Seine erste Bauanleitung veröffentlichte er mit 16, mit 30 testete er die ersten "Schleppis" (tragbare 8-W-D-Netz-Funktelefone) und dann Handys bei der Traditionszeitschrift Funkschau. Danach kümmerte er sich bei einem Provider um die mobile Datenübertragung in D- und E-Netz mit damals immerhin…
Der Over-Ear-Kopfhörer Sony WH-CH720N kostet deutlich unter 100 Euro. Kann er trotzdem mit dem Sony WH-1000XM5 mithalten? Wir machen den Test.
Das Over-Ear-Kopfhörer-Flaggschiff Sony WH-1000XM5 (Testbericht) ist einer der besten Kopfhörer – kostet aber auch über 300 Euro. Doch es gibt mit dem WH-CH720N ein optisch vergleichbares, aber mit etwa 85 Euro sehr viel günstigeres Modell. Tolles Schnäppchen oder müder Lückenbüßer? TechStage macht den Test.
Wo andere mit Chrom und großen Herstellerlogos protzen, zeigt Sony, dass man so etwas nicht nötig hat: Das zugegeben etwas größer als beim WH-1000XM5, doch immer noch dezent in mittel- auf dunkelgrau ausgeführte Sony-Logo ist der einzige Kontrast auf einer ansonsten durchgehend dunkelgrauen unauffälligen matten Hartkunststoff-Oberfläche. Selbst die Beschriftung der Bedienelemente und die winzige L- und R-Markierung sind kaum zu erkennen. Wie man den Kopfhörer richtig herum aufsetzt, merkt man allerdings schnell aufgrund der Neigung des Bügels nach hinten statt nach oben bei vertauschten Ohrmuscheln.
Neben dem von uns getesteten Modell in Schwarz gibt es den Kopfhörer auch in Blau und Weiß. Mit 186 statt 248 g ist der WH-CH720N leichter als das Premium-Modell und dank der weichen Materialien angenehm zu tragen. Auf manches muss man allerdings für den günstigen Preis verzichten.
Die Verpackung und Ausstattung des Sony WH-CH720N ist simpel, aber ausreichend: Eine umweltfreundliche Pappschachtel, keine zusätzliche Schutztasche.
Für den kabelgebundenen Betrieb liegt ein 1,2 m langes Analog-Klinkenstecker-Kabel bei sowie ein nur 20 cm langes USB-Ladekabel. Letzteres darf man auch durch ein längeres Exemplar ersetzen, ersteres dagegen nicht. Am Desktop-Tower-PC ist man mit 1,2 m dann schon sehr knapp angebunden; größere Personen können nicht mehr gerade sitzen. Plötzliche Kopfbewegungen oder gar ein Aufstehen, ohne den Kopfhörer vorher abzusetzen, sind zu vermeiden. Der PC sollte zudem links von einem stehen, weil der Anschluss an der linken Kopfhörermuschel ist. Bei Notebooks ist dagegen bei entsprechender Ausstattung eine drahtlose Bluetooth-Kopplung möglich.
Die Inbetriebnahme ist unkompliziert – vom Anlegen eines Sony-Accounts für die App und den ganzen zunächst anfallenden App-Einstellungen einmal abgesehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kopfhörer-Apps bietet die von Sony aber auch echte Mehrwerte und ein schnelles Erkennen und Koppeln des WH-CH720N, sobald der Bluetooth-Pairing-Modus aktiv ist. Im TechStage-Test funktioniert allerdings zunächst nur der weiterhin mögliche Weg über das Einstellungsmenü des Smartphones.
