Mit der Eufycam S3 Pro bietet die Anker-Marke Eufy seine erste Überwachungskamera mit einem besonders lichtstarken Objektiv. Dank 4K-Auflösung gelingen ihr Aufnahmen mit vielen Details. Was sie sonst noch kann, zeigt der Test.
Eufy setzt bei der Eufycam S3 Pro auf eine F1.0-Blende, sodass sehr viel Licht auf den 1/1.8" großen Sensor fällt. Damit sollen ihr farbige Nachtaufnahmen ohne Zuhilfenahme von LED-Zusatzleuchten gelingen. Eufy nennt diese Technologie Max Color Vision. Auch andere Hersteller von Überwachungskameras, die mit einer F1.0-Blende eine besonders leistungsfähige Nachtsicht realisieren, vermarkten entsprechende Modelle mit Begriffen wie Night Chroma (Annke), Color X (Reolink) oder Color Pro (TP-Link).
Wie das Vorgängermodell S330 nimmt die S3 Pro Videos mit bis zu 4K-Auflösung mit 3840 × 2160 Pixel bei maximal 15 Bildern pro Sekunde auf. Sogenannte 4K-Überwachungskameras (Bestenliste) bieten mehrere Vorteile: Je höher die Auflösung, desto detailreicher sind die Aufnahmen, sodass 4K-Modelle auch bei der digitalen Vergrößerung, sprich Zoom, mehr Reserven bieten als etwa Varianten mit Full-HD-Auflösung.
In puncto Erkennung kombiniert Eufy bei der S3 Pro einen radargestützten Sensor mit herkömmlicher PIR-Technik und will damit 99 Prozent der Fehlalarme reduzieren. Gegenüber dem Vorgängermodell Eufycam S330 (Testbericht) bietet die S3 Pro auch eine größere Solarfläche für das automatische Aufladen des 13 Ah starken Akkus. Im günstigsten Fall muss die S3 Pro also nicht mehr zum Laden an die Steckdose.
Videos speichert die Eufycam S3 Pro auf einem zentralen Speicher in Form der Homebase S380. Diese bietet eine Speicherkapazität von 16 GByte und kann einer 2,5-Zoll-Festplatte oder -SSD mit SATA-Schnittstelle um bis zu 16 TByte erweitert werden. Zudem integriert die Homebase S380 KI-Funktionen wie Gesichtserkennung, eine einheitliche Ereignisübersicht und fasst Aufnahmen von unterschiedlichen Kameras zusammen. Letztere Funktion nennt Eufy Cross-Kamera-Verfolgung. Damit erhalten Anwender einen Zusammenschnitt eines Ereignisses aus unterschiedlichen Kameraperspektiven. So kann man schneller erfassen, welchen Weg die Eindringlinge zurückgelegt haben. Und zu Homekit ist die S3 Pro inklusive Unterstützung von Secure Video auch kompatibel.
Wie gut die neue Eufycam 3 Pro in der Praxis funktioniert, zeigt der Testbericht.
Die Eufycam S3 Pro wiegt 534 Gramm und misst 69 × 82,4 × 143,5 mm. Damit ist sie etwas größer und schwerer als das Vorgängermodell S330, das auf 65 × 65 × 129 mm kommt und 420 Gramm wiegt. Beides dürfte dem mit 13.000 mAh zu 9.400 mAh größeren Akku geschuldet sein. Das Sichtfeld fällt mit 112° horizontal, 60° vertikal und 135° relativ groß aus. Wie das Vorgängermodell ist die S3 Pro wetterfest nach IP67 und nach Angaben des Herstellers im Temperaturbereich von -20 Grad und 50 Grad Celsius einsetzbar.
Anders als die Eufycam 2 Pro bietet auch die S3 Pro keine magnetische Halterung mehr. Eufy empfiehlt, die Kamera in einer Höhe von zwei bis drei Metern zu montieren. Entsprechendes Befestigungsmaterial wie Dübel, Schrauben und Halterung ist im Lieferumfang enthalten.
Für die Einrichtung der Homebase muss man diese per Ethernet-Kabel mit dem heimischen Router verbinden. Später kann man sie auch per Wi-Fi mit diesem verbinden. Doch das sollte man vermeiden, da eine Ethernetverbindung stabiler ist.
Die Eufy-App ist reaktionsschnell und übersichtlich. Anwender dürften sich daher schnell zurechtfinden. In der unteren Menüleiste befinden sich Schaltflächen für Geräte, Ereignisse, AI-Edge, Sicherheit und Erkunden. Die Startseite (Geräte) listet sämtliche verwendeten Eufy-Kameras mit einem Vorschaubild des letzten Ereignisses respektive Livestream sowie relevante Informationen wie Energieversorgung, Netzwerkstatus und Anzahl registrierter Bewegungen auf.
