondert aufbewahrt. Was sich sonst noch so getan hat beim neuen Modell, zeigen wir im Test.
Auch beim neuen Bespoke Jet von Samsung gibt es verschiedene Ausstattungslinien, die sich im mitgelieferten Zubehör unterscheiden. Die günstigste Variante ist der Bespoke Jet Pet in Weiß, er kommt mit Dual-Brush, Sofa-Bürstenkopf, flexiblem 90-Grad-Winkel, ausziehbarer Fugendüse, 2-in-1-Bürste, einem Akku und dem Ständer für das Zubehör. Die teurere Version Complete Extra kommt in Grün und zusätzlich mit der Slim Action Brush genannten reinen Hartbodenbürste sowie einem zweiten Akku. Die teuerste Pro-Extra-Version (Blau) ersetzt die Hartbodenbürste gegen die Spinning-Sweeper zum Wischen. Die UVPs liegen bei happigen 1149, 1249 und 1399 Euro. Neben Handbüchern sind auch jeweils zwei Staubbehälter für die Absaugstation mit dabei.
Beim Design des Saugers hat sich im Vergleich zum Vorgänger auf den ersten Blick gar nicht so viel geändert. Samsung setzt wieder auf das Pistolengriff-Design mit oben liegendem Staubbehälter und ohne „Abzug“ am Griff. Stattdessen gibt es wie beim Vorgänger wieder per Daumen zu bedienende Tasten: an/aus, Plus und Minus. Im Gegensatz zum Dyson V15 Detect muss also nicht ständig eine Taste im Betrieb gedrückt gehalten werden. Unser blaues Testgerät ist tatsächlich nur an zwei Stellen blau: an den Einfassungen des Staubbehälters am Sauger und am Korpus der Absaugstation. Dabei handelt es sich aber nicht um ein leuchtendes Blau, sondern eher um einen Pastellton. Der Rest ist in einem gediegenen Anthrazit gehalten.
Insgesamt wirkt der Bespoke Jet bei gleich guter Verarbeitungsqualität im Vergleich zum Vorgänger und dessen Grauton hochwertiger. Dass selbst bei einem so teuren Sauger wegen der gehäuften Verwendung von Kunststoff nicht alles komplett wackelfrei ist, ist zwar einerseits ärgerlich, aber bei der Konkurrenz nicht anders. Andererseits macht Kunststoff den Sauger auch vergleichsweise leicht und damit handlich: gerade einmal 2,7 kg wiegt der Bespoke Jet. Aus Metall ist in erster Linie das Saugrohr. Klasse: Wie beim Vorgänger lässt es sich in der Länge justieren und der Sauger eignet sich damit sowohl für kleine als auch große Menschen gleich gut. Schade: Ebenfalls wie beim Vorgänger passt der Sauger nur auf die Standhalterung, wenn das Teleskoprohr eingefahren ist. Seltsam, dass Samsung das nicht ebenfalls geändert hat.
Während der Sauger an sich seinem Vorgänger ziemlich ähnlich ist, wurde der Ständer, der für einfache und praktische Aufbewahrung in einer Raumecke oder im Besenschrank sorgt, komplett überarbeitet. Wie bereits angedeutet handelt es sich dabei nicht mehr um einen reinen Ständer. Stattdessen kommt eine Kombination aus Ständer und der beim Vorgänger noch separat zu erwerbenden Absaugvorrichtung namens Clean Station zum Einsatz. Auf einem runden Standfuß thront ein rund 63 Zentimeter hoher und etwa 17 Zentimeter breiter Zylinder, der die eigentliche Absaugvorrichtung beinhaltet. Der Sauger wird einfach mit dem oben liegenden Staubbehälter oben in die zylindrische Vorrichtung eingehängt und ist dort sicher verstaut. Das Saugrohr schmiegt sich dabei nahtlos an eine Ausformung der Absaugstation, ein installierter Bürstenkopf hängt dann teilweise unter dem Zylinder. Zu diesem Zweck steht die Absaugstation nur auf einem einzigen Fuß, der schräg von hinten kommend genug Platz für den Bürstenkopf lässt. Insgesamt verleiht dieses Design der gesamten Vorrichtung beinahe den Eindruck, als schwebe der Absaugzylinder – schick und hochwertig. So gehalten lädt der Bespoke Jet über Kontakte automatisch, ohne dass irgendwo extra ein Kabel eingesteckt werden müsste.
