SLA-Drucker ermöglichen sehr hohe Druckgenauigkeit, haben bei falschen Einstellungen aber eine hohe Fehlerquote und sind langsam. Anycubic verspricht, dass sich das mit dem neuen Photon M5s ändert. Wir haben den 3D-Drucker mit 12k-Auflösung getestet.
Die vollmundigen Ankündigungen zum neuen Anycubic-SLA-Flagschiff Photon M5s klingen vielversprechend. Zwar ist Anycubic bekannt für seine innovativen 3D-Drucker, doch diesmal könnten sie mit ihren Versprechungen den Bogen überspannen. Denn es klingt zu schön, um wahr zu sein: ein Resindrucker mit dreifacher Druckgeschwindigkeit, dazu vollautomatische Bauplattenausrichtung, Fehldruckerkennung und Verbrauchsmaterialermittlung - und das war noch nicht mal alles! Der Photon M5s bietet eine der höchsten Druckauflösungen, die auf dem Markt momentan verfügbar ist. Die 12k-Auflösung kann auch kleinste Details umsetzen, wie die feinsten Spitzen des RERF-Belichtungstestes. Daran sind bis jetzt alle Vorgängermodelle gescheitert.
Und auch bei der Bedienung gibt es etwas Neues. Der Hersteller hat ordentlich nachgelegt und den Touchscreen spürbar verbessert. Perfekt, um das neue User-Interface in Szene zu setzen. Das Testgerät hat uns Anycubic zur Verfügung gestellt.
Der Hersteller lässt sich den Photon M5s mit 449 Euro anständig bezahlen. Doch wenn der Drucker nur die Hälfte von dem leistet, was der Hersteller verspricht, gibt es von uns eine klare Kaufempfehlung.
Die Inbetriebnahme gestaltet sich durch die kalibrierungsfreie (leveling-free) Druckplattform noch einfacher. So müssen nach dem Auspacken nur noch Schutzfolien entfernt und die Resin-Wanne eingesetzt werden. Nach dem Hochfahren führt das Gerät eigenständig einen Check aller Systeme durch und ist dann sofort bereit für den ersten Testdruck.
In den vergangenen zwei Jahren hat sich Anycubic stark auf die Weiterentwicklung von Hardware wie Monoscreen, Bewegungsmechanik und Design konzentriert. Der Hersteller fokussiert sich in letzter Zeit aber auch auf die Software, dies konnten wir an dem neu überarbeiteten Anycubic Workshop 3.1 sehen.
Schon beim Einschalten begrüßt den Nutzer ein hochauflösender Touchscreen mit neuer intuitiver Bedienoberfläche. Beim Hochfahren führt der Drucker einen Auto-Print-Self-Check durch. Danach öffnet sich das reguläre Menü. Hier finden wir neben der linken Reiterleiste mit PRINT, TOOLS, INFO und CLOUD ein großes Anzeigenfenster für die Untermenüs.
Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Anycubic bringt mit dem M5s einen ersten halbwegs intelligenten SLA-Drucker auf den Markt. Der hat drei Funktionen an Bord, die wir besonders spannend finden:
Automatische Druckplattenausrichtung
Während SLA-Drucker der vergangenen Jahre mit vier Schrauben kalibriert und zum Monoscreen parallel ausgerichtet wurden, macht dies der M5s vollautomatisch – und das sehr gut. In der Tat hatten wir bei unseren Testdrucken nur einmal eine komplette Ablösung des Modells von der Druckplatte.
Fehldruckerkennung
Der Drucker erkennt Fehldrucke wie etwa das angesprochene Lösen des Modells von der Druckplattform. Daraufhin pausiert der M5s den Druck und fragt den Nutzer, ob er den Druck stoppen oder trotzdem weiterführen möchte.
Überwachung des Resin-Füllstands
Zu Beginn jedes Druckvorgangs führt der Drucker einen Auto-Print-Check durch, danach taucht die Bauplattform in das Resinbad. Entspricht der Füllstand nicht der Menge, die für den Druck benötigt wird, gibt der M5s eine Risikowarnung raus. So kann der Nutzer selbst entscheiden, ob er noch mal nachfüllt oder das Risiko eines unfertigen Druckobjekts eingeht.
Wie macht der Drucker das? Höchstwahrscheinlich arbeiten M5s-Resin-Drucker, genauer gesagt deren Stepper-Treiber, mit StallGuard4 und Coolstep. Diese neue Art von Schrittmotortreibern können nicht nur die Lautstärke der Motoren verringern, sie sind auch in der Lage, verlorene Schritte zu zählen. Dies kennt mancher von uns schon von der Sensorless-Homing-Funktion bei FDM-3D-Druckern. Anycubic beschreibt zwar den Vorgang als: „A mechanical sensor on the cantilever arm detects the fit between the printing platform …“, wir konnten aber mit bloßem Auge keinen solchen Sensor finden. Vermutlich registriert der Stepper-Treiber der z-Achse jegliche Widerstände der Bauplattform. So werden etwa Kontakt zu FEP-Folie der Resin-Wanne und der Oberfläche vom Resin vom Drucker erkannt. Der Motortreiber registriert dies und die Firmware kann so Z-Offset bzw. Resin-Füllstand ermitteln.
