Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Wischsauger reinigen selbstständig die Wischrolle, die Trocknung übernimmt aber die Zeit. Beim Jashen F16 wird das deutlich beschleunigt, das Modell kommt mit Trocknungsfunktion und mehr.
Akku-Saugwischer sind zwar noch weitestgehend unbekannt, aber extrem hilfreich. Denn wer „mal eben schnell“ durchwischen oder ein verschüttetes Malheur feucht entfernen will, muss nicht mehr Eimer, Wischlappen und Schrubber bemühen, sondern wischt auf Knopfdruck. Ganz von allein und dadurch noch einfacher geht das nur mit dedizierten Wischrobotern wie dem sehr guten Dreame Bot W10 (Testbericht). Dafür ist man mit einem Wischsauger schneller, das Tempo bestimmt in erster Linie der eigene Einsatz.
Vermutlich noch unbekannter als Wischsauger dürfte in Deutschland der chinesische Hersteller Jashen sein. Der kurz F16 benannte Akku-Saugwischer des Herstellers bietet neben den typischen, teilweise oben beschriebenen Vorteilen eines Wischsaugers zwei Highlights: Einen Zweitakku zum Wechseln im Lieferumfang und eine Trocknungsfunktion, die Geruchsbildung vorbeugt und das Gerät hygienischer als die Konkurrenz machen soll. Wir haben das im Test überprüft.
Der Saugwischer selbst muss noch durch Einstecken des Griffs komplettiert werden, anders hätte er nicht in den Lieferkarton gepasst. Hinzu kommt die typische Lade- und Selbstreinigungsschale, in der der Wischsauger nach Gebrauch aufrecht steht. Als Dreingaben gibt es einen Zweitakku, Reinigungsflüssigkeit und eine Reinigungsbürste, die wie eine Flaschenbürste geformt ist.
An die Ladestation lässt sich eine Aufbewahrungs- und Ladeschale für den Zweitakku andocken, außerdem eine „Halterung“ für die Bürste. Letztere Aufnahme ist aber für ihre Funktion völlig ungeeignet, weshalb die Bürste vermutlich früher oder später verloren gehen wird. Schade, denn neben Bürstenfunktion beherbergt sie im Inneren des Griffs noch Werkzeug zur Haarentfernung.
Hersteller Jashen entscheidet sich für fast ausschließlich schwarzen Kunststoff beim F16, der lediglich oben um die Akkus herum und unten an der Rollenbürste durch blau eloxierte Akzente aufgelockert wird. Zudem ist die Innenseite des Handgriffes im gleichen Hellgrau ausgeführt, wie die Hersteller-Schriftzüge sowie die Funktionsbeschriftungen auf den Bedienknöpfen des Gerätes. Beim grundsätzlichen Aufbau sowie bei der Form des Handgriffs wählt Jashen das gleiche Design wie fast alle Konkurrenzprodukte, darunter etwa Dreame H11 Max (Testbericht) oder Tineco Floor One S3 (Testbericht). Im Gegensatz zum H11 Max ist der Korpus aber weniger monolithisch, stattdessen wird das Gehäuse mit integriertem Frisch- (800 ml) und Abwassertank (600 ml) in der Mitte dicker.
Der restliche Aufbau ist weitestgehend gleich: Die Tanks werden nach vorn entnommen und verfügen dafür über die gleichen Mechanismen wie die Konkurrenz, zudem sind die Tanks mit Sieb und Filter ausgestattet, damit das Innenleben des Wischsaugers nicht beschädigt wird.
Ein wichtiger Unterschied betrifft den Akku: Er bildet mit dem wie bei den Wettbewerbern nach oben gerichteten Display eine Einheit und lässt sich mit einem Knopfdruck tauschen. Bei der Konkurrenz sind die Akkupacks fest eingebaut. Zwar dürfte ein Ersatzakku wegen des integrierten Displays teuer sein, aber immerhin ist ein Wechsel bei einem Defekt oder altersbedingter Ermüdung möglich. Die Verarbeitungsqualität bietet trotz der fast ausschließlichen Verwendung von Kunststoff keinen Grund zur Beanstandung.
Wie die anderen bislang von uns getesteten Akku-Wischsauger abgesehen vom Roborock Dyad (Testbericht) steht auch der Jashen F16 von allein, sobald man einen kleinen Widerstand im unteren Saugkopf-Gelenk überwunden hat und das Gerät aufrecht ausrichtet. Die Rolle, die beim Wischen durch ihre Drehbewegung für leichten Vorwärtsdrang sorgt, steht dann still. Nachdem der Saugmotor kurz deutlich hörbar sie Leistung erhöht, geht er aus und will anschließend erst wieder manuell aktiviert werden. Ein entsprechender Warnhinweis zum Abbruch des Wischvorgangs beim Aufstellen befindet sich in Form eines Aufklebers am Handgriff. Hinlegen darf man auch den Jashen F16 wie die Konkurrenzprodukte nicht, da Wasser auslaufen könnte.
Wer bislang nur einen Handwischer gewohnt war, wird sich anfangs über das etwas steife Handling des fast 5 kg schweren Akku-Wischmops wundern. Zudem kommt man mit dem F16 wegen des im Vergleich zum ansonsten vielleicht gewohnten Saugrohr eines Bodenstaubsaugers dicken Gehäuses kaum unter Möbel. Erschwerend kommt hinzu, dass der Bürstenkopf nur maximal 65 Grad angewinkelt werden kann und danach einfach den Kontakt zum Boden verliert. Sowohl Handlichkeit als auch die Einschränkung beim Wischen unter Möbeln ist derzeit allerdings allen Akku-Wischsaugern gemein und kann daher dem F16 nicht zum Vorwurf gemacht werden. Ebenfalls wie bei fast allen anderen Wischsaugern auf dem Markt: Die Wischrolle kommt wegen ihres Halterungsmechanismus nicht bis an den Rand. Stattdessen muss man mit einem trockenen (und ungewischten) Bereich von 1 bis 2 Zentimeter am Rand leben. Derzeit macht das nur der Roborock Dyad (Testbericht) mit seinen zwei Rollenreihen besser.
