Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.
Die Vertix 2 gehört zu den teuersten Uhren im Portfolio des US-amerikanischen Herstellers Coros. Aber ist die Smartwatch den Preis von rund 700 Euro wirklich wert?
Neben den Platzhirschen Garmin und Polar versucht sich das US-amerikanische Unternehmen Coros am Markt für smarte Sportuhren einen Namen zu machen. Getestet haben wir bereits die Coros Apex 2 Pro (Testbericht). Die Vertix 2 gehört dabei zu den absoluten Top-Modellen und ist mit einem entsprechenden Preisschild versehen. Ob diese Uhr, die der Hersteller mit Offline-Karten und besonders langer Akkulaufzeit bewirbt, wirklich 700 Euro wert ist, klären wir in unserem Test.
Dass es sich bei der Vertix 2 um eine besonders hochpreisige Sportuhr handelt, lässt bereits die spezielle Verpackung erahnen. Denn das Gerät wird nicht etwa in einem bloßen Karton geliefert, sondern stattdessen in einem kleinen Kunststoff-Koffer, der etwa DIN–A5-Größe besitzt. Im Inneren befindet sich die Uhr, eine Bedienungsanleitung, ein Ladekabel und das Armband. Damit enden aber schon die Besonderheiten, denn beim Design orientiert sich Coros am üblichen Standard für Sport- und Outdoor-Uhren.
Die Vertix 2 kommt relativ wuchtig daher und verfügt über ein Gehäuse, das zum Teil aus einer Titanlegierung und zum Teil aus Kunststoff besteht. Die für Coros-Uhren typische drehbare Krone ist an der Gehäuseseite ebenso vorhanden wie zwei weitere Tasten zur Steuerung der Uhr. Das 1,4-Zoll-große Memory–LC-Display lässt sich außerdem per Touchscreen bedienen. Anders als bei der Apex 2 Pro (Testbericht) liefert Coros die Vertix 2 mit einem Silikonarmband aus, das über eine Metallschließe verfügt. Das Armband ist ungewöhnlich breit und passt daher zum brachialen Äußeren der Uhr, die der Hersteller explizit mit dem Slogan „für Abenteurer“ bewirbt.
Wer möchte, kann die Bedienung der Uhr an die eigenen Bedürfnisse anpassen, was wir im Test als sehr praktisch empfunden haben. Die Vertix 2 lässt sich nämlich wahlweise per Touchscreen und Seitentasten oder nur über die Seitentasten steuern. Dabei können wir entscheiden, wann der Touchscreen zum Einsatz kommen soll: immer, nur bei der Bedienung von Kartenfunktionen und Aktivitätsdaten oder nur bei der Navigation mithilfe der Karte.
Leider kommt bei der Vertix 2 dasselbe Problem zum Tragen, was wir auch schon im Test der Apex 2 Pro (Testbericht) in Hinblick auf die Bedienung bemängelt hatten. Denn die Trainingsprofile sind auch bei diesem Coros-Modell im selben Menü enthalten wie alle übrigen Funktionen der Uhr. Man muss also recht lange scrollen, um bestimmte häufig genutzte Profile aufrufen zu können. Wie es besser geht, zeigen die Uhren von Garmin, die das Training in einem separaten Menü einordnen und die Festlegung von Favoriten erlauben.
Wie von einschlägigen smarten Sportuhren und Fitness-Trackern gewohnt müssen wir die Coros Vertix 2 zunächst mit unserem Smartphone verbinden, bevor wir ihren vollen Funktionsumfang nutzen können. Dazu installieren wir die Coros-App auf dem Smartphone und scannen einen QR-Code auf dem Display der Uhr, um beide Geräte miteinander zu koppeln. Ein Nutzerkonto bei Coros ist dabei Pflicht. Der Kopplungsprozess funktionierte in unserem Test problemlos und dauerte einige wenige Minuten.
Über die App von Coros haben wir bereits im Test der Apex 2 Pro genauer geschrieben, deshalb fassen wir uns an dieser Stelle kurz: Die Software bietet die Grundausstattung an Funktionen, die man für eine Smartwatch erwartet. Wir erhalten verschiedene Menüs beziehungsweise Diagramme, die unsere Trainings- und Gesundheitsdaten übersichtlich zusammenfassen. Etwas ärgerlich sind diverse fehlende Übersetzungen in der App, wo wir statt eines deutschen Textes nur das englischsprachige Original angezeigt bekommen. In Anbetracht der Tatsache, dass selbst chinesische Hersteller wie Huawei, Xiaomi und Co. bei ihren Fitness-Apps einwandfreie Lokalisierungen anbieten, hätten wir gewünscht, dass Coros sich in diesem Punkt etwas mehr bemüht.
