Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Ein guter Saugroboter muss heute ordentlich saugen und wischen können und dank Reinigungsstation möglichst autark sein. Das alles kann der Yeedi Cube – und kostet dabei nur 700 Euro!
Zwar gibt es nach wie vor einfache Saugroboter, die lediglich einen feuchten Lappen unter sich herschleifen und somit eher Staubwischen als wirklich sauberzumachen – die sind dann normalerweise entsprechend günstig zu haben. Und es gibt die absoluten Reinigungsmonster wie Dreame L20 Ultra (Testbericht) und Roborock S8 Pro Ultra (Testbericht), die das Wischtuch (oder die beiden drehenden Mopps) anheben können, selbstständig die Wischutensilien reinigen und anschließend trocknen können. Die sind zwar derzeit das Nonplusultra in Sachen Eigenständigkeit, kosten dafür aber auch deutlich jenseits der 1000 Euro. Yeedi geht da einen anderen Weg und will zwar mehr oder weniger das bieten, was die Spitzenkonkurrenz liefert – aber zum halben Preis. Ob und wie das geht, klären wir im Test.
Yeedi erfindet den Saugroboter nicht neu – könnte man beim ersten Blick auf den runden, überwiegend weißen Korpus mit schwarzen Akzenten meinen. Tatsächlich unterscheidet sich der Roboter des Cube (wann wird Yeedi Roboter und Station endlich mal sinnvolle Namen geben…?! Das war schon bei der Mop Station und der Floor 3 Station völliger Unsinn!) dann aber doch in einem wichtigen Detail von allen anderen Robotern: Er trägt auf der Oberseite einen 1 Liter fassenden Frischwassertank, der fast die komplette Oberseite einnimmt. Ebenfalls anders und noch dazu verdammt praktisch: Der Tank hat einen großen Haltegriff, über den man entweder nach dem Entriegeln von einem Haltemechanismus per Knopf den Tank entnehmen oder ansonsten den ganzen Roboter bequem transportieren kann. Auch das bietet in dieser Form kein anderer Saugroboter.
Und noch etwas macht Yeedi anders als der Rest: Die Absaug- und Reinigungsstation ist zwar recht breit, aber erstaunlich niedrig. Sie wirkt daher sehr kompakt und ist so flexibler bei der Aufstellung, etwa unter einer Treppe. Der Name Cube – also englisch für Würfel – ist entsprechend durchaus nachvollziehbar. Möglich macht auch das der große Frischwassertank im Roboter – so braucht der nämlich keinen Platz mehr in der Station. Kleiner Wermutstropfen: Kabelmanagement gibt es bei der Station nicht und der Roboter an sich ist ziemlich hoch geworden.
Die Einrichtung in die App ist wie gewohnt mit wenigen Klicks erledigt, anschließend geht es an das typische Herunterladen von Firmware-Updates, die Einstellung der Sprache und einige andere Kleinigkeiten. Die App gestaltet sich dabei gewohnt übersichtlich und bietet alles, was man von der Konkurrenz auch gewohnt ist. Da Yeedi wieder auf Lidar, also einen rotierenden Laserturm zum exakten Vermessen der Umgebung, verzichtet, ist die dargestellte Karte insgesamt etwas gröber. Außerdem auffällig: Es gibt zwar einen Nur-Saugen-Modus, nur Wischen geht aber nicht.
Bevor alle Features wie etwa eine vom Nutzerbestimmbare Reihenfolge beim Reinigen der Räume verfügbar sind, muss der Roboter erst eine Karte erstellen. Während das bei Lidar-Robotern entweder durch kurzes Einfahren in die einzelnen Räume gegessen oder sogar gar nicht gesondert nötig ist, verlangt der/die/das Yeedi Cube zwingend eine gesonderte Erkundungsfahrt. Wobei das eine ziemliche Untertreibung ist. Denn er fährt damit wie beim späteren Reinigen jeden Raum komplett Bahn für Bahn ab, entsprechend dauert das je nach Größe des zu reinigenden Areals enorm lang für eine „Erkundungsfahrt“. Immerhin saugt er dabei auch gleich, Wischen ist aber deaktiviert. Sehr gut gefallen hat uns übrigens die automatische Raumerkennung, die bei wenigen Saugroboter-Modellen so gut wie beim Yeedi Cube funktioniert.