Die Druckstatuserkennung könnte ähnlich funktionieren. Hier bemerkt der SLA-Drucker, dass etwa kein Widerstand beim Ablösen des Modells von der FEP-Folie entsteht und unterbricht den Druckvorgang. Definitiv sinnvoll, um Monoscreen-Verschleiß, Harz und Zeit zu sparen - und nicht zuletzt Frust beim Anwender.
Der Photon M5s profitiert zudem stark von der neuen Slicer-Software Anycubic Workshop 3.1 und Anycubic App. So können 3D-Modelle nun direkt mit der guten, hauseigenen Slicer-Software oder via Smartphone direkt aus dem World Wide Web ohne Umwege an den Drucker gesendet werden.
Der Photon M5s ist mit einem Gewicht von rund neun Kilogramm und Abmessungen von 46 × 27 × 29 cm verhältnismäßig klein und handlich. Trotzdem bietet der Bauraum ausreichend Platz. Modelle bis zu einer Größe von 20,0 × 21,8 × 12,3 cm sind möglich. Der 10,1 Zoll große Monoscreen hat eine satte Auflösung von 11.520 × 5.120 Pixel und kommt so auf eine XY-Pixelgröße von circa 21 µm. Neben dem frisch in der Redaktion eingetroffenen Elegoo Saturn 3 Ultra (Testbericht folgt) ist der Anycubic Photon M5s bisher der einzige SLA-Drucker mit einer solch hohen Auflösung. Vor allem bei horizontalen Rundungen und weichen amorphen Strukturen machen sich die 12k bezahlt.
Das Interessanteste ist aus unserer Sicht aber die Highspeed-Druckfunktion, für die speziell ein eigenes Highspeed-Resin entwickelt wurde. Wir haben im Test zuerst nur verwundert zugeschaut, wie sich jede Sekunde die Bauplatte hebt und wieder senkt. Aus Verwunderung wurde dann respektvolles Staunen, als der Druck „Katze“ mit maximaler Bauraumhöhe in nur 3,5 Stunden komplett fertig gedruckt war und dabei trotzdem einwandfrei umgesetzt wurde. Der Druck faustgroßer Objekte ist nach nur knapp einer Stunde abgeschlossen.
Der M5s erreicht mit dem Highspeed-Resin eine Druckgeschwindigkeit von 105 mm/h und mit Standard-Resin immerhin 70 mm/h. Wir hatten schon einige SLA-Drucker in unseren Händen, aber der neue Photon M5s ist definitiv der Roadrunner unter den SLA-Druckern! Zum besseren Verständnis: Im Jahr 2021 lag die Geschwindigkeit der SLA-Drucker bei nur etwa 20 bis 40 mm/h.
12k-Auflösung ist einerseits eine Kampfansage gegenüber der Konkurrenz, allerdings stellt sich uns die Frage, ob sich der Unterschied zu niedrigerer Auflösung auch wirklich lohnt. Aus unserer Sicht sind in der Regel schon 4k völlig ausreichend. Bei besonders filigranen Details und vor allem bei leichten Wölbungen und Rundungen wie bei einem Höhenrelief, ist die höhere Auflösung aber klar im Vorteil.
Übrigens: Trotz der kurzen Druckzeiten und der hohen Geschwindigkeit hatten wir keinen Z-Versatz in unseren Druckmodellen.
Der Anycubic Photon M5s kostet 449 Euro im Shop des Herstellers. Bei deutschen Shops ist der Preis zum Artikelzeitpunkt identisch.
Lohnen sich die 250 Euro Aufpreis zu einem 8K-SLA-Drucker mit niedrigerer Auflösung? Nein, aus unserer Sicht ist der Unterschied in der Druckqualität hier zu gering! Doch ein vollautomatischer SLA-Drucker ohne lästiges Kalibrieren der Druckplatte, dafür aber mit automatischer Überprüfung des Resin-Füllstands und Fehldruckerkennung macht die Sache schon deutlich attraktiver. Die extrem hohe Druckgeschwindigkeit bei gleichzeitig hoher Druckqualität sollte die letzten Zweifel endgültig aus dem Weg räumen. Stundenlanges Warten auf einen winzigen Ausdruck ist beim M5s nur noch bei besonders großen Objekten nötig.
Für uns liegt die größte Stärke des M5s in der hohen Druckgeschwindigkeit kombiniert mit hoher Druckqualität. Wer bereits einen SLA-Drucker besitzt, wird sich wundern, wie schnell SLA-Drucken sein kann. Wer noch keinen Drucker hat, der bekommt hier einen der besten Resin-Drucker auf dem Markt.
Die bisher besten SLA-Drucker haben wir in einer Top-10 zusammengefasst. Diese wird zeitnah aktualisiert. Weitere Einzeltests, Ratgeber, Resin- und Filamentvergleiche zeigen wir in der Themenwelt 3D-Drucker.
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