Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Ecovacs hat mit dem Deebot X5 Omni die neue Generation seines Topmodells auf den Markt gebracht. Der Saugroboter besticht durch seine D-Form, die vergleichsweise niedrige Bauhöhe und zahlreiche Features wie Reinigungsstation, Wischfunktion und Objekterkennung. Wir haben den Test gemacht.
Der direkte Vorgänger des Ecovacs Deebot X5 Omni ist der X2 Omni – das scheint gar nicht zu passen, denn der Logik folgend müsste das neue Modell dann ja eigentlich X3 Omni heißen. Aber nach den Problemen des X2, die primär bei der Navigation und generell der Software des Saugroboters zu finden waren, wollte Ecovacs durch den Sprung wohl klarmachen: Hier kommt eine grundlegend verbesserte Version – so sehr, dass X3 einfach nicht ausreicht. Tatsächlich wurde einiges verändert. So bietet das neue Modell deutlich mehr Saugkraft, im Gegenzug verzichtet der X5 auf den hauseigenen Sprachassistenten Yiko, behält aber die D-Form des Chassis bei. Wie sich das alles auf den Alltag auswirkt, zeigen wir im Test.
Der Ecovacs Deebot X5 Omni kostete zum Testzeitpunkt bei Amazon 1099, inzwischen hat der Preis sich dort aber um 40 Prozent reduziert auf 699 Euro oder gar 660 Euro bei Ebay.
Der Ecovacs Deebot X5 Omni überzeugt mit seiner hervorragenden Verarbeitungsqualität. Das Gerät ist in zwei Farben erhältlich, unser Testgerät ist komplett in Weiß gehalten. Die Bauhöhe beträgt nur 9,5 cm, was es dem Roboter ermöglicht, unter vielen Möbeln zu reinigen. Gleichzeitig ist das aber für einen Saugroboter ohne Laserturm für die Navigation nicht übermäßig flach, Konkurrenzmodelle mit Turm bleiben auch meist knapp unter 10 cm Höhe.
Auf der Oberseite des Roboters befindet sich lediglich ein Touch-Knopf, mit dem man die Reinigung starten oder pausieren kann. Bei längerem Druck kehrt der Roboter zur Station zurück. Auffällig: Er ist in eine Y-Form integriert, dabei gibt es den hauseigenen Sprachassistenten Yiko gar nicht mehr.
Der Lidar-Sensor, mit dessen Hilfe sich der Deebot X5 Pmni orientiert, ist in der Front untergebracht. Er ermöglicht eine Sicht von knapp 180°, Roboter mit Lasernavigation und oben installiertem Turm können normalerweise ringsum Hindernisse erkennen. Über dem integrierten Laser sitzt die Hinderniserkennung True Detect 3D mit ihren Sensoren und Kamera. Am Heck gibt es Ladekontakte, ein Loch für die Wassertankbefüllung und ein Absaugloch für die automatische Schmutzentleerung. Seitlich installiert Ecovacs einen Wandabstandssensor. Unter der magnetisch haftenden Haube oben befindet sich der Staubbehälter, ein QR-Code für die App und ein kleiner Knopf, der als Reset-Knopf und WLAN-Statusleuchte dient. Ein roter Power-Schalter ermöglicht das Ein- und Ausschalten des Roboters. Außerdem bringt der Hersteller hier ein kleines Reinigungstool unter.
Auf der Unterseite des Roboters befinden sich eine Bodenbürste aus gedrehten Borstenreihen, zwei Wischmopps, zwei große Antriebsräder, ein Stützrad und eine Seitenbürste. Der rechte Wischmopp ist ausfahrbar, damit der X5 bis an den Rand wischen kann. Eine ausfahrbare Seitenbürste braucht das Gerät nicht, durch seine D-Form und die recht weit vorn installierte Seitenbürste erreicht der X5 Ecken theoretisch auch ohne solche Gimmicks. Die Bodenbürste des Ecovacs Deebot X5 Omni stammt vom Ecovacs Deebot T30s Combo (Testbericht) und verfügt über Maßnahmen gegen das Aufwickeln von langen Haaren. Kleine Klingen hinter der Bürste sollen verhindern, dass sie sich um die Bürste wickeln und stattdessen in den Saugschacht abgesaugt werden.
Der Staubbehälter des Ecovacs Deebot X5 Omni ist mit 250 ml recht klein. Er besitzt einen praktischen Tragegriff und eine Rückschlagklappe sowie Feinstaubfilter samt feinmaschigem Netz zur Filterung grober Partikel. Die Wischmopps des Ecovacs Deebot X5 Omni sind kleiner als die der Vorgängermodelle und haften magnetisch am Roboter. Sie können wie gewohnt beim Befahren von Teppich angehoben werden. Die Reinigungsstation des Ecovacs Deebot X5 Omni ist multifunktional und lässt kaum Wünsche offen. Sie reinigt die Wischmopps mit heißem Wasser, trocknet sie anschließend mit warmer Luft und entleert den Staubbehälter des Roboters. Zwei große Tanks unter einer Abdeckklappe bunkern Frisch- und Schmutzwasser. Unterhalb der Klappe befindet sich eine Taste, mit der man verschiedene Aktionen auslösen kann. Ein kurzer Druck startet oder pausiert die Reinigung, ein längerer Druck startet die Selbstreinigungsfunktion der Station. Praktisch ist die Schale unten in der Station, die komplett herausnehmbar ist und so einfach unter fließendem Wasser gereinigt werden kann.
