Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Samsung hat seinem Klapp-Foldable eine Frischzellenkur mit sinnvollen Verbesserungen verpasst. Die Kamera ist jetzt besser, der Akku hält länger und für Power ist gesorgt.
Zusammenklappbare Foldables sind die Reinkarnation der Klapphandys aus den frühen 00er-Jahren. Mit dem Flip 6 kommt die sechste Generation des kompakten Foldables von Samsung auf den Markt, das gefaltet als Smartphone problemlos in jede Hosentasche passen sollte. Ausgeklappt bieten diese Mobilgeräte dennoch einen großen Bildschirm. Der Nachfolger des Samsung Galaxy Z Flip 5 bietet den aktuellen Top-Prozessor von Qualcomm, eine verbesserte Kamera vergleichbar mit dem Samsung Galaxy S24 – jedoch ohne Telelinse – sowie ein verfeinertes Design und KI-Features. Ob Samsung damit wieder ein tolles Foldable gelungen ist, zeigt dieser Test.
Auf den ersten Blick unterscheidet das Flip 6 wenig vom Vorgänger. Die Abmessungen sind mit 165,1 × 71,9 × 6,9 mm (offen) und 85,1 × 71,9 × 14,9 mm (geschlossen) fast identisch. Zusammengefaltet passt es hervorragend in nahezu jede Hosentasche. Man hat dann ein großes 6,7-Zoll-Display vor sich ausgeklappt.
Optisch hat Samsung das Foldable an die Design-Sprache des Samsung Galaxy S24 angenähert. Das Flip 6 wirkt jetzt durch das kantige Design mit matter Optik nochmals deutlich edler. Wie schon der Vorgänger ist das Flip 6 wasserdicht und mit IP48 jetzt etwas besser vor Staub geschützt – aber nicht vollkommen staubdicht. Eine Schwäche, die alle Foldables derzeit noch haben.
Der Hauptbildschirm kommt ausgeklappt erneut auf 6,7 Zoll in der Diagonale bei einem schmalen und länglichen Seitenverhältnis von 22:9. Die Auflösung des OLED-Displays beträgt 2640 × 1080 Pixel (Full-HD+), was für ein messerscharfes Bild bei 420 PPI (Pixel pro Zoll) sorgt. Die Knickfalte ist nicht mehr so präsent wie bei den früheren Modellen und nur noch minimal mit dem Finger zu spüren. Mit der Zeit dürfte sich die Falte aber vermutlich verschlimmern, auch wenn Samsung das in Langzeit-Stresstests ausführlich ausprobiert und für ausreichend befunden hat.
Die Bildqualität ist exzellent, Kontraste sind perfekt abgestimmt, Blickwinkel stabil und Farben kräftig, aber nicht unnatürlich. Auch im Freien bei Sonnenschein ist die Anzeige immer gut ablesbar, Samsung spricht hier von bis zu 2200 Nits. Dank einer Bildwiederholfrequenz von 120 Hz wirkt das Bild bei Spielen oder beim Scrollen immer geschmeidig.
Wie schon beim Flip 5 gibt es wieder ein Außen-Display mit OLED und einer Diagonale von 3,4 Zoll sowie einer Auflösung von 720 × 748 Pixel (306 PPI) bei einer Bildwiederholrate von lediglich 60 Hz. Das Außen-Display ist leider erneut nicht ganz rechteckig, sondern knickt entlang der beiden Kameralinsen etwas ab. Motorola hat das etwas schöner gelöst beim Razr 40 Ultra sowie dem Nachfolger Razr 50 Ultra. Im Freien ist es gut ablesbar. Es dient in erster Linie zur Anzeige von Widgets, etwa für den Kalender, das Wetter oder Benachrichtigungen. Praktisch ist die Nutzung in Verbindung mit dem Übersetzer von Galaxy AI. Im rechten Winkel aufgestellt, sieht der andere Gesprächspartner dann auf dem Außen-Display den übersetzten Text.
