Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.
Mit der Apex 2 Pro hat Coros ein Update seiner Sportuhr auf den Markt gebracht, die mit der Garmin Fenix 7 konkurrieren will. Ob dieser Plan aufgeht, klären wir in unserem Test.
Der Hersteller Coros bietet mit der Apex Pro 2 eine Sportuhr mit smarten Funktionen, die sich explizit an Ausdauersportler richtet. Mit zahlreichen Features wie einer integrierten GPS-Navigation, Trainingsplänen und -Profilen sowie einer langen Akkulaufzeit möchte die Apex 2 Pro der Garmin Fenix 7 (Testbericht) ernsthaft Konkurrenz machen. Wir haben die Uhr in unserem Test auf Herz und Nieren geprüft und klären, ob die Apex 2 Pro mit der Fenix 7 mithalten kann.
Wer die Apex 2 Pro aus der Verpackung nimmt, die frappierend an die typischen quadratischen Boxen der Garmin-Modelle erinnert, merkt direkt: Der Hersteller gibt sich viel Mühe, ein Gefühl von Wertigkeit zu vermitteln. Ganz geht dieser Plan aber nicht auf: Das Gehäuse der Uhr besteht teilweise aus einer Titanlegierung, aber auch aus Kunststoff und wirkt insgesamt relativ wuchtig. Das ist einerseits der Dicke des Gehäuses geschuldet, andererseits aber auch der großen drehbaren Krone an der Seite der Uhr. Darüber lässt sich die Uhr zusammen mit zwei weiteren Tasten steuern, die ebenfalls an der Gehäuseseite platziert sind.
Das Armband, bei dem sich Coros für einen Nylongurt mit Klettverschluss entschieden hat, ist mit Kunststoffteilen am Gehäuse befestigt. Weil diese Teile relativ filigran wirken, machen sie keinen besonders langlebigen Eindruck. Allerdings hat der Mechanismus in unserem Test auch gröberen Umgang im Rahmen eines Hindernislaufs (OCR) problemlos überstanden. Dennoch wirkt das Gehäuse insgesamt durch die Kunststoffteile eher billig, was in Anbetracht des hohen Preises, den Coros für die Apex 2 Pro aufruft, eher enttäuscht. Auch bleibt die Frage offen, wie lange der Verschluss des Klettarmbands den Einflüssen von Staub und Schmutz standhalten kann.
Dafür kann die Apex 2 Pro in Hinblick auf die Bedienbarkeit überzeugen. Ähnlich wie es Garmin bei vielen eigenen Modellen tut, verzichtet Coros bei der Apex 2 Pro auf ein Touch-Display. Die Bedienung funktioniert stattdessen ausschließlich über die drei Tasten an der Gehäuseseite, und zwar hauptsächlich über die drehbare Krone. Das funktioniert durchweg gut und ohne Verzögerungen.
Was uns allerdings etwas gestört hat, ist die Anordnung der Optionen im Menü der Uhr. Denn anders als bei Garmin sind die einzelnen Trainingsprofile nicht in einem separaten Trainingsmenü zusammengefasst, sondern gemeinsam mit anderen Funktionen wie den Systemeinstellungen und dem Trainingsverlauf in einem Menü aufgeführt. Wenn man also ein bestimmtes Trainingsprofil häufiger nutzt, das sich in der Mitte des Menüs befindet, muss man von dort immer wieder neu durch alle Sportarten scrollen, um zu den Systemeinstellungen zu kommen. Das hätte der Hersteller durch ein einzelnes, zusätzliches Menü eleganter lösen können.
Wer die Coros Apex 2 Pro erstmalig startet, wird direkt dazu aufgefordert, die Coros-App auf dem Smartphone zu installieren. Die App findet sich im Playstore und erfordert ein separates Nutzerkonto. Haben wir die Software eingerichtet, können wir einen Barcode auf dem Display der Sportuhr scannen, um die Apex 2 Pro mit unserem Smartphone zu verbinden. Alternativ können wir die Uhr auch aus einer Liste auswählen, um die Kopplung zu starten. Der gesamte Prozess dauert einige wenige Minuten.
Die App selbst orientiert sich am Standard vergleichbarer Smartphone-Apps und zeigt auf einer Übersichtsseite zurückgelegte Schritte, Kalorien und Trainingsminuten an. Außerdem können wir durch eine Liste an Menüs scrollen, die wiederum mit Details zu Training, Fitness, Herzfrequenz und Schlafdaten sowie weiteren Gesundheitsdetails aufwarten. Insgesamt sind alle Menüs übersichtlich aufbereitet und verständlich angeordnet. Wer möchte, kann über die Funktion „Entdecke“ gespeicherte Routen aufrufen oder für Laufeinheiten oder Radtrainings vorplanen. Das funktioniert ebenfalls einfach und intuitiv. Anschließend können wir der Strecke einen Namen geben sowie Daten zur Strecke abrufen (Entfernung und Höhenmeter). Per Synchronisation mit der Apex Pro 2 übertragen wir die Strecke dann auf die Uhr und können sie dann als Vorlage für eine Trainingseinheit nutzen (dazu später mehr).
