Massiv wie ein E-Scooter zum Mieten und wahnsinnig stark: Wir haben uns im Test den Streetbooster Pollux mit Wechselakku, Federung, Blinker und extra-dicken Reifen ganz genau angeschaut.
Streetbooster gehört zu den großen E-Scooter-Marken am deutschen Markt. Schon im Jahr 2021 zeigten sie mit dem Streetbooster One (Testbericht), dass sie richtig gute E-Scooter bauen. Mit dem 2024er-Modell Streetbooster Sirius (Testbericht) legen sie eine ganze Schippe drauf. Der neuere elektrische Tretroller hat einen Wechselakku, kommt mit guter Verarbeitung, zeigt einen extrem einfachen und effizienten Klappmechanismus, bietet einen Blinker, einen starken Motor und tolles Fahrverhalten.
Der große Bruder, Streetbooster Pollux, ist ein ganz anderes Kaliber als der Streetbooster Sirius. Denn der Pollux ist massiv, kommt mit einer Federung an beiden Rädern, einen deutlich größeren, aber noch immer wechselbaren Akku und einem extrem starken Motor. Damit bietet er sich für Fahrten abseits betonierter Straßen, etwa auf Feldwegen an.
Der Streetbooster Pollux hat sowohl vorn als auch hinten eine Federung. Damit ist es mit ihm deutlich angenehmer, unebene Strecken wie einen Feldweg oder Pflastersteine entlangzufahren, als mit einem ungefederten E-Scooter wie dem Xiaomi Mi 4 Pro (Testbericht). Positiv wirken sich auch die massive Bauweise, die dicken 12-Zoll-Reifen und der sehr breite Lenker auf das Fahrgefühl aus. Der superstarke Motor schafft es, auch schwere Personen bis 144 kg flott auf die maximal erlaubte Geschwindigkeit zu beschleunigen. Toll auch, dass Streetbooster einen Akku zum Wechseln einbaut. So kann der Pollux vor der Tür stehen bleiben, während der Akku in der Wohnung lädt.
„Ist das ein Leih-Scooter?“ Diese Frage höre ich während des Tests gleich mehrfach. Kein Wunder, wirkt der Pollux dank dicker Lenkstange und 12-Zoll-Reifen sowie sehr breitem Trittbrett und Lenker tatsächlich wie ein E-Scooter von Lime, Bolt oder Voi. Zudem gibt es ihn neben Grau in einer knallgrünen Variante, die diesen Eindruck noch verstärkt. Auch wenn es sich nicht um einen E-Scooter zum Mieten handelt, wirkt er dennoch ähnlich unzerstörbar wie der Mytier (Testbericht). Kein Wunder also, dass der Pollux eine maximale Zuladung von 144 kg erlaubt.
Die stabile Bauart hat auch Nachteile. So verzichtet der Streetbooster Pollux mit den Maßen 132 cm x 69,5 cm x 122 cm auf einen Klappmechanismus. Das macht es nicht nur schwerer, ihn platzsparend zu verstauen oder mit dem Auto zu transportieren. Auch darf er so wie ein Fahrrad nur mit zusätzlichem Ticket in öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden. Klapp-E-Scooter fahren genauso kostenlos mit wie E-Klappräder (Bestenliste). Auch ist es wegen des fehlenden Klappmechanimus schwer, den gut 36 kg schweren E-Scooter eine Treppe hoch- oder runterzutragen. Nett: An der Lenkstange sitzt ein kleiner Haken für Rucksack oder Einkaufstüte.
Der 122 cm hohe Lenker ist stark nach oben gebogen und erinnert etwas an ein Fahrrad für Rentner. Immerhin ist er mit fast 70 cm unfassbar breit, was sich positiv auf das Fahrgefühl auswirkt. An den Enden der angenehm gummierten Lenkgriffe sitzt der über zwei gut erreichbare Taster aktivierbare Blinker. Auf der rechten Seite ist der Daumengriff zum Beschleunigen und eine in den Bremsgriff integrierte Klingel. Eine elektrische Hupe gibt es nicht.
