Der Skullcandy Crusher ANC 2 liefert die mächtigste Bass-Performance, die wir bei einem Over-Ear-Kopfhörer bislang erleben durften. Ob es auch andere Superlative gibt, klärt der Test.
Für eingefleischte Bass-Liebhaber sind die Crusher-Modelle von Skullcandy vielleicht schon ein Begriff, denn damit lassen sich satte Beats über in den Ohrmuscheln verbaute Vibrationsmotoren weitaus intensiver erleben als bei allen anderen Kopfhörern am Markt. Skullcandy spricht hier von der sogenannten Bass-Shaker-Funktion, die – voll aufgedreht – gefühlt den ganzen Kopf durchrütteln kann. Als stünde man direkt neben einem wuchtigen Subwoofer.
Den Effekt kennen wir schon vom Vorgängermodell Crusher ANC (Testbericht) oder auch vom Crusher Evo (Testbericht) und waren in bestimmten Szenarien davon auch angetan. Der neue Crusher ANC 2 soll dieses Konzept nun mit einigen Detailverbesserungen auf das nächste Level bringen. Ob das auch gelungen ist, klären wir in diesem Test.
Der Skullcandy Crusher ANC 2 ist in Rot, Schwarz, Hellblau, Creme-Weiß und in einer limitierten „Possum X Skullcandy“-Edition im Camouflage-Look zu haben. An Materialien kommt viel Plastik zum Einsatz, das durch verschiedene Finishs (mal glänzend, mal matt, mal gummiert und strukturiert) aber viel Spannung ins Design bringt. Dazu tragen auch die Polster-Elemente an Ohrhörern und Bügel bei, die mit Kunstleder und Stoff überzogen sind. Auch auffällig: Während viele aktuelle Kopfhörer auf möglichst wenige Bedienelemente an den Ohrmuscheln setzen, trägt der Crusher ANC 2 mit insgesamt sechs hier deutlich opulenter auf. Dazu zwei Anschlüsse, USB-C und 3,5 mm Klinke.
Beim Tragekomfort gibt sich der Crusher ANC 2 keine Blöße. Er trägt sich mit 332 Gramm noch angenehm leicht, schirmt gut ab und wird auch nach längerer Zeit nicht unangenehm auf dem Kopf. Praktisch: Der Over-Ear lässt sich in ein sehr kompaktes Reise-Format zusammenklappen und in einem passenden Case mit schickem Mesh-Stoffbezug verstauen. Darin finden auch das beigelegte USB- und Klinken-Kabel ihren Platz.
Nach der Bluetooth-Kopplung mit dem Smartphone wird der Skullcandy Crusher ANC 2 zügig und zuverlässig von der Begleit-App erkannt. Dort finden sich dann erfreulich viele Einstellungsmöglichkeiten, die gut strukturiert in insgesamt elf Hauptkategorien unterteilt sind. Spätestens hier wird deutlich, dass der Kopfhörer viele Features zu bieten hat und sich auch gut individualisieren lässt. Neben den obligatorischen ANC- und EQ-Einstellungen können beispielsweise auch der Sprachassistent und die Sprachsteuerung geändert, die Tastenbelegung angepasst und ein Hörtest für ein personalisiertes Klangbild vorgenommen werden.
Die Bedienung direkt am Kopfhörer ist durch die vielen Tasten anfangs etwas fummelig und nicht so leicht einstudiert wie bei den vielen Modellen am Markt, die mit nur zwei oder drei Tasten auskommen. Dafür lockt die gegebene Vielfalt aber auf lange Sicht mit einem breiteren Spektrum an Bedienmöglichkeiten, ohne dafür jedes Mal über die App gehen zu müssen. Wer will, kann den Kopfhörer auch nahezu komplett über Sprachbefehle bedienen.
Der Skullcandy Crusher ANC 2 setzt auf den SBC- und AAC-Codec und überträgt mit Bluetooth 5.2. Dazu gibt es Bluetooth Multipoint für die praktische Verbindung mit zwei Geräten gleichzeitig. Über die Begleit-App kommen noch so einige interessante Features hinzu: darunter eine automatische Klangoptimierung von Mimi, Spotify Tab und eine Such-Funktion über Tile, falls der Over-Ear-Kopfhörer mal verloren geht. Das sicherlich größte Highlight und klares Alleinstellungsmerkmal ist die eingangs erwähnte Crusher-Funktion, die den Bass über Vibration erlebbarer macht und sich wahlweise über die App, per Sprachbefehl oder über ein Rad an der linken Ohrmuschel regeln lässt.
