Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Das Samsung Galaxy Z Flip 5 bietet Flagship-Technologie im handlichen Format. Wie sich die fünfte Generation des Foldables der Koreaner schlägt, zeigt der Test.
Foldables sind seit einigen Jahren die Innovation bei Displays und sorgen für eine Menge Nostalgie. Denn sie beleben Klapphandys aus den 00er-Jahren wieder, gepaart mit modernster Technik. Zu unterscheiden ist hier zwischen großen Ausführungen, die horizontal ausgeklappt zum Tablet mutieren, und kompakten Smartphones mit vertikaler Klappvorrichtung, die so platzsparend in die jede Hosen- oder Handtasche passen.
Samsung hat mit dem Galaxy Z Flip 5 die fünfte Generation seines Klapphandys auf den Markt gebracht. Bei den Komponenten setzen die Koreaner ganz auf die Flagship-Technologie. Gegenüber dem Vorgänger Samsung Galaxy Z Flip 4 (Testbericht) gibt es einige Verbesserungen: So kommt nun ein echtes Außen-Display zum Einsatz. Samsung hat zudem den Schließmechanismus überarbeitet, damit beide Hälfte plan miteinander abschließen. Damit klappt das Handy richtig gut – im wahrsten Sinne des Wortes. Zusammengeklappt ist das Flip 5 nur halb so lang wie ein gewöhnliches Smartphone, bietet aber die neuste Technologie von Samsung. Wir haben das faltbare Handy getestet und zeigen, wo es glänzt oder schwächelt.
Das Samsung Galaxy Z Flip 5 ist wieder schick und elegant geworden. Optisch ähnelt es stark dem Vorgängermodell, auch die Abmessungen (aufgeklappt: 165 × 72 × 7 Millimeter, eingeklappt: 85 × 72 × 15 Millimeter) und das Gewicht (187 Gramm) sind nahezu gleich. Damit ist es fast so schmal wie das Samsung Galaxy S23, aber ausgeklappt sogar länger als ein Galaxy S23 Ultra (Testbericht). Zusammengefaltet ist es in etwa so groß wie eine Schachtel Zigaretten.
Neu ist das deutlich größere Außen-Display von rund 3,4 Zoll. Dieses ist nicht ganz quadratisch, sondern „umschifft“ die beiden Linsen der Kamera mit einer unschönen Kante. Eleganter gelöst hat das Motorola beim Razr 40 Ultra (Testbericht), wo die beiden Linsen der Hauptkamera sozusagen in einer Punch-Hole-Notch untergebracht sind. Ein Rahmen aus Metall umschließt das Falthandy, die Rückseite samt Außen-Display besteht aus widerstandsfähigem Gorilla Glass Victus 2.
Komplett überarbeitet ist der Schließmechanismus. Damit merzt Samsung eine große Schwachstelle des Vorgängers aus. Das neue Scharnier bezeichnen die Koreaner als „Flex Hinge“. Klappt man das Handy zusammen, schließen die beiden Display-Hälften eben zueinander ab. Das verhindert einen Hohlraum im Inneren, der die Anzeige unter Spannung setzt und macht das Gerät etwas flacher. Zudem ist das Display innen besser geschützt vor Fremdkörpern. Das Scharnier bleibt stets schwergängig genug, um die gewünschte Position zu halten, der Druckpunkt der Tasten ist ebenfalls solide.
Wie schon der Vorgänger übersteht auch das Flip 5 Kontakt mit Wasser schadlos. Zertifiziert ist es nach IPX8. Das erlaubt das Untertauchen in Süßwasser in bis zu 1 Meter Tiefe für rund 30 Minuten. Das ist ein großer Vorteil gegenüber dem Razr 40 Ultra, das keinen Schutz vor Wasser bietet. Allerdings ist das Galaxy Z Flip 5 anders als die Handys der Galaxy-S- oder A-Reihe nicht staubdicht, was durch die Bauart bedingt ist.
Das faltbare Display misst in der Diagonale 6,7 Zoll. Damit ist die Anzeige sogar etwas größer als beim Samsung Galaxy S23+ (Testbericht), aber kleiner als beim Motorola Razr 40 Ultra (Testbericht) mit stolzen 6,9 Zoll. Wie schon beim Vorgänger beträgt die Auflösung 2640 × 1080 Pixel bei variabler Bildwiederholungsfrequenz von bis zu 120 Hz. Damit bleibt die Anzeige immer gestochen scharf und wirkt geschmeidig bei Spielen oder Animationen.
