Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Wischsauger sind praktisch und erleichtern den Alltag. Hersteller Tineco hat mit dem Floor One S3 ein besonders smartes Exemplar mit App-Anbindung im Sortiment.
Akku-Wischsauger, also kabellose Staubsauger, die gleichzeitig (und in erster Linie) wischen, liegen gerade im Trend. Ganz neu sind diese Geräte aber nicht, tatsächlich wurde der Tineco Floor One S3 bereits 2020 vorgestellt und räumte damals Preise ab. Dass das Modell nach wie vor verkauft wird, spricht für das Produkt. Wer Tineco als Marke nicht kennt, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Tineco gehört zu Ecovacs, das hierzulande primär für seine Saugroboter bekannt ist – genügend Know-how ist also offensichtlich vorhanden.
Getestet haben wir in dieser Produktkategorie in letzter Zeit Modelle wie den Roborock Dyad (Testbericht), Jimmy PowerWash HW8 Pro (Testbericht) und den Dreame H11 Max (Testbericht).
Der Lieferumfang des Tineco Floor One S3 ist üppig. Enthalten ist die Ladeschale, die dem Sauger als Abstellort und Selbstreinigungsgefäß dient und zudem Aufbewahrungsort für weiteres Zubehör ist: zweite Wischwalze, zweiter HEPA-Filter und ein Reinigungsinstrument. Zudem packt Tineco eine spezielle Reinigungsflüssigkeit in den Lieferkarton, die nicht nur optisch, sondern auch geruchstechnisch für Frische sorgt.
Optisch sieht der Tineco Floor One S3 wie eine Mischung aus Roborock Dyad (Testbericht) und Dreame H11 Max (Testbericht) aus – wobei hier die anderen beiden Firmen wegen des früheren Erscheinungsdatums des Tineco-Modells wohl eher beim S3 abgekupfert haben dürften. So ähnelt der Korpus des Floor S3 mit seiner monolithischen Aufmachung eher an den H11 Max. Farblich ist Roborock näher am Tineco-Modell, wobei sich der Hersteller beim S3 ausschließlich auf Schwarz und Weiß konzentriert, während Roborock sein Modell noch mit weiteren Farbtupfern garniert hat.
Tineco verpasst seinem Wischsauger wie Dreame ein sehr großes Display, das wesentliche Funktionen wie Saugleitung, Akkustand und diverse Fehler meldet. Zudem wird hier angezeigt, ob das Gerät eine WLAN-Verbindung hat – denn im Gegensatz zu seinen Konkurrenten bietet der Floor One S3 eine App-Anbindung. Die Qualitätsanmutung des Gerätes ist wie bei den Modellen von Roborock und Dreame sehr gut.
Im Gegensatz zu den Konkurrenten ohne App steht beim Tineco Floor One S3 als Erstes die Verbindung mit dem Smartphone an. Nach dem Herunterladen der Tineco-App sucht man das hinzuzufügende Modell, anschließend muss der Wischsauger aus der Ladeschale genommen und angeschaltet werden. Anders als bei den Modellen von Roborock und Dreame führt das nicht dazu, dass der Motor anläuft. Anschließend folgt man der Anweisung auf dem Smartphone-Display. Bei uns gab es anfangs Probleme, eine Verbindung mit dem Wischsauger herzustellen, da der dazu benötigte Hotspot nicht aufgebaut wurde. Obwohl der Hersteller nicht darauf hinweist, scheint hier ein Ladestand des Akkus über 50 Prozent nötig zu sein, alternativ kann auch längeres Warten von ein paar Minuten dazu geführt haben, dass der Tineco-Hotspot plötzlich in den WLAN-Einstellungen des Smartphones auftauchte. Anschließend klappte die Verbindungsaufnahme reibungslos.
In der App wird die Sauberkeit des Wischsaugers generell, der Akkustand und der Zustand von Abwasser- und Frischwassertank angezeigt. Außerdem ist hier ersichtlich, welche Saug- und Wischstufe (Auto oder Maximum) eingestellt ist. Zudem lässt sich die Sprachausgabe des Gerätes deaktivieren und die Selbstreinigung starten. Braucht man das wirklich, gibt es tatsächlich Nutzer, die während des Wischens in der anderen Hand noch mit dem Smartphone herumrennen, um Einstellungen am Wischer vorzunehmen? Wohl kaum, dennoch gibt es ein paar sinnvolle Anwendungsbeispiele. So zeigt die App nicht nur den Akkustand, sondern auch die verbleibende Ladezeit in Minuten an. Zudem lassen sich über die Kontoeinstellungen Firmware-Updates anschubsen oder die Sprache Sprache geändert werden, etwa auf Deutsch. Ist das essenziell? Auch das darf wohl verneint werden – eher nice to have, zumal manches davon bei den anderen Anbietern teilweise über Bedienknöpfe zu machen ist. Moderner ist das natürlich per Smartphone…
Einer der größten Kritikpunkte am Roborock Dyad (Testbericht) war die fehlende Möglichkeit, den Wischsauger „ohne Krücke“ außerhalb der Ladeschale abzustellen. Beim Tineco-Modell klappt das wie etwa beim Dreame H11 Max (Testbericht) problemlos, sobald der Korpus etwas mehr als 90 Grad aufgerichtet und etwas weiter nach vorn geklappt wird. Im Gegensatz zu den anderen Modellen stellt sich der Wischsauger dann sogar aus, statt nur die motorgetriebene Wischwalze zu stoppen. Der Rest erinnert stark an den Dreame: Die Wasserbehälter (Abwasser 500 ml, Frischwasser 600 ml) sind zwar etwas kleiner, weisen aber in etwa die gleiche Form und Mechanik auf. Das Display ist ähnlich groß und zeigt die gleiche Darstellungsart mit rings um den großen Screen verlaufendem Farbband und zentraler Akkustandsanzeige, zeigt aber die Saugkraft etwas anders an und bietet zusätzlich eine WLAN-Anzeige. In der Ladeschale, die in den meisten Haushalten wohl an einer Wand oder in einer Zimmerecke stehen dürfte, steht diese Anzeige von vorn betrachtet quasi „auf dem Kopf“.
