Trotz ihrer im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Ausbildung (Studium Geschichte/Latein) ist Sara (Jahrgang 1987) seit früher Jugend begeisterte und technikaffine Gamerin. Gleichzeitig liebt sie die Natur und verbringt viel Zeit mit Crossfit und Laufen in allen möglichen Varianten. Das Schreiben aber ist ihre größte Leidenschaft, weshalb sie bei Heise Bestenlisten begeistert ihr Hobby zum Beruf macht.
Die Suunto Race will Ausdauersportler perfekt auf Wettkämpfe vorbereiten. Wir klären im Test, ob die Rechnung des finnischen Unternehmens aufgeht.
Mit der Suunto Race hat Hersteller Suunto eine neue smarte Sportuhr auf den Markt gebracht, die sich speziell an Ausdauersportler und Triathleten richtet. Das Modell steht damit unter anderem in Konkurrenz zur Polar Vantage V3 und Garmin Forerunner 965. Neben umfangreichen Wettkampffunktionen besitzt die Suunto Race eine integrierte Navigation sowie einen leistungsfähigen Akku. Wir haben uns die High-End-Uhr im Test genauer angeschaut und geprüft, für wen sich der Kauf lohnt.
Wer schon einmal eine Suunto-Uhr in der Hand hatte, erlebt beim Design und der Bedienbarkeit der Suunto Race keine nennenswerten Überraschungen. Die Smartwatch kommt ziemlich groß und wuchtig daher, was unter anderem an dem recht dicken Gehäuse und der großen drehbaren Krone an der Lünette liegt. Neben der Krone gibt es zwei weitere Bedienknöpfe, wie man sie auch von anderen Suunto-Uhren kennt. Die Lünette besteht aus gebürstetem Edelstahl und das Gehäuse aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Ein Silikonarmband mit Plastikschließe liegt dem Lieferumfang bei.
Die Suunto Race wirkt robust verarbeitet, allerdings machen Gehäuse und Armband im Vergleich zur Polar Vantage V3 (Testbericht) und der Garmin Forerunner 965 (Testbericht) einen weniger wertigen Eindruck. Dabei muss man der Suunto Race aber auch zugestehen, dass sie im Vergleich zu den beiden Konkurrenzmodellen teilweise günstiger zu haben ist.
Die Bedienung der Suunto Race erfolgt über die drei Tasten an der rechten Gehäuseseite sowie den integrierten Touchscreen. Wer möchte, kann während des Trainings eine Tastensperre aktivieren, was bei längeren, intensiven Einheiten ein praktisches Feature ist. In unserem Test funktionierte die Steuerung der Uhr mithilfe der Tasten und des Touch-Displays durchweg problemlos. Unsere Eingaben wurden stets gut erkannt, allerdings kam es teilweise zu leichten Rucklern beim Scrollen durch die Menüs.
Die drehbare Krone erlaubt die Navigation in den verschiedenen Anzeigen der Uhr, was insbesondere dann von Vorteil ist, wenn man den Touchscreen nicht gut bedienen kann (etwa, weil man Handschuhe trägt oder nasse Hände hat). Das AMOLED-Display bietet eine hervorragende Helligkeit und lässt sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch gut ablesen.
Bevor wir die Suunto Race nutzen können, müssen wir – wie bei den meisten smarten Sportuhren üblich – auf unserem Smartphone die zugehörige App installieren. Nachdem wir ein Konto bei der App eingerichtet und unsere Nutzerdaten angegeben haben, können wir die Uhr via Bluetooth an unser Smartphone koppeln. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Minuten. Anschließend installiert die App das aktuelle Update für die Suunto Race, was im Gegensatz zur Kopplung und Ersteinrichtung einige Zeit in Anspruch nimmt.
Die App bietet eine Übersicht vergangener Aktivitäts- und Gesundheitsdaten. Die Startseite beinhaltet eine Zusammenfassung der vergangenen Trainingseinheiten sowie zu Aktivitäten anderer Suunto-Nutzer, denen wir folgen. Außerdem verfügt die App über einen Kalender und ein Navigationsmenü. Das Herzstück ist aber die sogenannte Training Zone, in der wir unterschiedliche Reiter mit Informationen zu Trainingseinheiten, Aktivität, Schlaf, Erholung und Trainingsfortschritt finden. Die Angaben in den einzelnen Untermenüs sind sehr detailliert aufgearbeitet, erfordern aber ein wenig Einarbeitung, bis man alle Details versteht.
In Hinblick auf das Aktivitätstracking bietet die Suunto Race die absoluten Standard-Features wie eine Messung der zurückgelegten Schritte, der Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität und des Kalorienverbrauchs. Der Schrittzähler funktionierte in unserem Test zuverlässig und ohne nennenswerte Abweichungen zu unserer manuellen Zählung. Nutzer können in der App bestimmte Aktivitätsziele für Schritte und Kalorien festlegen, um sich bei Erreichen dieser Ziele von der Suunto Race informieren zu lassen.