Die Rückseite der Absaugstation aus Kunststoff wird mittels Inlays magnetisch am Korpus gehalten. Darunter findet der Nutzer nicht nur eine weitere Kunststoffplatte, hinter der sich der Staubbeutel der Station befindet, sondern auch eine bebilderte Anleitung, wie der Beutel auszuwechseln ist. Die Absaugung erfolgt auf Knopfdruck, der entsprechende Knopf ist auf der Rückseite am oberen Rand des Zylinders angebracht. Sie endet entweder per erneutem Knopfdruck oder automatisch nach wenigen Sekunden. Die Anbringung des Knopfes hinten ist unsere größte Kritik: Er bleibt dem Nutzer verborgen, wenn dieser die Absaug- und Aufbewahrungsstation so aufstellt, dass er leicht von vorn den Sauger entnehmen und in die Halterung zurückstellen kann. Zudem sieht er dann weder das Display des Saugers, das auf der Halterung gedreht und somit „richtig herum“ den Ladezustand des Akkus anzeigt, noch die farbige LED des Akkus mit gleicher Aufgabe.
Dadurch, dass die Standhalterung des Saugers nun zur Absaugstation geworden ist, fehlt es an Aufbewahrungsmöglichkeiten für das Zubehör wie weitere Bürstenköpfe oder diverse Düsen. Dafür packt Samsung einen nicht ganz kniehohen Ständer in den Lieferumfang, der alles Zubehör aufnimmt und dank Tragegriff oben mit in die zu reinigenden Räume genommen werden kann. Der zweite Akku wird darin allerdings im Gegensatz zum Vorgänger Jet 90 nicht mehr geladen – unpraktisch. Damit dürfte der zweite Akku bei den meisten Nutzern zum Ersatz degradiert werden, sollte der erste irgendwann Ermüdungserscheinungen zeigen.
Davon abgesehen erwies sich der Bespoke Jet im Test als enorm handlich, da das Gewicht nicht übermäßig hoch und der Dual-Brush-Bürstenkopf sehr beweglich ist. So kann man 90 Grad zur Seite geneigt auch unter einem Sofa saugen. Insgesamt vier Leistungsstufen kennt der Sauger, eine automatische Teppich- oder Schmutzerkennung gibt es nicht. Im Betrieb wird die berechnete Restlaufzeit in Minuten angegeben, die unserer Erfahrung nach recht nah an die Realität kommt. So gibt der Akkusauger bei den Saugstufen Min, Mid, Max und Jet 42, 24, 14 und 9 Minuten Laufzeit an. Das ist etwas weniger als beim Vorgänger und weniger als beim Dyson V15, im Alltag aber ausreichend. Das gilt nicht nur, weil ein zweiter Akku dabei ist, sondern auch allein schon aus dem Grund, weil auf Hartboden die unterste Leistungsstufe locker reicht.
Im Alltag benutzten wir daher auf Fliesen und Laminat nur diese niedrigste Stufe, auf Teppich meist die zweite, selten die dritte und fast nie die vierte Stufe. Spätestens mit dem zweiten Akku ist daher auch die Reinigung von 240 Quadratmetern kein Problem. Die Ladezeit liegt bei rund 3,5 Stunden, leider funktioniert das beim neuen Modell nur noch im Sauger, der dann auf der Station hängen muss. Der Vorgänger Jet 90 lädt den nicht genutzten Zweitakku auch im Zubehörständer.
Das im Lieferumfang befindliche Zubehör überzeugt – mit Ausnahme des Spinning Sweepers, der bei unserem Testexemplar dabei ist. Da die beiden rotierenden Mopps ständig von Hand gereinigt werden müssen, sehen wir hier kaum Arbeitserleichterung. Wer Wischen so leicht wie Saugen will, sollte lieber einen Blick auf die von uns getesteten Saugwischer mit Frisch- und Abwassertank werfen.
