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Test Ikea Tradfri: Günstige Hue-Alternative

Test Ikea Tradfri: Günstige Hue-Alternative
VORTEILE
  • Unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis
  • Viel Auswahl
  • Einfache Nutzung
NACHTEILE
  • Sehr schlechte Illustration des Smart-Home-Portfolios
  • System etwas eingeschränkter als Philips und Osram

Smarte Beleuchtung in günstig: Ikea greift Lightify und Hue an. Wir testen das Smart-Home-Kit der Tradfri-Serie und zeigen seine Stärken.

Ikea gibt sich stylish, jung und modern – da darf natürlich auch ein smartes Beleuchtungssystem nicht fehlen. Wie alles beim schwedischen Möbelhaus Ikea hat auch das einen nordischen Namen: Tradfri. Und obwohl Ikea Tradfri eigentlich in Ikea Home Smart umbenannt hat, werden die Smart-Home-Produkte auch weiterhin unter dem Begriff Tradfri vertrieben. Die App heißt hingegen Ikea Home Smart – und hier geht die Verwirrung erst los.

Genauso wie der Umstand, dass nicht alle Systeme, die zu Tradfri kompatibel sind, auch den Namen Tradfri tragen. Bestes Beispiel: Die Decken- und Wandlampe Floalt (Preisvergleich ). Die ist zwar mit Ikea Home Smart kompatibel, nachzulesen ist das allerdings nirgendwo klar und deutlich.

Kommunikation ist offenbar eines der größten Probleme bei Home Smart aka Tradfri: Inzwischen hat Ikea zwar eine eigene Seite im Netz für Informationen zu Smart-Home-Produkten geschaltet, dort wird aber weder Tradfri, noch der neue Begriff Ikea Home Smart erwähnt. Wie sollen denn da normale Kunden den Durchblick bekommen?

Ikea Tradfri

Zusätzlich ist oft auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen, was denn nun in einer Verpackung steckt. Wer etwa eine farbige E27-LED sucht, muss auf dem Karton nach einem bunten Kreis-Symbol schauen, Experten erkennen den Unterschied zu weißen Leuchtmitteln (1.000 Lumen) auch noch an der mit 600 Lumen niedrigeren Leuchtkraft. Weiße Leuchtmittel unterscheiden sich dann auch noch in zwei Varianten, bei der entweder nur die Gelbtöne oder zusätzlich auch noch Tageslicht-ähnliche, bläuliche Farbtemperatur ausgewählt werden kann. Auch hier unterscheidet nur ein kleiner Kreis auf der Verpackung die Varianten – extrem unübersichtlich! Wenn dann noch verschiedene Versionen der gleichen Lampe hinzukommen, dürfte der Großteil der interessierten Kundschaft hilflos die Schulter zucken und gehen. Irgendwie wirkt dieses Durcheinander so, als wolle der Hersteller seine Produkte gar nicht verkaufen.

Dabei gibt es eine Menge zu entdecken. Ikea Home Smart bietet fast alles, was die Konkurrenz von Osram Smart+ (Testbericht ) und Philips Hue (Testbericht ) auch zu bieten hat – nur eben viel günstiger. So kostet eine Philips Hue White and Color Ambience (Preisvergleich ) stolze 41 Euro und in der UVP sogar knapp 60 Euro, die UVP der Tradfri-Lampe liegt bei gerade einmal knapp 14 Euro. Inzwischen gibt es einiges an Zubehör für Ikeas Home Smart, darunter Bewegungsmelder und Lichtpaneele für Wand, Decke und sogar Küchen- oder Wohnzimmerschrank.

Was benötigt man?

Grundsätzlich brauchen die Leuchtmittel und das restliche Zubehör, etwa die Bewegungsmelder, ein Gateway. Das kann die Tradfri-Bridge für knapp 30 Euro sein, es funktionieren aber auch andere Gateways auf Zigbee-Basis, etwa die Hue-Bridge von Philips (Preisvergleich ) oder ein Echo Plus (Testbericht) von Amazon. Wie bei der Konkurrenz müssen Gateway und Home-Smart-Produkte im gleichen (WLAN)Netzwerk sein, um untereinander kommunizieren zu können. Kleines Plus des Ikea-Gateways: Es verfügt über ein einfaches, aber hilfreiches Kabelmanagement, bei dem zumindest halbwegs kurze Kabel im Inneren des Gateways verstaut werden können. Da das Gerät meist ohnehin in nächster Nähe zum Router aufgebaut werden dürfte, ist dies sehr praktisch.