Ein zentrales Feature der Sportuhr ist neben den zahlreichen Trainings- und Wettkampffunktionen, auf die wir später noch genauer eingehen, die Navigation. Beschäftigt man sich ein wenig mit der Geschichte von Suunto, erfährt man, dass das finnische Unternehmen sich unter anderem als Kompass-Hersteller einen Namen machte. Dass die Suunto Race über ein eingebautes Navigationsfeature verfügt, überrascht also wenig. Aber wie gut ist die Wegfindung der Smartwatch?
Bevor wir diese Frage beantworten können, müssen wir zunächst die Kartenbibliothek aktualisieren. In der Suunto-App können wir einzelne Regionen auswählen oder direkt ein Kartenpaket für ganz Deutschland herunterladen. Andere Länder sind in einer alphabetisch geordneten Liste verfügbar. Haben wir eine Karte für den Download ausgewählt, verbinden wir die Uhr mit einem Drahtlosnetzwerk und schließen sie an das Ladekabel an. Der Download beginnt dann automatisch, dauert aber eine ganze Zeit, je nach Größe des Datenpakets bis zu 50 Minuten. Danach müssen wir noch den Kompass kalibrieren, was aber nur wenige Sekunden dauert.
Haben wir die Navigation schließlich eingerichtet, können wir über das Display der Uhr eine Karte aufrufen, die unseren Standort anzeigt. Das GPS ist dabei sehr genau und lieferte in unserem Test gute Ergebnisse. Neben einer Peilungsnavigation, die wir direkt über die Uhr starten können, haben wir die Möglichkeit, in der App konkrete Routen anzulegen oder Points of Interest zu markieren. Das Anlegen einer Route geht einfach von der Hand und funktioniert ähnlich wie bei Google Maps oder Komoot. Routen lassen sich auch nachträglich bearbeiten oder mit anderen Nutzern teilen. Haben wir der Route einen Namen gegeben und sie gespeichert, können wir sie über das Navigationsmenü auf der Uhr auswählen.
Anders als bei der Polar Vantage V3 (Testbericht) haben wir bei der Suunto Race die Möglichkeit, eine erstellte Route für eine Trainingseinheit zu nutzen oder ausschließlich für die Navigation zu verwenden. Außerdem können wir flexibel in der Karte zoomen und Richtungsanweisungen aktivieren. Das Navigationsfeature zeigt dabei ganz deutlich, dass Suunto sein Handwerk versteht: Die Wegfindung funktioniert nämlich hervorragend und lässt keine Wünsche offen.
Die Aufzeichnung und Bewertung des sportlichen Trainings gehört zu den Herzstücken der Suunto Race und ist vorwiegend auf Ausdauersportler ausgerichtet. Trotzdem gibt es über 90 verschiedene Trainingsprofile, mit denen wir einzelne Einheiten aufzeichnen können. Die Uhr bestimmt unter anderem den Trainingsfortschritt anhand der gemessenen Herzfrequenzvariabilität. Zudem steht uns in der App ein personalisierter Coach zur Verfügung, der unseren Fitnesslevel bewertet und konkrete Tipps zur Steigerung der Fitness abgibt. Maßgeblich ist dabei der sogenannte Training Stress Score (TSS), den die App mithilfe unserer Lauf-Pace, Herzfrequenz, Leistung in Watt, Schwimm-Pace und einer metabolischen Basis (Dauer und Aktivitätstyp) berechnet.
Die entsprechenden Werte wie unseren Erholungsgrad, die Trainingsbelastung und unseren Fitnessfortschritt können wir uns auch direkt auf dem Display der Uhr anzeigen lassen. Das gibt einen schnellen Überblick und erleichtert die Trainingsplanung, weil wir nicht erst die App öffnen müssen. In unserem Test empfanden wir die Tipps des Coachs und die Angaben zum TSS als tatsächlich hilfreich. Man sollte sich in der Praxis zwar nicht ausschließlich auf diese Daten und Empfehlungen verlassen, sondern auch auf das eigene Körpergefühl hören, aber trotzdem liefert uns die Suunto Race mit dem integrierten Coach eine hilfreiche Handreichung.
Besonders praktisch fanden wir im Test schließlich den sogenannten Wettkampfsportmodus der Suunto Race. Wer möchte, kann nämlich in der Uhr eigene Sportmodi erstellen – ein Feature, das weder die Garmin Forerunner 965 noch die Polar Vantage V3 in demselben Umfang bieten – und diese Modi nach eigenen Wünschen anpassen.
Dabei haben wir die Möglichkeit, dem Modus einen Namen zu geben und aus einer Vielzahl unterschiedlicher Anzeigen zu wählen. Letztere lassen bis zu sieben Datenfelder auf einer Anzeige zu und erlauben alternativ die Darstellung von Rundentabellen, Intensitätszonen und Intervallen verschiedener Varianten. Die Datenfelder decken dabei gewissermaßen alle erdenklichen Angaben ab, wodurch bei Läufern, Radsportlern, Schwimmern und Ruderern keine Wünsche offen bleiben. Auch die Anzahl der Displays lässt sich anpassen, sodass wir auch eine Navigation sowie weitere Daten integrieren können.