Die deutsche Sprachansage klingt freundlicher als die voreingestellte englische. Wer nicht von seinem Wischsauger vollgequatscht werden will, darf sie auch komplett deaktivieren. Dabei gehen Gespräche mit dem Tineco Floor One S3 theoretisch sogar in beide Richtungen – wenn auch mit dem Umweg über Amazon Alexa. Die gibt auf Anfrage Infos, etwa zum Akkustand. Auch hier dürfte gelten: Nett, aber nicht zwingend nötig. Die eigentliche Aufgabe, das Wischen, muss hingegen auf jeden Fall gut funktionieren – und das tut sich auch. Wie bei den beiden Modellen von Roborock und Dreame wird die Motorwalze im Bürstenkopf des Wischsaugers automatisch mit Frischwasser versorgt, während das Schmutzwasser in den entsprechenden Tank abgesaugt wird. Die Reinigungsleistung ist damit ebenfalls hervorragend, Flüssigkeiten, trockener oder sonstiger Schmutz lassen sich damit gut entfernen – bei hartnäckiger Verschmutzung zumindest beim zweiten Drüberwischen. Die Saugkraft wird dabei wie bei den anderen Modellen automatisch geregelt, alternativ darf der Nutzer sie manuell auf das Maximum erhöhen.
Insgesamt ist der Tineco Flor One S3 in der Handhabung steifer als die Modelle von Roborock und Dreame. Das merken Nutzer, sobald sie unter Möbeln wischen wollen – abgesehen davon, dass der Korpus des Wischsaugers wie bei den Konkurrenten dabei im Weg wäre, lässt sich das Gerät nicht gerade ausstrecken. Es bleibt immer ein Winkel von rund 45 Grad zwischen Bürstenkopf und Rest des Akkusaugers. Zudem lässt sich beim Wischen die Richtung nur mit etwas Kraft korrigieren. Die ist nicht so groß, dass es störend wäre, aber weit vom leichtfüßigen Handling von Roborock Dyad (Testbericht) und Dreame H11 Max (Testbericht) entfernt.
Der Akku leistet wie beim Dreame-Modell 4000 mAh und erlaubt damit nach Herstellerangaben eine maximale Reinigungszeit von 35 Minuten. Das reicht locker für 100 Quadratmeter reiner Wischfläche am Stück, anschließend lädt der Wischsauger über 4 Stunden lang. Die Restzeitangabe in der App ist hier hilfreich. Über die Reinigung muss man sich beim Tineco Floor One S3 keine Gedanken machen. Wie bei der Konkurrenz verfügt der Wischsauger über eine Selbstreinigungsfunktion, bei der die Wischwalze kräftig durchgespült wird. Ob das nötig ist, verrät das Gerät per Sprachansage oder Nachricht in der App. Grundsätzlich sollte die Selbstreinigung regelmäßig genutzt und der Abwassertank sollte sogar nach jedem Gebrauch geleert und gereinigt werden, um Geruchsbildung vorzubeugen. Dank zweiter Walze und zweitem, auswaschbarem HEPA-Filter im Lieferumfang können beide Gegenstände sogar für intensivere Reinigung gewechselt werden und dann "an der frischen Luft" trocknen.
Der Tineco Floor One S3 kostet in der UVP des Herstellers 399 Euro – und das ist ziemlich genau der Preis, der auch zum Testzeitpunkt noch aufgerufen wurde.
Natürlich sind akkubetriebene Wischsauger Luxusartikel, denn sie vereinfachen eine Arbeit, die auch ohne technische Hilfe gut und genau genommen sogar noch besser funktioniert. Aber sie nehmen Nutzern die Anstrengung, die mit dem Wischen größerer Flächen verbunden ist.
Das macht der Tineco Floor One S3 definitiv, er bietet schickes Design, ein tolles Display, gute Laufzeit mit passend dimensionierten Tanks und eine gute Reinigungsleistung. Randlos kann er nicht reinigen, wer das möchte, der sollte sich den Roborock Dyad (Testbericht) anschauen.
Etwas günstiger, aber ähnlich gut, ist der Dreame H11 Max (Testbericht). Und wer gar nicht mehr selbst wischen möchte, sollten einen Blick auf den Wischroboter Dreame Bot W10 (Testbericht) werfen.
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