Mittig des Lenkers sitzt das farbige Display. Es zeigt neben der aktuellen Geschwindigkeit ohne Nachkommastelle zudem die gewählte Unterstützungsstufe und die Restkapazität des Akkus in fünf Balken an. Der einzige Knopf unterhalb des Displays, welches sich auch bei Sonnenschein noch ablesen lässt, schaltet den E-Scooter ein und aus, wechselt die Unterstützung und regelt das Licht. Das Frontlicht sitzt etwas zu tief am unteren Ende der Lenkstange. Es ist ausreichend hell und in der Höhe des Abstrahlwinkels variabel. Das Rücklicht leuchtet zusätzlich beim Bremsen auf.
Der Streetbooster Pollux wirkt nicht nur wie ein Panzer, er fährt sich auch so. Wir kennen kaum einen anderen E-Scooter, der sich derart unbeirrbar seinen Weg bahnt. Dank der stabilen Verarbeitung wackelt beim Fahren nichts. Auch die superbreiten und mit 12 Zoll sehr großen Reifen tragen ihren Teil für eine möglichst sanfte Fahrt bei. Bordsteine sind für sie gar kein Problem. Etwas enttäuscht sind wir von der Federung, die sowohl vorn als auch hinten zu straff eingestellt ist. Wir gehen davon aus, dass man sie mit dem richtigen Werkzeug anpassen (lassen) kann.
Der Motor bietet bei 48 V eine Nennleistung von 500 W und schafft in der Spitze 1200 W. Dabei bietet er 35 Nm. Damit gehört er mit zu den stärksten Motoren, die wir bisher in einem E-Scooter gesehen haben. Er kann gar mit den Vmax VX2 Pro (Testbericht) mithalten. Bei 20 km/h plus 10 % regelt er sanft ab. Am Vorderrad sitzt eine Trommelbremse, am Hinterrad eine Scheibenbremse. Beide greifen gut und bringen uns flott zum Stehen. Interessanterweise kommt hier keine kombinierte oder dedizierte elektrische Bremse zum Einsatz.
Der Lenker des Pollux richtet sich über einen Federmechanismus stets wieder nach vorne aus. Warum, das weiß wohl nur Streetbooster selbst. Uns zumindest erschließt sich der Sinn nicht. Denn beim Fahren stört das mehr, als es nutzt. So muss der Fahrer bei jeder kleinen Kurve stets erst einen kleinen Widerstand überwinden. Wahrscheinlich gewöhnt man sich nach einiger Zeit daran. Wir empfinden es jedoch als störend und als deutlichen Minuspunkt beim ansonsten so tollen Fahrgefühl.
Der Akku hat eine Kapazität von 552 Wh. Streetbooster spricht unter Optimalbedingungen von einer Reichweite von 55 km und unter Normalbedingungen von 42 km. Diese Reichweiten können unserer Erfahrung nach erreicht werden. Wer jedoch in kaltem Wetter deutlich schwerer als 80 kg ist und viel Stopp-&-Go fährt, muss mit weniger rechnen.
Der Pollux kostet direkt bei Streetbooster 1399 Euro. Dort gibt es auch diverses Zubehör wie eine Klickfix-Halterung für Taschen und Körbe für 35 Euro.
Der Streetbooster Pullux ist ein Biest! Selten haben wir abseits von E-Scootern zum Mieten stabilere Elektroroller gesehen. Dazu kommt der extrem starke Motor, sehr große und dicke Reifen und der Wechselakku. Die Federung ist im Grunde gut, für unser Empfinden aber zu hart eingestellt. Auch das Fehlen eines Klappmechanismus‘ könnte einige Käufer abschrecken. Er kostet direkt bei Streetbooster 1399 Euro.
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