Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Das Switchbot Smart Lock Pro kommt mit herkömmlichen Batterien oder Akku aus und bietet viel Zubehör, darunter auch ein Ziffernpad mit Fingerabdrucksensor. Wir haben es getestet.
Ursprünglich hat Switchbot mit nur einem Produkt für den deutschen Markt angefangen, inzwischen gibt es davon zahlreiche wie den besonders kleinen Saugroboter Switchbot K10+ (Testbericht) und das rund um den Switchbot Hub 2 (Testbericht) aufgebaute Smart-Home-Universum. Auch ein smartes Türschloss kam da mit dem Switchbot Lock (Testbericht) im vergangenen Jahr hinzu, jetzt ist das Switchbot Lock Pro im Handel. Wir haben uns das neue Smart Lock angeschaut und verraten im Test, wie gut es im Vergleich zur Konkurrenz ist.
Das Switchbot Lock Pro ist vor allem eins: groß und klobig. Mit 59 × 84 × 120 Millimeter ist das Schloss zwar nicht viel größer als Konkurrenzprodukte von Yale oder Nuki, wer hingegen schon mal ein Tedee Lock (Ratgeber) oder Tedee Go 2 (Testbericht) live gesehen hat, wird beinahe erschrocken über die Maße des Switchbot-Schlosses sein. Dafür ist das Lock Pro insgesamt sehr schlicht gehalten und dank schwarzer Farbgebung trotz der Größe nicht extrem auffällig – zumindest nicht an dunklen Türen. Grund für die Größe: Im Gegensatz zum Tedee Lock soll das Switchbot Lock Pro einfach über das bestehende Schloss mit eingestecktem Schlüssel gestülpt und befestigt werden. Anschließend dreht der Motor den Schlüssel und steuert so den Schließzustand.
Die ausufernde Größe ändert nichts an der guten Qualitätsanmutung des Switchbot Lock Pro. Es besitzt ein Gehäuse aus Aluminium, lediglich der Drehknopf an der Vorderseite besteht aus Kunststoff. Der sitzt jedoch fest und klappert nicht. Insgesamt gibt es an der Verarbeitungsqualität nichts zu bemängeln, das Smart Lock Pro wirkt sehr wertig.
Wer sich für das Switchbot Lock Pro entscheidet, sollte beim Hersteller zunächst die Kompatibilität mit dem bestehenden Zylinder prüfen. Hilfestellung gibt es dabei auf der Seite des Herstellers. Geliefert wird das Lock Pro mit dem passenden Montagematerial und Werkzeug, unter anderem liegen zwei Montageplatten für unterschiedliche Schlösser bei, zudem insgesamt acht Zylinderadapter für diverse Knauf-Modelle. Somit kann das Schloss mit allen üblichen Türschlössern genutzt werden – zumindest in der Theorie. Bei unserer Testtür etwa stand der Schließzylinder zu weit aus der Tür hervor, als dass eine der Montageplatten hätte installiert werden können.
Da neuer Zylinder oder Schlüssel (Schließanlage) zu teuer gewesen wären, haben wir kurzerhand einen Adapter mittels Fusion360 und eines 3D-Druckers (Themenwelt) erstellt. Das macht das Switchbot Lock Pro zwar noch etwas klobiger und ist mangels schwarzem Filaments auch optisch nicht optimal, sparte aber viel Geld. Dass anschließend das komplette Schloss-Innenleben getauscht werden musste, da die alte Mechanik immer wieder blockierte, ist hingegen nicht dem Schloss zuzurechnen. Beim zuvor getesteten Tedee Lock gab es dieses Problem allerdings nicht. Zusätzlich zu den erwähnten Dingen im Lieferumfang liegt ein kleiner Magnetkontakt bei, der Auskunft darüber gibt, ob die Tür geschlossen oder geöffnet ist.
Die Montage ist mithilfe der beiliegenden Bedienungsanleitung schnell und (abgesehen von den beschriebenen Problemen mit der Testtür) einfach erledigt. In wenigen Minuten ist das Smart Lock einsatzbereit. Dafür muss lediglich die passende, mit einem Klebepad bestückte Montageplatte auf das bestehende Türschloss gesetzt werden. Im Anschluss wird sie zusätzlich mit drei kleinen Schrauben am Zylinder befestigt. Das kennt man so auch von anderen smarten Schlössern wie dem Nuki Smart Lock 4.0 (Testbericht).
Ist das erledigt, kann das Türschloss aufgesetzt und mit ähnlich kleinen Schrauben an der Platte fixiert werden. Der Schlüssel muss dabei von innen stecken, das Lock Pro wird darüber gestülpt. Im Lieferumfang liegen die passenden Batterien bei, insgesamt werden vier AA-Batterien benötigt. Beliebige Akkus soll man nach Angaben des Herstellers nicht verwenden, alternativ bietet Switchbot aber einen passenden an. Praktisch: Der Zugang zu den Batterien liegt auf der Vorderseite, abgedeckt durch eine magnetische Metallplatte. So ist der Wechsel später, etwa wenn die Batterieleistung nachlässt, innerhalb kürzester Zeit erledigt.