Die Benachrichtigungsfunktion beschränkt sich wie schon bei der Apex 2 Pro auf die Anzeige von Nachrichten (E-Mails, SMS, WhatsApp etc.) und eingehende Anrufe. Wer möchte, kann Benachrichtigungen während des Trainings deaktivieren.
Coros bewirbt die Vertix 2 als GPS-Uhr für „Abenteurer, die an ihre Grenzen gehen“ – und das merkt man dem Feature-Set der Smartwatch direkt an. Denn die Uhr bietet vor allem im Bereich der Navigation per GPS jede Menge nützliche Funktionen. Über das Menü der Vertix 2 können wir eine Kartennavigation aufrufen, die wir per Touchscreen bedienen. Dabei stehen uns sowohl Landschafts- als auch topografische Kartenansichten zur Verfügung. Wer über die Coros-App eigene Routen im Voraus plant, kann diese für die Navigation nutzen – allerdings fehlt eine konkrete Anzeige bei Abzweigungen. Lediglich einen Alarm gibt die Uhr von sich, wenn wir von der vorgegebenen Route abweichen. Außerdem können wir uns zurück zum Startpunkt führen lassen.
Ein besonderer Vorteil der Uhr ist schließlich der Support für fünf verschiedene Satellitensysteme (GPS, Glonass, Galileo, Beidou und QZSS), was laut Herstellerangaben eine besonders präzise Navigation ermöglichen sollte. Im Test lag die Vertix 2 dabei etwa auf dem Niveau der Garmin-Konkurrenz, wobei man mitunter minimale Abweichungen bei der Genauigkeit hinnehmen muss.
Weil sich die Vertix 2 aber nicht nur an reine „Abenteurer“, sondern vor allem auch an Ausdauersportler richtet, verfügt die Flaggschiff-Smartwatch von Coros auch über eine ganze Reihe von Trainingsfunktionen. Neben verschiedenen Trainingsprofilen gibt es unterschiedliche Aktivitätsalarme, die uns etwa bei bestimmten Herzfrequenzen, Höhenlagen, Pace oder im Vorfeld festgelegten Zeitpunkten für die Nahrungszufuhr erinnern. Diese Features erweisen sich insbesondere während längerer Wettkämpfe, aber auch bei umfangreichen Trainingseinheiten als überaus praktisch.
Daneben bietet die Uhr eine Datenanalyse der allgemeinen Fitness und gibt etwa Bewertungen über die Trainingsbelastung, die Ermüdung und die Grundfitness ab. Auch diese Funktionen sind für die tägliche Trainingsplanung hilfreich und erlauben eine umfassende Analyse des eigenen Trainingsverhaltens. Läufer kommen zusätzlich in den Genuss von Schätzungen des Marathon-Levels, des VO2-Max-Werts, Schwellenwert-Zonen für Puls und Pace sowie eine allgemeine Rennvorhersage. Die Berechnung dieser Werte beruht auf den gemessenen Daten der Uhr und sollte nicht mit einer echten Laboranalyse gleichgesetzt werden.
Der optische Pulssensor der Vertix 2 macht zwar die meiste Zeit einen ordentlichen Job und misst die Herzfrequenz zuverlässig und genau, allerdings kommt es gelegentlich doch zu Abweichungen gegenüber der Messung per Brustgurt. Ähnlich wie viele andere Smartwatches, die den Puls per optischen Sensor messen, können verschwitzte Handgelenke und eine stark variierende Herzfrequenz für Ungenauigkeiten bei der Messung sorgen. Ein Brustgurt ist dann also Pflicht.
Schließlich gab es noch zwei Dinge, die uns während des Trainings insbesondere bei der Bedienbarkeit der Vertix 2 gestört haben. Erstens sind die Maßeinheiten der Uhr standardmäßig auf „imperial“ eingestellt – also Meilen statt Kilometer. Das trifft selbst dann zu, wenn man beim ersten Hochfahren der Uhr die Sprache „Deutsch“ wählt. Das ist ärgerlich, wenn man es erst während eines Wettkampfs bemerkt und sich wundert, warum die angezeigte zurückgelegte Strecke so deutlich von den Markierungen des Veranstalters abweicht. Noch weitaus störender empfanden wir aber die Empfindlichkeit der Drehkrone am Gehäuse der Vertix 2. Denn obwohl die Uhr über eine Tastensperre verfügt und wir die Krone eigentlich gedrückt halten müssen, damit wir die Uhr bedienen können, aktivierte sich die Krone von allein, wenn sich unser Handgelenk in abgeknickter Position befand. Dadurch pausierte das Tracking beim Laufen teils ungewollt und mehrfach kurz nacheinander, als wir bei einem Trailrun auf Stöcke zurückgreifen mussten.
