Die Air3 Deluxe HS von Soundpeats versprechen Hi-Res-Sound für unter 50 Euro. Wir klären im Test, für wen sich die Half-In-Ears mit Airpods-Allüren lohnen.
Von Soundpeats hat man hierzulande vielleicht noch nicht so viel vernommen. Das könnte sich schon bald ändern, denn der chinesische Hersteller flutet gerade den deutschen Markt mit einer schieren Masse an preisgünstigen Kopfhörern – hauptsächlich In-Ears und alle gerne mal weit unter 80 Euro. In den USA und in Japan hat diese Taktik bereits gut funktioniert, denn es gibt auch einige interessante Modelle im Angebot, wie den neuen Air3 Deluxe HS mit Bluetooth 5.2 und LDAC-Codec, den wir uns hier genauer anschauen. Hier zeigen wir die Bestenliste In-Ears bis 100 Euro.
Wer sich das Design der Airpods (Testbericht) vor Augen führt, dürfte beim Anblick der Air3 Deluxe HS Ähnlichkeiten erkennen. Die Earbuds im mittlerweile rar gewordenen Half-In-Ear-Design ohne Silikon, zu denen auch die Nothing Ear Stick (Testbericht) gehören, werden in zwei Farbvarianten angeboten: Schwarz und Weiß. Die beiden Ohrhörer sind schön schlank gehalten, wiegen jeweils nur 4,1 Gramm und sind komplett mit Kunststoff ummantelt, der sich nicht besonders wertig anfühlt. Immerhin: Optisch strahlt die Kombination aus mattem Finish und goldenen Akzenten, darunter das Soundpeats-Logo, durchaus einen gewissen Edel-Charme aus.
Beim kompakten Ladecase klappt dieser Kniff hingegen nicht: Hier kommt eine glänzende Klavierlack-Optik zum Einsatz, die anfällig für Fingerabdrücke ist und generell keinen hochwertigen Eindruck hinterlässt – haptisch wie auch optisch. Bis auf die eingebaute Elektronik ist hier ebenfalls alles aus leichtem Plastik gehalten. Die Verarbeitung geht bei Etui wie auch Earbuds für den aufgerufenen Preis aber mehr als in Ordnung. Das kennen wir auch schon ganz anders.
Beim Tragekomfort dann die Ernüchterung: Obwohl die Earbuds leicht sind und das halboffene Design bekannt dafür ist, angenehmer als klassische In-Ears mit Silikonspitze in den Ohren zu liegen, fangen die Air3 Deluxe HS schon nach etwa zehn Minuten an, unangenehm zu drücken. An dieser Stelle müssen wir betonen, dass der Tragekomfort grundsätzlich sehr individuell zu beurteilen ist. Für unsere Ohren hat es jetzt nicht gepasst, dafür aber sicherlich für andere.
Was wir den Soundpeats-In-Ears hingegen attestieren können, ist ein ziemlich fester Sitz. Selbst starkes Kopfschütteln oder Joggen bringt die Ohrhörer nicht aus ihrer Position – auch nicht bei der Bedienung per Touch. Dank IPX4-Zertifizierung sind sie außerdem gegen Spritzwasser geschützt.
Neben Ladebox und Earbuds, liegt an Zubehör lediglich ein kurzes UBS-C-Ladekabel bei. Gekoppelt wird über einen kleinen Knopf an der Case-Vorderseite, was ohne Murren klappt. Detail-Einstellungen können per App gemacht werden, für deren Einrichtung eine Registrierung nötig ist, bei der sich ein gesetztes Häkchen für Werbe-Mails nicht abwählen ließ.
Die App ist überschaubar und bietet nur wenige Features. Neben einem Spielmodus für geringere Latenz kann auch die Trageerkennung ein- oder ausgeschaltet werden. Als nützlich zeigt sich zudem die Möglichkeit, die One-Tip-Funktionen der Touch-Bedienung zu deaktivieren. Denn eingeschaltet, reicht oft schon eine leichte Berührung der Earbuds, wie ein kurzes Zurechtrücken, um einen Befehl auszulösen. Das nervt schnell. Grundsätzlich geht die Steuerung per Touch-Gesten aber gut von der Hand. Etwas fummelig ist nur das Herausnehmen der Earbuds aus dem Case. Mit etwas Übung klappt es dann halbwegs.
Das wohl größte Highlight der App sind ein umfangreicher Equalizer sowie insgesamt neun Sound-Presets. Während der Equalizer hält, was er verspricht, sind die Voreinstellungen nahezu komplett für die Tonne. Dazu gleich mehr.
