Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Eufy hat mit dem Saug- und Wischroboter S1 Pro ein echtes Highend-Modell auf den Markt gebracht, das mit omnipotenter Reinigungsstation sowie drehender Wischwalze mit kontinuierlicher Säuberung punkten will. Der Test verrät, wie gut das funktioniert.
Die Anker-Tochter Eufy hat zuletzt mit dem X10 Pro Omni (Testbericht) bewiesen, dass man gute und auch in Relation zur Leistung günstige Saug- und Wischroboter mit Reinigungsstation bauen kann. Luft nach oben gibt es bei dem Modell aber – wenig überraschend – dennoch, schließlich handelt es sich dabei um kein absolutes Topmodell. Das ist beim Eufy S1 Pro anders. Das Gerät mit auffälliger Bauform will besonders beim Wischen punkten. Es wartet daher mit einer breiten Wischwalze auf, die wie bei einem Saugwischer (Bestenliste) auch während des Wischvorgangs kontinuierlich mit frischem Wasser gereinigt wird, wohingegen das gebrauchte Abwasser in einen weiteren Tank im Roboter abfließt. Zudem wird das Frischwasser in der Station dank Ionisierung weitestgehend von Bakterien befreit. Das alles verspricht auf dem Papier die beste Wischreinigung aller Saug- und Wischroboter. Wir verraten im Test, ob das in der Praxis auch tatsächlich so ist.
Den Eufy S1 Pro gibt es nicht bei Händlern, sondern beim Hersteller selbst am günstigsten: Aktuell kostet er dank dem 550-Euro-Rabattcoupon WS24T2080G11 noch 949 Euro statt 1250 Euro.
Eufy hat bereits beim X10 Pro Omni (Testbericht) bewiesen, dass man sich nicht scheut, bei der Form der Roboter andere Wege zu gehen. Während der Hersteller dort auf eine abgerundete D-Form setzt, verwendet das Unternehmen beim S1 Pro nun eher eine abgerundete Quadrat-Form, also einen Mittelweg aus rund und eckig. Wie schon beim X10 verzichtet Eufy auch beim S1 Pro auf einen externen Laserturm, sondern verfrachtet die Lidar-Technologie (Light Detection and Ranging) nach innen, sodass der Roboter niedriger als 10 Zentimeter ist. Superflach ist das trotzdem nicht, vor gar nicht langer Zeit war das die normale Höhe für Modelle mit Turm. Nachteil zudem: Statt Rundumsicht mittels oben aufgesetztem, drehendem Laser verfügt auch der S1 Pro nur über ein knapp 180 Grad großes Blickfeld.
Ansonsten setzt Eufy auf eine elegante Mischung aus glänzendem und mattem Kunststoff, dessen Verarbeitung und Qualitätsanmutung trotzdem sehr hochwertig ist. Unterstützt wird dieser Eindruck von mehreren LEDs, die teils im Betrieb langsam pulsieren – das wirkt futuristisch und modern. Die generelle Formgebung erinnert uns an einen Kiesel, der seit Jahrmillionen in einem Bach liegt: Der S1 Pro hat nirgends harte Kanten oder Ecken, er ist überall rundgelutscht und wirkt dadurch organischer als andere Roboter. Damit hebt er sich deutlich von den meisten Konkurrenzprodukten ab. Die Oberseite wird magnetisch gehalten und verdeckt den herausnehmbaren Staubbehälter sowie einen mechanischen Power-Schiebeschalter, Reset- und WLAN-Knopf. Außerdem lässt sich über das Drücken zweier mechanischer Schalter der hinten angebrachte Abwassertank zur Reinigung abnehmen.
Unten bietet sich dem Betrachter eine Überraschung. Entgegen der Konkurrenz, die zum Wischen normalerweise mit zwei drehenden Mopps oder einem vibrierenden Wischtuch ausgestattet ist, setzt Eufy auf eine drehende Wischrolle wie in einem Saugwischer (Bestenliste). Wie dort wird die Rolle zudem aus dem Frischwassertank des Roboters während der Fahrt ständig mit sauberem Wasser versorgt und gereinigt, während das Schmutzwasser in einem weiteren Tank im Roboter aufgefangen wird. Beim Befahren von Teppich wird die Rolle 1,2 Zentimeter angehoben. Vorn gibt es eine deutlich schmalere Saugbürste, die aus gedrehten Gummilamellen besteht, überdies je eine Seitenbürste links und rechts.
