Berti ist freier Technikjournalist. Seit 15 Jahren testet er alles Smarte und Digitale, das er in die Finger kriegt. Dazu nimmt er Stellung und gibt Tipps. So entstand sein Beiname "RatgeBerti". Seine Begeisterung für den Technikjournalismus hat er im Jahr 2005 während des Studiums der…
Anders als der Vorgänger Sonos One soll der Smart Speaker Era 100 dank neuer Sound-Hardware Raumklang mit nur einem Gerät bieten. Außerdem bringt er Bluetooth und Trueplay für Android. Warum sich der Kauf des Upgrades lohnt, zeigt der Test.
Mit Modellen wie Sonos Play 1 (Testbericht) und Sonos One (Testbericht) hat Sonos WLAN-Streaming im Regallautsprecherformat populär gemacht. Den Nachfolger Era 100 bohrt der Hersteller ähnlich wie das verschwisterte Gerät Sonos Era 300 um Funktionen auf, die den Smart Speaker für weitere Einsatzszenarien attraktiv machen sollen.
Wie bisher die mobilen Modelle Sonos Move (Testbericht) und Sonos Roam (Testbericht), akzeptiert auch der rein für den stationären Gebrauch gedachte Era 100 zusätzlich Streams per Bluetooth. Das ist prima für Gäste ohne Sonos-App. An die Raumakustik lässt sich der Neuzugang nun ebenfalls mit einem Android-Smartphone anpassen. Bisher war das iPhones vorbehalten. Als Highlight soll der Era 100 mit einem zusätzlichen Hochtöner einen Stereo-ähnlichen Klang erzeugen, wodurch ein Einstieg ins Sonos-System mit nur einem Gerät viel attraktiver wird. Wie viel bringt das wirklich? Um das herauszufinden, haben wir den Sonos Era 100 im Test.
Äußerlich fügt sich das in Weiß und Schwarz erhältliche Gehäuse des Era 100 nahtlos in die aktuelle Formsprache der Sonos-Produkte ein. Die Kombination aus abgerundeten, mattierten Flächen und feinmaschigen Stoffgrills kennen wir zum Beispiel von den jüngeren TV-Lautsprechern Sonos Ray (Testbericht) und Sonos Arc (Testbericht).
Im Vergleich zum direkten Vorgänger Sonos One hat der Hersteller die Optik mit Bedacht modernisiert. Das zylinderförmige Gehäuse ist etwas weniger bauchig, dessen Design wirkt noch etwas mehr wie aus einem Guss. Die Ränder oben und unten hat Sonos verschmälert, sodass der Grill noch stärker in den Vordergrund tritt. Seinen Schriftzug platziert der Hersteller nun vertikal auf dem Grill statt horizontal auf dem oberen Rand. Das Gehäuse erscheint nicht nur aufgeräumter, sondern auch schlanker. Dass der Era 100 mit Maßen von 18,3 x 12 x 13,1 Zentimetern tatsächlich etwa zwei Zentimeter höher und einen breiter als der Sonos One ist, erkennen wir nur im direkten Vergleich.
Für die Energieversorgung befindet sich weiterhin eine Aussparung für einen Kaltgerätestecker auf der Unterseite. Den Stromverbrauch im Standby hat Sonos reduziert. Wir messen eine Aufnahme von 1,9 Watt, die sich bei aktivierten Mikros und Sprachassistenzen auf 2,1 Watt erhöht. Zum Vergleich: Der Sonos One zweiter Generation gönnt sich laut Hersteller im Ruhemodus 3,4 Watt.
Statt einer Ethernet-Buchse birgt die Rückseite des Era 100 nun ein USB-C-Port. Mittels eines Adapters lassen sich daran Stecker für Line-In und Ethernet anschließen. Zu einem dezidierten Anschluss für Line-In wie beim Sonos Five (Testbericht) oder bei den Smart-Speaker-Alternativen Amazon Echo 4 (Testbericht) und Echo Studio von Amazon konnte Sonos sich nicht durchringen. Besser als bei Apples Homepods oder Googles aktuellen Nest-Lautsprechern ist das allemal. Sie verzichten komplett auf Audioinput per Kabel.