Das Anbringen des kleinen Magneten ist selbsterklärend. Er wird mit einem kleinen Klebepad in der Nähe des Schlosses am Türrahmen angebracht. Für eine einwandfreie Funktion müssen Magnet und Türschloss in etwa auf einer Höhe liegen. Das alles wird aber in der App optimal beschrieben.
Die Einrichtung über die Switchbot-App gelingt in wenigen Minuten, die Software ist für iPhone sowie Android-Handys erhältlich. Vorausgesetzt wird mindestens iOS 14 sowie Android 5.0. Über das Plus-Symbol in der Anwendung wird das neue Gerät hinzugefügt, im Anschluss erfolgt die Kalibrierung. Dabei zeigt die App Schritt für Schritt, was der Nutzer tun soll und es stehen sogar kurze Videos bereit, sodass auch Neulinge auf dem Gebiet der Smart Locks keine Probleme mit der Einrichtung haben sollten. Hilfreich: Das Switchbot Smart Lock Pro besitzt an der Vorderseite eine kleine LED, die Aufschluss über den aktuellen Zustand gibt. So sieht man sofort, ob der Kopplungsmodus läuft oder möglicherweise ein Fehler aufgetreten ist. Zudem zeigt die LED den Zustand der Batterien an.
Innerhalb der App stehen einige Optionen bereit, mit denen das Lock Pro an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst werden dürfen. Die Status-LED lässt sich auf Wunsch abschalten, ebenso die akustische Rückmeldung des Schlosses, die mit eher niedriger Lautstärke ohnehin recht dezent ausfällt. Zu den weiteren Funktionen der App gehört eine optionale, automatische Verriegelung der Tür sowie eine Alarmfunktion, die per Push-Mitteilung warnt, wenn die Tür offensteht.
Ebenfalls anpassen lässt sich der große Knopf auf der Vorderseite. Er kann beim Drücken die Tür verschließen und entriegeln oder auch nur eines von beidem. Nutzer dürfen in der App festlegen, ob der Vorgang über einen einfachen oder einen doppelten Druck erfolgen soll. Ein zeitverzögertes Schließen wie bei Nuki, sodass der Nutzer nach einem Doppelklick auf den vorderen Knopf des Schlosses noch Zeit zum Verlassen des Hauses hat, gibt es bei Switchbot nicht. Zusätzlich zum Öffnen oder Schließen der Tür bei Betätigung des großen Druckknopfes in der Mitte dürfen Nutzer die Tür auch durch Drehbewegungen manuell auf- oder zudrehen. Das ist dann hilfreich, wenn die Batterien mal leer sind. Für einen solchen Fall empfiehlt sich die Installation eines Smart Locks ohnehin nur, wenn der Schließzylinder sich von außen trotz innen eingestecktem Schlüssel aufschließen lässt.
Die meisten Türen haben eine Türfalle, die beim Entriegeln eingezogen wird, damit die Tür von außen geöffnet werden kann. In der Software lässt sich festlegen, wie lange die eingezogen wird, wobei eine Dauer von 1 bis 10 Sekunden angegeben werden darf. Bei uns funktionierte das trotz mehrfacher korrekter Justierung per App nicht vollständig, stattdessen wurde im Alltag der letzte Millimeter der Türfalle nicht eingezogen. Resultat: Die Testtür muss nach dem Öffnungssignal von außen immer erst leicht angezogen werden, um anschließend aufgedrückt werden zu können. Beim zuvor verwendeten Schloss von Tedee war das nicht so, im Alltag stört das aber wenig. Im Gegenteil: Die Tür kann so nicht ungewollt aufspringen. Hat man die Arme voll, ist das hingegen eher hinderlich.
Denn was dem Switchbot Lock Pro fehlt, ist ein automatisches Öffnen per Geofence, sogenanntes Auto-Unlock. Das ist besonders dann hilfreich, wenn man mit Tüten vom Einkauf vollgepackt keine Hand freihat, um per App oder mit anderen Hilfsmitteln (mehr dazu später) die Tür aufzusperren. Apple-Nutzerinnen und -Nutzer können dies immerhin über die Apple Home-App machen – dafür wird der Hub Mini Matter als Zubehör benötigt, sodass das Lock Pro in Apple Homekit eingebunden und in Automatisierungen genutzt werden kann. Android-Nutzer schränkt der Nutzungsumfang im Vergleich zu manchem Konkurrenzprodukt etwas ein, deutlich bequemer wird es allerdings mit dem optionalen Zubehör.