Die Anzeigereihenfolge der Kameras können Anwender in den App-Einstellungen anpassen. Sie erlaubt außerdem eine Gruppensteuerung, mit der man, je nachdem, ob man zu Hause ist oder nicht, bestimmte Kameraeinstellungen wie Push-Benachrichtigungen oder Videoaufzeichnung aktivieren respektive deaktivieren kann. Diese Betriebsmodi können Anwender manuell festlegen oder per Geofencing bestimmen lassen. Für letzteres muss man der App aber einen dauerhaften Zugriff auf den Standort des Smartphones gewähren.
Unter Ereignisse finden Anwender sämtliche Videoaufnahmen der verwendeten Kameras mit Angaben zur Erkennung (Person, Haustier, Gesicht, Fahrzeug, Bewegung). Hat man mehrere Eufy-Kameras im Einsatz, kann diese Ansicht schnell unübersichtlich werden. Daher gibt es die Möglichkeit, Ereignisse nach Kamera, Ereignistyp, Erkennungsart, Speicherort des Videos und nach Favoriten filtern zu lassen.
Die Schaltfläche AI-Edge führt zu Informationen der in Verbindung mit der Homebase 3 eingeführten KI-Engine Bionic Mind. Dort lassen sich auch Gesichter in Form von Fotos hinzufügen sowie Einstellungen zur Cross-Kamera-Verfolgung vornehmen. Wird ein Gesicht von der KI identifiziert, kann aber nicht einer Person zugeordnet werden, kann man dies manuell erledigen. Somit wird die Funktion über die Zeit optimiert und arbeitet zuverlässiger.
Die Reichweite der Personenerfassung liegt zwischen zwei und acht Metern. Eine Gesichtserkennung erfolgt allerdings nur bis zu einer Entfernung von vier Metern und nur, wenn die Kamera möglichst große Teile des Gesichts erfassen kann. Bei Gesichtern, die in einem horizontalen Winkel von mehr als 45 Grad oder einem vertikalen Winkel von mehr als 30 Grad erfasst werden, funktioniert die Erkennung nicht zuverlässig. Entsprechend diesen Einschränkungen hat die Gesichtserkennung im Test einwandfrei funktioniert.
Während die Kamera bei der Bewegungserkennung zwischen Personen, Gesichtern, Haustieren und Fahrzeugen differenzieren kann, verschickt die App standardmäßig eine Benachrichtigung, sobald eine dieser Bewegungen erkannt wurde. Von Vorteil ist es daher, dass man Benachrichtigungen von Ereignissen mit bekannten Gesichtern in den Einstellungen der Homebase ausblenden kann.
Im Test hat ansonsten die Bewegungserkennung zuverlässig funktioniert. Die im Garten umherlaufenden Tiere wie Katze und Igel (siehe auch Bildergalerie) hat die Eufy-Lösung ohne Ausnahme als Haustier und nicht als Person identifiziert. Umgekehrt ist die Weste nicht ganz so weiß: Steht eine Person mit dem Rücken zur Kamera und wird von dieser nur die Frisur erfasst, „sieht“ die Kamera ebenfalls ein Tier. Allerdings sind derartige Fehlalarme prinzipbedingt eher selten und treten im Test auch mit Überwachungskameras anderer Hersteller auf.
Neben der Möglichkeit, einen Aktivitätsbereich für die Bewegungserkennung festzulegen, können Anwender außerdem noch sogenannte Datenschutzzonen definieren. Entsprechend konfigurierte Bereiche werden dabei geschwärzt (siehe auch Bildergalerie).
Dank eingebautem Mikro und bis zu 100 dB lautem Lautsprecher, der auch als Sirene fungieren kann, bietet die Eufycam S3 Pro auch eine Gegensprechfunktion. Wie üblich sollte man bauartbedingt aber keine Hi-Fi-Qualität erwarten. Den Zweck erfüllt sie aber: Beide Seiten können sich gut verstehen.
Ein Highlight ist der in der App integrierte Power Manager, der nicht nur Daten zur Erkennung liefert, sondern auch Informationen zum Akku und Solarladung bereitstellt. Und eine Diebstahlerkennung bietet die S3 Pro ebenfalls.