Den Sonos Era 100 direkt aus dem Karton per Kabel oder Bluetooth zu füttern – das gestattet der Hersteller nicht. Stattdessen ist der Lautsprecher erst nach der Einrichtung mit der Sonos-App für Android und iOS sowie einer Aufnahme in ein WLAN-Netz für diese beiden Eingangsquellen empfänglich. Die App namens Sonos S2 setzt zudem einen Cloud-Account beim Hersteller voraus. Auch der Era 100 lässt sich also nur innerhalb der Systemgrenzen von Sonos verwenden – und nicht so flexibel wie andere Lautsprecher mit Bluetooth- und Kabelinput.
Am Setup gibt es nichts zu meckern. Es geht schnell und einfach von der Hand. Nachdem wir den Einrichtungsvorgang in der Sonos-App gestartet haben, spielt der Lautsprecher einen Audio-PIN als akustischen Handschlag für das Smartphone ab. Anschließend übergibt die Software die Zugangsdaten zum WLAN an den Lautsprecher.
Um den Era 100 an die Raumakustik relativ zu seinem Aufstellort anzupassen, ermöglicht die App eine Einmessung mit dem Sonos-Trueplay-Verfahren. Wer dabei ein iPhone verwendet, wählt zwischen zwei Optionen. Bei der bekannten Variante verarbeiten die Mikrofone des Mobilgeräts Ortungstöne des Lautsprechers während einer Tour durch den Raum. Das dauert rund fünf Minuten. Alternativ steht auch eine etwa einminütige Variante zur Verfügung. Sie erfasst die Tonreflektionen mit den eingebauten Mikrofonen des Lautsprechers.
Unter Android gibt es für den Era 100 ebenfalls einen Trueplay-Menüeintrag. Er bietet aber nur das Schnellverfahren an. Das ist besser als nichts. Bisher blieb Fans von Android-Smartphones als einzige Option, sich für die Raumakustikmessung ein iPhone auszuborgen. Wer sehr hohe Ansprüche an den Klang stellt, zieht weiterhin eine Ausleihe in Betracht. Im Vergleich führt das klassische Trueplay-Verfahren zum wohlklingenderen Ergebnis. Die Höhen sind dann besser herauszuhören, der Bass ist trockener. Zur Ehrenrettung des Schnellverfahrens sei aber gesagt: Für ein angenehmeres Klangbild als bei einer nicht justierten Wiedergabe sorgt es allemal.
Im folgenden Preisvergleich zeigen wir dir beliebtesten Sonos-Lautsprecher:
Die Sonos-App ist der Standardweg, um den Era 100 zum Klingen zu bringen. Wie gewohnt, lassen sich damit viele Streaming-Dienste koppeln und deren Songs per WLAN auf den Lautsprecher übertragen. Eine Übergabe ohne den Umweg der Sonos-App gelingt via AirPlay, Spotify Connect und Tidal Connect. Aus Amazon Music heraus lässt sich ebenfalls Musik streamen, sofern der Sonos-Skill in der Alexa-App aktiviert ist. Bei Bluetooth-Streaming sind wir im Test an keine App gebunden.
Die Kopplung mit Bluetooth ermöglicht eine separate Taste auf der Gehäuserückseite des Sonos Era 100. Als weitere Bedienelemente sind auf der Deckplatte Sensortasten für Play und Pause, für Vor und Zurück sowie für die Lautstärke zu finden. Prima, dass Sonos Lautstärke und Skipping nun trennt und nicht mehr in Multifunktionstasten bündelt. Das vereinfacht die Bedienung.
Alternativ lässt sich der Sonos Era 100 im Test mündlich bedienen. Eine weitere Sensortaste auf der Oberseite des Gehäuses schaltet die Sprachassistenzen Amazon Alexa und Sonos Voice Control ein oder aus. Überraschend nicht verfügbar ist der Google Assistant. Sonos und Google liegen im Streit, unter anderem wegen eines aus Sicht von Google unerwünschten Mischbetriebs der Sprachdienste. Amazon ist weniger zimperlich. Alexa und Sonos’ Alternative lassen sich auf dem Era 100 parallel verwenden.
Übrigens: Sind die Sprachdienste per Taste deaktiviert, bleiben die Mikrofone trotzdem an. Das ist praktisch, weil sie dann etwa für eine erneute Raumakustikmessung weiter verfügbar sind. Wer die Lauscher komplett taub stellen will, betätigt zusätzlich einen Schalter auf der Rückseite des Era 100.
Die spannende Frage zum Era 100 lautet: Bietet er wirklich Stereo-Klang? Normalerweise braucht es dazu zwei separate Gehäuse. Sonos verwendet einen Trick, um das trotzdem mit nur einem Gerät zu realisieren. Außer einem größerem Mitteltöner stecken im Neuzugang statt einem nun zwei abgewinkelte Hochtöner, die nach links und rechts abstrahlen.