Wer auch Apps nutzen möchte, muss unter den „Einstellungen“ bei „Frontdisplay“ unter „Labs“ die Option „Auf Frontdisplay zugelassene Apps“ auswählen. Dann stehen auf dem Außen-Display etwa Google Maps, Netflix oder Youtube zur Auswahl. Wer weitere Apps benötigt, muss die App Good Lock aus dem Galaxy Store installieren. Unter der Option „Life Up“ installiert man die Funktion „Multistar“. Dort findet man unter „I (Herzsymbol) Galaxy Foldable“ das „Launcher Widget“, um weitere Apps auszuwählen und über „Enable Launcher Widget“ für den Einsatz auf dem Außen-Bildschirm als Widget zu aktivieren. Die Darstellung kann dann aber je nach App nicht immer ganz zum Format der Anzeige passen. Das klingt nicht nur umständlich, sondern es ist auch – und dann nicht einmal perfekt, sondern eher eine Notlösung.
Samsung hat die Kamera des Galaxy Z Flip 6 gegenüber dem Vorgänger ordentlich verbessert. Neu ist jetzt die Hauptkamera mit 50 Megapixeln und optischer Bildstabilisierung (OIS) sowie eine Weitwinkellinse mit 12 Megapixeln. Damit zieht das Flip 6 nahezu mit dem Galaxy S24 gleich – allerdings fehlt wieder eine Telelinse, dafür war im dünnen Gehäuse wohl einfach kein Platz mehr. Für Selfies kommt eine weitere Kamera mit 10 Megapixeln zum Einsatz. Zusammengefaltet kann man auch die Hauptkamera für Selfies in höherer Auflösung nutzen – allerdings nur im rechteckigen Format.
Die Hauptkamera überzeugt auf ganzer Linie und liefert tolle Aufnahmen. Der Dynamikumfang ist weitreichend und gut abgestimmt. Kontraste und Farben stimmen einfach, Bilddetails sind ausreichend ausgeprägt. Fotos mit digitalem Zoom sehen auch noch bei fünffacher Vergrößerung gut und hinreichend scharf aus. Gelungen ist zudem der Nachtmodus, der bei genügend Restlicht Aufnahmen spürbar aufhellt, dabei aber Bildrauschen im noch erträglichen Rahmen fabriziert.
Fotos mit der Weitwinkellinse weichen farblich faktisch nicht vom Hauptobjektiv ab, Details sind zwar etwas weniger scharf, aber das Ergebnis kann überzeugen. Lediglich bei Dunkelheit ist das Weitwinkelobjektiv anders als die Hauptlinse eher nicht zu gebrauchen. Gelungen und scharf sind zudem die Selfies mit der Frontlinse. Eine gute Figur macht das Flip 6 auch bei Videos, die sowohl mit der Hauptkamera als auch der Frontlinse 4K flüssige, scharfe und farbenfrohe Videos mit 60 FPS (Bilder pro Sekunde) liefern.
Dank der Features von Galaxy AI können Objekte auf Bildern ausgeschnitten und verschoben werden, die KI ergänzt dann den leeren Bereich. Das klappt meistens gut und wird dann mit einem Wasserzeichen versehen. Neu hinzugekommen ist das AI-Feature Porträt-Studio. Dieses erstellt aus dem Selfie einen Avatar als 3D-Cartoon, Comic-Zeichnung, Gemälde oder Bleistiftskizze.
Für rundum starke Performance sorgt der Snapdragon 8 Gen 3 for Galaxy, der sich auch im Samsung Galaxy S24 Ultra wiederfindet. Mehr Leistung ist im Android-Kosmos derzeit nicht möglich. Samsung integriert erstmals eine sogenannte Vapor Chamber in ein Flip-Modell, was die Wärme vom Prozessor ableitet. Dadurch kann dieser unter Last länger und stabiler betrieben werden.
Top ist der Wert bei PCmark mit rund 18.000 Punkten. Bei „Wild Life Extreme“ von 3Dmark erreichen wir exzellente Werte um die 5000 Punkte, was das Flip 6 zum vollwertigen Gaming-Smartphone macht und rund 25 Prozent vor dem Vorgänger liegt. Allerdings lässt die Performance trotz Vapor Chamber bei längerer Dauerauslastung rasch nach, wie sich im Stress-Test von „Wild Life Extreme“ zeigt, bei dem nach 20 Durchläufen nur noch knapp 50 Prozent der Leistung erreicht werden.