Bei der Akku-Performance spricht Skullcandy von bis zu 50 Stunden mit aktiviertem ANC – und bis zu 60 Stunden ohne. Unserem Eindruck nach würden wir hier aber jeweils 5 bis 10 Stunden abziehen. Selbst dann sprechen wir aber immer noch von einer super Laufzeit. Dazu gibt es eine Schnellladefunktion, die den Akku nach nur 10 Minuten an der Steckdose wieder mit Saft für bis zu 4 Stunden Laufzeit versorgt.
Beim Sound gibt es erst einmal Gutes zu berichten: Der Crusher ANC 2 klingt ohne ANC schön ausgewogen und klar. Wird die Geräuschunterdrückung eingeschaltet, geht das auch mit einer Art Bass-Boost einher, der deutlich wahrnehmbar ist und dem Klangbild direkt mehr Wärme einhaucht. Dieser Effekt macht den 5-Band-Equalizer allerdings auch teilweise überholt, da die persönliche Klang-Abstimmung so nur auf einem bestimmten ANC-Modus funktioniert.
Durch die Aktivierung der Crusher Bass-Shaker-Funktion verändert sich das Klangbild ein weiteres Mal. Hier gilt die Faustregel: je höher die Intensität, desto knalliger, dominanter und damit auch überlagernder der Bass. Nicht falsch verstehen: Der Effekt ist definitiv cool. Gerade bei Musik sollte man es damit aber nicht zu weit treiben, zumal es bei höchster Stufe schnell unangenehm wird. Wir sehen das Feature ohnehin mehr in anderen Szenarien: Bei Actionfilmen oder auch beim Gaming kann der Modus durch seine starken Vibrationen für ein besonders immersives Erlebnis sorgen, wenn es rumst, kracht und knallt. Genau dann spielt der Crusher ANC 2 mit seinem einzigartigen Feature eine echte Stärke aus.
Bei der aktiven Geräuschunterdrückung gibt es im Vergleich zum Vorgänger kaum Veränderung zu bemerken. Auch in der zweiten Generation befindet sich die ANC-Performance nur auf Mittelmaß. Während tiefe Störfrequenzen noch ganz gut abgedämpft werden, zeigen sich in den Mittel- und Hochfrequenzen klare Schwächen. Das Gerede und Geklimper in einem Café wird beispielsweise nur leicht abgedämpft. Immerhin schirmen die Ohrhörer grundsätzlich gut ab.
Auch der Aware-Modus macht nur einen geringen Unterschied und ist in der Praxis kaum zu gebrauchen. Vor allem die eigene Stimme zieht sich äußerst dumpf, viel zu dominant und vibrierend durchs Gehör, weshalb wir in spontanen Gesprächen den Kopfhörer lieber abnehmen wollen. Zusammengefasst arbeitet die ANC-Elite mit Modellen wie dem Bose Quietcomfort Ultra (Testbericht) oder dem Sony WH-1000XM5 (Testbericht) deutlich effektiver.
Die UVP der Crusher ANC 2 liegt bei 230 Euro. Derzeit bekommt man das Modell in Schwarz allerdings auch schon ab 170 Euro bei Amazon. Neben Schwarz gibt es eine Ausführung in Weiß und limitierte Modelle in schicker Tiger-Optik, die nur beim Hersteller zu bekommen sind.
Mit Blick auf das Vorgängermodell bietet der Skullcandy Crusher ANC 2 zu wenig Verbesserung. Er schwächelt weiterhin beim ANC und Klang. In anderen wichtigen Punkten wie Tragekomfort, Verarbeitung, Features, Individualisierbarkeit und vor allem Bass-Performance weiß er aber zu überzeugen. Vor allem Fans von fetten Beats, bei denen der Bass am besten alles wegballern soll, sollten den Kopfhörer mit seiner einzigartigen Shaker-Funktion unbedingt einmal probehören.
Geht es nach uns, sollte dieses Feature aber vielmehr beim Filmschauen oder Gaming gesehen und genutzt werden. Hier liegt die wahre Stärke des Kopfhörers. Steht der reine und möglichst klare Musikgenuss im Fokus, sind viele andere Modelle besser aufgestellt – wie etwa der JBL Tour One M2 (Testbericht) auf gleichem Preisniveau.
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