Der WH-CH720N kann sich mit zwei Geräten per Bluetooth verbinden. Dabei haben Anrufe Priorität, ansonsten wird nur umgeschaltet, wenn die momentan abgespielte Klangquelle verstummt und auf dem anderen Gerät etwas läuft. Das ist sinnvoller als beispielsweise beim Bowers & Wilkins Px8 (Testbericht), der ein gekoppeltes Gerät gegenüber dem zweiten prinzipiell priorisiert: Dort unterbricht schon der „Pling“ einer Outlook-Mail auf dem priorisierten Smartphone den Musikgenuss vom zweiten Gerät, und es wird nach dieser Unterbrechung auch nicht mehr zurückgeschaltet.
Beim Betrieb am Kabel gibt es auch einen passiven Modus, in dem der Kopfhörer ohne eingeschaltete Elektronik, somit allerdings auch ohne ANC, selbst mit entladenem Akku noch spielt. Der Normalfall ist allerdings der eindeutig besser klingende aktive Modus – der Kopfhörer schaltet sich beim Anstecken des Klinkenkabels auch automatisch ein. Dabei wird auch ein DAB+-Radio Viola 3 nicht gestört wie beim Yamaha YH-L700A (Testbericht).
Der Kopfhörer spielt bis zu 35 Stunden, ohne nachgeladen werden zu müssen. Dann sind allerdings die Klangverbesserungen abzuschalten. Man wird den passiven Modus also wirklich nur in Ausnahmefällen benötigen. Mit dem USB-Kabel kann nur geladen werden, eine digitale Signalübertragung (= Kopfhörer meldet sich als Soundkarte an) ist hier nicht geboten.
Der Kopfhörer hat einen Taster zum Ein- und Ausschalten sowie mit länger Drücken zum Bluetooth-Paaren und einen zweiten zum Umschalten des Geräuschunterdrückungsmodus (ANC An, Aus, Transparent/Ambient). Drei weitere Taster steuern Weiteres wie Lauter/Leiser, Start/Pause, Vor/Zurück und Anrufe annehmen. Es braucht etwas Übung, bei aufgesetztem Kopfhörer die richtige Taste zu erwischen.
Over-Ear-Kopfhörer sind bei Brillenträgern nicht immer beliebt, weil sie in Kombination mit dem Brillenbügel unangenehm drücken können. Beim WH-CH720N ist dies nicht zu extrem – gegenüber dem Sony WH-1000XM5 (Testbericht) wirkt er aber trotz geringeren Gewichts nicht leichter und man hat eher den Eindruck, dass die Ohren darunter schwitzen. Dafür gibt es infolge des anderen, harten Kunststoffmaterials für die Außenseite keine Probleme mit Gerüchen.
Der Kopfhörer sitzt gut und macht sich auch beim Joggen oder Rennen nicht selbstständig. Auch Wind- und Schrittgeräusche sind unauffällig. Er dichtet akustisch gut ab, schon ohne ANC, mit noch umso mehr. Das ANC erreicht nicht die Top-Qualität des Sony WH-1000XM5, ist aber immer noch intensiver als beispielsweise beim Yamaha YH-L700A (Testbericht).
Störgeräusche (Rauschen) sind nicht festzustellen. Ein leichter Klangunterschied beim Wechsel des ANC-Modus ist zu bemerken, doch nicht störend. Die Transparenz kann in 20 Schritten eingestellt werden, eine andere Einstellung als „maximal“ benötigt man allerdings in der Praxis kaum. Zusätzlich kann die Transparenz auf Stimmen beschränkt werden; andere Geräusche werden dann nicht durchgereicht. Das ANC arbeitet beim Bahnfahren gut und entlastet die Ohren erheblich.
Allerdings hat Sony seinem ANC und der App fast zu viel künstliche Intelligenz spendiert: Es arbeitet adaptiv und wertet einerseits den aktuellen Standort aus, für den man auch einen gewünschten Modus hinterlegen kann, andererseits die Außengeräusche. Das führt dann schon einmal dazu, dass der Kopfhörer beim Verlassen des Zuges in der Bahnhofshalle unerwartet auf Transparent umschaltet. Das ist dann zwar gut gemeint, aber eher lästig, da man Durchsagen in der Bahnhofshalle auch ohne Kopfhörer nicht wirklich versteht und auf diesen Service deshalb lieber verzichtet. Man kann dieses Verhalten aber in der App ändern.