Die Bildqualität der Eufycam 3 Pro ist tagsüber bei guten Lichtverhältnissen ohne Fehl und Tadel. Bei Gegenlicht gelingt die Belichtung allerdings nicht immer optimal. Nachts liefert sie dank F1.0-Blende bei genügend Restlicht detailreiche und klare Aufnahmen. Allerdings kann sie diesbezüglich nicht mit der Annke NCD800 oder Annke NCBR800 nicht mithalten, sodass man bei zunehmender Dunkelheit die zusätzliche LED-Beleuchtung für farbige Aufnahmen oder die Infrarot-Beleuchtung für Aufnahmen in Schwarzweiß aktivieren muss (siehe auch Bildergalerie). Das kann man entweder manuell erledigen oder automatisch über die Option Bewegungsaktiviertes Licht. Damit die Helligkeit der LED-Beleuchtung nicht zu stark ausfällt, sollte man die Option Adaptive Helligkeit einschalten.
Eine Sprachsteuerung unterstützt die Eufycam S3 Pro über Amazon Alexa und Google Assistant. Im Test hat die Koppelung mit Alexa funktioniert, und der Livestream zeigt sich auf einem Echo Show 8 fast ohne Zeitversatz.
Wie alle mit Akku betriebenen Überwachungskameras unterstützt auch die Eufycam S3 Pro nicht den Onvif-Standard. Daher kann man sie in andere Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) wie Home Assistant (Testbericht) nicht ohne Weiteres integrieren. Für Home Assistant existiert allerdings eine Integration für Eufy-Überwachungskamera. Die Eufycam S3 Pro wird allerdings bisher nicht unterstützt. Da die S3 Pro aber einen RTSP-Stream auf Wunsch bereitstellt, gelingt eine Einbindung in Synology Surveillance Station (Testbericht). Allerdings bleibt die Auflösung dabei auf Full-HD begrenzt. Das Gleiche gilt für die offizielle Unterstützung für Homekit inklusive Secure Video (siehe auch Bildergalerie).
Die Eufycam S3 Pro kostet im Set mit zwei Kameras und einer Homebase S380 regulär 649 Euro. Aktuell ist das Set bei Tink für 589 Euro im Angebot. Im Set mit nur einer Kamera ist die Lösung für 340 Euro erhältlich. Wer schon eine Homebase S380 im Einsatz hat, bekommt die Eufycam S3 Pro einzeln für aktuell 226 Euro und im 2er-Set für 400 Euro.
Als Alternative zur S3 Pro bietet sich die Eufycam 3 (S330) an, die ebenfalls mit einer 4K-Auflösung aufwarten kann. Auf ein lichtstarkes Objektiv muss man allerdings verzichten. Doch dafür kostet sie im 2er-Set mit Homebase S380 auch nur 288 Euro.
Eufy bietet mit der Eufycam S3 Pro eine kabellose Überwachungskamera mit 4K-Auflösung, die über ein lichtstarkes Objektiv verfügt, das auch bei Dunkelheit in der Lage ist, farbige Videos aufzunehmen. Das gelingt aber nur bei genügend Restlicht. Bei zunehmender Dunkelheit ist der Einsatz der LED-Zusatzbeleuchtung nötig, um einwandfreie Bilder in Farbe zu erhalten. Alternativ kann man dafür auch die Infrarot-LEDs für Schwarz-Weiß-Aufnahmen nutzen. Insgesamt ist die Bildqualität gut, aber nicht so gut wie bei der Annke NCD800 oder Annke NCBR800.
Dafür ist die Eufy-App absolute Spitzenklasse. Sie bietet eine zentrale Ansicht von Ereignissen aller verwendeten Eufy-Kameras und liefert auch nützliche Statistiken zum Akkuverbrauch und zur Solarladung. Obendrein bietet sie mit der Cross-Kamera-Verfolgung eine Funktion, mit der bislang kein anderer Mitbewerber aufwarten kann. Im Test hat die Eufycam S3 Pro auch in puncto Bewegungserkennung überzeugt.
Leider ist das Set aus zwei Kameras und einer Homebase S380 mit aktuell 589 Euro nicht gerade günstig und die eingeschränkte Kompatibilität zu Smart-Home-Systemen ist ebenfalls zu bemängeln. Hier bietet Reolink mit seinem Home Hub, über den sämtliche daran angeschlossene Akku-Überwachungskameras per Onvif Anschluss an die Außenwelt finden, die klar bessere Lösung. Dafür gibt es bei Reolink keine Cross-Kamera-Verfolgung und auf eine zentrale Ansicht für erkannte Ereignisse muss man ebenfalls verzichten.
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