Die Navigation ohne Lidar oben in einem rotierenden Turm ist insgesamt trotzdem gut. Möglich macht das eine Mischung aus Kamera und ToF-Sensor (Time of Flight), die Yeedi Fusion-Navigationssystem nennt. Von der bereits angesprochenen sehr langsamen „Erkundungstour“ des Yeedi Cube abgesehen zeigen sich im Alltag insgesamt kaum Unterschiede zu Lasernavigation. Der Roboter findet sich gut in seiner Umgebung zurecht, rumpelt zwar anfangs bisweilen etwas hart gegen Möbel, das ist aber eher selten und bessert sich nach einigen Durchgängen zudem weiter. Im Gegensatz zu früheren, rein kamerabasierten Robotern, wird die Navigation auch bei schlechterem Licht nicht gleich unmöglich. Ungenauer wird sie aber auch beim Yeedi Cube.
Etwas seltsam war bei uns eher der Umstand, dass der Roboter sich an einer Stelle schwertat, eine harte Teppichkante zu überwinden und stattdessen immer wieder die gleichen, nicht zum Erfolg führenden Drehungen vollführte – das haben wir bislang selten bei Robotern gehabt. Dieses Problem trat aber nur ein Mal auf. Ansonsten hingegen funktioniert die Saugleistungsanhebung auf Teppich sehr zuverlässig und ausreichend schnell. Auffällig ist das kurze Stoppen des Robots, wenn er Teppich befährt und wieder verlässt. Den Vorteil übrigens, den Roboter ohne Laserturm sonst immer hatten – nämlich die geringere Höhe – gibt es beim Yeedi Cube übrigens kaum. Er ist aufgrund des Wassertanks, den er Huckepack herumschleppt, nur wenige Millimeter niedriger. Eine 3D-Objekterkennung gibt es nicht, das zu reinigende Areal sollte daher vor der Arbeit des Roboters gut aufgeräumt und „robotersicher“ gemacht sein.
Die Reinigungsleistung hat uns im Test überzeugt – sowohl beim Saugen als auch beim Wischen. Beim Saugen verlässt sich der Yeedi Cube auf zwei Seitenbürsten und eine Hauptbürste, die aus Gummilamellen und Borstenreihen besteht. Zusammen mit 5100 Pa saugte der Roboter im Automatikmodus ziemlich gut und kommt auf Teppich recht ordentlich mit Tierhaaren zurecht. Auf höchster Saugleistung ist der Bot dann natürlich ziemlich laut, ansonsten aber ähnlich wie die Konkurrenz. Ebenfalls sehr laut ist die Absaugstation, dafür braucht sie nur 10 Sekunden für einen Absaugevorgang. In dieser Zeit saugt sie mit 27.000 Pa Schmutz aus dem Staubbehälter des Roboters rückstandslos in den Staubbeutel der Reinigungsstation.
Soll gewischt werden, setzt der Yeedi Cube auf eine anhebbare Wischplatte, auf der ähnlich wie bei Roborock auf Hartboden ein Wischtuch bis zu 2400 Mal pro Minute vibriert. Die Wischleistung hat uns damit gut gefallen, leichter bis mittlerer Schmutz ist damit zu bewältigen. Wie immer gilt aber auch hier: Wer eingetrockneten Schmutz oder große Mengen Dreck mit einem Wischroboter angehen will, hat eine falsche Erwartungshaltung. Das gilt nicht zuletzt, weil der Wischlappen des Yeedi Cube natürlich im Vergleich zum händischen Schrubben relativ wenig Druck ausüben kann, außerdem nimmt er nur eine begrenzte Menge an Schmutz auf, bis er quasi gesättigt ist. Das ist bei der Konkurrenz nicht anders. Zudem darf der Nutzer beim Yeedi Cube nur eine zeitliche Häufigkeit der Zwischenreinigung einstellen – alle 5, 10 oder 15 Minuten. Eine Erkennung des Verschmutzungsgrads oder wenigstens eine Flächenangabe wäre hilfreich gewesen.
