Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Zaco punktete bei uns bisher mit eher einfachen Saugrobotern „Made in Germany“ und Support in Deutschland. Der M1S will nun auch technisch zur Elite aufschließen. Wir klären im Test, ob das gelingt.
Die Saugroboter-Modelle von Robovox, die ehemals unter der Marke iLife firmierten und inzwischen unter dem Brand Zaco verkauft werden, waren bislang eher einfach – zumindest die Modelle, die wir bislang im Test hatten. Unser Highlight war bislang der Zaco A11s Pro (Testbericht) mit aktiver Wischfunktion und Hinderniserkennung sowie Sterilisierung des Wischwassers. Ältere Modelle wie A10 (Testbericht) oder V6 (Testbericht) waren technisch deutlich einfacher, aber auch günstiger. Allen gemein ist der Support aus Deutschland, schließlich sitzt Robovox in Gelsenkirchen. Mit dem Zaco M1S will der Hersteller nun offensichtlich mehr als „nur“ Made in Germany als Prädikat haben und verpasst dem Saugroboter Lasernavigation, Wischwasser-Sterilisation, eine anhebbare Wischplatte zum Befahren von Teppich und eine Reinigungsstation mit Frisch- und Abwassertank. Reicht das, um zur Saugroboter-Elite aufzuschließen?
Am Design des Zaco M1S gibt es nichts auszusetzen. Der Hersteller wählt die weitverbreitete runde Form für sein Modell, das über eine Seitenbürste vorne rechts und einen stark nach hinten versetzen Laserturm auf der Oberseite setzt. Dabei kombiniert der Hersteller schickes Weiß mit einigen hellgrauen Akzenten, insgesamt sieht der Bot recht hochwertig aus. Ein Großteil der Oberseite kann hochgeklappt werden, darunter verbirgt sich der Staubbehälter des Roboters. Der einfache Zugang ist durchaus sinnvoll, schließlich muss der Nutzer den Behälter ab und an händisch leeren. Denn obwohl der M1S eine Reinigungsstation für das Wischtuch des Roboters hat, fehlt ihr eine Absaugstation für den aufgesaugten Staub.
Apropos Reinigungsstation: Optisch erinnert die aufgrund ihrer starken Abrundungen an den Narwal Freo (Testbericht), dessen Station ebenfalls ohne Absaugstation daherkommt. Beide Modelle sind insgesamt nicht übermäßig hoch, wirken aber wegen ihrer Bauchigkeit doch recht präsent. Was der Station des M1S fehlt, ist ein Kabelmanagement. Dafür gibt es zwei Tasten oben am Gerät, um den Roboter zur Arbeit zu schicken oder zurück zur Station zu beordern.
Die grundsätzliche Inbetriebnahme samt Verbindungsaufbau zur Smartphone-App ist schnell und einfach vollzogen. Dabei muss man allerdings „kompromissbereit“ sein und außerdem etwas wissen, was die App nicht verrät – beides ist nicht gerade optimal. „Fünfe gerade sein lassen“ müssen Nutzer, die sich gern wörtlich an die Anweisungen in der App halten. So behauptet die App etwa, dass zum Zurücksetzen der Netzwerkoption (was zum neuen Verbinden zwingend nötig ist) 3 Sekunden lang die beiden oberen Tasten am Roboter gedrückt werden sollen, bis die entsprechende Sprachaussage ertönt. Anschließend blinkt das Licht angeblich weiß – beides stimmt aber nicht ganz. Denn die Tasten müssen deutlich länger gedrückt gehalten werden und das Licht blinkt anschließend orange. Geschenkt. Deutlich schlimmer ist es allerdings, dass die App kein Wort darüber verliert, dass der Roboter (im Gegensatz zur Konkurrenz!) für die Verbindungsaufnahme nicht in der Station stehen darf. Zum Glück konnte der Telefonservice bei unserem Testanruf mit entsprechendem Wissen glänzen. Danach klappte die Verbindungsaufnahme mit der Zaco-Home-App direkt, sofern man ein reines 2,4-GHz-WLAN-Netzwerk verwendet. Wir finden das wenig nachvollziehbar, im Jahr 2024 sollten technische Produkte zumindest mit gemischten Netzwerken klarkommen. Der Großteil der Konkurrenz schafft das schließlich auch.