Überzeugt sind wir hingegen von der Absaugstation. Bereits angesprochen haben wir, dass sich der Knopf für die Absaugung, das Display und die farbige LED am Akku leider vom Nutzer abgewandt angebracht sind – und man diese Indikatoren für die Akkuladung daher nicht gut sehen kann. Die Absaugung an sich funktioniert hingegen tadellos. Dabei wird nach dem Betätigen des Knopfes der 500 ml fassende Staubbehälter nach unten aufgeklappt und der Schmutz mit rhythmischen Saugvorgängen entfernt. Sonderlich laut ist das nicht und der Nutzer kommt so nicht in Kontakt mit dem Staub – gerade für Allergiker dürfte das von Vorteil sein. Der Rest freut sich einfach über weniger Aufwand. Genug Staub und sonstigen Dreck saugt der Samsung Bespoke Jet während der Arbeit zweifelsfrei ein. Im Test gab es keinen Schmutz, den der Sauger nicht problemlos inhaliert hätte. Dabei entfernt er mit dem Dual-Brush-Bürstenaufsatz für Teppich und Hartboden nicht nur tiefer sitzenden Schmutz, sondern dank der Borstenrolle sogar Tierhaare erstaunlich gut. Einen spür- oder sichtbaren Unterschied zum derzeit teuersten Dyson-Modell, dem sehr starken V15 Detect, gibt es dabei nicht.
Allerdings hat die Dual Brush mit „höherem“ Schmutz bisweilen Probleme. Will man etwa einen Schmutzhaufen oder mehrere Haarknäuel aufsaugen, kann es passieren, dass die Doppelbürste den Schmutz vor sich herschiebt. Grund scheint zu sein, dass die vordere Hartbodenrolle nicht motorgetrieben ist und sich nur durch die Saugbewegung dreht, die der Nutzer durch das Schieben des Saugers macht. Das reicht nicht, um dem Schmutz schon ausreichenden Drall zur motorisierten Hauptbürste zu geben. Außerdem schließt die vordere Bürste den Saugbereich ziemlich gut ab, wodurch nur sehr kleinteiliger Schmutz wie Sand problemlos und direkt zur Hauptbürste gelangt. Dieser kleine Konstruktionsfehler ist in unseren Augen nicht schwerwiegend, im Alltag sollten Nutzer keine Probleme damit haben. Dennoch wundert uns die mangelnde Sorgfalt beim Entwurf – das sind wir von Perfektionist Samsung so nicht gewohnt.
Die UVPs der drei Ausstattungsvarianten Pet, Complete und Pro Extra liegen bei happigen 1149, 1249 und 1399 Euro. Der Straßenpreis aller Varianten ist aber inzwischen deutlich niedriger. So kostet die Ausführung Complete aktuell noch 555 Euro, die Pet-Variante liegt bei 789 Euro. Mit 649 Euro ist die Ausstattung Pro extra genau dazwischen.
Wow, das ist mal wieder ein echtes Highlight auf dem Akku-Sauger-Markt. Dabei stört es auch nicht, dass der Sauger selbst kaum weiterentwickelt wurde und die Dual Brush nicht in allen Situationen perfekt ist. Allein durch die Absaugstation, die wir schon beim Vorgänger Samsung Jet 90 toll fanden, auch wenn sie dort gesondert hinzugekauft werden musste, ist der Bespoke Jet jetzt noch praktischer. Denn die Integration in den Aufbewahrungsständer, auf den der Sauger jetzt nur noch ohne weitere Handgriffe zum Laden und Entleeren aufgelegt werden muss, ist beinahe genial. Beinahe, weil nun kein Platz mehr für das Zubehör ist und der Nutzer durch die schicke Form der Absaugstation weder den Bedienknopf, noch das Display des Saugers oder die LED-Anzeige auf dem Akku sehen kann – aber irgendwas ist halt immer. Alles in Allem ist der Samsung Bespoke Jet ein Spitzen-Akkusauger, der sich vor keinem anderen Modell am Markt verstecken muss. Das lässt sich Samsung allerdings auch ordentlich bezahlen.
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