Was die Benachrichtigungsfunktion anbelangt, besitzt die Apex 2 Pro aber nur rudimentäre Funktionalitäten. Zwar lassen sich Nachrichten wie E-Mails auf dem Display der Uhr ablesen, aber automatische Antworten gibt es ebenso wenig wie die Möglichkeit, in der App festzulegen, welche Benachrichtigungen man genau empfangen möchte. Immerhin können wir einstellen, ob wir während des Trainings solche Nachrichten angezeigt bekommen möchten.
Obwohl Coros sich vor allem als Hersteller für Radsport-Zubehör am Markt etabliert hat, richtet sich die Apex 2 Pro explizit ganz allgemein an Ausdauersportler. Insbesondere für Läufer bietet die Uhr zahlreiche Funktionen und Trainings-Features, aber auch Triathleten, Wasser- und Kraftsportler kommen mit den verschiedenen Profilen auf ihre Kosten.
Ein besonderer Pluspunkt der Coros Apex 2 Pro sind die Trainingspläne und die vorgegebenen Workouts. Wer möchte, kann sich selbst über die App einen eigenen Trainingsplan mit spezifischen Einheiten anlegen und diese dann dem Kalender entsprechend über die Uhr tracken. Ergänzend dazu haben wir die Möglichkeit, über die Uhr einen Lauffitnesstest durchzuführen. Dieser Test verlangt von uns, dass wir mindestens 25 Minuten mit einem bestimmten Puls laufen. Basierend auf dem Ergebnis erhalten wir dann eine Punktzahl von 1 bis 100, unser VO2Max und einen Pulswert für unsere Anaerobe Schwelle. Angaben zu Tempi einzelner Zonen (locker, Ausdauer, Intervall, Sprint) sind ebenfalls mit an Bord und bieten eine gute Unterstützung für das tägliche Training.
Entsprechend der gemessenen Daten berechnet die Apex 2 Pro dann die Trainingsbelastung über einen Zeitraum von sieben Tagen und gibt Prognosen über die voraussichtliche Zeit, die wir für verschiedene Laufstrecken benötigen (zum Beispiel 5 km, 10 km, Halbmarathon oder Marathon). Dieses Feature funktioniert ähnlich wie bei der Konkurrenz von Garmin und kann für Straßenläufer gute Ergebnisse liefern. Wer aber viel im Gelände unterwegs ist und Höhenmeter schrubbt, sollte sich wegen des stark schwankenden Lauftempos nicht auf die Berechnungen der Apex 2 Pro verlassen.
Immerhin funktioniert die Pulsmessung über den optischen Sensor bei der Apex 2 Pro sehr ordentlich. Wir konnten im Vergleich zu unserem Kontrollgerät (Fenix 6 und Brustgurt) beim gleichmäßigen Ausdauertraining keine nennenswerten Abweichungen feststellen. Bei Einheiten mit stark schwankendem Puls wie Intervallen oder Kraftsport empfehlen wir aber die zusätzliche Nutzung eines Brustgurts für eine bessere Messgenauigkeit. Die Apex 2 Pro unterstützt alle Geräte, die per Bluetooth oder Wireless-Verbindung funktionieren. ANT+ ist mit der Uhr leider nicht mehr kompatibel.
Ebenfalls zufrieden sind wir bei der Apex 2 Pro mit dem GPS-Tracking. Der Sensor kann sich in Hinblick auf die Genauigkeit mit der Konkurrenz messen. Besonders positiv aufgefallen ist uns die Tatsache, dass die Smartwatch über integrierte Offline-Karten verfügt. Wir können also über das Display der Uhr auch ohne Netzverbindung navigieren. Die Kartenanzeige auf dem Display selbst funktioniert zuverlässig und lässt sich bei Bedarf per Gestensteuerung zoomen. Über die Coros-App können wir im Vorfeld feste Routen planen, die wir dann auf der Uhr als Basis für Trainingseinheiten verwenden können. Die Navigation beschränkt sich aber auf eine Anzeige der Strecke. Richtungshinweise bekommen wir nicht. Stattdessen informiert uns die Uhr, sobald wir von der vorgesehenen Strecke abkommen. Eine Navigation zurück zum Startpunkt und die Markierung wichtiger Punkte entlang der Strecke sind ebenfalls möglich.