Die App bietet so gut wie alle typischen Features, die die Konkurrenz auch hat. Dazu gehört etwa die automatische Erstellung von Räumen und das Einrichten von Sperrzonen oder Zeitplänen. Auch eine automatische Teppicherkennung samt Erhöhung der Saugleistung ist vorhanden, außerdem hebt der Roboter auf Auslegeware automatisch das Wischtuch um 0,8 Zentimeter an. Zumindest niedrigflorige Teppiche werden so nicht feucht. Die Teppiche werden sogar in der Reinigungskarte eingetragen – sehr gut!
Vor der ersten Reinigung startet der Roboter einen Karten-Lernmodus, bei dem er grob durch die Bereiche der zu reinigenden Flächen fährt und dabei sehr leise ist. Auch hier geht Zaco einen eigenen Weg, die meisten Konkurrenzmodelle mit Laser verlangen keine gesonderte erste Fahrt. Nach dieser einmaligen Orientierungsfahrt unterteilt die App einzelne Räume, erst dann folgt nach Wunsch des Herstellers die eigentliche Reinigung. Insgesamt ist die App umfangreich, ansprechend und dabei trotzdem übersichtlich. Allerdings gibt es einige unklare Übersetzungen und einige wenige Abschnitte, die trotz deutscher Lokalisation auf Englisch verblieben.
Die Navigation hat uns im Test insgesamt sehr gut gefallen, aber es gibt – je nach Sichtweise - auch Negativpunkte. So ist die grundsätzliche Navigation sehr strukturiert und der Roboter bugsiert sich selbst in engste Stellen und normalerweise auch wieder heraus. Dabei hilft ihm einerseits seine erstaunlich hohe Kletterfähigkeit, im Test überfuhr der M1S sogar teilweise rund 2,5 Zentimeter hohe Gestelle von Schwingstühlen. Zusätzlich ist er enorm ausdauernd bei dem Versuch, sich aus schwierigen Situationen zu befreien. Bei freier Fahrt geht er hingegen grundsätzlich eher defensiv mit Möbeln um – sehr schön.
Seine Hartnäckigkeit wird ihm aber gelegentlich auch mal zum Verhängnis. Bei den bereits angesprochenen Schwingstühlen vergingen auch mal gute 5 bis 10 Minuten, während der Sauger sich immer wieder mit der mehr oder weniger gleichen (erfolglosen) Fahrbewegung freizufahren versuchte. Tatsächlich klappte das nach endlosen Minuten dann doch noch, währenddessen hatten wir aber durchaus etwas Sorge um die Möbel und waren von der Geräuschkulisse genervt. Hier wäre es vielleicht doch sinnvoll, nach 1 oder 2 Minuten ohne Vorankommen nach menschlicher Hilfe zu rufen. Bei etwas weniger Steigfähigkeit (oder mehr) wäre es ebenfalls nicht zu diesem Problem gekommen. Andererseits: Letztendlich zahlte sich die Hartnäckigkeit ja doch aus…
Beim Wischen hebt der Zaco M1S sehr zeitig das Wischtuch beim Befahren von Teppich an uns senkt es danach auf Hartboden genauso schnell wieder. Das machen manche Konkurrenten durchaus schlechter. Beim Wischen selbst sieht man eine kurze Vor- und Zurückbewegung der Wischplatte, die so manuelles Schrubben simuliert. Das geschieht etwa 3 oder 4x pro Sekunde, zumindest in voller Fahrt. Nach 10 Quadratmetern Wischfläche fährt der Sauger selbstständig zurück zur Reinigungsstation, wo er aus dem 4 Liter großen Frischwassertank Wasser zum Reinigen und Befeuchten des Wischlappens verwendet. Das Abwasser wird im ebenso großen Abwassertank gebunkert. Vor der ersten Reinigung des Tuchs zu Beginn der Arbeit sterilisiert der M1S das Wischwasser zudem per Elektrolyse, wodurch das Wasser fast vollständig keimfrei sein soll. Bislang können das nur wenige Modelle.
Während des Reinigungsvorgangs des Wischtuches, bei dem der Zaco M1S alles andere als zart zur Sache geht, wird der Roboter in der Station regelrecht hin- und hergeworfen – ganz so wie beim Yeedi Cube (Testbericht). Das Ergebnis spricht für sich, danach ist das Tuch wieder sauber und bereit für die weitere Reinigung. Übrigens trocknet der Sauger das Wischtuch nach der kompletten Reinigung mit warmer Luft. Das verhindert Schimmel und schlechte Gerüche durch zu langsames Trocknen – klasse! Die Geräuschkulisse während der Trocknung ist zu hoch für Schlaf- oder Wohnzimmer, im Flur sollten die meisten Nutzer damit aber leben können.