Dieser Fehler tritt übrigens auch auf, wenn man die Tastensperre im normalen Smartwatch–Gebrauch aktiviert hat: Denn erhalten wir eine Benachrichtigung, wird das Display automatisch entsperrt. Knickt man dann das Handgelenk ab, springt die Uhr ins Traingsmenü und aktiviert unter Umständen automatisch die Aufzeichnung einer Trainingseinheit, obwohl wir das gar nicht wollen. In unserem Test trat dieses Problem mehrmals täglich auf. Der Grund dafür liegt in dem wuchtigen Gehäuse der Uhr und der Position der Drehkrone. Bereits ein Abknicken des Handgelenks im 45-Grad-Winkel reichte, um die Krone zu aktivieren. Zwar könnte man die Uhr weiter oben am Unterarm positionieren, wäre dann aber für eine brauchbare Pulsmessung definitiv auf einen Brustgurt angewiesen.
Die Vertix 2 verfügt selbstverständlich über eine integrierte Trackingfunktion für das Schlafverhalten seiner Nutzer, allerdings sollte man hier keine großen Überraschungen oder Innovationen erwarten. Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt zeichnet die Uhr ebenso auf wie die Dauer der einzelnen Schlafphasen. Die Ergebnisse eignen sich, um langfristige Trends auszumachen, und sind in etwa mit den Messungen unseres Kontrollgeräts (Garmin Fenix 6) vergleichbar.
Herzfrequenz und Blutsauerstoff zeichnet die Vertix 2 sowohl tagsüber als auch beim Schlafen auf, wobei alle gemessenen Daten in einem separaten Menü innerhalb der App aufbereitet werden. Ferner können wir die Dauer der einzelnen Phasen auch direkt auf dem Display der Uhr anzeigen lassen. Basierend auf der jeweiligen Trainingsbelastung und der Schlafdauer sowie -qualität gibt die Uhr außerdem eine Prognose der erforderlichen Erholungszeit ab.
Ähnlich wie bei der App unterscheidet sich die Vertix 2 auch bei den Zusatzfunktionen nicht von der Apex 2 Pro: Nutzer kommen in den Genuss eines integrierten Musikspeichers von 32 GByte, in den sich per USB-Kabel MP3-Dateien laden lassen. Spotify oder vergleichbare Apps unterstützt die Uhr allerdings nicht.
Ferner gibt es Zusatzfunktionen wie Find-My-Phone, eine Kamerasteuerung und ein Metronom. Auf ein Bezahl-Feature ähnlich Apple- oder Garmin-Pay müssen wir aber verzichten.
Ein großer Pluspunkt der Coros Vertix 2 ist die überragende Akkulaufzeit. Der Hersteller gibt die Laufzeit mit bis zu 140 Stunden mit aktiviertem Standard-GPS-Tracking (GPS und QZSS) an. Bei täglicher Nutzung soll der Akku rund 50 Tage durchhalten. Damit liegt die Uhr deutlich über dem Wert der Garmin Fenix 7 (Testbericht) mit 28 Tagen und der Garmin Epix 2 (Testbericht) mit 31 Tagen im Smartwatch-Modus.
Coros verkauft die Vertix 2 in den Farben Obsidian (Schwarz-Grau) und Lava (Orange) zum Preis von rund 599 Euro (Preisvergleich). Damit bewegt sich der Preis der Uhr auf dem Niveau der Garmin Fenix 7 Solar (Testbericht).
Auf Amazon finden sich teilweise recht drastische negative Kritiken für die Vertix 2. Ganz so hart wollen wir mit der Uhr an dieser Stelle nicht ins Gericht gehen, denn Coros macht mit der Smartwatch einiges richtig. Trotzdem weist die Vertix 2 auch diverse eklatante Schwächen auf, sodass sie im Vergleich zur Konkurrenz von Garmin, Polar & Co. eindeutig den Kürzeren zieht.
Das Hauptproblem, mit dem die Vertix 2 zu kämpfen hat, ist im Prinzip dasselbe wie bei der Coros Apex 2 Pro (Testbericht): Eine hervorragende Akkulaufzeit und hervorragendes GPS-Tracking wiegen nicht die Mängel bei Pulsmessung, Navigation, der App und der Musiksteuerung sowie den Mangel an Features (etwa Bezahlfunktion) auf. Wenn Coros wirklich mit Garmin mithalten und der Fenix oder Epix entsprechend Konkurrenz machen will, reicht der leicht niedrigere Preis nicht aus. Wer auf der Suche nach einer High-End-Sportuhr ist, sollte sich den Kauf der Coros Vertix 2 also gut überlegen.
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