So oder so fährt der Bot dann zur Station zurück und reinigt das Wischtuch. Dazu verwendet er Frischwasser aus dem großen Tank des Roboters und schrubbt mit einer Art „Waschbrett“ das Wischtuch mit seitlichen Bewegungen. Das geschieht mit solcher Vehemenz, dass der Roboter in der Station sichtbar im Halbsekundentakt hin- und hergeschüttelt wird. Das Schmutzwasser wird anschließend abgesaugt. Nach vollendetem Wischdurchgang trocknet die Station des Yeedi Cube (also eigentlich der Cube, aber in der App heißt sie "Omni-Station") den Wischmopp mit 40 Grad warmer Luft – je nach Nutzerwunsch 3 oder 5 Stunden lang. Damit wird effektiv Schimmelbildung durch zu langsames Trocknen verhindert, bei uns war der Lappen nach 3 Stunden trocken. Reinigung, aber auch das Trocknen ist recht laut – in Wohn- oder gar Schlafzimmer sollte der Yeedi Cube sicherlich nicht stehen.
Mit einer Akkuleistung arbeitet der Yeedi Cube nach Herstellerangabe bis zu 3 Stunden am Stück, danach lädt er bis zu 6 Stunden zwischen und setzt dann seine Arbeit automatisch fort. Im Test schaffte er gut 120 Quadratmeter Zimmerfläche in etwa 2 Stunden – das ist ein ordentlicher Wert. Wer ständig auf hoher Saugstufe saugt, sehr verwinkelte Grundrisse hat oder immer nachts reinigen lassen will, sollte mehr Zeit einplanen.
Der Yeedi Cube kostet in der UVP des Herstellers knapp 700 Euro, der Straßenpreis ist derzeit nicht viel niedriger. Eine Ausnahme bietet Amazon: Mit Coupon (einfach anhaken) kostet das Modell unschlagbare 550 Euro!
Die erste Mop Station von Yeedi (Testbericht) hatte gute Ansätze, war aber insgesamt alles andere als frei von Fehlern. Die Floor 3 Station (Testbericht) war vom Leistungs- und Feature-Angebot her kaum mehr, als eine Mop Station, die aber endlich wie versprochen funktioniert. Mit dem Yeedi Cube hingegen bringt der Hersteller ein Gerät auf den Markt, der richtig gut und dabei auch noch „günstig“ ist. Klar – 700 Euro ist eine ganze Menge Geld, aber mit einer Gesamtleistung, die nicht viel schlechter als bei der Top-Konkurrenz wie Roborock, Dreame oder Ecovacs ist, aber nur dem halben Preis lautet der Preis-Leistungs-Sieger klar Yeedi.
Im Detail überzeugt der Yeedi Cube mit ordentlicher Navigation, die gut ist, aber nicht auf Spitzenniveau liegt und ohne 3D-Objekterkennung auskommen muss. Die Saugleistung ist sehr gut, die Wischleistung ebenfalls. Gut gefällt uns außerdem die App. Etwas gestört haben uns nur das hohe Geräuschniveau der Station bei Reinigung und vor allem Trocknung. Der Vorteil früherer Saugroboter ohne Laserturm, nämlich die geringe Bauhöhe, ist beim Yeedi Cube zudem nahezu überholt.
Wer Tests zu anderen Saug- und Wischrobotern sucht, wird in unserer Themenwelt Saugroboter fündig. Neben Tests geben wir hier zudem Tipps, was man beim Kauf eines Saugroboters beachten sollte (Ratgeber) und zeigen die 10 besten Saugroboter (Topliste).
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