Ikea Tradfri

Für einen einfachen Start bietet Ikea diverse Sets an. Die haben nicht nur den Vorteil, etwas preisgünstiger als Einzelprodukte zu sein, sondern alle im Set gekauften Produkte sind schon miteinander gekoppelt. Das erspart Arbeit und Zeit, auch wenn das Einbinden von neuen Produkten insgesamt schnell und einfach von der Hand geht. So ein Set beinhaltet dann etwa das Gateway, zwei farbige E27-Leuchtmittel und eine Fernbedienung für zusammen knapp 75 Euro.

Einrichtung

Bei unseren Testgeräten funktionierte das mit der „Vorkoppelung“ nicht, wir mussten auch das Einrichten des Gateways mehrfach wiederholen. Dabei ist das grundsätzlich ganz einfach: Einfach das mitgelieferte Stromkabel (Micro-USB) an Strom und das LAN-Kabel an den Router anschließen, schon startet das Gateway. Parallel die Ikea-Home-Smart-App auf dem Smartphone öffnen und den Instruktionen folgen.

Die sind eigentlich schnell abgehakt. Wenn alle drei Statusleuchten am Gateway leuchten, soll die Suche in der App gestartet werden. Anschließend einfach den Code auf der Rückseite der Bridge mit dem Smartphone scannen – fertig. Nach mehreren Anläufen funktionierte das dann auch und wir fanden uns auf der Startseite der einfachen Ikea-Home-Smart-App wieder.

Ikea Home Smart: App nur mit Grundfunktionen

Die App listet alle Räume mit entsprechenden smarten Gerätschaften auf, die wir in das System integriert haben. In unserem Fall war das abgesehen vom Ikea-Gateway nur eine weiße E27-Lampe mit Bewegungsmelder (im Set knapp 25 Euro). Da auch die im Set enthaltenen Geräte trotz des gegenteiligen Versprechens des Herstellers nicht miteinander gekoppelt waren, kamen wir nicht umhin, dass manuell zu erledigen.

Ikea Tradfri Gateway

Dazu muss nur das große Plus-Icon am unteren Display-Rand im Menüpunkt „Geräte verwalten“ angeklickt werden, schon öffnet sich eine Liste an koppelbaren Gerätschaften vom smarten Rollo (leider in Deutschland immer noch nicht erhältlich) über Funksteckdosen bis hin zu unserem Bewegungsmelder. Anschließend fordert die App zum Zurücksetzen des Sensors auf, was durch viermaliges schnelles Drücken des einzigen Knopfes auf der Rückseite des Sensors geschieht. Danach musste der Sensor direkt (Abstand maximal 2 Zentimeter!) an die Lampe gehalten werden, mit der er verbunden werden soll. Währenddessen muss der rückseitige Knopf gedrückt gehalten werden, bis die Lampe pulsiert. All diese Schritte werden in der App detailliert erklärt.

Diese Verbindung per „Touchlink“ ist dann aber schon alles, um Regeln erstellen zu können. Anschließend wird das Leuchtmittel automatisch aktiviert, sobald der Bewegungssensor Bewegung registriert. Ob er das bei Dunkelheit oder auch bei Tageslicht tun soll, lässt sich über einen einfachen mechanischen Drehregler auf der Rückseite vage festlegen. Gleiches gilt für die Zeit, die die Lampe an bleiben soll. Hier besteht freie Auswahl zwischen 1 bis zu 10 Minuten. Ähnlich wie bei einem Präsenzmelder bleibt die gekoppelte Lampe solange an, bis keine Bewegung mehr festgestellt wird. Danach greift dann die eingestellte Zeitspanne.

Insgesamt ist die Ikea-App sehr einfach aufgebaut. Die verschiedenen Farbtemperaturen unserer weißen Testlampe ließen sich nicht per Schieberegler, sondern nur per vorgegebenen, anpassbaren „Stimmungen“ auswählen. Ein weiteres Feature der App sind verschiedene Timer. Damit lässt sich etwa im Urlaub Anwesenheit simulieren und es ist möglich, ausgewählte Lampen über einen Zeitraum von 30 Minuten langsam immer heller werden zu lassen – wie eine aufgehende Sonne. Auch Rollos – sofern irgendwann in Deutschland erhältlich – können so in eine Routine übernommen werden.