Die Ecovacs-Home-App bietet eine Vielzahl an Funktionen und ist schnell mit dem X5 Omni verbunden. Sie ist übersichtlich und gut bedienbar. Auf der Startseite des Roboters wird wie gehabt eine detaillierte Karte des Reinigungsbereichs angezeigt, die vom Gerät selbst oder auf Wunsch manuell in einzelne Räume aufgeteilt wird. Neben verschiedenen Reinigungsmodi und -zeiten bietet die App zudem die Steuerung der Reinigungsstation. Hier lassen sich etwa Intervalle einrichten, nach denen der Roboter zurückkehren und die Wischmopps reinigen soll.
Typische Eingriffsmöglichkeiten per App auf das Verhalten des Roboters selbst, etwa auf die Saugkraft oder die Wischintensität, sind natürlich auch dabei. Im Vergleich zum T30S Combo (Testbericht) gibt es hier wenig Unterschiede. Unterstützte Sprachassistenten sind Amazon Alexa und Google Assistant, der eigene Dienst Yiko ist hingegen nicht implementiert – komisch, schließlich ist der X5 das Topmodell. Ebenfalls komisch: Es gibt trotzdem immer wieder Hinweise auf Yiko in der App. Da hat Ecovacs wohl nicht sehr sorgfältig gearbeitet.
Der Ecovacs Deebot X5 Omni kommt mit einer Vielzahl an technischen Features. Die Wischfunktion bietet nicht nur rotierende Wischmopps, sondern auch eine Mopp-Lift-Funktion. Sie hebt die Wischmopps automatisch an, wenn der Roboter Teppichboden befährt, um diesen nicht zu befeuchten. Die Reinigungsstation des X5 Omni ist multifunktional. Sie reinigt die Wischmopps mit heißem Wasser, trocknet sie anschließend mit warmer Luft und entleert den Staubbehälter des Roboters.
Zur Navigation des Roboters kommt – auch wenn es mangels Laserturm anders aussieht – Lidar (Light Detection und Ranging) zum Einsatz. Der drehende Turm wurde wie beim Vorgänger vom Äußeren ins Innere des Roboters verlegt und deckt jetzt ein vergrößertes Frontsichtfeld von fast 180 Grad ab.
Die Navigation basiert auf True Mapping 2.0 und soll in Kombination mit True Detect 3D 3.0 für eine präzise Hinderniserkennung sorgen. Allerdings zeigt der Test, dass die Hinderniserkennung in der Praxis oft versagt. Absichtlich platzierte Socken, Hausschuhe oder Kabel wurden immer wieder nicht nur angerempelt, sondern auch überfahren und/oder aufgesaugt. Wegen der Anti-Haar-Klingen werden Kabel dabei durchaus beschädigt. Auch hochflorige Teppiche bereiten dem X5 mehr noch als einigen Wettbewerbern Schwierigkeiten. So fuhr er sich schnell auf einem flauschigen Bettvorleger fest, den Konkurrenz wie Dreame X40 Ultra Complete (Testbericht) und Roborock S8 MaxV Ultra (Testbericht) meisterten. Ein weiteres Problem: Er schiebt sich gern auf vergleichsweise hohe Hindernisse von über 2 cm wie etwa das Gestell von Schwingstühlen und fährt sich dann fest. Die meisten Wettbewerber kommen da gar nicht erst drauf und haben entsprechend keine Probleme.
Auch bei der generellen Navigation kann der Ecovacs Deebot X5 Omni nicht ganz mit der Elite mithalten. Dass er sich öfter mal um die eigene Achse drehen muss, weil er im Gegensatz zu anderen Modellen mit Lasernavigation nur nach vorn und nicht gleichzeitig auch rings um sich „schauen“ kann, dürfte klar sein. Aber es scheint bisweilen auch so, dass dem Roboter seine D-Form, die eigentlich für eine perfekte Eckenreinigung sorgen soll, eher im Weg steht.
In engen Situationen kann es passieren, dass das Modell bei Drehungen mit einer der beiden vorderen Ecken hängenbleibt und so den Frontbumper auslöst. Das macht der Roboter dann etliche Male am Stück, bevor er ohne Rücksicht auf Verluste wie ein jähzorniges Kind mit voller Kraft zurücksetzen will und dabei wie Bruce Willis in bester Stirb-Langsam-Manier irgendwo dagegen rammt. Alternativ hinterlässt er mit auf der Stelle durchdrehenden Rädern Spuren auf Teppich oder Hartboden. Das wirkt wenig hochwertig.
