Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Saugroboter müssen nicht immer 500, 800 oder gar über 1000 Euro kosten. Der 360 C50 ist für unter 150 Euro zu haben und verspricht gute Reinigungsergebnisse mit schlauer Navigation und App.
Wer einen Saugroboter sucht, findet zahllose Modelle jenseits der 250 Euro. Unter dieser Grenze wird die Auswahl schon kleiner – und taugen solche „Billigheimer“ überhaupt was? Nach Tests zu günstigen Modellen wie Vileda VR102 (Testbericht) und Gorenje RVC 216 BK G Smart (Testbericht) können wir ganz klar sagen: jein. Wer seine Ansprüche reduziert und eine eher einfache Reinigungsfläche mit geringer Quadratmeterzahl und klarem Grundriss hat, kann absolut zu günstigen Saugrobotern greifen. Darüber hinaus wird es schwierig. Und natürlich ist nicht jeder Saugroboter gleich gut. Wir wollten daher im Test wissen, was der C50 von Hersteller 360 taugt. Er kostete zum Testzeitpunkt nicht einmal 150 Euro.
Zugegeben: Der Sauger wirkt im Vergleich zu deutlich teureren Modellen nicht so edel. Das liegt vor allem am erstaunlich niedrigen Gewicht, was einfach nicht mit „hochwertig“ in Verbindung gebracht werden kann. Aussehen und Verarbeitung sind aber ausreichend gut und die Mischung aus glänzendem und mattem Kunststoff wirkt sogar recht ansprechend. Mangels Laserturms ist der Roboter nicht einmal 8 Zentimeter hoch und kommt so auch unter flache Möbel.
Neben dem typischen Frontbumper verfügt das Modell über zwei Seitenbürsten, Absturzsensoren und eine Hauptbürste mit gedrehten Borstenreihen und einen mechanischen Ein-/Ausschalter rechts. Der Schmutzbehälter, der von hinten in das Gerät eingeschoben wird, bietet sogar eine Rückhalteklappe und einen Filter. Leider befinden sich weder Ersatzbürsten noch ein Ersatzfilter im Lieferkarton. Die Ladestation ist einfach aufgebaut und verfügt über keinerlei Kabelmanagement. Das Kabel zum Netzstecker, der mit verschiedenen Aufsätzen für Steckdosen anderer Länder ausgestattet ist, lässt sich zudem nur rechts anschließen, was die Aufstellung etwas erschwert.
Trotz seines niedrigen Preises verfügt der 360 C50 über App-Steuerung über die 360-Smart-App. Alternativ klappt das aber auch über die mitgelieferte Fernbedienung (Batterien im Lieferumfang enthalten) oder den einzigen Bedienknopf am Roboter. Ein kurzer Druck startet dabei eine Aufgabe und ein längerer Druck schickt den Roboter zurück zur Ladestation. In der App selbst gibt es nur eine schematische Darstellung der Umgebungskarte, eine echte Karte bietet sie nicht. Hinzu kommen einige wenige Einstellungsmöglichkeiten, darunter etwa die Möglichkeit, nur die Ränder zu reinigen oder eine Punktreinigung durchzuführen.
Letzteres setzt aber voraus, dass der Nutzer den Bot zuvor an die gewünschte Stelle trägt – smart ist das nicht. Zum Wischen, für das der ab Werk eingelegte Staubbehälter gegen einen Tank mit Wischtuchaufnahme gewechselt werden muss, darf per App die Wasserflussmenge in drei Stufen bestimmt werden. Ansonsten ist die App – abgesehen von der Update-Möglichkeit des Roboters – eher nebensächlich.
Anmerkung: Grundsätzlich ist die Update-Fähigkeit sehr gut und wichtig, schließlich kann der Hersteller so Probleme des Gerätes aus dem Weg schaffen, sofern es nicht direkt die Hardware betrifft. Bei unserem Modell sorgte ein später aufgespieltes Update allerdings zu starken Problemen bei der Navigation, sodass der Roboter ab da nur noch bedingt zu gebrauchen war.