Wie steht es mit ANC im Büro? Früher ein Feld, auf dem ANC-Kopfhörer keine Chance hatten. Doch der Sony WH-CH720N ist hier brauchbar, wenn auch nicht so perfekt wie der WH-1000XM5. Es fehlt auch der pfiffige Modus, bei eigenem Sprechen davon auszugehen, dass man auch die Antwort hören will und deshalb automatisch auf Transparenz umzuschalten. Alle Frequenzen werden bei eingeschaltetem ANC gleichmäßig gedämpft, Tiefen ebenso wie Mitten und Höhen.
Man kann mit dem Sony WH-CH720N gut telefonieren und dabei werden nicht nur beim Benutzer die Hintergrundgeräusche reduziert, auch der Gesprächspartner bekommt einen vernünftigen Ton geliefert. Im Zug macht man sich mit Dauertelefonaten natürlich trotzdem unbeliebt, aber im Büro kann diese Funktion sehr praktisch sein, wenn man den Kopfhörer mit der Telefonanlage koppeln kann oder die Anrufe ohnehin am Handy bekommt.
Positiv ist, dass die Sony-App auch auf der älteren Android-Version des High End-Abspielers Onkyo DP-X1 läuft. Sie ermöglicht es, die Wiedergabe des Sony WH-CH720N dem eigenen Geschmack anzupassen. Im Originalzustand gab dieser trotz des Sony-Klangprozessors bei einfachen MP3s zu viele Artefakte wieder – statt zwei Klangprozessoren wie im WH-1000XM5 ist hier nur einer geboten. Zum Glück kann dies der Equalizer in der App etwas entschärfen. Leider sind App und Equalizer bei der qualitativ eigentlich besten Übertragung, dem Anschluss per Kabel, außen vor. Und auch mit bester Qualität von Qobuz und einem AAC-fähigen Smartphone sind bei „On the Border“ von Al Stewart ohne Equalizer noch Artefakte zu hören.
Auf spezielle Klangeffekte verzichtet der WH-CH720N. Ein großer Schwachpunkt ist allerdings ebenso wie beim großen Bruder das Fehlen von aptX und das Sony-eigene LDAC ist hier auch nicht geboten. Es bleibt also nur SBC, falls man das Smartphone nicht dazu überreden kann, wenigstens mit dem sonst nur bei Apple-Geräten zu findenden AAC zu arbeiten. Beim Hi-Res-Player Onkyo DP-X1 wäre sogar aptX HD geboten, jedoch definitiv kein AAC und damit bleibt für einen Hi-Res-Player und einen Hi-Res-Kopfhörer nur SBC auf dem Level eines 20-€-Billig-Bluetooth-Hörers.
Mit einem Preis von nur 66 Euro bei Alternate kostet der WH-CH720N nur ein Drittel seines großen Bruders Sony WH-1000XM5 (Testbericht). Wenn einen die Einschränkungen bei Klang und Features nicht stören, kommt man so günstig zu einem Marken-Mittelklasse-Kopfhörer, der mit anderen in seiner Preisklasse locker mithalten kann.
ANC und Tragekomfort des Sony WH-CH720N sind ebenso wie der Klang akzeptabel, wenn auch nicht Spitzenklasse. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und das Produkt ist alltagstauglich, spielt mit 35 Stunden lange ohne Nachladen und ist vielseitig verwendbar – nicht nur zum Musik hören. Mit AAC als einzigem hochwertigeren Codec ist der WH-CH720N allerdings nur entweder zum Kabelbetrieb an Geräten mit Klinkenbuchse, zum Koppeln an Apple-Geräten oder an solche Android-Geräte, die auch AAC beherrschen, sinnvoll.
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