Beim Aktivitäts-Tracking bietet die Apex 2 Pro schließlich wieder die gewohnten Standards: Zurückgelegte Schritte werden außerhalb von Trainingseinheiten ebenso aufgezeichnet wie Herzfrequenz und Blutsauerstoffsättigung. Die Daten können wir dann sowohl in der App als auch auf dem Display der Uhr selbst abrufen. Eine Bewertung unserer Aktivität wie beim PAI, der bei Huawei-Trackern zum Einsatz kommt, gibt es allerdings nicht.
Beim Schlaf-Tracking bietet die Apex 2 Pro die gewohnte Smartwatch-Standardkost: Die Uhr misst zuverlässig unseren Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt (übrigens auch für kleinere Nickerchen am Tag) und gibt die Dauer unserer Schlafphasen an. Auch die Messung der Herzfrequenz sowie des Blutsauerstoffs funktioniert beim Schlafen. Die App bereitet die gemessenen Daten dann in einem Diagramm für uns auf, anhand dessen wir dann rudimentäre Rückschlüsse auf unsere Schlafhygiene ziehen können. Die Ergebnisse decken sich mit unserem subjektiven Empfinden und bewegen sich damit auf einem ähnlichen Niveau wie die Garmin-Konkurrenz.
Beim Schlafen selbst stört die Uhr trotz des klobigen Gehäuses zum Glück nicht merklich. Ein integrierter DND-Modus sorgt dafür, dass wir auch tagsüber bei kleinen Powernaps nicht von Benachrichtigungen geweckt werden. Demgegenüber funktioniert auch die integrierte Alarmfunktion sehr gut und weckt auch tiefe Schläfer zuverlässig auf.
Auch wenn Nutzer bei der Apex 2 Pro abseits der Trainings- und Navigations-Features auf Zusatzfunktionen von Standards wie einer Kamerasteuerung und Find-My-Phone verzichten müssen, punktet die Uhr mit einem integrierten Musikspeicher (32 GByte). Wir können nämlich per USB-Kabel eigene MP3s auf die Uhr übertragen und dann über ein Bluetooth-Headset auch offline wiedergeben. Außerdem lässt sich die Musikwiedergabe auf dem Smartphone auch über die Uhr steuern. Eine Integration von Apps wie Spotify und Co. sucht man bei der Apex 2 Pro aber vergebens – hier hat die Konkurrenz ebenso die Nase vorn wie bei Funktionen für das mobile Bezahlen. Denn die gibt es bei der Apex 2 Pro ebenfalls nicht.
Ein großes Verkaufsargument der Apex 2 Pro ist die Akkulaufzeit. Bei aktiviertem GPS-Tracking soll die Uhr 75 Stunden durchhalten, die Laufzeit bei täglicher, normaler Nutzung gibt der Hersteller mit 30 Tagen an. Um den Akku vollständig wiederaufzuladen, benötigt die Uhr knapp zwei Stunden. Wir konnten im Test die Akkulaufzeiten der Uhr bestätigen: Bei drei rund zweistündigen Trainingseinheiten pro Woche mit aktiviertem GPS-System hielt die Uhr insgesamt 28,5 Tage durch – ein hervorragender Wert für eine Uhr dieser Preisklasse.
Coros verkauft die Apex 2 Pro in den Farben Grau, Schwarz, Grün und Chamonix (Blau) zum Preis von 499 Euro. Damit liegt der Preis für den Garmin-Konkurrenten leicht unter den Kosten des günstigsten Fenix-7-Modells. Einzelne Farbvarianten sind bei einschlägigen Online-Händlern aber bereits ab rund 499 Euro (Preisvergleich) erhältlich.
Eigentlich macht Coros mit der Apex 2 Pro einen guten Job: Das, was die Uhr können soll, überzeugt in unserem Test. Das GPS-Tracking funktioniert ebenso zuverlässig wie die Trainings-Features, die Pulsmessung (von kleinen Abstrichen beim Krafttraining abgesehen) und das Aktivitäts-Tracking. Für zusätzliche Pluspunkte sorgt die Akkulaufzeit, die mit knapp 30 Tagen ihresgleichen sucht.
Allerdings muss sich die Apex 2 Pro im direkten Vergleich gegenüber der Fenix 7 doch geschlagen geben. Denn obwohl die Fenix 7 gemessen am Straßenpreis lediglich 50 Euro mehr kostet als die Apex 2 Pro, ist sie der Coros-Uhr in einigen wesentlichen Punkten überlegen. Dazu gehört neben der Navigation auch der Support für Musik-Apps und das kontaktlose Bezahlen. Wer auf derartige Features Wert legt, sollte also die 50 Euro investieren und zur Garmin-Konkurrenz greifen. Alle anderen können der Apex 2 Pro eine Chance geben, wenn sie mit den genannten Abstrichen leben können.
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