Der Arbeitsspeicher wächst standardmäßig auf 12 GB an. Zur Auswahl stehen beim Speicher 256 GB und 512 GB in der schnellsten Variante UFS 4.0. Einen Speicherkartenslot für SD-Karten gibt es aber nicht. Auf neustem Stand ist auch alles bei den Schnittstellen mit USB-C 3.2, Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.3 sowie NFC. Zur Ortung greift das Flip 6 auf A-GPS, Glonass, Beidou, Galileo und QZSS zurück bei einer Genauigkeit von rund 3 Metern laut GPS-Test. Zwei Lautsprecher liefern einen ordentlichen und kräftigen Klang.
Galaxy AI ist komplett in das Flip 6 integriert. Dazu zählen das Übersetzen und Umformulieren von getippten Texten, Bearbeiten von Fotos, Live-Übersetzen von Telefongesprächen und das Zusammenfassen von Webseiten. Die Features sind bisher nicht frei von Fehlern, werden aber kontinuierlich weiterentwickelt.
Das Flip 6 kommt mit Android 14 und der Bedienoberfläche One UI 6.1.1 zum Kunden. Der Sicherheits-Patch stammt zum Testzeitpunkt aus Juni und ist somit aktuell. Wie immer ist Samsung vorbildlich bei den Updates. Das Galaxy Z Flip 6 bekommt für 7 Jahre Sicherheits-Patches und Android-Updates.
Die Koreaner packen einige Apps zusätzlich aufs Gerät und bieten eine relativ eigenständige Bedienoberfläche im Vergleich zu Vanilla-Android. Es gibt einen zuschaltbaren Flex-Modus, wenn man das Smartphone geknickt nutzt. Dann blendet das System auf Wunsch weitere Bedienelemente ein. Einen großen Mehrwert sehen wir da aber nicht.
Samsung hat die Akkukapazität um rund 10 Prozent auf 4000 mAh erweitert, was sich auch positiv auf die Akkulaufzeit auswirkt. Beim Battery Test von PCmark kamen wir auf einen simulierten Wert von rund 12 Stunden. Das ist deutlich länger als beim Vorgänger. Ein Netzteil liegt nicht bei, geladen werden kann das Flip 6 maximal mit 25 Watt. Ein vollständiger Ladevorgang dauert damit rund 80 Minuten, von 20 auf 100 Prozent gelingt das in etwa einer Stunde. Kabelloses Laden ist per Qi mit bis zu 15 Watt möglich.
Das Galaxy Z Flip 6 ist ziemlich teuer, die UVP liegt bei stolzen 1199 Euro. Mit 512 GB beträgt diese sogar 1319 Euro. Allerdings gibt es kurz nach dem Marktstart schon einige starke Angebote.
So bekommt man die Variante mit 256 GB schon ab 612 Euro. Mit 512 GB bekommt man das Flip 6 ab 666 Euro. Erhältlich ist es in den Farben Silber, Blau, Gelb, Hellgrün und Beige. Samsung bietet zudem weitere exklusive Farben in seinem Store: Schwarz, Pfirsich und Weiß.
Samsung gelingt mit dem Galaxy Z Flip 6 eine sinnvolle Verbesserung seines Klapp-Foldable, ohne groß vom Design abzuweichen. Die Kamera ist jetzt auf Augenhöhe mit den anderen Premium-Geräten – abgesehen von der fehlenden Telelinse. Das Außen-Display für die Anzeige von Widgets ist praktisch, aber auch etwas gewöhnungsbedürftig. Die Performance ist hervorragend, der Software-Support vorbildlich. Wer ein möglichst kompaktes Smartphone mit Top-Ausstattung sucht und nicht vom hohen Preis abgeschreckt wird, ist beim Flip 6 genau richtig.
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