Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Saugen ist gut, wischen aber wichtiger? So in der Art sieht das Dreame beim L10 Prime auch und spendiert dem Saug- und Wischroboter sogar noch eine Reinigungsstation für die Wischpads.
Saugroboter wie der Ultenic T10 (Testbericht) kommen heute schon für vergleichsweise wenig Geld mit Absaugstation, der Nutzer muss sich also zumindest theoretisch einige Wochen nicht um den Reinigungshelfer kümmern. Beim Wischen sieht das anders aus. Zwar gibt es Spitzenmodelle wie den Roborock S8 Pro Ultra (Testbericht), die zusätzlich auch noch die Wischpads selbstständig reinigen, solche Modelle kosten aber deutlich über 1000 Euro.
Was aber, wenn Wischen wichtiger als saugen ist? Dann bietet Dreame mit dem L10 Prime eine gute Lösung. Denn dieser Saugroboter saugt und kommt mit Reinigungsstation, legt den Fokus aber auf die Wischfunktion. Zumindest, wenn man sich die Reinigungsstation anschaut, denn darin werden zwar die beiden Wischpads des Roboters automatisch gereinigt, Staub saugt sie aber nicht ab. Dafür ist der L10 Prime aber auch günstiger als andere Modelle der Reihe, die mehr können: Knapp 420 Euro sind für einen Wischroboter mit guter Saugfunktion ein spannender Preis.
Beim Design orientiert sich der Hersteller beim Dreame L10 Prime deutlich an den anderen L10-Modellen wie dem L10S Ultra (Testbericht), der über zusätzliche Absaugfunktion verfügt und zum Testzeitpunkt über 300 Euro teurer ist. Durch die zusätzliche Absaugfunktion des L10S Ultra ist die Reinigungsstation entsprechend deutlich höher, ansonsten sehen Bot und Station aber weitgehend identisch aus. Je nach Geschmack könnte die kleinere Absaugstation des Prime-Modells sogar etwas besser proportioniert wirken, an der guten Verarbeitung und dem schicken Design ändert das ansonsten aber nichts.
Leider bietet die Reinigungsstation des L10 Prime kein Kabelmanagement, sondern stattdessen lediglich eine kurze Kabelführung nach links oder rechts aus der Station. Wichtiger ist aber die Warmlufttrocknung, die sie Station für die beiden drehenden Mopps des Roboters bietet. Damit wird Stock- und Schimmelbildung durch zu langsames Trocknen effektiv unterbunden.
Auch hier gilt wie (fast) immer bei modernen Saugrobotern: Der Dreame L10 Prime verbindet sich innerhalb von wenigen Sekunden mit der Dreame-App, wenn man die nötigen Schritte dazu befolgt. Die werden per Bild und Text in der App verständlich beschrieben und enthalten abseits von Verbindungsproblemen eigentlich nur das gleichzeitige Drücken der Home- und Reinigungstaste für 3 Sekunden.
Anschließend landet der Nutzer in der App, die ihre Sache richtig gut macht. Sie ist übersichtlich und gut verständlich, bietet alle Funktionen inklusive der Kartierung von Teppich und darüber hinaus sogar eine Option, um die Station selbst ohne eigenes Zutun zu reinigen. Damit ist man auf Augenhöhe mit der Konkurrenz von Roborock, besser geht es kaum.
Wegfindung und Fahrverhalten während der Reinigung sind beim Dreame L10 Prime vorbildlich. Der Saugroboter fährt präzise Bahnen, erkennt Hindernisse, die mindestens so hoch wie er selbst sind, hervorragend und geht zudem sehr schonend mit Möbeln um. Dennoch weiß er sich aus schwierigen Umgebungen zu befreien, ohne gleich übermäßig rabiat zu werden. Mangels 3D-Hinderniserkennung per Kamera und/oder Kreuzlaser vorn übersieht er aber kleine Gegenstände wie Socken oder Kabel, sodass Aufräumen vor der Fahrt des Bots weiterhin zur Pflicht des Besitzers gehört. Ganz davon befreit sind aber auch Besitzer von Saugrobotern mit entsprechender Technik nicht, da sie weiterhin nicht absolut zuverlässig ist – darum sehen wir 3D-Hinderniserkennung bisher auch nicht als kaufentscheidend an.
An der Reinigungsleistung gibt es nach der guten Navigation ebenfalls nichts zu beanstanden. Der Roboter bietet nach Herstellerangabe 4000 Pa Saugleistung, die er beim Befahren von Teppichboden automatisch abruft. Damit sorgt er für insgesamt exzellente Reinigungsleistung sowohl auf Hartboden als auch auf Auslegeware. Einziger Nachteil: Den Schmutz müssen Nutzer manuell aus dem internen Staubbehälter des Roboters entleeren. Langhaarteppiche sind zudem wie bei der Konkurrenz die Nemesis des L10 Prime, da er sich hier schnell verheddern kann. Übrigens werden die beiden drehenden Wischmopps des Roboters beim Befahren von Teppich um etwa 7 Millimeter angehoben. Das reicht auf niedrigflorigen Brücken und Läufern absolut aus, bei größerer Fadenlänge kann der Teppich dennoch leicht feucht werden. Groß ist der Unterschied zu den meisten Konkurrenten hier aber nicht.
Beim Wischen leistet der Saugroboter mit seinen zwei drehenden Wischpads hervorragende Arbeit. Obwohl der Roboter selbst keinen eingebauten Wassertank aufweisen kann, ist das Wischergebnis ziemlich gleichmäßig. Selbst eingetrockneter Kaffee geht oftmals nach dem ersten Durchgang weg, nur besonders hartnäckiger Schmutz benötigt mehrere Durchgänge oder händische Nacharbeit.
Einziger Nachteil: Der L10 Prime muss mangels eigenen Wassertanks öfter zur Reinigungsstation zurück, um die Wischpads aus deren 2,7 Liter großen Frischwasserbehälter wieder anzufeuchten. Das ist aber kein Beinbruch. Übrigens: Der Abwassertank misst nur 2,5 Liter – bei mindestens 0,2 Liter rechnet Dreame also offensichtlich damit, dass sie auf dem Boden zurückbleiben. Da der L10 Prime rund 140 Quadratmeter in einem Akku-Durchgang schafft und auch das Wasser dafür locker reicht, ist das aber bei Weitem nicht genug, um sich bei Holzboden darüber Sorgen machen zu müssen.
Die UVP des Dreame L10 Prime liegt bei 599 Euro. Bei Anbietern wie Amazon (422 Euro), Mediamarkt (449 Euro) oder Otto (449 Euro) wird er allerdings gerade deutlich günstiger angeboten.
Für unter 430 Euro ist der Dreame L10 Prime ein richtig toller Saugroboter für alle, denen Wischen noch wichtiger als Saugen ist. Denn der Bot saugt zwar auch hervorragend, allerdings müssen Nutzer hier den herausnehmbaren Staubbehälter des Roboters händisch leeren, während die Wischpads des Geräts automatisch gereinigt und neu befeuchtet werden. Auf jeden Fall ist das Modell ein richtig guter Saug- und Wischroboter zu einem vernünftigen Preis. Wer auf automatische Staubentleerung nicht verzichten kann, muss noch einmal tiefer in die Tasche greifen.
Dieser Test ist Bestandteil unserer Themenwelt über Saugroboter. Dort ist auch die Topliste der 10 besten Saugroboter (Bestenliste) und ein Ratgeber zu finden, was man beim Kauf eines neuen Saugroboters beachten sollte.
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