Das wohl größte Kaufargument der Air3 Deluxe HS stellt die Technik mit Blick auf den dafür aufgerufenen Preis dar: Mit einem üppigen 14,2-mm-Treiber, Touch-Steuerung, Bluetooth 5.2, Trageerkennung, Game-Mode und insbesondere dem LDAC-Codec wird hier eine Kombi geboten, die sich normalerweise ab 100 Euro aufwärts ansiedelt. Bezogen auf die Technik bieten die Soundpeats-Earbuds ein großartiges Preis-Leistungs-Verhältnis.
Bei der Akkuleistung spielen die Air3 Deluxe HS mit etwa 20 Stunden laut Hersteller unterdurchschnittlich gut auf. Rund 5 Stunden sollen pro Ladung drin sein. In unserem Test sind es eher nur 3 bis 4 Stunden, weshalb wir insgesamt von maximal 16 Stunden Spielzeit ausgehen. Die schwache Akkuleistung liegt sicherlich auch an den kompakten Maßen. Die Ladebox zählt zu den kleinsten, die wir bislang in den Händen gehalten haben.
Mit den beiden Audiocodecs SBC und LDAC bieten die Air3 Deluxe HS im Grunde zwei Klang-Extreme: Kommt SBC zum Einsatz, wie beim iPhone, da kein AAC-Codec unterstützt wird, können die Soundpeats-Earbuds nicht überzeugen. Egal, welches der insgesamt neun Sound-Presets wir auswählen: Sie klingen alle schlecht abgemischt. Mit der Voreinstellung „Hip-Hop“ hört sich Musik beispielsweise so an, als käme sie direkt aus einem 70er-Jahre-Radio. Nach zehn Minuten Quälerei wechseln wir frustriert auf den benutzerdefinierten Equalizer, mit dem sich der entweder dumpfe, überdrehte oder blecherne Klang schließlich halbwegs einstimmen lässt.
Wird hingegen LDAC vom Abspielgerät unterstützt, zeigen sich die Air3 Deluxe HS von ihrer Schokoladenseite. Zwar klingen mit dem 24-Bit-Audiocodec die Presets ebenfalls schlecht abgemischt – bis vielleicht auf das „Klassik“-Profil. Über den Equalizer geht’s dann allerdings schnell in die Genussphase über. Vor allem, wenn man sich in ruhiger Umgebung befindet. Das ist mit In-Ears aber eher selten der Fall – und hier zeichnet sich ein spezielles Manko der Air3 Deluxe HS ab: Die Earbuds können mit ihrem halboffenen und nicht abschirmenden Design den theoretisch hochwertigsten Bluetooth-Codec eigentlich nie so richtig perfekt in Szene setzen. Trotzdem: Für Half-In-Ears ist der Klang dank LDAC sehr gut.
Noch ein paar Worte zur Sprachqualität: Zum Telefonieren sind die Air3 Deluxe HS nur bedingt geeignet. Ja, man ist verständlich. Allerdings klingt das nicht wirklich gut – und in lauter Umgebung kann es schnell kritisch werden.
Die Preisempfehlung von Soundpeats für die Earbuds Air3 Deluxe HS liegt bei krummen 52,99 Euro. Auf dem Markt kosten sie unter 50 Euro. Der Preisverlauf zeigt, dass sie regelmäßig für gut 40 Euro den Eigentümer wechseln.
Mit den halboffenen In-Ears Air3 Deluxe HS hat Soundpeats einen echten Preiskracher auf den Markt gebracht, wenn es allein um die Technik geht. Kopfhörer mit LDAC für unter 100 Euro sind eine echte Rarität – und hier liegen wir mit etwa 50 Euro weit unter der magischen Preismarke. Wer sich möglichst günstige Half-In-Ears mit Sonys potentem Audiocodec wünscht, kann hier im Grunde nicht viel falsch machen. Auch wenn für ein gutes Klangbild ein wenig Feinjustierung notwendig ist. Bei Verarbeitungs- und Materialqualität müssen hingegen klare Abstriche gemacht werden – und auch der Tragekomfort könnte zum Problem werden.
Wenn das Budget mit 80 Euro etwas höher ist, sind die guten Nothing Ear Stick (Testbericht) eine Alternative, die ebenfalls im Half-In-Ear-Design kommen. Oder natürlich die Airpods (Testbericht). Darf es auch das klassische In-Ear-Design mit Silikonaufsatz sein? Dann findet sich in den Edifier Neobuds Pro (Testbericht) eine tolle und mit etwa 85 Euro Straßenpreis immer noch günstige Alternative mit echten Allrounder-Qualitäten – inklusive LDAC, AAC (für iOS-Geräte) und aktiver Geräuschunterdrückung.
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