Wer nach mehr Optionen sucht, der wird enttäuscht sein. Echte Regeln, selbst in einem eingeschränkten Ausmaß, wie Amazon das mit seinen Smart-Home-Gerätschaften schafft, lassen sich über das Genannte hinaus nicht definieren. Wer das will, der muss zu einem umfangreicheren und deutlich teureren System greifen oder zumindest Google Home, Alexa oder Apple Homekit integrieren. Dann lassen sich wie bei der Konkurrenz Sprachbefehle etwa zum An- und Ausschalten, Dimmen oder Farbwechseln geben. Apple Homekit wird zwar auf der Verpackung des Ikea-Gateways angegeben, in der App werden aber nur Amazons und Googles Lösungen aufgezeigt. Die Integration von Alexa funktionierte problemlos.

Geräte

Ikea Tradfri

Die Einfachheit des Bewegungssensors und seiner Einstellungsmöglichkeiten wurde bereits angesprochen. In Anbetracht des niedrigen Preises ist das aber verschmerzbar, zumal die Zuverlässigkeit des Gerätes im Testzeitraum gut war. Auf eine Entfernung von rund 5 Metern registrierte der Sensor Personen, eine neuere Version schafft auch größere Reichweite. Wie lange die beiden im Lieferumfang enthaltenen Knopfzellen durchhalten, können wir nach dem nur wenige Tage dauernden Test nicht sagen. Zum Lieferumfang gehören außerdem Klebe-Pads und eine an die Wand schraubbare Rückplatte.

Die E27-Birne, die uns Ikea für den Test zur Verfügung gestellt hat, machte qualitativ einen guten Eindruck. Bis auf den Aufdruck sind äußerlich keine Unterschiede zu den teils deutlich teureren Konkurrenzprodukten zu sehen. Das gilt auch für die Angaben zur Lampe, die oftmals mit denen von Hue-Produkten identisch sind. So soll die von uns getestete Lampe ebenfalls etwa 25.000 Stunden funktionieren, die Lichtleistung wird von Ikea sogar mit 1.000 Lumen angegeben, während Philips bei seinem farblosen Gegenstück nur von 800 Lumen spricht. Einen nennenswerten Helligkeitsunterschied konnten wir aber nicht ausmachen. Den gibt es aber im Betrieb: Beim Wechsel von Stimmungen (Farb- und Farbtemperaturvorgaben) und auch beim An- und Ausschalten faden die Leuchtmittel von Ikea nicht so schön sanft wie Hue-Lampen ein- und aus, außerdem springen sie auch bei Verwendung etwa der Philips-Bridge von Farbtemperatur zu Farbtemperatur.

Fazit

In Puncto Preis-Leistung macht den Ikea-Smart-Home-Produkten so schnell keiner was vor. Im Netz sind zwar etliche Stimmen zu finden, die von regelmäßigen Ausfällen des Gateways, einzelnen nicht erreichbaren Leuchtmitteln und gelegentlichem Flackern der Leuchtmitteln berichten. In unserem Testzeitraum funktionierten die getesteten Gerätschaften aber wie erwartet, Komplikationen traten nicht auf. Der Funktionsumfang scheint insgesamt etwas gering. Das liegt an der einfachen Verbindung per Touchlink, die ein aufwändiges Regelsystem erübrigt, aber eben auch verhindert.

Eines der größten Ärgernisse ist aber vielleicht das Durcheinander, das Ikea bei seinen Smart-Home-Produkten veranstaltet. Der Kunde hat kaum eine Möglichkeit, sich auf einen Blick umfassend über alle kompatiblen Geräte zu informieren. Die reine Namensänderung von Tradfri zu Home Smart reicht da bei weitem nicht aus. Ikea hat auch rund zwei Jahre nach Start des Systems noch viel Aufklärungsarbeit vor sich. Dank der Erweiterbarkeit per Sprachassistent und der Integration in andere Systeme wie etwa das von Philips sind aber zumindest die Leuchtmittel eine deutlich günstigere Alternative zu den Lampen von Philips und Osram.