Die Station fällt mit ihrer schmalen, aber hohen Bauweise ebenfalls direkt ins Auge. Eufy bewirbt sie hochtrabend als "erste 10-in-1-Station" und verweist auf die gute Bedienbarkeit über das oben platzierte Touchdisplay. Das könne ohne Bücken erreicht werden und erlaubt eine rudimentäre Bedienung (Start/Stopp, zurück zur Station und Wechsel von Saugen zu Saugen und Wischen). 10-in-1 halten wir dann doch für etwas übertrieben und ganz ohne Bücken klappt auch nur bis zu einer Körpergröße bis vielleicht 1,70 Meter. Dennoch sind Station und Bedien-Panel praktisch, zumal dort auch immer angezeigt wird, was der Roboter gerade macht. Die Station saugt nicht nur den Schmutz aus dem Staubbehälter des Roboters ab, sondern reinigt auch die Wischwalze und trocknet sie nach dem Reinigungsvorgang mit warmer Luft. Dabei wird die Walze mehrfach stückweise gedreht, um sie von allen Seiten zu trocknen. Praktisch: Die Schale, in der die Wischrolle des Roboters in der Station gereinigt wird, kann zur Reinigung komplett entnommen werden.
Wie bei eigentlich allen aktuellen Saugrobotern ist die Einbindung in die App des Herstellers extrem einfach: App herunterladen, kostenlosen Account einrichten oder einloggen und den Anweisungen folgen. Die App selbst ist recht übersichtlich. Das liegt einerseits an Design und Aufbau, andererseits daran, dass der Nutzer etwas weniger Einstellungsmöglichkeiten als bei Top-Konkurrenten wie Dreame oder Roborock hat. Das merkt man aber in erster Linie im Detail. Bedeutet: Funktionen wie Teppichboost, Zeitpläne, Raumaufteilung und vieles mehr sind da, manche zusätzliche Spielereien sucht man aber vergeblich. So fährt der Roboter dank internem Frisch- und Abwassertank lange ohne Zwischenstopp an der Station, bei uns saugte er erst nach gereinigten 45 m² den Staubbehälter aus. Kurze Zeit später fuhr er dann doch zum Reinigen der Rolle und zum Füllen und Leeren der internen Tanks erneut in die Station – wer etwas anderes möchte, hat Pech gehabt.
3D-Objekterkennung ist bei Saugrobotern ein eher neues Feature. Da verwundert es auch nicht, dass selbst Topmarken wie Roborock oder Dreame zwar gute, aber nach wie vor keine perfekte Objekterkennung bieten können. Entsprechend würden wohl nur die wenigsten Nutzer eine perfekte Objekterkennung bei kleineren Unternehmen erwarten – und sich dabei irren. Denn Eufy hat uns bei der 3D-Erkennung bereits beim X10 Pro Omni (Testbericht) positiv überrascht. Das ist auch beim S1 Pro nicht anders. Der Hersteller setzt hier auf eine Kombination seiner True Course Mapping genannten Lidar-Technik für die Navigation und 3D Matrix Eye. Dabei handelt es sich um einen KI-Algorithmus, der 8 Mal pro Sekunde mittels Infrarot- und RGB-Kamera Bilder der Umgebung vor dem Roboter aufnimmt und auswertet.
Dass der Robo dabei „menschliches Sehen, Denken und Handeln“ imitieren soll, ist natürlich Marketing-Sprech und schamlos übertrieben, schließlich kann der Roboter nicht selbst denken und Entscheidungen treffen, sondern wurde vorab entsprechend programmiert. Das aber gut, denn im Test überzeugte uns der S1 Pro mit fehlerfreier Objekterkennung bei Hindernissen wie Socken, Hausschuhen, Kabeln oder Katzenspielzeug. Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten erkannte der Eufy-Roboter immer wieder vor ihm drapierte Störungen fehlerfei und umfuhr sie, ohne sie noch einmal zu berührten – beeindruckend.
Die eigentliche Navigation ist gut, festgefahren hat sich der Roboter im Test nicht. Dabei hat er sich auch nur selten um sich selbst drehen müssen, obwohl der Bot nur vor sich „sehen“ kann. Beim X10 Pro Omni (Testbericht) gibt es solche Pirouetten häufiger. Im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbern fährt der Eufy S1 Pro zuerst die Mitte der Räume ab und am Schluss die Ränder. Auch Teppiche werden nicht immer in einem Rutsch, sondern teils erst nach dem Hartboden gesaugt. Da auch zuvor schon einzelne Überquerungen der Auslegeware vorkommen, wirkt das manchmal etwas unstrukturiert.