Die Bildqualität und Blickwinkelstabilität des OLED-Panels sind erstklassig und lassen keine Wünsche offen. Das Display ist zudem strahlend hell, womit es auch bei Sonnenschein immer ablesbar bleibt. Etwas unschön ist die bauartbedingte Knickfalte, die man deutlich sehen und mit dem Finger ertasten kann. Verglichen mit dem Motorola Razr 40 Ultra (Testbericht) wirkt die Knickstelle deutlich präsenter.
Neu ist das Außen-Display auf der Rückseite. Es misst 3,4 Zoll und löst mit 748 × 720 Pixel bei 60 Hertz auf. Es ist minimal kleiner als beim Razr 40 Ultra und bietet ebenfalls eine hohe Helligkeit und Leuchtkraft. In erster Linie dient es zur Anzeige von Benachrichtigungen und Widgets wie dem Kalender oder der Wettervorhersage. Die Widgets können auch nach unten gescrollt werden und verringern die Notwendigkeit, das Handy jedes Mal ausklappen zu müssen – eine hervorragende Ergänzung fürs Flip 5.
Die Anzahl an speziell fürs Außen-Display angepasste Apps ist anders als bei Motorola noch überschaubar. Samsung will hier sichergehen, dass das Interface der Apps an das ungewohnte Bildformat des äußeren Screens angepasst ist. Um zu sehen, welche Apps bereits zugelassen sind, muss man in den Einstellungen unter „Frontdisplay“ mit dem Punkt „Auf Frontdisplay zugelassene Apps“ (Labs) aktivieren. Das klappt gut mit Spotify sowie Nachrichten, Whatsapp, Youtube und Google Maps. Selbst Netflix wird unterstützt – warum auch immer.
Wie schon beim Vorgänger Samsung Galaxy Z Flip 4 (Testbericht) kommen 12 Megapixel samt optischem Bildstabilisator (OIS) beim Hauptobjektivzum Einsatz. Für Weitwinkelaufnahmen dient ebenfalls eine 12-Megapixel-Linse. Die Selfie-Kamera vorne kommt auf 10 Megapixel. Für eine Telelinse war erneut kein Platz in dem schlanken Gehäuse. Das ist schade, derzeit bietet aber kein Hersteller Klapphandys mit solchen Linsen an.
Insgesamt ist die Kamera wirklich gut, sowohl bei Tag als auch weitgehend bei Dunkelheit. Die Farbwiedergabe, Dynamik und auch Schärfe überzeugen. Lediglich beim Fotografieren gegen das Licht – was man allgemein vermeiden sollte – bekommen Aufnahmen einen etwas milchigen Schleier. Der Nachtmodus erhellt Aufnahmen mit der Hauptkamera effektiv, weniger gut funktioniert das bei Dunkelheit bei der Weitwinkelkamera. Einen Makromodus gibt es nicht, dafür spendiert Samsung eine Voreinstellung für „Essen“, die man alternativ für Nahaufnahmen von Blumen & Co. nutzen kann. Selfies überzeugen ebenfalls. An die Kamera aus dem Samsung Galaxy S23 (Testbericht) reicht das Flip 5 aber nicht ganz heran.
Videos sind dank OIS sehr stabil und zudem ausgesprochen scharf. Dank der CPU-Power sind sogar bis zu 4K bei 60 Frames pro Sekunde (fps) möglich – wie beim Galaxy S23 auch.
Das Innenleben orientiert sich ebenfalls an der S23-Reihe und bietet mit dem Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 for Galaxy einen äußerst potenten Prozessor. Ladezeiten oder Denkpausen kennt das Flip 5 nicht. Zudem ist das Klapphandy voll Gaming-tauglich. Das belegen die Benchmarks von PCmark Work 3.0 mit rund 15.000 Punkten sowie 3Dmark Wild Life Extreme mit etwa 3650 Punkten – interessanterweise war das Galaxy S23 hier minimal stärker mit 3800 Punkten. Das dürfte aber nur Benchmark-Fanatiker wirklich interessieren. Geht es um Leistung, ist kein Klapphandy besser.