Wem das nicht ausreicht, der kann über den Suunto Store zusätzliche Apps installieren, um die Trainings- und Wettkampffunktionalitäten der Suunto Race zu erweitern. Hier sind der Fantasie ebenfalls kaum Grenzen gesetzt: Von einer Ernährungsapp, mit der wir einen Versorgungsplan mit Gels, Flüssigkeit etc. erstellen können, über Score-Apps für diverse Sportarten und einem Schuhtester bis zu einer Backyard-Ultra-App ist alles dabei, was passionierte Ausdauersportler benötigen (könnten).
Die Messung der Herzfrequenz funktionierte mit dem optischen Sensor der Suunto Race übrigens durchweg zuverlässig. Bei herkömmlichem Ausdauertraining (Laufeinheiten) konnten wir keine nennenswerten Abweichungen gegenüber einem Brustgurt feststellen. Lediglich bei HIIT-Einheiten mit stark wechselndem Puls kam der Sensor manchmal nicht ganz hinterher, aber unter diesem Problem leiden bekanntermaßen fast alle smarten Sportuhren.
Bei der Schlafaufzeichnung macht sich die Suunto Race die üblichen Daten wie Puls, Blutsauerstoffsättigung und Schlafphasen zunutze, um die Schlafqualität zu bewerten. Nutzer können eigene Ziele für die Schlafdauer festlegen, die von der App dann berücksichtigt werden. Die gemessenen Werte bereitet die App dann in einem übersichtlichen Diagramm auf und gibt an, ob unser Schlaf erholsam genug war, damit wir mit dem Training fortfahren können.
Grundsätzlich macht die Suunto Race beim Schlaf-Tracking einen guten Job: Die in der App gespeicherten Daten stimmten mit unserem subjektiven Empfinden überein und auch vereinzelte Wachphasen zeichnete die Uhr zuverlässig auf. Allerdings fiel das Schlaf-Tracking aus uns unbekannten Gründen zwei Nächte infolge aus, sodass trotz explizit aktivierter Aufzeichnung keine Daten gespeichert wurden. Auch kann es vorkommen, dass die Uhr wegen des wuchtigen Gehäuses beim Schlafen stört, aber das kommt auf die persönlichen Schlafgewohnheiten an.
Wer bei der Suunto Race zusätzliche Features wie einen Musikspeicher, ein EKG oder eine Bezahlfunktion erwartet, wird enttäuscht. Zwar bietet die Sportuhr die Möglichkeit, eigene Musik über das Display zu steuern, allerdings muss das Smartphone dafür in Reichweite sein. Auch sonst gibt es keine nennenswerten Sonderfunktionen, wie sie die Forerunner 965 oder die Vantage V3 zu bieten haben.
Der Akku ist definitiv eine der großen Stärken von Suuntos Race-Sportuhr: Wenn wir die Smartwatch nur als Zeitmesser nutzen, hält sie laut Herstellerangaben 26 Tage durch. Bei Aufzeichnung der täglichen Herzfrequenzen ohne Training und GPS schafft die Suunto Race immerhin noch 12 Tage. Mit aktiviertem GPS ist je nach Modus frühestens nach 40 (maximale Genauigkeit, alle Messungen aktiv) und spätestens nach 120 Stunden (geringe Genauigkeit, keine HR) der Saft leer. Diese Werte konnten wir im Test nachvollziehen, weshalb die Suunto Race bei der Akkulaufzeit gegenüber der Polar Vantage V3 und der Garmin Forerunner 965 definitiv die Nase vorn hat.
Aktuell geht die Suunto Race zum Preis ab 340 Euro bei Bergzeit über den Ladentisch.
Im direkten Vergleich mit der Garmin Forerunner 965 und der Polar Vantage V3 hat die Suunto Race einige starke Argumente auf ihrer Seite: Neben dem deutlich günstigeren Preis punktet die Uhr mit kostenlosen Offline-Karten und einer guten Navigation. Die Möglichkeit, den Funktionsumfang mithilfe zahlreicher und noch dazu kostenloser Apps zu erweitern, überzeugt ebenfalls.
Ein echter Vorteil der Suunto Race ist unserer Meinung nach aber die umfangreiche Personalisierung der Sportmodi. Die Möglichkeit, eigene Profile zu erstellen, zu benennen und bis ins kleinste Detail anzupassen, bietet keine andere Uhr auf dem Markt. Wer also besonders viel Wert auf Individualisierbarkeit legt und über kleine Schwächen wie einen fehlenden Musikspeicher oder die für uns unerklärlichen Aussetzer beim Schlaf-Tracking hinwegsehen kann, ist hier richtig.
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