Die gesamte Bedienung des Jashen F16 ist mit den Modellen der Konkurrenz weitgehend identisch. Eine Sprachansage des Wischsaugers gibt es allerdings nicht, was wir auch nicht vermisst haben. Etwas mager ist das LCD ausgestattet. Es zeigt die verbleibende Akkuleistung nur in drei Schritten an, außerdem gibt es Anzeigen für die Bürstentrocknung, den Turbomodus, leeren Frisch- oder vollen Abwassertank sowie ein Fehlerhinweis bei Problemen mit der Wischrolle. Etwas erschreckend: Die Entnahme eines der beiden Tanks im laufenden Betrieb bemerkt der Wischsauger nicht – das kann schnell zu einer Sauerei führen.
Die Selbstreinigung nach dem Wischen funktioniert wie bei anderen Wischsaugern auf Knopfdruck. Dann spült der Jashen F16 die schmutzige Wischrolle mit Frischwasser in der Ladeschale durch. Das dauert rund 2 Minuten. Anschließend springt die Lufttrocknung der Rolle an. Zu hören ist ein konstantes Rauschen, was aufgrund seiner Frequenz nicht wirklich nervig ist, aber wegen der Lautstärke doch störend sein kann. Zu allem Überfluss startet diese rund 3 Stunden dauernde Prozedur auch dann, wenn der Wischsauger nur kurz ohne Gebrauch aus der Ladeschale gehoben und direkt wieder zurückgestellt wurde. Abbrechen lässt sich diese Funktion ebenfalls nicht – zieht man den Stecker und steckt ihn danach wieder ein, beginnt die Lüftung von vorn. Den Abwassertank sollte man nach einem gründlichen Wischdurchgang händisch ausspülen, um Geruchsbelästigung zu vermeiden.
Die Wischleistung des Jashen F16 bewegt sich auf dem Niveau der anderen bislang getesteten Wischsauger mit einer Wischrolle. Die verwendete Wassermenge ist dabei in Ordnung – man sieht einen deutlichen Feuchtigkeitsfilm, der aber schnell wieder abtrocknet und so auch auf empfindlichem Parkettboden keine Beschädigungen verursachen sollte. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, aktiviert den Turbo-Modus mit stärkerer Saugleistung. Auffällig ist vor allem die langsam hochtourende Wischrolle. Das erinnert an das Hochlaufen eines Triebwerks und es dauert über 15 Sekunden, bis die normale Umdrehungsgeschwindigkeit erreicht ist. Gewisse Parallelen zu einer Turbine ergeben sich auch bei der Lautstärke im Betrieb. Anfänglich bewegt die sich bei rund 66 Dezibel in 1 Meter Abstand, sie wächst im Normalbetrieb auf über 68 Dezibel an. Im Turbobetrieb, bei dem die Absaugleistung erhöht wird, haben wir 72 Dezibel gemessen. Die Angabe von bis zu 78 Dezibel konnten wir zum Glück nicht verifizieren. Das schlafende Kind weckt man damit – wie mit einem Akkusauger oder anderen Wischsaugern auch – trotzdem auf.
Der Akku des Jashen F16 leistet 2500 mAh, das ist im Vergleich zu anderen Modellen der Konkurrenz ziemlich wenig. Dennoch verspricht der Hersteller bis zu 35 Minuten Reinigungszeit, die dank des beiliegenden Zweitakkus verdoppelt werden kann. Im Test geht vor dem Akku der Frischwassertank zuneige, der Akku hielt tatsächlich über 25 Minuten durch. Damit wischt man problemlos ein ganzes Haus. Wer mit zwei Akkus nicht auskommt, wohnt vermutlich in einem Schloss.
Die meisten werden sogar mit einem Akku auskommen und können daher auch zum Jashen F12 greifen. Neben dem Zweitakku fehlt dem allerdings auch die Trocknungsfunktion.
Der Jashen F16 wird hierzulande für 349 Euro verkauft.
Mit zwei Wechselakkus und der Trocknungsfunktion bietet der Jashen F16 echten Mehrwert. Denn die Möglichkeit zum Akkutausch bei gleichzeitiger Ladung in der Ladeschale verdoppelt nicht nur die Reinigungszeit, sondern ist auch im Falle von Defekten oder Ermüdungserscheinung des Stromspenders hilfreich.
Das gilt auch für die Trocknungsfunktion. Sie sorgt dafür, dass die Wischrolle bereits nach rund 1,5 Stunden trocken ist und nicht stundenlang vor sich "hingammelt" – das beugt Bakterien und damit Geruchsbildung vor. Etwas nervig ist hier allerdings die Tatsache, dass diese Funktion nicht ab- oder unterbrochen werden kann – jedes Entfernen des Wischsaugers sorgt nach dem Wiedereinstellen für den Start der dreistündigen Prozedur, die durchaus hörbar ist.
Die Wischleistung ist auf dem Niveau der Konkurrenz – mit allen beschriebenen Vor- und Nachteilen. Der F16 ist eine gute Wahl – vor allem, wenn die Wischfläche groß ist. Alternativen sind der bereits erwähnte Dreame H11 Max (Testbericht) oder der Tineco Floor One S3 (Testbericht) mit App - beide Modelle sind minimal günstiger, natürlich ohne Zweitakku.
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