Erweitert hat Samsung den internen Speicher, es gibt nur noch 256 GB oder 512 GB jeweils in der schnellen Ausführung mit UFS 4.0. Der Arbeitsspeicher beträgt standardmäßig 8 GB – hier könnten es gerne mehr sein für den Preis. Die weitere Ausstattung ist auf Top-Niveau mit Wi-Fi 6E, 5G, Bluetooth 5.3 mit aptX sowie USB 3.2 Gen 2 beim Typ-C-Steckplatz. Die Genauigkeit der Ortung ist mit etwa 3 Metern ordentlich und erfolgt über GPS, Glonass, Beidou, Galileo und QZSS. Der Fingerabdruckleser sitzt im Power-Button und arbeitet gewohnt flott und verlässlich. Überzeugend ist auch der Klang der Lautsprecher.
Unser Testgerät lief mit Android 13 und der Samsung-Bedienoberfläche One UI 5.1.1. Der Patch war zum Testzeitpunkt auf dem aller neuesten Stand und stammte bereits aus August 2023. Was die Pflege mit Updates angeht, sind hier Käufer auf der sicheren Seite: Fünf Jahre Patches und vier große Android-Updates bis einschließlich Android 17 sind garantiert. Ein Update auf Android 14 könnte noch vor Jahresende kommen – allerdings ohne Gewähr. Wie immer packt Samsung eine Menge zusätzlicher Software aufs Smartphone.
Die vielleicht größte Schwachstelle des Galaxy Z Flip 5 bleibt der Akku: 3700 mAh sind nicht übermäßig viel, in ein solch schlankes Gehäuse lässt sich aber kaum mehr hineinpacken. Das ist zwar nur minimal weniger als beim Galaxy S23, allerdings ist hier ein größeres Display zu befeuern. Nicht mehr ganz zeitgemäß ist das Ladetempo mit 25 Watt. Damit benötigt es schon mehr als eine Stunde, um das leere Handy aufzuladen. Kabelloses Laden ist mit 10 Watt möglich.
Mit einer fest eingestellten Helligkeit von 200 cd/m² bei adaptiver Bildwiederholrate bis 120 Hertz kamen wir beim Battery Test von PCmark auf rund 9 Stunden. Damit liegt das Smartphone eher im Mittelfeld und hält nur minimal länger durch als der Vorgänger. Einen Tag ohne Netzteil sollte das Flip 5 in der Regel schaffen, mehr aber auch nicht. Zum Vergleich: Das Razr 40 Ultra (Testbericht) erreichte bei dem Test fast 11 Stunden. Das Galaxy S23 (Testbericht kommt auf 14 Stunden.
Das Samsung Galaxy Z Flip 5 hat eine stolze UVP von 1199 Euro für 256 GByte sowie 1319 Euro für 512 GB. Als Farben stehen Schwarz (Graphite), Hellgrün (Mint), Lila (Lavender) und Beige (Cream) zur Auswahl. Weitere Farben gibt es nur exklusiv im Online-Shop von Samsung, etwa Blau, Gelb, Grün und Grau. Dort ist der Preis höher, aber man bekommt die In-Ears Galaxy Buds 2 Pro kostenlos dazu sowie eine Eintauschprämie von bis zu 150 Euro fürs alte Smartphone.
Es lohnt sich, auf Angebote zu achten. Mit 256 GB kostet es aktuell mindestens 469 Euro. Mit 512 GB sind es 579 Euro.
Den Klapphandys gehört die Zukunft! Es ist schon beachtlich, wie wenig Platz diese Mobilgeräte in der Hosentasche oder einer kleinen Handtasche benötigen. Samsung hat mit dem jüngsten Update Galaxy Z Flip 5 das Gerät aufs Flagship-Niveau des Galaxy S23 gebracht – abgesehen von der Telelinse, für die zu wenig Platz im schlanken Gehäuse war. Damit ist es in unseren Augen das aktuell beste Klapphandy.
Bei der übrigen Ausstattung ist aber nahezu alles auf höchstem Niveau. Gut gefallen hat uns zudem das Außen-Display. Damit dürfte man das Gerät im Alltag deutlich seltener aufklappen müssen. Allerdings sind bislang nur wenige Apps dafür optimiert, meistens beschränkt sich die Anzeige auf Widgets. Die größte Schwachstelle bleibt die mäßige Akkulaufzeit.
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