Dass der 360 C50 bei dem niedrigen Preis auf Laser-Navigation verzichtet, sollte niemanden überraschen. Auch eine Kamera-basierte Wegfindung fehlt hier, stattdessen setzt der Roboter auf eine Mischung aus Odometrie, bei der die Radumdrehungen gezählt und Drehungen und zurückgelegte Distanz auf diesem Wege festgehalten werden und Gyroskopsteuerung. Durch die Kombination dieser Methoden ist es dem C50 grob möglich, sich während der Fahrt anhand der gesammelten Informationen zurechtzufinden und Bahnen zu fahren. Dabei handelt es sich um die niedrigste „intelligente“ Navigationsform nach Laser- und Kameranavigation, entsprechend kommt die Genauigkeit bei der Orientierung auch ganz klar nicht an die anderen beiden genannten Methoden heran.
Insgesamt kam der 360 C50 vor dem oben beschriebenen Update leidlich mit seiner Umgebung klar. Im Vergleich zu genaueren Navigationsmethoden rempelt der Roboter recht vehement vor Hindernisse, da ihm Möglichkeiten zur Früherkennung fehlen. Anschließend hangelt er sich deutlich vorsichtiger an gerammten Objekten entlang, was insgesamt ordentlich funktioniert. Allerdings kommt diese Navigationsart früher oder später an ihre Grenzen, sodass der Roboter deutlich schneller als hochwertigere Modelle nach Hilfe ruft, weil er sich angeblich festgefahren hat. Empfehlenswert ist ein solches Modell daher eher für kleinere, unkomplizierte Reinigungsflächen. Nach dem ominösen Update kapitulierte der C50 bei uns schon in einem Wald aus Stuhlbeinen und schaffte es nicht einmal mehr, am Rand von Räumen entlangzufahren. Das sollte aber ein auf unser Testgerät begrenztes Problem sein.
Die Reinigungsleistung ist in Relation zum Preis gut. Der Hersteller verspricht allerdings nur eine Saugkraft von 2600 Pa – das ist heute kein hoher Wert mehr. Entsprechend hat er gegen hochpreisigere Saugroboter klar das Nachsehen. Wer – wie es bei Saugrobotern gedacht ist – den Bot mehrfach die Woche fahren lässt, hat damit aber keine Probleme. Besonders auf Hartboden erledigt er seine Reinigungsaufgabe gut, auf niedrigflorigen Teppichen ist die Leistung auch noch in Ordnung. Tiefgreifende Reinigung sollte dann aber niemand mehr erwarten. Eine automatische Saugkraftanhebung fehlt und schon auf der voreingestellten zweiten Leistungsstufe von vier ist der Roboter relativ laut.
Wischen klappt zwar mit dem 360 C50 ebenfalls, allerdings wird hier natürlich das Wischtuch nicht automatisch gereinigt, sondern dauerhaft durch die Wohnung gezogen. Immerhin darf die Wasserzufuhr in drei Stufen geregelt werden. Leichter Schmutz wird bei sauberem Tuch entfernt, insgesamt geht die Wischfunktion aber nicht weit über einfaches Staubwischen hinaus. Der Akku reicht für die von uns empfohlenen kleinen Grundrisse locker aus.
Der Roboter kostete zum Testzeitpunkt unter 150 Euro. Ebenfalls preiswert ist der Saugroboter von Gorenje (Testbericht).
In Relation zum niedrigen Kaufpreis von unter 150 Euro ist die gebotene Leistung des 360 C50 in allen Belangen gut. Das betrifft sowohl die einfache, aber ausreichend genaue Navigation, die Steuerungsmöglichkeiten über Fernbedienung und die (wenig umfangreiche) App sowie die Reinigungsleistung. Das alles können hochwertigere Modelle zwar bisweilen deutlich besser, die kosten dann aber auch wesentlich mehr. Allerdings würden wir den 360 C50 nur für kleine, einfache Grundrisse empfehlen – mit mehr ist die einfache Navigationstechnik des Roboters früher oder später überfordert. Mehr Informationen zu Saugrobotern geben wir in unserem Ratgeber und der Top 10 der besten Saugroboter aus unseren Tests. Alle Tests finden sich in unserer Themenwelt Saugroboter.
Anmerkung: Die Sterne-Wertung bezieht sich auf die Leistung vor dem Update.
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