Einzige Wermutstropfen: Beim Schrubben des Tuches quietschte unser Testmodell schon nach wenigen Durchgängen, ohne jedoch anderweitige Probleme zu machen. Außerdem dürfen weder die 10 Quadratmeter Reinigungsfläche zwischen Reinigungen des Tuches noch die Trocknungszeit angepasst werden. Schade außerdem, dass die Station keine Absaugvorrichtung bietet. Der 450 ml große Staubbehälter im Roboter muss daher regelmäßig manuell entleert werden. Einen internen Wassertank gibt es im Roboter nicht, daher darf auch die Wassermenge, die er zum Wischen verwendet, nicht variiert werden.
Bei der Reinigungsleistung punktet der Zaco MS1 insgesamt trotzdem. Beim Saugen mit angegeben 3200 Pa bezieht sich das in erster Linie auf Hartboden und kurzflorigen Teppich, hier kann der MS1 durchaus mit der Sauger-Elite mithalten. Auf höheren Teppichen sieht das etwas anders aus, hier wird der Abstand größer. Die Reinigungsqualität reicht aber zweifelsfrei aus, wenn der Saugroboter – wie eigentlich gedacht – regelmäßig fährt.
Beim Wischen gibt es eigentlich kaum Kritikpunkte. Wie bereits angedeutet, gibt es keinen internen Wassertank, sodass die Wassermenge nicht angepasst werden darf. Zaco nutzt hier aber eine unserer Meinung nach gute Menge – genug, um ein starkes Reinigungsergebnis zu erzielen, aber zu wenig, um teurem Holzboden zu schaden. Ein anderer Kritikpunkt betrifft den Wischabstand zu Wänden und Möbeln. Hier lässt der Zaco M1S einen fast 10 Zentimeter breiten Streifen aus, die Konkurrenz geht hier klar näher an Hindernisse heran. Modelle wie der Dreame L20 Ultra (Testbericht) bieten dafür sogar einen seitlich ausfahrbaren Mopp. Ansonsten überzeugt das Wischergebnis des M1S auf ganzer Linie – auch bei der Entfernung eingetrockneter Flecken.
Der Akku des Zaco M1S bietet 5200 mAh, der Hersteller verspricht damit eine Reinigungszeit von bis zu 3,25 Stunden. Das ist im Alltag wie bei der Konkurrenz auch deutlich zu hoch gegriffen. Tatsächlich war im Test eine Fahrtdauer von eher 1,5 Stunden mit Hart- und Teppichboden realistisch – trotzdem ein guter Wert. Zusammen mit der Tatsache, dass der Roboter nach einer rund 5-stündigen Ladeunterbrechung selbstständig seine Reinigungsaufgabe fortsetzt, lassen ihn auch für größere Flächen jenseits der 100 Quadratmeter geeignet erscheinen.
Die UVP des Zaco M1S lag ursprünglich bei knapp 800 Euro, er kostete zum Testzeitpunkt rund 675 Euro, war aber auch schon für unter 600 Euro zu bekommen. Es gibt nur eine weiße Version.
Der Zaco M1S sieht gefällig aus, bietet eine ordentliche App und liefert gute (Reinigungs)Arbeit ab. Seine Stärke ist das Wischen, das erledigt er richtig gut und dank Wischtuchtrocknung und sterilisiertem Wasser sehr hygienisch. Saugen kann er auch, zumindest auf Hartboden ist das richtig gut und auf flachen Teppichen ordentlich. Erst mit höherer Auslegeware hat er dann aber wie die meisten Konkurrenten seine Schwierigkeiten, die er aber – sofern der Teppich nicht zu tief wird – durch regelmäßiges Fahren ausgleichen kann. 3D-Hinderniserkennung und eine automatische Absaugung fehlen, vermisst haben wir aber nur Letzteres. Der M1S ist in unseren Augen genau das richtige Modell, wenn Wischen wichtiger als Saugen ist. Mit rund 700 Euro ist der MS1 zwar kein Schnäppchen, aber sehr solide.
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