An der eigentlichen Reinigungsleistung gibt es indes nichts auszusetzen. Der Ecovacs Deebot X5 Omni hat eine Saugkraft von stolzen 12.800 Pascal. Das ist beeindruckend und sorgt für insgesamt ordentliche Reinigungsleistung, allerdings sind Größe und Konstruktion des Schmutzbehälters im Roboter unzureichend. So will Schmutz trotz Rückstauklappe immer wieder zurück in den Ansaugtrakt rutschen, sobald der Behälter halbwegs gefüllt ist. Zusammen mit der geringen Größe ist das vergleichsweise schnell der Fall. Bei regelmäßiger Fahrt oder weniger Verschmutzung sollte das im Alltag aber ausreichend sein, zumal die Station Schmutz nach jeder Reinigung absaugt.
Auf Hartboden hat der Roboter in unserem Test ein ziemlich gutes Ergebnis erlangt, das gefühlt zwar leicht, aber nicht weit hinter der Topkonkurrenz wie Dreame X40 Ultra Complete (Testbericht) und Roborock S8 MaxV Ultra (Testbericht) bleibt. Gleiches gilt für Teppich – nur zu hochflorig darf der wie erwähnt nicht werden, da sich der X5 schneller als mancher Wettbewerber darauf festfährt. Übrigens: Tatsächlich kommt der X5 aufgrund der D-Form auch ohne ausfahrbare Seitenbürste sehr gut in Ecken und erreicht dort Staub zu fast 100 Prozent. Auch die Antihaaraufwicklung funktioniert gut. Lange Haare wurden fast vollständig im Staubbehälter gesammelt, hier ist der X5 sogar besser als die meisten Wettbewerber. Und das gilt mehr oder weniger auch für das Wischergebnis.
Die Wischmopps werden vor, nach und während jeder Reinigung mit 70 Grad heißem Wasser ausgewaschen. Das sorgt dafür, dass der Roboter immer mit sauberen Wischmopps arbeitet und keine Schmutzreste im Haushalt verteilt. Ein Sensor in der Station analysiert den Verschmutzungsgrad des Abwassers. Ist das Abwasser noch zu schmutzig, schickt die Station den Roboter für einen weiteren Wischvorgang los. Während der Moppwäsche füllt die Station automatisch den Frischwassertank des Roboters wieder auf, damit der Roboter immer genügend Frischwasser an Bord hat. Nach jeder Reinigung und Moppwäsche startet die Station eine automatische Mopptrocknung. Das verhindert die Bildung von Gerüchen und Keimen.
Der Roboter wäscht bei jedem Start einer Reinigungsaufgabe zuerst seine Wischmopps. Dann reinigt er die Kanten eines Zimmers und wendet sich anschließend in geraden Bahnen den Mitten des Zimmers zu. Die Navigation ist logisch und effizient. Das ist eine gute Basis für ein tolles Wischergebnis. Und tatsächlich: Der Roboter entfernt auch hartnäckige Verschmutzungen im Rahmen der Möglichkeiten eines Wischroboters gut. Lediglich die Radspuren, die beim erneuten Reinigen wegen erkannt hoher Verschmutzung entstehen, stören etwas. Im Gegensatz zum Vorgänger reinigt (saugt und wischt) der X5 nun auch entlang von Wänden oder Möbeln sehr exakt.
Die Laufzeit des Akkus beträgt bis zu 180 Minuten, bei uns reichte das problemlos für die Reinigung des Test-Erdgeschosses mit (brutto!) 140 m².
Der Ecovacs Deebot X5 Omni kostete zum Testzeitpunkt bei Amazon 1099 Euro. Inzwischen liegt sein Preis dort bei 699 Euro, wobei das günstigste Angebot Ebay mit 660 Euro führt. Es gibt Roboter und Station in Weiß und Schwarz.
Der Ecovacs Deebot X5 Omni ist grundsätzlich ein guter Saugroboter mit vielen nützlichen Funktionen. Die Reinigungsleistung auf Hart- und Teppichboden ist gut, die Wischfunktion überzeugt sogar noch mehr. Toll ist auch die Reinigungsstation, die für die Mopps heißes Wasser und heiße Luft einsetzt. Hinzu kommt die flache Bauweise mangels Laserturm, auch wenn der X5 dadurch nur einige Millimeter niedriger als Wettbewerber mit Turm ist. Schwächen zeigen allerdings Navigation und Hinderniserkennung.
Bei der Navigation scheint dem Roboter seine eigene D-Form bislang im Weg zu stehen, bei der Objekterkennung versagt er zudem viel zu häufig. Hier muss (und wird sicherlich) der Hersteller noch per Firmware-Updates nachbessern. Allerdings muss der sich durchaus Kritik für den vermasselten Ersteindruck gefallen lassen und auch die Frage, warum das eigentliche Topmodell schlechter als etwa ein T30S Combo (Testbericht) mit runder Form abschneidet und zudem auf den eigenen Sprachassistenten Yiko verzichtet. Irgendwas passt da nicht.
Wir können uns daher in Zeiten ausfahrbarer Seitenbürsten mit gleichem Ergebnis wie bei der D-Form gut vorstellen, dass der X5 der letzte Saugroboter mit dieser Chassis-Form ist. Derzeit überwiegen da nämlich die Nach- die Vorteile.
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