Das Abfahren der Räume funktioniert generell erstaunlich schnell, sofern nicht zu viele Hindernisse auftauchen, schafft der S1 Pro fast 1 m² pro Minute – ein sehr guter Wert für Modelle mit Objekterkennung. Insgesamt schaffte der Roboter die rund 140 m² (brutto) des Testhaushalts in etwa 2 Stunden, das ist ebenfalls sehr fix. Allerdings kam es dabei zu Unregelmäßigkeiten, die an der Software des Geräts liegen dürften. Denn in der Voreinstellung steht die „Empfindlichkeit der Höhenerkennung“ auf „Sicherheitsmodus“, wodurch der S1 Pro nicht unter einige Möbel fahren wollte. Außerdem wurde der Bot von Bodenfliesen in Holzoptik aus der Bahn geworfen, woraufhin die Fahrweise in diesem Bereich völlig unstrukturiert war und auch ein Bereich in der Mitte des Raumes gar nicht befahren wurde – seltsam. Beim nächsten Durchgang setzten wir die Höhenerkennung auf den „freien Modus“ und deaktivierten den „Modus für weniger Kollisionen mit kleinen Objekten“. Letzteres brachte tatsächlich die Lösung für das Dekor-Problem, verschlechterte aber auch die Objekterkennung, das ist etwas unbefriedigend. Mit der geänderten Höhenerkennung unterfuhr der Sauger auch niedrigere Möbel.
Die Reinigungskraft beim Saugen hat uns vor allem bei Hartboden überzeugt. Hier liegt der Eufy-Sauger auf Augenhöhe mit der Top-Konkurrenz. Etwas dahinter scheint er auf Teppich zu sein, denn mit Dingen wie eingetretenen Flusen hat er dann doch seine Probleme. Das macht zwar auch die Konkurrenz nicht perfekt, aber bisweilen besser. Etwas enttäuschend ist die Wischleistung. Der S1 Pro schafft breite, strukturierte und deckend feuchte Wischbahnen, lediglich die Seitenbürsten hinterlassen in der Nachbarbahn minimale Spuren. Das sieht alles toll aus, aber wenn es um das Lösen von Flecken geht, hat uns der Roboter nicht vollends überzeugt. Selbst eingetrocknete Kaffeeflecken, die wir als realistisches und machbares Szenario für einen guten Wischroboter ansehen, entfernt der S1 Pro nicht immer komplett mit einem Durchgang. Gute Modelle von Dreame und Roborock machen das besser. Das ist zwar kein schlechtes Ergebnis, in Anbetracht der Tatsache, dass Wischen eigentlich bei dem betriebenen Aufwand von Eufy mit Frisch- und Abwassertank die Paradedisziplin sein müsste, haben wir hier mehr erwartet.
Zudem sind uns zwei Dinge aufgefallen, die wir so auch nicht von Saug- und Wischrobotern kennen. Einerseits bleibt immer etwas Wasser im Abwassertank zurück, sodass der am besten regelmäßig gereinigt werden sollte. Außerdem läuft der Wassertank des Roboters aus, wenn man ihn auf den Rücken legt. Zwar ist das kein typisches Alltagsszenario, kann aber beim Wechsel von Wisch- oder Saugrolle durchaus vorkommen.
Der Akku ist ordentlich dimensioniert. Nach den 140 m² (brutto) des Testhaushalts lag er noch bei etwa 30 Prozent. Bei noch größeren Flächen lädt der Roboter zwischen und setzt die Reinigung dann später fort.
Bei satten 1499 Euro liegt die von Eufy für sein Topmodell S1 Pro aufgerufene UVP, das ist ein stolzer Preis. Während zwischenzeitlich Drittanbieter günstiger waren, bietet jetzt Eufy selbst den günstigsten Preis für das Modell an: Aktuell kostet er dank dem 550-Euro-Rabattcoupon WS24T2080G11 noch 949 Euro statt 1250 Euro.
Eufy überrascht mit dem S1 Pro in mehrfacher Hinsicht. Einerseits technisch. Denn mit desinfiziertem Frischwasser, toller Objekterkennung und vor allem der Wischsauger-ähnlichen, anhebbaren Wischrolle des Saugers mit Frisch- und Abwassertank bringt das Modell gleich zwei Dinge mit, die die meisten Konkurrenten nicht haben. Allerdings überrascht der S1 Pro auch mit einem enorm hohen Preis, der auf Augenhöhe mit der Saugroboter-Elite von Dreame und Roborock liegt.
Das Problem dabei: Das bakterienfreie Wasser ist für die meisten Interessenten kein Killerkriterium und die tolle Wischrolle bringt leider weit weniger als erhofft. So bleibt unterm Strich ein guter, aber viel zu teurer Saug- und Wischroboter, dem zudem auch noch die neuesten Features der Konkurrenz wie ausfahrbare Seitenbürste und ausfahrbarer Wischmopp für randloses Saugen und Wischen fehlt. Für die 1250 Euro zum Testzeitpunkt würden wir eher zu den Topmodellen der Konkurrenz greifen: Den Roborock S8 MaxV Ultra (Testbericht) gibt es fast zum gleichen Preis, der Dreame X40 Ultra (Testbericht) wird in etwa zur UVP des Eufy-Modells gehandelt.
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