Switchbot bietet neben dem bereits erwähnten optionalen Akku für das Smart Lock Pro diverses weiteres Zubehör an. Dazu gehören etwa das Keypad mit Fingerabdrucksensor und das Hub Mini mit Matter-Unterstützung. Letzteres wird in der Nähe des Türschlosses in eine Steckdose gesteckt und ist notwendig, um das Smart Lock in Apple Homekit einzubinden und aus der Ferne bedienbar zu machen. So erhält man im Zusammenspiel mit dem beschriebenen Magneten außerdem Push-Benachrichtigungen über eine offene oder angelehnte Tür. Weiterhin ermöglicht es zusätzliche Entsperr-Methoden per Sprachbefehl.
Das Keypad mit Fingerabdrucksensor erweitert den Funktionsumfang und vor allem die Entsperr-Methoden nochmals deutlich. Es wird per Schrauben oder Klebepad in der Nähe der Tür befestigt und erlaubt die Öffnung des Switchbot Lock Pro per Zahlencode, Fingerabdruck oder NFC. Eine NFC -Karte liegt bereits im Lieferumfang bei. Im Online-Shop des Herstellers gibt es zudem Tags für den Schlüsselbund und weitere NFC-Karten. Über die Switchbot-App lassen sich zahlreiche Codes, NFC-Karten und bis zu 100 Fingerabdrücke hinzufügen. Hier gibt es zudem die Möglichkeit, temporäre, einmalige sowie Notfall-Zugänge zu erstellen.
Besonders den Fingerabdrucksensor empfanden wir im Test als sehr bequeme Zugangsmethode, manche Wettbewerber wie etwa Tedee bieten das leider bis heute nicht an. Das Keypad arbeitet zuverlässig und erkennt NFC-Karten sowie Fingerabdrücke schnell. Der Motor des Schlosses ist zwar kräftiger und auch etwas schneller als beim Vorjahresmodell, allerdings dauert es immer noch rund 6 Sekunden, bis eine doppelt verriegelte Tür offen ist.
Wie immer gilt: Wer ein Smart Lock per Amazon Alexa steuern will, muss diese Funktion erst in der Alexa-App freigeben und zudem eine PIN benennen, die dann auf Nachfrage zum Öffnen verbal angegeben werden muss. Obwohl das Switchbot Smart Lock Pro neben "Verriegelt" zwischen den Stati "Entriegeln" und "Öffnen" (also öffnen ohne und mit Einziehen der Türfalle) unterscheidet, ist ein Aufschließen in Routinen nicht möglich.
Bis zu neun Monate soll das Lock Pro nach Angaben des Herstellers mit herkömmlichen Batterien laufen, mit dem separat erhältlichen Akku sogar bis zu zwölf Monate. Ob sich das im Alltag bewahrheitet, können wir zum Zeitpunkt des Artikels noch nicht sagen. Nach rund zweieinhalb Wochen im Test mit diversen Ver- und Entriegelungen lag die Kapazität des uns ebenfalls zur Verfügung gestellten, zweiteiligen Switchbot-Akkupacks bei 74 und 93 Prozent. Geladen haben wir ihn vor der Installation allerdings nicht.
Das Switchbot Smart Lock Pro gibt es in Schwarz und in Silber. Ohne Zubehör kostet es regulär 140 Euro, ist aber aktuell für 95 Euro erhältlich. Das Bundle aus Schloss, Keypad mit Fingerabdrucksensor und Hub gibt es aktuell für 160 Euro.
Das Switchbot Smart Lock Pro ist ein hochwertiges smartes Türschloss, das ausreichend leise und zügig sowie kraftvoll und zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Es ist nicht nur stärker, sondern auch etwas schneller als das Switchbot Smart Lock (Testbericht) aus dem Vorjahr. Durch das optionale Zubehör gibt es zahlreiche Komfort-Optionen, vor allem die Nutzung des Keypads mit Fingerabdrucksensor hat uns überzeugt. Dank Matter-Support über den neuen Mini-Hub werden auch iPhone-Nutzer mit dem neuen Schloss glücklich. Zudem lässt es sich damit auch in andere Smart-Home-Systeme wie Home Assistant integrieren. Montage und Einrichtung sind auch für Smart-Lock-Neulinge kein Problem, das klappt einfacher als beim Vorgänger. Beiliegende Beschreibung, die Website und auch die App helfen hier gut weiter.
Allerdings ist das Switchbot Smart Lock Pro ziemlich groß und klobig. Das erlaubt zwar den Einsatz herkömmlicher AA-Batterien oder des passenden Akkus sowie eines etwas kräftigeren Motors, sieht aber gerade an einer weißen Tür alles andere als filigran aus. Dafür wirkt das Schloss massiv und wertig. Die Konkurrenz bietet in der App allerdings noch mehr Funktionen, gerade Auto-Unlock haben wir vermisst. Dafür stimmt bei Switch Bot wiederum der Preis, besonders die Bundles sind interessant.
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