Der Aufwand hat keinesfalls geschadet: Tatsächlich klingt der Sonos Era 100 im Test klarer, kräftiger und luftiger als der Sonos One. Doch das reicht nicht, um das Marketinggetöse um vermeintlichen Stereo-Klang in einem Gerät zu rechtfertigen. Echte Stereofonie bietet auch der Era 100 nicht. Der Lautsprecher lässt sich eindeutig als punktförmige Quelle heraushören. An die Räumlichkeit eines Dolby-Atmos-fähigen Apple HomePod 2 kommt der Sonos-Neuzugang erst recht nicht heran, was angesichts der Preisdifferenz auch akzeptabel ist. Wer also hofft, die Einkaufsliste halbieren zu können, der irrt: Erst im Zusammenspiel mit einem zweiten Era 100 erzeugt der Neuzugang den erwünschten Stereo-Eindruck.
Die Kopplung zu einem paarweisen Verbund bleibt weiterhin möglich und sorgt für eine deutlich breitere Bühne als das mit einem Gerät gelingt. Als rückwärtiges Lautsprecher-Duo im Heimkino sind zwei Era 100 ebenfalls einsetzbar. In Kombination mit dem TV-Lautsprecher Sonos Arc verbessert der Era 100 im Test deutlich die Wiedergabe von Geräuschen, die auf der Klangspur von hinten kommen. Selbst bei Filmen, die via Dolby Atmos dreidimensionale Höheneffekte bieten, stellt der Era 100 eine prima Unterstützung dar. Dass er selbst keine Höhenkanäle wiedergeben kann, ist im Test kein Problem, weil die Dolby-Atmos-fähige Arc die Hauptarbeit übernimmt.
Kleiner Haken für den Heimkino-Einsatz: Bluetooth und Line-In sind in diesem Fall als Signalquellen nicht verfügbar. Zudem können wir in diesem Testsetup die Raumakustik bloß mit der herkömmlichen Trueplay-Variante per iPhone und nicht mit der schnelleren unter Android einmessen.
Als unverbindlichen Verkaufspreis empfiehlt Sonos dem Handel 280 Euro für einen Era 100 und 230 Euro für den Vorgänger Sonos One. Während letzterer vielerorts sogar noch viel günstiger zu haben ist, kostet der Neuzugang kurz nach dem Marktstart etwa 250 Euro.
Für den USB-Adapter mit Line-In-Stecker ruft Sonos 25 Euro auf. Auf 45 Euro erhöht sich der Preis für die Kombination aus Line-in und Ethernet. Für eine erhöhte Position des Era 100 gibt es ein Standbein, das Sonos solo mit 160 Euro und im Duo mit 300 Euro bepreist.
Der Sonos Era 100 überzeugt als deutlich verbesserte Neuauflage des Sonos One. Klarere Höhen, ein voluminöserer Bass und eine bessere Räumlichkeit sind die wichtigsten Unterschiede in Sachen Sound. Dass das Versprechen von Stereo-Klang aus nur einem Gerät unerfüllt bleibt, ist angesichts des kraftvollen Klangs im kleinen Lautsprecherformat verkraftbar. Für echte Stereofonie führt kein Weg an einem Era-100-Duo vorbei. Auch als Ergänzung im Heimkino empfiehlt sich der Zweifachkauf. Im Verbund mit einem TV-Lautsprecher wertet Sonos’ Neuzugang den Raumklang deutlich auf.
Schade, dass die neuen Bedienfunktionen wie Input per Bluetooth und Line-In sowie Trueplay per Android-Smartphone nicht im Heimkino-Modus und generell erst nach einer App-Einrichtung zur Verfügung stehen. So flexibel wie andere Bluetooth- oder kabelgebundene Lautsprecher ist der Neuzugang also nicht. Vom Haupteinsatzweck des WLAN-Streamings rückt der Hersteller nicht ab. Zudem ist das neue Trueplay-Verfahren noch nicht so gut wie das herkömmliche, das es weiterhin bloß fürs iPhone gibt.
Die Unwuchten und engen Grenzen des Systems von Sonos bleiben also Kritikpunkte. Wer aber den Klang und Bedienkomfort der bisherigen Regallautsprecher des Herstellers schon mochte, wird den Era 100 als neue attraktive Option lieben.
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